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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 16. August 2017

Großfrauentag in Loretto - Segnung der Gnadenkapelle, 15. August 2017

Einer alten Tradition nach befindet sich in Loreto in Italien das Haus der Heiligen Familie. Engel hätten es von Nazareth im Heiligen Land über Trsat bei Rijeka in Kroatien ins heutige Italien gebracht. 1644 unternahm Freiherr Hans Rudolf von Stotzingen eine Wallfahrt nach Loreto in Italien und brachte eine Kopie des Gnadenbildes mit. Zunächst stellte er die Statue in seinem Schloss in Seibersdorf auf, um sie dann noch im selben Jahr auf ihren heutigen Ort zu übertragen – eine Kapelle in Form des hl. Hauses mit der Kopie der Gnadenstatue aus Loreto in Italien. Diese Gnadenkapelle wurde in den vergangenen Monaten umsichtig renoviert und wird heute am Großfrauentag gesegnet und den Pilgern zum Gebet und zur Verehrung wieder geöffnet!

Das Bild vom Haus der Heiligen Familie lässt mich in dieser Predigt mit Euch gemeinsam im Blick auf Maria über 3 Häuser nachdenken, die für unser Leben von großer Bedeutung sind.

Das erste Haus ist das Haus der Familie. "Das Wohl der Familie ist entscheidend für die Zukunft der Welt und der Kirche", sagt Papst Franziskus in seinem Schreiben zur Familiensynode im Vorjahr in Rom (AL 31), und er hat damit auch Recht! Der Familienbegriff und die Situation der Familien haben sich in den vergangenen Jahrzehnten in vielerlei Hinsicht grundlegend verändert. Der Bogen spannt sich inzwischen vom traditionellen Familienbild von Vater-Mutter-Kind über Patchworkfamilien bis hin zu Lebensgemeinschaften und Alleinerziehenden. Die Vielfalt und Buntheit heutiger Familienformen sprengt also das traditionelle Familienbild, das über Jahrhunderte hinweg Kirche und Gesellschaft geprägt hat. Wie immer heutige Familienformen auch aussehen, eines bleibt: Die Familie bleibt der Ort von Geborgenheit Nähe und Zuwendung, der das Gelingen von Beziehungen unterstützt und das Wachsen sowie die Entfaltung von Kindern ermöglicht und fördert. Zärtlichkeit, Zuwendung und Zeit machen die Kostbarkeit einer Familie aus. Sie sind so etwas wie die "Grundnahrungsmittel", die jeder Mensch zum Leben braucht. Im Blick auf Maria daher heute die Frage an uns alle: Wie sieht es im Haus unserer Familie aus? Haben wir diese Grundnahrungsmittel noch in unseren Häusern und Familien – Zärtlichkeit im Umgang miteinander, Zuwendung in den versch. Situationen und Zeit füreinander? Oder sind sie uns verlorengegangen und haben wir sie gegen andere, scheinbar wichtigere Dinge eingetauscht? Wie sehr sehnen wir uns alle nach einer glücklichen Familie und wie leiden wir, wenn Familienleben nicht gelingt, zerbricht und auseinanderfällt! Vergessen wir nie: die Familie ist und bleibt das Fundament und die Keimzelle der Gesellschaft, sie gilt es zu fördern u. zu schützen! Denn krankt die Familie, dann krankt auch die Gesellschaft! Jesus selber ist in einer Familie im Haus von Nazareth aufgewachsen, hat das Familienleben mit seinen Herausforderungen gekannt, durchlebt und geheiligt!

Das zweite Haus ist das Haus der Kirche und christlichen Gemeinde. Bei der päpstlichen Umfrage zu Ehe und Familie im Vorfeld der Synode kam in Österreich klar zum Ausdruck: Die Familie ist die erste Schule des Glaubens und ein zentraler Ort der Evangelisation. Darin braucht sie aber die Hilfe der Kirche und der christlichen Gemeinde. Wo das christliche Leben in der Familie praktiziert wird, da ist die Bindung an die christliche Gemeinde vorhanden. Gebet, Gottesdienst, Nächstenliebe verlangen nach Gemeinschaft und werden konkret im Leben der Pfarrgemeinde. Weil heute viele Familien nicht mehr die erste Schule des Glaubens sind, braucht es die besondere Aufmerksamkeit und Hilfe der Pfarre. Wie sieht es damit in unseren Pfarrgemeinden aus? Sind Kinder und Jugendliche in unseren Pfarren wirklich willkommen, so dass sie mitreden, mitgestalten und Aufgaben übernehmen dürfen? Können sie an uns Erwachsenen die Freude am Glauben und an der kirchlichen Gemeinschaft erfahren? Trauen wir ihnen etwas zu oder sagen wir ihnen nur wo es lang geht? Lernen sie von uns die Bedeutung von Gebet, Gottesdienst, Empfang der Sakramente, Nächstenliebe, Pilgern, christliche Werte – etwa die Haltungen Mariens im Magnifikat? Wenn wir wollen, dass Glaube und Kirche bei uns Zukunft hat, braucht es lebendige Pfarren, die für alle offen sind, in denen Christsein glaubwürdig gelebt wird – wo man betet und teilt, wo man mit dem Blick Jesu einander begegnet, wo es nicht heißt wie du mir so ich dir, sondern wie Gott mir so ich dir, wo Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit gelebt werden, wo nicht Lüge, Neid und Rücksichtslosigkeit das sagen haben, sondern Liebe, Vertrauen, Respekt vor der Würde der Anderen. Pfarren, christliche Gemeinden und Gemeinschaften, die so leben, die wie Maria im Evangelium des Magnifikats Gottes Größe preisen, werden auch heute einladend, überzeugend, anziehend und damit echte Schulen des Glaubens und Orte der Evangelisation sein! Als Bischof wünsche ich mir viele solche Pfarren in unserer Diözese!

