Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 3. Juli 2017

Primizpredigt für Kurt Aufner in Pinkafeld - 2. Juli 2017

Vor genau 30 Jahren, lieber Primiziant, war ich selbst als Neupriester in Deiner jetzigen Situation, und habe damals meinem Onkel Valentin als Primizprediger gelauscht. Damals warst Du gerade mal ein Jahr alt und das Jahr Deiner Geburt, 1986, war das Jahr, in dem unsere Welt ihre spezielle kulturelle und politische Erscheinungsform besaß. Noch herrschte der Kalte Krieg. Ein so genanntes atomares "Gleichgewicht des Schreckens" zwischen Ostblock und Westmächten gab unserer Welt eine scheinbare Stabilität, nach der sich heute nicht wenige Menschen – kurzsichtigerweise! – zurücksehnen.

Der vor wenigen Tagen verstorbene englische Schauspieler Roger Moore spielte in jenem Jahr 1986 zum letzten Mal den weltbekannten Geheimagenten James Bond – eine fiktive Figur, die wie ein profaner Nothelfer für Gerechtigkeit sorgt und die Welt vor dem Untergang bewahrt. Und als ich mir vor kurzem Roger Moores letzten Bond-Film im Fernsehen ansah, da fiel mir plötzlich der neue Priester unserer Diözese ein. Denn auch Priester sind Männer mit einer Mission, ausgestattet mit bestimmten Talenten und "Werkzeugen". Und der Vergleich drängte sich mir noch stärker auf, als mir in dem Film sieben technische Wunderwaffen auffielen, die Dir, lieber Primiziant, als technisch begabtem Menschen mit einem HTL-Abschluss sicher gefallen hätten, falls Du den Film nicht ohnehin kennst. Da gab es:

· ein als Eisberg getarntes Minischiff;
· einen als Rasierapparat getarnten Wanzenaufspürer zum Entdecken von Abhörgeräten;
· eine "Kreditkarte", mit der man Alarmanlagen ausschalten konnte;
· eine ferngesteuerte "Ente" zur Feindesüberwachung;
· eine Kamera, die in James Bonds Ring eingebaut war;
· ein Utensil, mit dem Bond ein Durchschlagsexemplar vom Scheckbuch des Bösewichts machte;
· und zuletzt eine Spezialbrille, mit der man durch verspiegelte Fenster sehen konnte.

Vielleicht wäre auch aus Dir, lieber Kurt, ein Erfinder ähnlicher technischer Geräte zur Problembewältigung geworden. Deine Ausbildung und Dein Talent als Ingenieur lassen das nicht ganz unmöglich scheinen. Doch in Dir gab es immer schon eine andere Sehnsucht. Schon früh hast Du ministriert, hast mit Deinen Geschwistern die Messe nachgespielt und dabei den Priester nachgeahmt. Heute feierst Du selbst als Priester Deine Primizmesse. So möchte ich Dir – quasi als Wegzehrung – die sieben Punkte vor Augen stellen, in denen sich die Mission eines Priesters – Deine Mission! – von jener des Geheim-agenten und Weltenretters James Bond grundlegend unterscheidet:

1. Unterschied: Die Art der Mission. James Bond ist meist in geheimer Mission unterwegs, um die Welt vor dem drohenden Untergang oder vor einem üblen Bösewicht zu retten. Die Mission der Jünger Jesu – Deine Mission! – ist hingegen offen sichtbar und hat einen ganz anderen Sinn: Du sollst Menschen, denen Du unterwegs begegnest, zur Umkehr einladen. Du sollst sie auffordern, das, was in ihrem Leben nicht so gut läuft, mit Gottes Hilfe zu entdecken und zum Guten zu verändern! Die Jünger Jesu helfen und heilen Menschen in ihrer Not. Denn die Veränderung und Rettung der Welt setzen immer zuerst beim einzelnen Menschen und bei einem selbst an.

2. Unterschied: Die Gehilfen. Während James Bond entweder allein oder mit einer hübschen Frau unterwegs ist, haben sich die Jünger Jesu zu zweit auf den Weg gemacht. Sie wurden paarweise ausgesandt, damit sie füreinander als Zeugen wirken. Denn stimmen 2 Zeugen in einer Sache überein, so gilt ihr Zeugnis als vollwertig und rechtsgültig. Der Herr selber bestimmte und bestellte so seine Boten und gab ihnen damit amtlichen Auftrag und ihrer Sendung rechtlichen Charakter. Zudem hatten sie zu zweit die Möglichkeit, sich auszutauschen und gegenseitig zu bestärken, einander auch nach einer missglückten Mission Mut zu machen. Mögest auch Du stets die Gemeinschaft mit Deinen Mitbrüdern im Priesteramt – vor allem im Presbyterium unserer Diözese – pflegen und daraus Kraft/Freude für Deinen Dienst beziehen!

