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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Freitag, 30. Juni 2017

Priesterweihe von Kurt Aufner im Martinsdom - 29. Juni 2017

Weil Du, lieber Weihekandidat Kurt, ein Kenner/Liebhaber der Liturgie bist und Abt Martin und mich oft als Zeremoniär bei liturgischen Handlungen begleitet hast, nehme ich in dieser Predigt bewusst Anleihe an der Liturgie der Priesterweihe. Ich lasse die 4 ausdeutenden Riten zu uns sprechen, die sich in wenigen Augenblicken nach Deinem Weiheversprechen, der Allerheiligenlitanei, der Handauflegung und dem Weihegebet hier ereignen werden. In diesen Zeichen kommen Wesen und Dienst des Priesters wohl am anschaulichsten zum Ausdruck.

Das erste Zeichen ist das Anlegen der priesterlichen Gewänder. Warum tun wir das? Wäre es nicht einfacher, zeitgemäßer und für den modernen Menschen verständlicher, wenn der Weihekandidat einfach, zivil und bei dieser Hitze locker gekleidet wäre? Wozu dieses Schauspiel und Theater, wozu diese eigenartige altmodische Kleidung?

Das Kleid ist eine zweite Haut, die man zum Schutz leiblicher und seelischer Integrität braucht. Im Christentum redet man von der Gnade Gottes oft im Symbol des Kleides. So schreibt Paulus im Galaterbrief: "Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angezogen." (Gal 3,27) Im Kolosserbrief sagt er: "Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld." (Kol 3,12) Ein neues Kleid anziehen, das heißt in der Bibel: ein neuer Mensch werden. Das Kleid ist daher in der Kirche kein Zeichen der Eitelkeit, sondern Träger von Bedeutung. Dies gilt für das Kleid des Diakons, Priesters und Bischofs wie für das Gewand der Ordensleute. In einer Erklärung der ostkirchlichen Liturgie heißt es: "Diakon und Priester legen die priesterlichen Gewänder an, um sich nicht nur von den anderen Menschen zu unterscheiden, sondern um sich auch zu trennen von sich selbst, um nichts gemein zu haben mit denen, die in den eitlen Sorgen der Welt aufgehen, und um gleichzeitig auch alle zu erinnern an die Erhabenheit des bevorstehenden Dienstes."

Wenn Du, lieber Kurt, nun die priesterlichen Gewänder erstmals anlegst und sie immer wieder anlegen wirst, dann soll Dich nicht Eitelkeit erfüllen, sondern Du sollst wissen, dass Du Dich ausgezogen und den angezogen hast, der Dich durch die Taufe in seine Kirche berufen hat, der Dich durch die Firmung mit seinem Geist gestärkt hat und der Dich durch die Weihe ganz in seinen Dienst nimmt und in die Welt sendet ein neuer Mensch zu sein! Das Taufkleid und das priesterliche Kleid sind Ausdruck einer geschenkten und angenommenen Würde!

Das zweite Zeichen ist die Salbung der Hände. Zur Zeit des Alten Bundes wurden Priester, Könige und Propheten, aber auch Kultgegenstände mit Öl gesalbt. Die Christen haben diese alte Tradition aufgenommen und vollzogen. So gibt es Salbungen mit Öl am Beginn der Zeit der Vorbereitung auf die Taufe und bei der Taufspendung, bei Firmung, Priester- und Bischofsweihe und als Krankensalbung. Auch Kirchen, Altäre und andere heilige Geräte werden gesalbt. Der in Taufe und Firmung an Stirn oder Scheitel gesalbte Christ erhält Anteil an der königlichen und prophetischen Priesterwürde Christi. Der Duft des Öles ist ein Zeichen dafür, dass der Christ durch sein Leben göttlichen Wohlgeruch in die Welt tragen soll. Vielfältig ist der Gebrauch des Öls. Es lindert Schmerzen, heilt Wunden, stärkt müde Glieder, kühlt die Haut, macht die Athleten geschmeidig für den Wettkampf, dient zur Salbung bei Festen und ist auch ein wichtiger Brennstoff für die Lampen.

