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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Dienstag, 18. April 2017

Ostern im Martinsdom - 16. April 2017

In der Regensburger St. Jakobskirche gab es vor Jahren eine Sensation: Ein Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert sollte restauriert werden. Dabei entdeckten die Fachleute im Hinterkopf des Gekreuzigten in einem Hohlraum einen Schmetterling, ungefähr 4 bis 5 cm groß, aus vergoldetem Silber, die Flügel farbenprächtig emailliert und die Fühlerspitzen aus echten Perlen.

Was hat dieser Schmetterling im Hinterkopf Jesu zu suchen? Dafür gibt es zwei Erklärungen: Zum einen war schon in der Antike der Schmetterling ein Sinnbild für die unsterbliche Seele des Menschen – das griechische Wort "Psyche" bedeutet sowohl Seele als auch Schmetterling. Und zum anderen haben die Kirchenväter im Schmetterling ein Symbol für die Auferstehung Jesu gesehen – so wie sich die Raupe zur starren, leblosen Puppe verwandelt, aus der aber ein schöner, farbenfroher Schmetterling schlüpft, so steht auch für Jesus am Ende nicht der Tod, sondern neues Leben. Der Schmetterling also als Bild für verwandeltes und befreites, für neues und unsterbliches Leben. Und der Schmetterling im Hinterkopf Jesu beim Regensburger Kruzifix – das wäre doch Ostern im täglichen Leben: Immer im Hinterkopf haben: Jesus lebt und auch wir werden leben!

Der Schmetterling ist also eine ausgezeichnete Osterpredigt. Wir sollen jederzeit im Hinterkopf haben: Wir sind befreit von der Angst vor dem Tod. Daher eine dreifache Osterbotschaft an uns:
Ostern schenkt uns Flügel, uns aus unserer Verpuppung, aus allem erstarrten herauszuholen und zu neuen Menschen zu machen; dass wir abstreifen, was uns krank macht, einengt und lähmt; dass wir herausschlüpfen aus dem Gefängnis unserer Lethargie, Resignation und Gewohnheiten, in die wir uns selbst verstrickt haben; dass wir uns das Leben nicht mit Vorurteilen schwer machen und uns nicht von Populisten zu Ausgrenzungen und Demütigungen anderer – vor allem Fremder, Verfolgter und Flüchtlinge - verleiten lassen; dass wir als Menschen-Christen nicht verkümmern, sondern unsere Talente in Kirche und Gesellschaft einbringen; dass wir unsere Masken ablegen und Fassaden aufgeben, indem wir einfach und verantwortlich leben; dass wir uns und andere nicht auf alte Schuld und Versagen festlegen, sondern wissen, dass wir immer wieder neu anfangen dürfen. Brauchen wir nicht heute mehr denn je diese Frohbotschaft von Ostern, um dem verängstigten Menschen, unserer von Hass, Krieg, Terror, Vertreibung und Verfolgung bedrohten Welt, unserem lau gewordenen Christentum neue Flügel zu verleihen?

Ostern gibt uns neuen Schwung, die Botschaft von der Auferstehung in die Welt zu tragen. Auf dem Regensburger Schmetterling ist auf dem rechten Flügel Maria zu sehen, auf dem linken Johannes, der Lieblingsjünger Jesu. Der Rumpf des Schmetterlings ist Jesus am Kreuz, so wie wir es vom Kreuzweg her kennen – nur hier in einem Schmetterling eingepackt. Was will uns das sagen? Wie Maria aus dem Wunder der Auferstehung ihres Sohnes neuen Schwung bekam oder der Apostel Johannes sich aufmacht, die österliche Botschaft in die Welt zu tragen, so sind auch wir aufgerufen zu einer Liebe, die sich aus dem Trott des Alltäglichen und Gewohnten emporschwingt und alle Begrenzungen überfliegen kann. Christ ist, wer sich vom Auferstandenen gewinnen und überwältigen lässt. Im Leben der Getauften müsste das Leben des Auferstandenen sichtbar werden. Die hl. Taufe befähigt uns Christen – wie Paulus in der Lesung den Kolossern sagt – unseren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische zu richten! Trachten Christen noch nach Himmlischem oder nur nach Irdischem? Brauchen wir nicht heute mehr denn je diesen österlichen Schwung, österliche Christen in unserer Kirche, in unserer Diözese mit ihren Pfarrgemeinden, in unseren christlichen Familien und Gemeinschaften?