3. Unterschied: Das Equipment. James Bond ist meist mit allen technischen Raffinessen, mit teuren Autos, feinster Garderobe und Kreditkarten ausstaffiert. Deine Ausrüstung ist viel bescheidener: Du sollst stets ein Pilger ohne großen Geldbeutel sein – so wirst Du nicht abgelenkt von materiellen Dingen, behältst Dein Augenmerk auf dem Auftrag, den Jesus Dir gegeben hat. Dein persönliches "Equipment" dazu hast Du bereits bei der Priesterweihe erhalten:

· Die priesterlichen Gewänder, die Dich nicht mit Eitelkeit erfüllen, sondern Dich stets daran erinnern sollen, dass Du Dich ausgezogen und den angezogen hast, der Dich durch die Taufe in seine Kirche berufen hat.
· Die Salbung Deiner Hände als Zeichen der Befähigung und der Sendung, den Wohlgeruch Christi durch Wort und Tat in unsere verwundete und oft übelriechende Welt zu tragen.
· Und: die Hostienschale und den Kelch, die beide das Geheimnis unseres Glaubens bergen und die sich in Deinem Leben immer neu füllen mögen mit den Anliegen und Nöten der Menschen, damit Du sie Gott darbringst und Er alles wandelt, was Du Ihm anvertraust. Schale und Kelch prägen die Haltung unseres Dienstes.

Diese besonderen Weihegaben, die Du empfangen hast, führen mich zum 4. Unterschied zwischen priesterlicher Mission und gewaltorientierter Weltverbesserung: Zum Trouble-Shooting. Von James Bond wissen wir, dass er für Konfliktsituationen besonders ausgefeilte Waffen bei sich trägt. Das können Kugelschreiber mit eingebauter Laserwaffe sein, Armbanduhren mit Sprengstoff oder Raketenwerfer, die in seinem Sportwagen versteckt sind. Er geht notfalls im wahrsten Sinne des Wortes durch die Wand, um Hindernisse zu überwinden und sein Ziel zu erreichen. Mit einer ganz anderen Strategie werden die Jünger von Jesus ausgestattet. Im heutigen Evangelium brachte Petrus selbst es zur Sprache: "Herr, Du hast Worte ewigen Lebens." Jesus fordert also keine gewaltsame Zwangsbekehrung, auch kein Überreden mit vorgehaltener Pistole, sondern er ruft die Menschen in ihrem freien Willen durch sein ewiges Wort. Die Frage des Petrus, "Zu wem sollen wir gehen?", ist damit zugleich eine Antwort für die Menschen aller Zeiten, und erst recht der heutigen Zeit. Es ist die Antwort, an die auch Du die Menschen immer erinnern sollst und an die Dich selber auch Dein Primizspruch immer wieder erinnert.

5. Unterschied: Die Art der Lizenz. James Bond hat bekannterweise die Lizenz zum Töten. Davon macht er in den Filmen oft Gebrauch. Er geht über Leichen. Ganz anders die Jünger Jesu. Sie bekommen von Jesus die Lizenz zum Heilen. Im Namen Jesu Christi treiben sie Dämonen aus und heilen Kranke. Sie setzen sich ein, Leben zu schützen und zu erhalten. Heilen sollst auch Du, lieber Neupriester, indem Du an der Seite der Menschen gehst, sie auch und gerade an den Rändern der Gesellschaft aufspürst, und ihnen durch Dein eigenes Lebensbeispiel von Gott erzählst, sie dabei unterstützt, ihre Wunden ans Licht zu halten und geheilt zu werden. "Wie eine Mutter für ihre Kinder sorgt" – so sagt es Paulus im 1. Thessalonicherbrief – so sollst auch Du den Menschen zugetan sein, sie nicht nur am Evangelium teilhaben lassen, sondern auch an Deinem eigenen Leben mit all seinen reichen Erfahrungen. Du bist in einem SOS-Kinderdorf aufge-wachsen. Auch James Bond, die literarische Figur, die die Welt retten soll, ist nicht in einer herkömmlichen Familie aufgewachsen. Sein Leben beginnt schon sehr jung mit Herausforderungen, und er versucht, sich ein Leben lang mit seiner Walther PPK den Weg aus seiner schwierigen Innenwelt heraus freizuschießen – mit mäßigem Erfolg. Noch so viele Martinis, ob geschüttelt oder gerührt, noch so viele Affären, und auch nicht das Wissen, größenwahnsinnige Verbrecher zur Strecke gebracht zu haben, bringen ihm den Seelenfrieden, nach dem er sich sehnt. Du, lieber Kurt, hast den besseren, wenn auch nicht immer leichteren und populären Weg gewählt! Du bist heute vielen Menschen Familie geworden. Als Seelsorger und Religionspädagoge entfaltest Du Deine Gaben im Unterrichten junger Menschen, als Liturge trägst Du beim Gottesdienst bei zum Glanz des Hauses Gottes als einem Zuhause für alle Menschen. Mögen Dir auch die karitativen Belange unserer Kirche und Gesellschaft stets ein Anliegen sein. Hier darf der verstorbene Roger Moore ein Vorbild sein: Als Privatperson – nicht als Geheimagent – hat der Schauspieler sich mehr als zwanzig Jahre lang weltweit für die Rechte von Kindern eingesetzt.