Wenn ich nun gleich Deine Hände, lieber Kurt, mit Chrisamöl salbe, dann wirst Du befähigt und gesandt als Priester/Seelsorger wie der barmherzige Samariter den Wohlgeruch des Öls in unsere verwundete Welt zu tragen. Du wirst heute gesalbt, damit Du in Deinem Dienst mit den Heiligen Ölen zu den Wunden der Menschen gehst. Drücke Dich nicht davor, fürchte und schäme Dich nicht, auch wenn Du Dich selber dabei schmutzig, angreifbar und verletzbar machst! Wo wir an den Wunden des Lebens wieder den Wohlgeruch Christi in die Nase bekommen, kann man uns Christen in der Welt gut riechen. Wo wir geweihtes Öl in die Hände nehmen, weil wir seine Botschaft im Herzen tragen, ist unsere Seelsorge lauter und heilsam. Weil die Kirche aus Jesu Seitenwunde hervorgegangen ist, gehören Wunden zu ihrem Wesen und sind die Diener der Kirche gesandt die Wunden der Menschen und Welt zu sehen und für die Verwundeten zu sorgen. Lieber Kurt, Deine gesalbten Hände erinnern Dich immer daran!

Das dritte Zeichen ist die Überreichung von Brot und Wein. Bei der Priesterweihe übergibt der Bischof dem Weihekandidaten Brot und Wein, die Hostienschale und den Kelch – beide bergen das Geheimnis unseres Glaubens. Priester sind wir nicht für uns selbst. Schale und Kelch sollen sich immer neu füllen mit den Anliegen und Nöten der Menschen. Schale und Kelch sollen uns immer an das Letzte Abendmahl erinnern. Gott nimmt an, was wir ihm darbringen und er wandelt, was wir ihm anvertrauen. Er schenkt sich uns, damit wir einander zum Geschenk werden. Wir geben in Schale und Kelch und wir empfangen aus beiden Gefäßen. Beides verdeutlicht das eine Geheimnis unseres Glaubens: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bist du kommst in Herrlichkeit." Hostienschale und Kelch prägen auch die Haltung unseres Dienstes. Schale und Kelch sind offen, sie haben eine dienende Bestimmung. Sie sind nicht Selbstzweck. Ihre Bedeutung und Brauchbarkeit bemisst sich nicht selten an der Größe der Öffnung. Dadurch, dass wir immer wieder Schale und Kelch in die Hände nehmen, soll sich die Haltung unseres Dienstes ausprägen. Wann und wo immer wir Eucharistie feiern, soll Christus zum Vorschein kommen und nicht wir selbst.

Wenn ich Dir, lieber Kurt, nun gleich die Hostienschale und den Kelch, überreichen werde, dann sollst Du wissen, dass sie das Geheimnis unseres Glaubens bergen und die Haltung unseres Dienstes prägen. Deshalb legt Dir die Kirche bei der Übergabe von Brot und Wein ans Herz: "Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes."

Lieber Weihekandidat Kurt! In wenigen Augenblicken wirst nun zum Priester geweiht. Dabei wird Dir Dein früherer Heimatpfarrer, unser Generalvikar, Martin das priesterliche Gewand anlegen. Ich werde Dir die Hände salben, die Hostienschale und den Kelch – Brot und Wein – überreichen, Dich umarmen und mit Dir den Friedensgruß austauschen.

Petrus und Paulus – an deren Fest Du heute zum Priester geweiht wirst und denen auch die Kirche Deiner Heimatpfarre Pinkafeld geweiht ist – haben Dir mit ihrem Leben und Dienst gezeigt, was Nachfolge Jesu bedeutet – ein neues Kleid anziehen, ein neuer Mensch werden, die Wunden der Menschen heilen und den Wohlgeruch des Öls in der Welt verbreiten, im priesterlichen Dienst wie Schale und Kelch offen und zum Dienst an den Menschen, besonders den Armen und Verwundeten, bereit zu sein sowie als Friedensbote zu wirken. Dazu wirst Du jetzt von Gott geweiht und von der Kirche in die Welt gesandt. Wir alle – Deine Familie, das Kinderdorf, die Verwandten und Freunde, die Heimatpfarre, Einsatzpfarren, Seminargemeinschaft, das Stift Schlägl, Presbyterium unserer Diözese mit den Bischöfen sowie alle anwesenden Gläubigen, die Beter und Wohltäter - erbitten nun mit Dir die Gabe des Hl. Geistes für Deinen priesterlichen Dienst! Vergiss nie die Botschaft der Lesungen des heutigen Apostelfestes – Durch das Gebet wurde Petrus aus dem Gefängnis befreit, Paulus hat die Treue gehalten und beide haben Christus als den Messias erkannt und bekannt! Das wünsche auch ich Dir für Dein Priestersein! Amen.