Das dritte Haus ist das Haus der Gesellschaft. Wenn das Wohl der Familie entscheidend für die Zukunft der Welt und Kirche ist, dann muss auch alles getan werden, um diese wichtige Urzelle unserer Gesellschaft zu fördern, schützen und weiter zu entfalten. Ein Blick in unsere Gesellschaft zeigt neben Fortschritten auf vielen Gebieten, dass die Würde des menschl. Lebens, Institutionen wie Ehe und Familie, traditionelle Institutionen wie die Kirche und das Religiöse immer mehr aus dem öffentlichen Leben verdrängt werden, man sagt sogar, sie seien für eine freie Entwicklung des Menschen hinderlich. Andererseits fördert die Politik bei uns und in Europa heute alles, was bei Wahlen Stimmen bringt – auch wenn es dem Aufbau der Gesellschaft nicht dient, zerstörend ist – Hauptsache es ist "in" und bringt was. Vom christlichen Geist des Abendlandes, der heute oft beschworen wird, ist nicht viel zu spüren – im Gegenteil – man hat das Gefühl die Menschen leben nach dem Motto der alten Römer "Brot und Spiele" und sie sind damit zufrieden! So wird das Haus der Gesellschaft nicht aufgebaut, sondern abgebaut und ausgehöhlt. Eine solche Gesellschaft stagniert, klagt und ist immer unzufrieden, hat letztlich keine Zukunft! Braucht es in unserer Gesellschaft nicht eine Umkehr und Wende? Wer das sagt, macht sich nicht beliebt, wird keine Wahlen gewinnen! Im Blick auf Maria sind wir alle aufgerufen einen einfachen Lebensstil zu führen, nicht auf Kosten der nächsten Generation zu leben, auch nicht auf Kosten der Armen und Benachteiligten! Im Blick auf Maria sind wir aufgerufen einander mit unseren Talenten zu dienen und die Not unserer Mitmenschen zu sehen und ihr zu begegnen! Im Blick auf Maria sind wir aufgerufen Leben anzunehmen, zu fördern und zu schützen aber sich am heutigen Fest der Aufnahme Mariens mit Leib und Seele in den Himmel erneut bewusst zu werden, dass auch wir wie Maria zum Leben bei Gott berufen sind! Wer das glaubt, der lebt sein Leben auf Erden bewusster, weiß um seine Zukunft, hat Hoffnung!

Wenn ich am Großfrauentag die renovierte Gnadenkapelle – das Haus der Hl. Familie – segne, dann empfehle ich Unserer Lieben Frau von Loretto besonders das Haus unserer Familien, das Haus der Kirche, unsere Diözese mit ihren Pfarren, das Haus der Gesellschaft in Österreich, Europa und in der ganzen Welt, aber auch Eure Anliegen, die Ihr mitgebracht habt! Als Bischof danke ich allen, die zum Gelingen dieses großen Werkes beigetragen haben – den Patres, der Pfarre Loretto, dem Verein der Freunde der Basilika, den Restauratoren, Bundesdenkmalamt, unserer Diözese und dem Bauamt, dem Land Burgenland und der politischen Gemeinde, den unzähligen Wallfahrern, Wohltätern und Spendern – mögen ihre Namen im Haus der Heiligen Familie eingeschrieben sein und mögen sie im Leben und im Tod die Hilfe Jesu, Mariens und Josefs erfahren!

Mit Papst Franziskus bitte und bete ich in dieser so festlichen Stunde: "Heilige Familie von Nazareth, mache auch unsere Familien zu Orten innigen Miteinanders und zu Gemeinschaften des Gebetes, zu echten Schulen des Evangeliums und zu kleinen Hauskirchen!" Amen.