Was wird Deine Mission noch ausmachen?

6. Unterschied: Die Selbstdarstellung. James Bond stellt sich als Superagent dar, als eine Art "Superman". Unverwundbar und cool, selbst wenn ihm das eigene Blut über die Augen rinnt. Bond ist ein moderner Götze, der für seine Stärke bewundert und angebetet wird. Die Jünger Jesu haben diese Form der Selbstdarstellung nicht nötig, denn sie sind unterwegs im Namen des Herrn. Sie verweisen bei allem, was sie tun, auf Jesus. Sie sehen sich selbst als Wegweiser zu einem erfüllten Leben mit Gott. "Nicht, um den Menschen zu gefallen", nicht, "um Ehre bei ihnen zu suchen", nicht, um zu schmeicheln, sie irrezuführen oder zu betrügen – wir haben es in der 2. Lesung klar gehört –, sondern zur Ehre Gottes. Priesterliche Selbstdarstellung ist ein gefährliches Gift unserer Zeit, vor dem Du, lieber Neupriester, bewahrt bleiben mögest! Binde die Menschen an Jesus und nicht an Dich!

7. und letzter Unterschied: Der Drehbuchautor. James Bond ist erfunden, seine Abenteuer entspringen diversen Romanvorlagen. Es geht dabei um gute und spannende Unterhaltung sowie um volle Kassen. Das Evangelium hingegen ist keine Fiktion, und es hat eine andere Zielrichtung: Es geht darum, dass Jesus seine Anhänger und auch Dich einlädt, die frohe Botschaft weiterzugeben, so wie er sie weitergegeben hat.

Auch der brutalste James-Bond-Film geht mit einem Happy End zu Ende. Der Bösewicht ist besiegt, die tödliche Gefahr beseitigt und James Bond ist der strahlende Held, der seine Mission erfolgreich beendet hat.

Die Mission Jesu ist noch nicht abgeschlossen! Solange es auf dieser Welt Christen gibt, bist Du als Priester aufgerufen, anderen Zeugnis von Deinem Glauben zu geben. Dabei musst Du Dir nicht – wie die ersten Jünger Jesu – die Füße wund laufen. Es genügt, dass Du dort glaubhaft bist, wo Du lebst und wirkst, wohin Dich die Kirche als Priester schickt. Wenn Dir das gelingt, wird Dein ganzes Leben eine aufregende und erfüllende Mission sein. Spannender als jeder James-Bond-Film. Und vor allem echt und glaubwürdig! Deshalb, lieber Kurt, geh und beginne heute Deine Mission als Priester, verkünde den Menschen die Frohbotschaft des Evangeliums und heile mit den Hilfsmitteln der Kirche die Wunden aller, die Dir begegnen!

Gottes Segen, die Fürsprache Mariens und der Apostel Petrus und Paulus sowie unsere Gebete und vor allem der Apostolische Segen, den ich Dir von Papst Franziskus zu Deiner Primiz erbeten habe, begleiten Dich auf Deiner neuen Mission!

AMEN.

Goldenes Priesterjubiläum von EKan. Josef Kroiss in Deutsch Schützen - 2. Juli 2017

Es fügt sich schön, dass unser Jubilar sein goldenes Priesterjubiläum 50 Jahre nach seiner Primiz in seiner Heimatpfarre St. Andrä am Zicksee heute am Tag genau hier in seiner Pfarrkirche Maria Namen in Deutsch Schützen feiert, am Fest Mariä Heimsuchung.

Wenn ich als Bischof an unseren Jubilar denke, dann kommt mir in den Sinn: Pfarrer Josef Kroiss ist ein großer Marienverehrer, der neben vielen pastoralen und baulichen Initiativen als Seelsorger vor allem die Fatimafeiern in Deutsch Schützen eingeführt und bis heute durchgehalten hat (fast 500!) sowie auch das “Magnifikat“, das kleine blaue Gebet- und Gesangbuch herausgegeben hat, aus dem wir auch bei diesem Dankgottesdienst singen und beten.

