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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 3. Juli 2017

Primizpredigt für Kurt Aufner in Pinkafeld - 2. Juli 2017

Vor genau 30 Jahren, lieber Primiziant, war ich selbst als Neupriester in Deiner jetzigen Situation, und habe damals meinem Onkel Valentin als Primizprediger gelauscht. Damals warst Du gerade mal ein Jahr alt und das Jahr Deiner Geburt, 1986, war das Jahr, in dem unsere Welt ihre spezielle kulturelle und politische Erscheinungsform besaß. Noch herrschte der Kalte Krieg. Ein so genanntes atomares "Gleichgewicht des Schreckens" zwischen Ostblock und Westmächten gab unserer Welt eine scheinbare Stabilität, nach der sich heute nicht wenige Menschen – kurzsichtigerweise! – zurücksehnen.

Der vor wenigen Tagen verstorbene englische Schauspieler Roger Moore spielte in jenem Jahr 1986 zum letzten Mal den weltbekannten Geheimagenten James Bond – eine fiktive Figur, die wie ein profaner Nothelfer für Gerechtigkeit sorgt und die Welt vor dem Untergang bewahrt. Und als ich mir vor kurzem Roger Moores letzten Bond-Film im Fernsehen ansah, da fiel mir plötzlich der neue Priester unserer Diözese ein. Denn auch Priester sind Männer mit einer Mission, ausgestattet mit bestimmten Talenten und "Werkzeugen". Und der Vergleich drängte sich mir noch stärker auf, als mir in dem Film sieben technische Wunderwaffen auffielen, die Dir, lieber Primiziant, als technisch begabtem Menschen mit einem HTL-Abschluss sicher gefallen hätten, falls Du den Film nicht ohnehin kennst. Da gab es:

· ein als Eisberg getarntes Minischiff;
· einen als Rasierapparat getarnten Wanzenaufspürer zum Entdecken von Abhörgeräten;
· eine "Kreditkarte", mit der man Alarmanlagen ausschalten konnte;
· eine ferngesteuerte "Ente" zur Feindesüberwachung;
· eine Kamera, die in James Bonds Ring eingebaut war;
· ein Utensil, mit dem Bond ein Durchschlagsexemplar vom Scheckbuch des Bösewichts machte;
· und zuletzt eine Spezialbrille, mit der man durch verspiegelte Fenster sehen konnte.

Vielleicht wäre auch aus Dir, lieber Kurt, ein Erfinder ähnlicher technischer Geräte zur Problembewältigung geworden. Deine Ausbildung und Dein Talent als Ingenieur lassen das nicht ganz unmöglich scheinen. Doch in Dir gab es immer schon eine andere Sehnsucht. Schon früh hast Du ministriert, hast mit Deinen Geschwistern die Messe nachgespielt und dabei den Priester nachgeahmt. Heute feierst Du selbst als Priester Deine Primizmesse. So möchte ich Dir – quasi als Wegzehrung – die sieben Punkte vor Augen stellen, in denen sich die Mission eines Priesters – Deine Mission! – von jener des Geheim-agenten und Weltenretters James Bond grundlegend unterscheidet:

1. Unterschied: Die Art der Mission. James Bond ist meist in geheimer Mission unterwegs, um die Welt vor dem drohenden Untergang oder vor einem üblen Bösewicht zu retten. Die Mission der Jünger Jesu – Deine Mission! – ist hingegen offen sichtbar und hat einen ganz anderen Sinn: Du sollst Menschen, denen Du unterwegs begegnest, zur Umkehr einladen. Du sollst sie auffordern, das, was in ihrem Leben nicht so gut läuft, mit Gottes Hilfe zu entdecken und zum Guten zu verändern! Die Jünger Jesu helfen und heilen Menschen in ihrer Not. Denn die Veränderung und Rettung der Welt setzen immer zuerst beim einzelnen Menschen und bei einem selbst an.

2. Unterschied: Die Gehilfen. Während James Bond entweder allein oder mit einer hübschen Frau unterwegs ist, haben sich die Jünger Jesu zu zweit auf den Weg gemacht. Sie wurden paarweise ausgesandt, damit sie füreinander als Zeugen wirken. Denn stimmen 2 Zeugen in einer Sache überein, so gilt ihr Zeugnis als vollwertig und rechtsgültig. Der Herr selber bestimmte und bestellte so seine Boten und gab ihnen damit amtlichen Auftrag und ihrer Sendung rechtlichen Charakter. Zudem hatten sie zu zweit die Möglichkeit, sich auszutauschen und gegenseitig zu bestärken, einander auch nach einer missglückten Mission Mut zu machen. Mögest auch Du stets die Gemeinschaft mit Deinen Mitbrüdern im Priesteramt – vor allem im Presbyterium unserer Diözese – pflegen und daraus Kraft/Freude für Deinen Dienst beziehen!

