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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Dienstag, 18. April 2017

Chrisammesse - 12. April 2017

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst! Zur Chrisammesse versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Die Chrisam-Messe, die wir jedes Jahr hier im Dom feiern, ist ein Zeichen der Einheit – der Einheit der vielen Priester aus allen Dekanaten und der vielen Männer und Frauen aus den Pfarren unserer Diözese mit dem Bischof. Und ebenso sind die heiligen Öle, die in diesem besonderen Gottesdienst geweiht werden, ein Zeichen unserer Einheit: Als Werkzeuge der Stärkung, der Pflege und der Heilung drücken sie aus, was wir alle als Menschen benötigen, um als Glieder eines Leibes Christus anzugehören.

Doch noch eine Einheit können wir heute erfahren: Diese Öle, die ihren Ausgang bei den Menschen des Orients nahmen, haben nur deshalb seit Jahrtausenden Bestand und konnten den Weg vom Alltag in den Gottesdienst finden, weil sie eine innere Qualität besitzen, die über jeden Zweifel erhaben ist. Jeder weiß, dass es beim Olivenöl verschiedene Güteklassen gibt. Die höchste Güte haben jene Öle, die direkt aus der Frucht gepresst werden und unvermischt und unverfälscht sind. Das ist ein starkes Bild und Vor-Bild für unser Leben und unseren Dienst als Seelsorger. Ich möchte daher diese Feier nutzen, um mit euch gemeinsam über die Qualität unseres pastoralen Dienstes nachzudenken und damit über die nötige Einheit von äußerem Zeichen und innerer Haltung.

Niemand geringerer als Papst Franziskus hat in seinem Apostolischen Schreiben "Misericordia et misera" zum Abschluss des außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit am Christkönigssonntag 2016 besonders den Bischöfen, Priestern und Diakonen einige pastorale Prioritäten ans Herz gelegt. Es sind jene Prioritäten, die sich an die innerste Qualität seelsorglichen Dienstes richten. Denn: Nur eine qualitätsvolle Frucht bringt wohlriechendes Öl hervor, das den Menschen in Wort und in Tat dient.

Da ist zunächst – bildlich gesprochen! – das wohlriechende Öl der Homilie, der Predigt, der Katechese. Papst Franziskus erinnert uns in seinem Schreiben daran, dass das Hören des Wortes Gottes in der Kirche und im Leben des Christen eine besondere Bedeutung hat. Nur wer sein Ohr und sein Herz offen hält, ist auch empfänglich für das Geschenk der göttlichen Barmherzigkeit. Daher die wörtliche Bitte des Heiligen Vaters an die Priester: "So ermahne ich dringend, die Homilie entsprechend vorzubereiten und die Verkündigung zu pflegen. Sie wird umso fruchtbarer sein, je mehr der Priester an sich selbst die barmherzige Güte des Herrn erfahren hat. Die Gewissheit zu vermitteln, dass Gott uns liebt, ist keine theoretische Übung, sondern eine Bedingung für die Glaubhaftigkeit des eigenen Priestertums."

Was bedeutet das für uns Geweihte? Unsere Predigten müssen gewissermaßen das Öl sein, das aus uns – wie aus Früchten – herausgepresst wird. Nur ein Seelsorger, der selbst die Barmherzigkeit Gottes erfahren hat, ist imstande, Barmherzigkeit zu leben und sie im pastoralen Leben für andere erfahrbar zu machen. Ein bloßes Reden über Barmherzigkeit, und sei es noch so kunstvoll, ist, wenn es nicht aus dem Herzen des Sprechenden kommt, wie synthetisches Öl oder wie gepanschter Wein. Der Glykolwein in den 80-ern war zwar süß, aber nicht bekömmlich für den Menschen. Wohlklingende Predigten anderer Leute aus dem Internet heraus zu kopieren und vom Ambo zu verlesen, ist kein fruchtbringender Verkündigungsdienst, wenn auch nicht unbedingt gesundheitsgefährdend. Die Gläubigen spüren instinktiv, dass in solchen Fällen beim Prediger keine Einheit zwischen Herz und Hirn besteht und öffnen sich auch nicht für das Wort Gottes. Verzichten wir auf solche Formen des Selbstbetrugs!

