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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Freitag, 18. August 2017

Diözesanwallfahrt Fatima - Erscheinungskapelle am 17. August 2017

Im Jubiläumsjahr "100 Jahre Marienerscheinungen in Fatima" sind wir als Diözese heuer ganz bewusst als Pilger nach Fatima gekommen und dürfen jetzt hier in der Cova da Iria an der Erscheinungskapelle als Höhepunkt unserer Diözesanwallfahrt die heilige Messe feiern. Wir tun dies vor der uns allen bekannten Statue Unserer Lieben Frau von Fatima, die uns die Botschaft von Fatima am besten und kürzesten vermittelt. Diese Gnadenstatue mit ihrer Botschaft möchte ich nun in meiner Predigt zu uns sprechen lassen. Beim Anblick der Statue fallen einem sofort 3 Dinge auf, die eine tiefere Bedeutung haben.

Maria mit gefalteten Händen, an denen ein Rosenkranz hängt. Damit soll wohl die erste und wichtigste Botschaft von Fatima, die Maria den 3 Hirtenkindern anvertraut hat zum Ausdruck kommen – nämlich die schlichte Bitte: Betet! Betet den Rosenkranz für den Frieden in der Welt. Diese Botschaft von Fatima ist heute genauso aktuell wie vor 100 Jahren. Wir sind in einer ähnlichen Situation wie 1917. Kriege, Hungersnöte, Flüchtende, Vertriebene, Verfolgte sowie Naturkatastrophen, Hass, Terror. Dazu kommen noch die seelischen Nöte des modernen Menschen, auch unsere ganz persönlichen Nöte. Wir nehmen in diesen Tagen hier am Rosenkranzgebet und an der Lichterprozession teil und bringen dabei unsere eigenen Anliegen und Nöte sowie die unserer Lieben mit und tragen sie vor Gott. Wir zeigen damit, dass wir in einer bedrängten Zeit für Europa und die ganze Welt der Macht des Gebetes vertrauen und als Christen auch heute Lichtträger, Brückenbauer und Friedensboten sein wollen. Im Blick auf die Gnadenstatue von Fatima müssen wir aber zugeben, dass der Wert des Gebetes im Alltag des christlichen Lebens oft verkannt und dadurch auch in unseren Familien kaum mehr gebetet wird. Das Gebet ist aber unsere Verbindung und Vereinigung mit Gott. Das Gebet ist die Himmelsleiter, auf der wir zu unserem Vater emporsteigen, denn beten heißt ja, im Geiste pilgern zu Gott. Oder wie der hl. Augustinus so treffend sagt: "Dein Gebet ist ein Sprechen mit Gott. Wenn du die Heilige Schrift liest, spricht Gott zu dir; wenn du betest, sprichst du zu Gott." Die Fähigkeit zu beten, mit der wir ausgestattet sind, ist eine Fähigkeit, die wir weiterentwickeln können, indem wir regelmäßig beten. Sie ist aber ebenso eine Fähigkeit, die durch ungenügenden Gebrauch absterben kann. Wie der Athlet und Musiker nicht immer "in der Stimmung" sein mögen, ihre Fähigkeit zu üben, so mag auch der Beter nicht immer "in der Stimmung" sein zu beten. Doch wenn er sein Gebet nur von seiner Stimmung abhängig macht, wird er bald bemerken, dass er seine Fähigkeit zu beten verloren hat. Das regelmäßige Gebet erhält unsere Fähigkeit zu beten am Leben. Diese Wallfahrt nach Fatima möge in uns das Gebet – die Verbindung mit Gott - stärken, damit wir, wenn wir von der Cova da Iria wieder in unsere pannonische Heimat zurückkehren, die Herausforderungen im Leben und Glauben bestehen können, dort Lichtträger/Friedensboten sind, wohin uns Gott in Kirche und Gesellschaft gestellt hat. Die Glocke erinnert uns dreimal täglich – morgens, mittags und abends – an das Gebet. Beten wir wieder in unseren Familien und Pfarrgemeinden den Rosenkranz, damit wir Jesu Leben, Leiden, Tod und Auferstehung – sein Evangelium – nicht vergessen – die Gnadenstatue von Fatima mit ihren gefalteten Händen und dem Rosenkranz erinnert uns daran!

Maria trägt ein langes weißes Kleid. Dieses weiße Kleid soll wohl an das Gewand Jesu erinnern, das auf dem Berg Tabor bei der Verklärung plötzlich leuchtend weiß wurde. Schon bei der Taufe bekamen wir es mit den Worten angelegt: "Dieses weiße Kleid soll dir ein Zeichen dafür sein, dass du in der Taufe neu geschaffen bist und – wie die Schrift sagt – Christus angezogen hast. Bewahre diese Würde für das ewige Leben!" Im Kommunion- und Brautkleid, aber auch in der weißen Albe des Priesters und dem weißen Totenkleid werden wir daran erinnert: Christus "anziehen" heißt, auch einmal an seiner Unsterblichkeit teilzuhaben. Und wenn wir unser weißes Kleid beschmutzen, ausziehen oder ganz ablegen, brauchen wir nicht zu resignieren, weil im Bußsakrament und in der Reue eine "zweite Taufe" möglich ist, eben durch Umkehr und Buße! Und die Bibel selber verheißt uns im letzten Buch der Offenbarung des Johannes: Um den Thron Gottes werden einmal die in weißen Gewändern stehen, die ihre befleckten Gewänder "im Blut des Lammes" weißgewaschen haben. (Offb 7,14) Im Blick auf die Gnadenstatue von Fatima werden wir an das weiße Kleid erinnert, das wir bei unserer Taufe angezogen haben. Wir alle müssen zugeben, dass wir unserer Berufung aus Taufe und Firmung und Weihe nicht immer entsprechen und unser Taufkleid beschmutzen oder auch abgelegen. In Fatima nimmt uns Maria an der Hand und führt uns auf den Weg der Umkehr und Buße zur hl. Beichte, damit wir uns mit Gott und dem Nächsten versöhnen und unser Kleid wieder rein waschen. Nützen wir in diesen Tagen und an diesem heiligen Ort das Angebot der Beichte und Aussprache! Das lange weiße Kleid der Gnadenstatue von Fatima erinnert uns an die Botschaft von Umkehr und Buße, an die Stimme aus der Wolke: "Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!" Oder um es mit Maria bei der Hochzeit zu Kana zu sagen: "Was er euch sagt, das tut!"