3. Unterschied: Das Equipment. James Bond ist meist mit allen technischen Raffinessen, mit teuren Autos, feinster Garderobe und Kreditkarten ausstaffiert. Deine Ausrüstung ist viel bescheidener: Du sollst stets ein Pilger ohne großen Geldbeutel sein – so wirst Du nicht abgelenkt von materiellen Dingen, behältst Dein Augenmerk auf dem Auftrag, den Jesus Dir gegeben hat. Dein persönliches "Equipment" dazu hast Du bereits bei der Priesterweihe erhalten:

· Die priesterlichen Gewänder, die Dich nicht mit Eitelkeit erfüllen, sondern Dich stets daran erinnern sollen, dass Du Dich ausgezogen und den angezogen hast, der Dich durch die Taufe in seine Kirche berufen hat.
· Die Salbung Deiner Hände als Zeichen der Befähigung und der Sendung, den Wohlgeruch Christi durch Wort und Tat in unsere verwundete und oft übelriechende Welt zu tragen.
· Und: die Hostienschale und den Kelch, die beide das Geheimnis unseres Glaubens bergen und die sich in Deinem Leben immer neu füllen mögen mit den Anliegen und Nöten der Menschen, damit Du sie Gott darbringst und Er alles wandelt, was Du Ihm anvertraust. Schale und Kelch prägen die Haltung unseres Dienstes.

Diese besonderen Weihegaben, die Du empfangen hast, führen mich zum 4. Unterschied zwischen priesterlicher Mission und gewaltorientierter Weltverbesserung: Zum Trouble-Shooting. Von James Bond wissen wir, dass er für Konfliktsituationen besonders ausgefeilte Waffen bei sich trägt. Das können Kugelschreiber mit eingebauter Laserwaffe sein, Armbanduhren mit Sprengstoff oder Raketenwerfer, die in seinem Sportwagen versteckt sind. Er geht notfalls im wahrsten Sinne des Wortes durch die Wand, um Hindernisse zu überwinden und sein Ziel zu erreichen. Mit einer ganz anderen Strategie werden die Jünger von Jesus ausgestattet. Im heutigen Evangelium brachte Petrus selbst es zur Sprache: "Herr, Du hast Worte ewigen Lebens." Jesus fordert also keine gewaltsame Zwangsbekehrung, auch kein Überreden mit vorgehaltener Pistole, sondern er ruft die Menschen in ihrem freien Willen durch sein ewiges Wort. Die Frage des Petrus, "Zu wem sollen wir gehen?", ist damit zugleich eine Antwort für die Menschen aller Zeiten, und erst recht der heutigen Zeit. Es ist die Antwort, an die auch Du die Menschen immer erinnern sollst und an die Dich selber auch Dein Primizspruch immer wieder erinnert.