Damit in direktem Zusammenhang steht die zweite große Bitte von Papst Franziskus. Sie lautet: "Die Priester fordere ich erneut auf, sich mit großer Sorgfalt auf den Dienst der Beichte vorzubereiten, der eine wirklich priesterliche Aufgabe ist." Ich höre den gedanklichen Einwand vieler von euch: "Ja, was sollen wir denn machen, wenn die Leute nicht mehr beichten gehen?" Darauf meine Gegenfrage: "Was tragen wir als Priester dazu bei, dass wieder mehr Menschen den Weg ins Beichtzimmer finden?" Wie unser Beitrag aussehen soll, sagt uns Papst Franziskus selbst: "... ich bitte euch, für alle offen und aufnahmebereit zu sein; Zeugen der väterlichen Zärtlichkeit zu sein trotz der Schwere der Sünde; fürsorglich zu helfen, über das getane Böse nachzudenken; unmissverständlich die moralischen Prinzipien darzulegen; verfügbar zu sein, um die Gläubigen auf ihrem Weg der Buße zu begleiten und dabei geduldig ihr Tempo zu berücksichtigen; weitsichtig zu sein in der Unterscheidung jedes einzelnen Falles und großherzig in der Gewährung der Vergebung Gottes."

Ich denke, dass diese Anleitung uns klar macht, dass das Sakrament der Versöhnung bereits im Vorfeld des Beichtstuhls eine Einladung und eine sensible Vorbereitung durch den Priester braucht. Auch hier gilt das Bild von der guten Frucht und ihrem Öl: Nur ein Priester, der am eigenen Leib den Prozess von Sünde, Reue, Umkehr und Versöhnung mit Gott und mit sich selbst erfahren hat, wird anderen Versöhnung Suchenden auf ihrem Weg wirklich beistehen können. Ein solcher Beichtdienst, der Gottes Barmherzigkeit erfahrbar macht, ist wirklich Öl der allerhöchsten Güteklasse. Alles andere erleben die Menschen als künstlich und lehnen es wohl zu Recht ab.

Drittens bittet Papst Franziskus uns Priester – wiederum bildlich gesprochen - um ein besonders wertvolles "Öl" auf eine der großen Wunden unserer Gesellschaft: Er lädt uns ein zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral angesichts der vielfältigen und komplizierten Lebenssituationen von Paaren und Familien in der heutigen Zeit. Er bittet die Priester wortwörtlich um "eine aufmerksame, tiefe und weitsichtige geistliche Unterscheidung, damit niemand ausgeschlossen wird, in welcher Situation er auch lebt, und jeder sich von Gott konkret angenommen fühlen, aktiv am Leben der Gemeinde teilhaben und jenes Volk Gottes eingegliedert werden kann, das unermüdlich auf die Fülle des ... Reichs der Gerechtigkeit und Liebe, der Vergebung und Barmherzigkeit hin unterwegs ist."

Es ist dieser hohe Anspruch einer Seelsorge des Begleitens, Unterscheidens und Eingliederns wohl jener Bereich, in der sich das pastorale Vermögen oder Unvermögen eines Seelsorgers am stärksten zeigt. Denn nur ein Priester, der die Erfahrung der Barmherzigkeit selbst gemacht hat, ist fähig, auf alle menschlichen Schwierigkeiten mit der Haltung der Liebe Gottes zu schauen und wird nicht müde, Menschen zu begleiten: in der Ehevorbereitung; in der Ehebegleitung; beim Leben in der Familie, die der wichtigste Lernort des Glaubens ist und als "Kirche im Kleinen" bezeichnet wird; vor allem aber auch im Umgang mit Zerbrechlichkeit und Irregularität, dort, wo Lebensträume scheitern und Menschen darin gestärkt werden müssen, nicht an ihren Begrenztheiten zu verzweifeln, sondern dennoch nach der Fülle und der Gemeinschaft zu streben, die uns Menschen verheißen ist.

Im Evangelium der Chrisammesse wird uns heute von neuem gesagt, dass der Geist des Herrn auf uns ruht, der uns in Taufe, Firmung und Weihe gesalbt hat; der uns gesandt hat, sein Wort und seine Barmherzigkeit in Predigt, Homilie und Katechese zu verkündigen, das Sakrament der Versöhnung selber zu empfangen und anderen als das Geschenk des Auferstandenen weiterzugeben; der uns gesandt hat, sich der Familien und der Jugend anzunehmen.

Als Bischof danke ich Euch allen für Euren Einsatz und ermutige Euch, trotz aller Herausforderungen nicht müde und mutlos zu werden. Der Geist, der auf uns ruht und in uns wirkt, ist größer als wir selbst. Wie Reben hängen wir am Weinstock und wie Früchte am Ölbaum, von wo her wir alles erhalten, um zu leben. Erneuern wir heute wieder unsere Bereitschaft, anderen die heiligen Öle zu bringen und selbst heilendes und pflegendes Öl zu sein für andere.

Dazu erbitten wir Gottes Hilfe und Beistand!

Amen.