Maria trägt eine große Krone. Das Tragen einer Krone ist ein Zeichen von Macht und Herrschaft. Die Krone am Haupt Mariens bedeutet aber genau das Gegenteil: sie ist ein Geschenk von jemanden anderen. Sie will uns sagen: Alles, was ich bin, bin ich durch einen anderen, nicht durch mich selbst. Die gekrönte Maria sagt uns, dass das Leben und der Glaube ein großes Geschenk – eine Gnade – sind, wofür wir dankbar sein sollen!

Die Krone am Haupt Mariens zeigt auch die fürbittende Mutterrolle der Königin im Mittelalter. Für die Menschen damals war die Königin die größte Hoffnung, Begnadigungen zu erwirken, Geschenke und Auszeichnungen zu erbitten. Sie war für´s Volk die schenkende Hand des Königs. Die gekrönte Maria will uns sagen: Du darfst dich zu Gott hintrauen so wie du bist. Du brauchst keine Angst zu haben. Ich lege für dich Fürbitte ein, denn ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Die Krone am Haupt Mariens wird von den Künstlern oft übertrieben groß dargestellt. Sie zeigen damit, dass in Maria schon all das erfüllt ist, wonach wir Menschen uns sehnen. Maria ist daher für uns die große Hoffnung, dass auch unsere Sehnsucht nach Leben und Glück in Erfüllung gehen wird. Schließlich hat die Krone am Haupt der Statue von Fatima noch eine Besonderheit – Sie birgt die Kugel, die Papst Johannes Paul II. beim Attentat am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz in Rom getroffen und schwer verletzt hat. Es war sein Wunsch, dass diese Kugel in die Kro-ne der Gnadenstatue von Fatima – der Königin des Friedens – eingesetzt wurde, weil er ihr seine Rettung verdankte. Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch am 12. Mai 2010 an dieser Stelle dazu gesagt: "Wie tröstlich ist es zu wissen, dass Maria nicht nur eine Krone aus dem Gold und Silber unserer Freuden und Hoffnungen trägt, sondern auch aus den ‚Kugeln‘ unserer Sorgen und Leiden." Deshalb kommen Menschen aus aller Welt hierher zu ihr mit ihren Freuden und Hoffnungen, aber auch mit ihren Sorgen und Leiden. Die große Krone, die Maria am Haupt trägt, erinnert uns alle an das große Geschenk des Lebens und des Glaubens, an ihre Mütterlichkeit und das fürbittende Einstehen für andere, an die Gewissheit, dass ihr auch unsere Freuden und Leiden bekannt sind sowie an die Hoffnung, dass unsere Sehnsucht nach Leben und Glück in Erfüllung gehen wird.

Ich schieße diese Predigt mit einem Gebet, das ich heute als Pilger und Bischof für uns alle vor der Gnadenstatue Unserer Lieben Frau von Fatima vortrage – vor Maria mit den gefalteten Händen und dem Rosenkranz, vor Maria, die ein langes weißes Kleid trägt und vor Maria mit der großen Krone – und bitte sie:

Gegrüßt seist Du, Mutter des Herrn, Jungfrau Maria, Königin des Rosenkranzes von Fatima!

Deinem Unbefleckten Herzen weihe ich mich mit allem, was ich bin und habe. Nimm mich unter deinen mütterlichen Schutz. Bewahre mich vor allen Gefahren. Hilf mir, die Versuchungen zu überwinden, die mich zum Bösen verleiten. Dein Unbeflecktes Herz sei meine Zuflucht und der Weg, der mich zu Gott führt.

Vereint mit meinen Brüdern und Schwestern, im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe, rufe ich zu Dir und empfehle Dir unsere Familien, die Eltern, Kinder und Jugendlichen, die Alten und Kranken, die Suchenden, Verwundeten, Verfolgten, Flüchtlinge und Verstorbenen, unsere Diözese mit ihren Pfarrgemeinden, die Kirche und Gesellschaft in der ganzen Welt: Erbitte uns von Gott neue geistliche Berufungen und erhalte in den Berufenen die Freude und die Treue, vor allem aber erflehe uns Umkehr und Frieden, Einheit und Versöhnung!

Unsere Liebe Frau von Fatima mit den Hirtenkindern Francisco, Jacinta und Lucia, bittet für uns! Amen.