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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 1. März 2017

Aschermittwoch im Martinsdom, 1. März 2017

Mit dem heutigen Aschermittwoch treten wir Christen in eine besondere Zeit ein – der lateinische Name dafür lautet: Quadragesima. Wenn wir dieses Wort ins Deutsche übertragen wollen, so ist das gar nicht einfach. Das alte Wort "Fastenzeit" ist ungenügend. Das neue Wort "österliche Bußzeit" ist besser, aber es reicht auch nicht aus. "Quadragesima" müssten wir von der Liturgie her übersetzen mit: "das Fest der 40 Tage". Denn dieses Wort wird vor allem durch drei Begriffe gebildet: solemnia – Festlichkeit, celebrare – feiern und sacramentum. Mit dem Wort "Sakrament" ist ein Ereignis aus der Geschichte Gottes mit den Menschen gemeint, das in der Kirche zu einer Lebensform geworden ist, in der dieses Ereignis immer neu gegenwärtige Wirklichkeit wird. Indem wir in diese Lebensform hineintreten, berühren wir das Ereignis und berühren so jene Stelle der Geschichte, wo die Wand der Vergänglichkeit aufgerissen ist, wo Gottes Hand hereinreicht in diese Zeit.

Was bedeutet also das "Fest der 40 Tage"? Es ist das Hineintreten in das Geschehen der Geschichte Gottes mit den Menschen, das die Zahl 40 benennt. Es bedeutet etwas anderes als private Kasteiung, Verzicht, Opfer, Frühjahrs-Abmagerungskur, obwohl sie durchaus dies mit in sich aufnehmen kann. Dabei steht aber nur der Mensch selbst, das eigene Ich im Mittelpunkt. Es geht um Selbstverwirklichung. Der Mensch will sich selbst erleisten und beweisen, er will die Macht seines Geistes und Willens zeigen. Der Mensch kann aber auf solche Weise nicht ganz gesund werden, da am Ausgangspunkt etwas Falsches steht: das eigene Ich als Mittelpunkt, und der Versuch des Menschen, sich selbst zu machen. Das "Fest der 40 Tage" bedeutet, dass wir gerade diesen Grundfehler, an dem die Welt krankt, an dem wir alle kranken, korrigieren, dass wir in die Endprivatisierung der Existenz hineintreten, indem wir uns hingeben an das gemeinsame Fest der 40 Tage. Dabei berühren wir das Ereignis der Wüstenjahre Israels, das Geheimnis der ersten Liebe zwischen Gott und seinem Volk. Wir berühren darin den Sieg Jesu Christi in der Wüste über die Macht des Bösen. Darum sind die 40 Tage "Quadragesima" ein Fest. Darum folgt die Kirche dem Auftrag Jesu im heutigen Evangelium: "Wenn du fastest, mach kein finsteres Gesicht, sondern salbe dein Haar und wasche dein Gesicht!" Wir feiern in diesen 40 Tagen die Überwindung und das sich Berühren von Gott und Welt, von Gott und Mensch. Wir feiern die Freiheit des Menschen, unsere Freiheit von Egoismus und den Mächten des Bösen/Todes. Wir feiern die Überwindung von Materie und Geist.

Jesus bittet uns, seine Jünger, im Evangelium des Aschermittwochs alle Masken abzulegen und in den kommenden 40 Tagen unsere Ver-bindung mit Gott und den Mitmenschen zu erneuern. Wie? Durch Fasten, das heißt leer werden für Gott – durch Beten, das heißt Vertrauen zu Gott – durch Almosengeben=Teilen, das heißt Handeln wie Gott. Braucht nicht gerade das unserer Zeit mehr denn je?

Das Aschenkreuz, das uns jetzt aufgelegt wird, ist ein Zeichen unserer Vergänglichkeit, unserer Bereitschaft zur Umkehr und der Hoffnung auf neues Leben. Es ist auch ein Zeichen, dass wir uns als Christen auf das Fest der 40 Tage einlassen und unseren Weg auf Ostern hin mit Freude, Mut und Entschlossenheit gehen wollen! Ich wünsche uns allen dabei Ausdauer und Geduld - vergessen wir nie: zum Gelingen jedes Festes gehört eine gute Vorbereitung und Beichte. Gott bietet uns in diesen 40 Tagen von neuem die Versöhnung und Vergebung an – nützen wir diese Zeit der Gnade! Amen.