Ist es nicht interessant, dass uns gerade am heutigen Marienfest das Magnifikat – der Lobgesang Marias – als Evangelium verkündet wird? Ich möchte bei dieser Festpredigt, die auf Bitte unseres Jubilars kurz sein soll, aus dem Evangelium des Magnifikats 3 Impulse für unser Christsein aufgreifen und sie uns allen – besonders auch unserem Jubilar – auf den weiteren Lebens- und Glaubensweg mitgeben.

Das Magnifikat – der Lobgesang Marias – ist das Praeludium/Vorspiel zum Leben Jesu. Es ist das Vorspiel zu Weihnachten, wo endgültig klar wird, dass Gott auf der Seite der Kleinen steht; wo nicht mehr zu übersehen ist, dass er ein Auge auf die Niedrigen und Armen geworfen hat; wo er Respekt hat vor dem, was wir Menschen nicht gerne anschauen. Das Magnifikat ist das Vorspiel zu den Worten Jesu, der gerade den Kleinen immer wieder versichert: Gott sieht euch an, und deshalb habt ihr ein Ansehen. Das Magnifikat ist ein Vorspiel zur ganzen Lebenspraxis Jesu. Wenn Jesus den Menschen in die Augen blickt, dann gehen ihnen die Augen auf, dann ist das ein göttlicher Augenblick – Jesus sieht die Sünderin, den Zöllner Zachäus, den Verräter Petrus mit seinen barmherzigen Augen an – erst dann bekommen sie ein neues Ansehen! Das Magnifikat ist das Praeludium/Vorspiel zum Leben Jesu und schlägt uns vor: Lasst Jesus bei euch, in eurem Leben ins Spiel kommen.

Das Magnifikat – der Lobgesang Marias – ist auch ein Protestlied gegen das Unrecht: Es protestiert gegen diejenigen, die auf andere herabschauen, die nicht von ihrem hohen Ross herabsteigen. Es protestiert gegen diejenigen, die ihre Macht und ihren Einfluss nicht zum Wohl der anderen, sondern zum eigenen Vorteil gebrauchen. Es protestiert gegen diejenigen, die ihren Besitz krampfhaft festhalten und nicht zum Teilen bereit sind, die der Mitmensch – besonders, der in Not ist – nicht interessiert und einfach kalt lässt. Das Magnifikat ist ein Protestlied, es fordert uns auf: Protestiert mit, damit Ungerechtigkeit, Unbarmherzigkeit und Unrecht in dieser Welt – im Großen wie im Kleinen – nicht das letzte Wort haben.

Das Magnifikat – der Lobgesang Marias – ist die Programmmusik des christlichen Lebens: Es stellt das Reich Gottes vor als Gegenwelt, in der die Niedrigen schon erhöht sind und den Reichen ihre Armut bewusst wird. Es singt von der Revolution ohne Gewalt, von der Revolution des Erbarmens Gottes. Es spielt uns Jesu Lebensprogramm zu und deutet an, welche Themen im Leben Jesu eine Bedeutung haben. Das Magnifikat ist die Programmmusik des christlichen Lebens, es lädt uns ein: Versucht es auch heute mit dem Lebensprogramm Jesu, beschäftigt euch mit seinen Worten und mit seinen Taten, setzt heute Jesu Programm in eurem Leben um so gut ihr könnt, spielt es in die Welt hinein, damit es kein Privatprogramm, sondern ein öffentliches Programm ist, das unsere Gesellschaft in Österreich, unser Europa und unsere Welt so dringend braucht und nötig hat!

Lieber Jubilar und Mitbruder Josef!
Das Magnifikat ist auch für Dich ein Praeludium/Vorspiel zum Leben Jesu. Auch Dich hat Jesus vor mehr als 50 Jahren mit seinem Blick getroffen und Dich seither nie mehr losgelassen. Er hat Dich berufen und als Priester gesandt den Armen und Kleinen die Frohbotschaft des Evangeliums zu verkünden, sich für sie einzusetzen und ihnen in dieser Welt ein Ansehen zu geben. Das Magnifikat ist auch für Dich ein Protestlied, dass Dich als Priester herausgefordert hat in den vergangenen 5 Jahrzehnten gegen Lüge, Ungerechtigkeit, Unrecht und Unbarmherzigkeit aufzustehen und dagegen in Kirche und Gesellschaft anzukämpfen, trotz allem Gegenwind. Das Magnifikat ist auch die Programmmusik für Dein christliches und priesterliches Leben. Du selber hast auf dieses Programm Dein ganzes Leben gesetzt und den Dir anvertrauten Menschen als Kaplan in Rust, Pinkafeld und Andau und seit 1972 – seit 45 Jahren - als Pfarrer hier in Deutsch Schützen und St. Kathrein bis heute diese Programmmusik weitergegeben und sie eingeladen sie in die Tat umzusetzen.