Ostern will uns zur Begegnung mit dem Auferstandenen, zur Freundschaft mit Jesus führen. Dies zeigen uns auch die Osterevangelien deutlich – Maria von Magdala, Petrus, Johannes, später die Apostel, die beiden Emmausjünger, sie alle begegnen dem Auferstandenen persönlich, werden von ihm berührt und werden so zu begeisterten Zeugen und Boten der Auferstehung und des Auferstandenen. Nicht nur das alte Regensburger Kruzifix mit dem Schmetterling im Hinterkopf des Gekreuzigten, sondern auch der hochbetagte ehemalige Theologieprofessor in Regensburg – Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI., der heute seinen 90. Geburtstag feiert – ist ebenfalls ein profunder, stiller und glaubwürdiger Zeuge der Osterbotschaft. Bei seinem Besuch am 8. September 2007 in Mariazell hat er uns in der Predigt eindrucksvoll daran erinnert "Auf Christus zu schauen!" "Wenn wir das tun, dann sehen wir, dass das Christentum mehr und etwas anderes ist als ein Moralsystem, als eine Serie von Gesetzen und Forderungen. Es ist das Geschenk einer Freundschaft, die im Leben und im Sterben trägt … Dieser Freundschaft vertrauen wir uns an. Aber gerade weil das Christentum mehr ist als Moral, eben das Geschenk einer Freundschaft, darum trägt es in sich auch eine große moralische Kraft, deren wir angesichts der Herausforderungen unserer Zeit so sehr bedürfen." Papst Benedikt XVI. hat in seinem Forschen und Lehren als Professor, in seiner Hirtensorge als Bischof, Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation, vor allem in seinem Dienst als Nachfolger Petri immer Gott und sein Geheimnis in die Mitte gestellt, die Menschen aufgerufen auf Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, zu schauen und sie ermutigt ihr Leben aus der Freundschaft mit Jesus zu gestalten. Braucht es nicht heute mehr denn je solche Propheten und Hirten mit großer Intellektualität und tiefer Spiritualität, die unsere Kirche und Welt an Gott und sein Geheimnis erinnern, damit unsere Kirche und Welt nicht gottlos, orientierungslos und damit hoffnungslos ist?

Mein Osterwunsch an sie alle lautet daher: Die Feier von Ostern schenke uns Flügel, uns aus unseren Ängsten, Verkrustungen und Gewohnheiten zu befreien – Die Feier von Ostern führe uns zur Begegnung mit dem Auferstandenen und festige/erneuere unsere Freundschaft mit Jesus – Die Feier von Ostern gebe uns neuen Schwung das Osterlicht in die Finsternis unserer Welt zu tragen und die Osterbotschaft mit unserem Leben im Alltag zu bezeugen!

Der Schmetterling im Hinterkopf des Gekreuzigten am kostbaren Regensburger Kreuz und der ehemalige Regensburger Professor Joseph Ratzinger und emeritierte Papst Benedikt XVI., dem wir zum heutigen 90. Geburtstag von Herzen alles Gute wünschen, aufrichtig für seinen treuen Dienst in der Kirche und für seine Verbundenheit mit dem Burgenland seit seiner Jugend im "Reichsarbeitsdienst" bei uns in Deutsch Jahrndorf danken und für den wir heute besonders beten – erinnern und ermutigen uns, Ostern immer im Hinterkopf zu haben, das heißt zu wissen: Jesus lebt und auch wir werden leben! Also, nicht der Tod, sondern das Leben hat das letzte Wort! Amen.