5. Unterschied: Die Art der Lizenz. James Bond hat bekannterweise die Lizenz zum Töten. Davon macht er in den Filmen oft Gebrauch. Er geht über Leichen. Ganz anders die Jünger Jesu. Sie bekommen von Jesus die Lizenz zum Heilen. Im Namen Jesu Christi treiben sie Dämonen aus und heilen Kranke. Sie setzen sich ein, Leben zu schützen und zu erhalten. Heilen sollst auch Du, lieber Neupriester, indem Du an der Seite der Menschen gehst, sie auch und gerade an den Rändern der Gesellschaft aufspürst, und ihnen durch Dein eigenes Lebensbeispiel von Gott erzählst, sie dabei unterstützt, ihre Wunden ans Licht zu halten und geheilt zu werden. "Wie eine Mutter für ihre Kinder sorgt" – so sagt es Paulus im 1. Thessalonicherbrief – so sollst auch Du den Menschen zugetan sein, sie nicht nur am Evangelium teilhaben lassen, sondern auch an Deinem eigenen Leben mit all seinen reichen Erfahrungen. Du bist in einem SOS-Kinderdorf aufge-wachsen. Auch James Bond, die literarische Figur, die die Welt retten soll, ist nicht in einer herkömmlichen Familie aufgewachsen. Sein Leben beginnt schon sehr jung mit Herausforderungen, und er versucht, sich ein Leben lang mit seiner Walther PPK den Weg aus seiner schwierigen Innenwelt heraus freizuschießen – mit mäßigem Erfolg. Noch so viele Martinis, ob geschüttelt oder gerührt, noch so viele Affären, und auch nicht das Wissen, größenwahnsinnige Verbrecher zur Strecke gebracht zu haben, bringen ihm den Seelenfrieden, nach dem er sich sehnt. Du, lieber Kurt, hast den besseren, wenn auch nicht immer leichteren und populären Weg gewählt! Du bist heute vielen Menschen Familie geworden. Als Seelsorger und Religionspädagoge entfaltest Du Deine Gaben im Unterrichten junger Menschen, als Liturge trägst Du beim Gottesdienst bei zum Glanz des Hauses Gottes als einem Zuhause für alle Menschen. Mögen Dir auch die karitativen Belange unserer Kirche und Gesellschaft stets ein Anliegen sein. Hier darf der verstorbene Roger Moore ein Vorbild sein: Als Privatperson – nicht als Geheimagent – hat der Schauspieler sich mehr als zwanzig Jahre lang weltweit für die Rechte von Kindern eingesetzt.

Was wird Deine Mission noch ausmachen?

6. Unterschied: Die Selbstdarstellung. James Bond stellt sich als Superagent dar, als eine Art "Superman". Unverwundbar und cool, selbst wenn ihm das eigene Blut über die Augen rinnt. Bond ist ein moderner Götze, der für seine Stärke bewundert und angebetet wird. Die Jünger Jesu haben diese Form der Selbstdarstellung nicht nötig, denn sie sind unterwegs im Namen des Herrn. Sie verweisen bei allem, was sie tun, auf Jesus. Sie sehen sich selbst als Wegweiser zu einem erfüllten Leben mit Gott. "Nicht, um den Menschen zu gefallen", nicht, "um Ehre bei ihnen zu suchen", nicht, um zu schmeicheln, sie irrezuführen oder zu betrügen – wir haben es in der 2. Lesung klar gehört –, sondern zur Ehre Gottes. Priesterliche Selbstdarstellung ist ein gefährliches Gift unserer Zeit, vor dem Du, lieber Neupriester, bewahrt bleiben mögest! Binde die Menschen an Jesus und nicht an Dich!

7. und letzter Unterschied: Der Drehbuchautor. James Bond ist erfunden, seine Abenteuer entspringen diversen Romanvorlagen. Es geht dabei um gute und spannende Unterhaltung sowie um volle Kassen. Das Evangelium hingegen ist keine Fiktion, und es hat eine andere Zielrichtung: Es geht darum, dass Jesus seine Anhänger und auch Dich einlädt, die frohe Botschaft weiterzugeben, so wie er sie weitergegeben hat.

Auch der brutalste James-Bond-Film geht mit einem Happy End zu Ende. Der Bösewicht ist besiegt, die tödliche Gefahr beseitigt und James Bond ist der strahlende Held, der seine Mission erfolgreich beendet hat.

Die Mission Jesu ist noch nicht abgeschlossen! Solange es auf dieser Welt Christen gibt, bist Du als Priester aufgerufen, anderen Zeugnis von Deinem Glauben zu geben. Dabei musst Du Dir nicht – wie die ersten Jünger Jesu – die Füße wund laufen. Es genügt, dass Du dort glaubhaft bist, wo Du lebst und wirkst, wohin Dich die Kirche als Priester schickt. Wenn Dir das gelingt, wird Dein ganzes Leben eine aufregende und erfüllende Mission sein. Spannender als jeder James-Bond-Film. Und vor allem echt und glaubwürdig! Deshalb, lieber Kurt, geh und beginne heute Deine Mission als Priester, verkünde den Menschen die Frohbotschaft des Evangeliums und heile mit den Hilfsmitteln der Kirche die Wunden aller, die Dir begegnen!

Gottes Segen, die Fürsprache Mariens und der Apostel Petrus und Paulus sowie unsere Gebete und vor allem der Apostolische Segen, den ich Dir von Papst Franziskus zu Deiner Primiz erbeten habe, begleiten Dich auf Deiner neuen Mission!

AMEN.