Als Mitbruder und Bischof gratuliere ich Dir von Herzen persönlich und im Namen unserer Diözese zu Deinem goldenen Priesterjubiläum! Ich danke Dir für Deinen unermüdlichen Einsatz, Dein Glaubenszeugnis und Deine leidenschaftliche Treue zur Kirche in den Herausforderungen unserer modernen Zeit, trotz mancher Kritik! Ich danke Dir aber vor allem auch für Deinen Einsatz und Deine Hilfsbereitschaft unseren Nachbarn im Osten gegenüber, besonders auch unserer Mutter- und Nachbardiözese Steinamanger, die Dich dafür zu ihrem Ehrenkanonikus ernannt hat, was eine hohe Wertschätzung und Auszeichnung für Dich und auch für unsere ganze Diözese ist! Vergelt´s Gott sage ich Dir persönlich für Deine jahrzehntelange priesterliche Freundschaft, alle Unterstützung und jedes Gebet!

Mit Dir, lieber Jubilar, danke ich heute Gott für das Geschenk des Lebens und der priesterlichen Berufung, für alles, was in Deinem Leben und Dienst gelungen, aber auch für alles, was nicht gelungen ist und lege es mit Dir dem Herrn auf den Altar! Mit Dir preise auch ich wie Maria die Größe Gottes, seine Treue und Barmherzigkeit und erbitte diese auch für Dich und für uns alle! Mit Dir erflehe ich heute ganz bewusst vom Herrn neue geistliche Berufungen für die Kirche und unsere Diözese, die im Geiste Mariens den Menschen dienen!

Gottes Segen, die Fürsprache Unserer Lieben Frau von Fatima – die vor 100 Jahren den Hirtenkindern erschienen ist und deren Botschaft Du in Deinem priesterlichen Wirken vor allem durch die Fatimafeiern weiterträgst – sowie mein Gebet und der besondere Apostolische Segen, den ich Dir von Papst Franziskus erbeten habe, begleiten Dich vom goldenen zum diamantenen Priesterjubiläum! Amen.

Freitag, 30. Juni 2017

Priesterweihe von Kurt Aufner im Martinsdom - 29. Juni 2017

Weil Du, lieber Weihekandidat Kurt, ein Kenner/Liebhaber der Liturgie bist und Abt Martin und mich oft als Zeremoniär bei liturgischen Handlungen begleitet hast, nehme ich in dieser Predigt bewusst Anleihe an der Liturgie der Priesterweihe. Ich lasse die 4 ausdeutenden Riten zu uns sprechen, die sich in wenigen Augenblicken nach Deinem Weiheversprechen, der Allerheiligenlitanei, der Handauflegung und dem Weihegebet hier ereignen werden. In diesen Zeichen kommen Wesen und Dienst des Priesters wohl am anschaulichsten zum Ausdruck.

Das erste Zeichen ist das Anlegen der priesterlichen Gewänder. Warum tun wir das? Wäre es nicht einfacher, zeitgemäßer und für den modernen Menschen verständlicher, wenn der Weihekandidat einfach, zivil und bei dieser Hitze locker gekleidet wäre? Wozu dieses Schauspiel und Theater, wozu diese eigenartige altmodische Kleidung?

Das Kleid ist eine zweite Haut, die man zum Schutz leiblicher und seelischer Integrität braucht. Im Christentum redet man von der Gnade Gottes oft im Symbol des Kleides. So schreibt Paulus im Galaterbrief: "Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angezogen." (Gal 3,27) Im Kolosserbrief sagt er: "Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld." (Kol 3,12) Ein neues Kleid anziehen, das heißt in der Bibel: ein neuer Mensch werden. Das Kleid ist daher in der Kirche kein Zeichen der Eitelkeit, sondern Träger von Bedeutung. Dies gilt für das Kleid des Diakons, Priesters und Bischofs wie für das Gewand der Ordensleute. In einer Erklärung der ostkirchlichen Liturgie heißt es: "Diakon und Priester legen die priesterlichen Gewänder an, um sich nicht nur von den anderen Menschen zu unterscheiden, sondern um sich auch zu trennen von sich selbst, um nichts gemein zu haben mit denen, die in den eitlen Sorgen der Welt aufgehen, und um gleichzeitig auch alle zu erinnern an die Erhabenheit des bevorstehenden Dienstes."

Wenn Du, lieber Kurt, nun die priesterlichen Gewänder erstmals anlegst und sie immer wieder anlegen wirst, dann soll Dich nicht Eitelkeit erfüllen, sondern Du sollst wissen, dass Du Dich ausgezogen und den angezogen hast, der Dich durch die Taufe in seine Kirche berufen hat, der Dich durch die Firmung mit seinem Geist gestärkt hat und der Dich durch die Weihe ganz in seinen Dienst nimmt und in die Welt sendet ein neuer Mensch zu sein! Das Taufkleid und das priesterliche Kleid sind Ausdruck einer geschenkten und angenommenen Würde!

Das zweite Zeichen ist die Salbung der Hände. Zur Zeit des Alten Bundes wurden Priester, Könige und Propheten, aber auch Kultgegenstände mit Öl gesalbt. Die Christen haben diese alte Tradition aufgenommen und vollzogen. So gibt es Salbungen mit Öl am Beginn der Zeit der Vorbereitung auf die Taufe und bei der Taufspendung, bei Firmung, Priester- und Bischofsweihe und als Krankensalbung. Auch Kirchen, Altäre und andere heilige Geräte werden gesalbt. Der in Taufe und Firmung an Stirn oder Scheitel gesalbte Christ erhält Anteil an der königlichen und prophetischen Priesterwürde Christi. Der Duft des Öles ist ein Zeichen dafür, dass der Christ durch sein Leben göttlichen Wohlgeruch in die Welt tragen soll. Vielfältig ist der Gebrauch des Öls. Es lindert Schmerzen, heilt Wunden, stärkt müde Glieder, kühlt die Haut, macht die Athleten geschmeidig für den Wettkampf, dient zur Salbung bei Festen und ist auch ein wichtiger Brennstoff für die Lampen.

Wenn ich nun gleich Deine Hände, lieber Kurt, mit Chrisamöl salbe, dann wirst Du befähigt und gesandt als Priester/Seelsorger wie der barmherzige Samariter den Wohlgeruch des Öls in unsere verwundete Welt zu tragen. Du wirst heute gesalbt, damit Du in Deinem Dienst mit den Heiligen Ölen zu den Wunden der Menschen gehst. Drücke Dich nicht davor, fürchte und schäme Dich nicht, auch wenn Du Dich selber dabei schmutzig, angreifbar und verletzbar machst! Wo wir an den Wunden des Lebens wieder den Wohlgeruch Christi in die Nase bekommen, kann man uns Christen in der Welt gut riechen. Wo wir geweihtes Öl in die Hände nehmen, weil wir seine Botschaft im Herzen tragen, ist unsere Seelsorge lauter und heilsam. Weil die Kirche aus Jesu Seitenwunde hervorgegangen ist, gehören Wunden zu ihrem Wesen und sind die Diener der Kirche gesandt die Wunden der Menschen und Welt zu sehen und für die Verwundeten zu sorgen. Lieber Kurt, Deine gesalbten Hände erinnern Dich immer daran!

Das dritte Zeichen ist die Überreichung von Brot und Wein. Bei der Priesterweihe übergibt der Bischof dem Weihekandidaten Brot und Wein, die Hostienschale und den Kelch – beide bergen das Geheimnis unseres Glaubens. Priester sind wir nicht für uns selbst. Schale und Kelch sollen sich immer neu füllen mit den Anliegen und Nöten der Menschen. Schale und Kelch sollen uns immer an das Letzte Abendmahl erinnern. Gott nimmt an, was wir ihm darbringen und er wandelt, was wir ihm anvertrauen. Er schenkt sich uns, damit wir einander zum Geschenk werden. Wir geben in Schale und Kelch und wir empfangen aus beiden Gefäßen. Beides verdeutlicht das eine Geheimnis unseres Glaubens: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bist du kommst in Herrlichkeit." Hostienschale und Kelch prägen auch die Haltung unseres Dienstes. Schale und Kelch sind offen, sie haben eine dienende Bestimmung. Sie sind nicht Selbstzweck. Ihre Bedeutung und Brauchbarkeit bemisst sich nicht selten an der Größe der Öffnung. Dadurch, dass wir immer wieder Schale und Kelch in die Hände nehmen, soll sich die Haltung unseres Dienstes ausprägen. Wann und wo immer wir Eucharistie feiern, soll Christus zum Vorschein kommen und nicht wir selbst.

Wenn ich Dir, lieber Kurt, nun gleich die Hostienschale und den Kelch, überreichen werde, dann sollst Du wissen, dass sie das Geheimnis unseres Glaubens bergen und die Haltung unseres Dienstes prägen. Deshalb legt Dir die Kirche bei der Übergabe von Brot und Wein ans Herz: "Empfange die Gaben des Volkes für die Feier des Opfers. Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst, und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes."

Lieber Weihekandidat Kurt! In wenigen Augenblicken wirst nun zum Priester geweiht. Dabei wird Dir Dein früherer Heimatpfarrer, unser Generalvikar, Martin das priesterliche Gewand anlegen. Ich werde Dir die Hände salben, die Hostienschale und den Kelch – Brot und Wein – überreichen, Dich umarmen und mit Dir den Friedensgruß austauschen.

Petrus und Paulus – an deren Fest Du heute zum Priester geweiht wirst und denen auch die Kirche Deiner Heimatpfarre Pinkafeld geweiht ist – haben Dir mit ihrem Leben und Dienst gezeigt, was Nachfolge Jesu bedeutet – ein neues Kleid anziehen, ein neuer Mensch werden, die Wunden der Menschen heilen und den Wohlgeruch des Öls in der Welt verbreiten, im priesterlichen Dienst wie Schale und Kelch offen und zum Dienst an den Menschen, besonders den Armen und Verwundeten, bereit zu sein sowie als Friedensbote zu wirken. Dazu wirst Du jetzt von Gott geweiht und von der Kirche in die Welt gesandt. Wir alle – Deine Familie, das Kinderdorf, die Verwandten und Freunde, die Heimatpfarre, Einsatzpfarren, Seminargemeinschaft, das Stift Schlägl, Presbyterium unserer Diözese mit den Bischöfen sowie alle anwesenden Gläubigen, die Beter und Wohltäter - erbitten nun mit Dir die Gabe des Hl. Geistes für Deinen priesterlichen Dienst! Vergiss nie die Botschaft der Lesungen des heutigen Apostelfestes – Durch das Gebet wurde Petrus aus dem Gefängnis befreit, Paulus hat die Treue gehalten und beide haben Christus als den Messias erkannt und bekannt! Das wünsche auch ich Dir für Dein Priestersein! Amen.

Montag, 22. Mai 2017

Predigt anlässlich der 1. gemeinsamen Wallfahrt der Burgenlandkroaten nach Zagreb - 21. Mai 2017

Ča je poruka ove današnje šeste vazmene nedilje za nas same, za našu Crikvu i društvo u Hrvatskoj i Europi kot i za naš hrvatski narod? Mislim da je današnja duhovna poruka trostruka:

1. Kot kršćani smo dica Duha Svetoga a ne dica zaloga duha!

Kršćan svetim krstom i svetim bermanjem-krizmom postaje Božje dite i hram Duha Svetoga. U njemu se nastani i biva Duh Sveti a po njemu ta isti Duh Božji djeluje u Crikvi i svitu. Ovo nam poručuje prvo štenje iz Činov apoštolskih kada Filip prodikuje Božju rič u Samariji a Petar i Ivan polažu ruke na nje, da primu dar Duha Svetoga. To je ta snaga Božja, ka kršćana poziva na dobro, plemenito, slogu, jedinstvo i pozitivno. Zali duh je ta, komu nije do istine, ki širi laž, negativno i zlo. Duh Sveti uvijek spaja i izgradjuje a zali duh razdvaja i razara.

Još kao mladi student Zagrebačke bogoslovije sam 1983. ljeta dolaze-ći iz slobodne Austrije u bivšu komunističku Jugoslaviju na studije u Zagreb vidio i osobno doživio muke i patnje ovoga naroda. Iako sam bio mlad, sve sam shvatio i osjetio na svojoj koži, ča znači biti vjernik, katoličan i Hrvat. Ja sam 500 ljet po svojem 18. koljenu bio tako daleko a tako blizu Hrvatske, ali sam ipak kao hrvatski student i bogoslov bio nekim opasan, ne poželjan i sumljiv kada sam se stalno morao u glasovitoj Petrinjskoj ulici ovde u Zagrebu javljati policiji na informativne razgovore. A kako sam bio mlad, lud i naivan onda sam iskoristio priliku, pak sam i ja njih malo ispitivao. Zamislite! Cijelu akademsku godinu sam se ja „kao“ prijavljivao za privrimeni boravak. Skoro više vrimena sam bio u policiji, nego na bogosloviji.

Mi u Europi dobro znamo s kim i s čim ste vi ovde u staroj domovini živili iako ste bili okovani željeznimi vrati komunizma. Znamo i sada s čim se vi nosite, ar Berlinski zid još uvijek nije pao u glava nekih ljudi. Ali vi ste po teški represija, muka i stradanja konačno pobijedili i nadvladali zlo. Po ovom mučnom iskustvu ne pozabite nikada, da se i danas nastavlja borba Dobra i Zla, da kao pokršćeni i pobermani nosite u sebi Duha Svetoga kot Branitelja i Batritelja, ki vas uvijek poziva da se odrečete zla i odlučite za dobro. Ovako kot kršćani sebe, Crikvu i društvo izgradjivate i naš hrvatski narod jačate i obogaćivate.

2. Budimo pripravni na svidočanstvo vjere i angažman u društvu!

Ovimi riči poziva sveti Petar u drugom štenju prve kršćane, ki živu u strahu i progonstvu. Ali kršćan se razlikuje od pogana u tom, da ima ufanje i budućnost i da je povezan s Kristušem, goristalim-uskrslim Gospodinom. Zato se i ne boji s njim i za njega trpiti. Kršćan sigurno i mirno odgovara svojim mučiteljem i je stalan u svidočanstvu vjere, voli trpiti zbog pravice nego zbog krivice – kot naš blaženi A. Stepinac. Za svidočanstvo vjere triba kršćan snagu i hrabrost, crikvenu zajednicu i Božju milost.

Na žalost! Ravno ovo se danas u modernom društvu napada, umalovažuje i proganja. Ali ravno ovo je nam Gradišćanskim Hrvatom pomoglo, da si kroz pet stoljeća očuvamo našu vjeru, jezik i kulturu, naš vjerski i narodni identitet! Ravno vjera nam daje snagu i orientaci-ju za život. Ravno crikvena zajednica nas kot pojedine i narod oku-plja, uči, hrani, potpira, da se ne zgubimo i potopimo. A Božja milost pelja nas i naš hrvatski narod u srcu Europe i ga poziva na nove pute i mogućnosti, da se ne zatvara i izolira, da ne slijedi krivim prorokom i lažnim obećanjam. Ne živite nek u prošlosti nego u sadašnjosti i za budućnost, da kot hrv. predsjednica mudro nas sve opominja ne stvarajte nepodnošljivo i štetno društveno ozračje. Konačno nadvla-dajte povijesne hipoteke i budite pripravni na oprost i novi početak. Narod, ki to čini ima budućnost! Kršćana vjera obvezuje na takov angažman u Crikvi i Društvu! Evo, mi Gradišćanski Hrvati, iako smo davno silom napustili ove prostore, mi ljubimo i cijenimo svoju staru domovinu i nećemo podržavati one, ki nam staru majku iznutra i izva-na uništavaju u ime liberalizma, kapitalizma, antagonizma i lažnoga demokratizma. Zauztavite one, ki domovinu doživljavaju i iskorišta-vaju kao maćehu a ne kao majku. Recite im stop! Koga se bojite? Ljubite i volite svoju vjeru i domovinu, angažirajte se za nju, ne iskori-štavajte ju i ne pljuvajte po njoj nego uvijek i ponovno ginite za nju!

3. Hodimo u istini kot naš blaženi kardinal Alojzije Stepinac!

U današnjem evandjelju Jezuš veli: „I ja ću prositi Oca, i on će vam dati drugoga Branitelja, da ostane s vami na sve vijeke, Duha istine.“ I mi Gradišćanski Hrvati, kao hodočasniki došli smo putem Zagreba-čke sinode i vašega kardinala Josipa Bozanića – hoditi u istini. Kot kršćani nimamo drugoga puta. Došli smo reći, svitu i narodu, da tu istinu o životu i borbi blaženoga kardinala Alojzija Stepinca podržava-mo i mi iz Austrije, Slovačke i Madjarske. Na žalost. Čujem da se braća sa istoka boji istine. A zač?

Zato, ar je došlo vrime razotkrivanja i dokazivanja lažnih optužbov prema Stepincu. Bit će dokazana i lažna optužba prema cijelokupno-mu Hrvatskomu narodu. Ljudi Božji! Samo istina će nas osloboditi, spasiti i pomiriti. Pokažimo kot pravi kršćani, jedni i drugi, da smo Kristuševi, pripravni na suradnju i oprošćenje a ne na sukobe i podva-le. Ovo je pravo svidočanstvo vjere! Ako Boga ljubite i u njegovo ime govorite, onda zapovidi njegove čuvajte. Narode moj, Crikva moja, poštovatelji Stepinca nebojte se nikoga i ničega dokle hodite u istini. Prepustite se vjetru i snagi Duha Svetoga, ki vas nosi i pelja putem mira i dobra.

Danas smo došli na grob bl. Alojzija Stepinca, da se spomenemo kako se on prepustio peljanju i snagi Duha Svetoga. Izdržao je u teški muka crpeći snagu od Duha Branitelja. Kroz muku i molitvu je dobio veliku hrabrost boriti se protiv montiranih laži zloglasnoga i sotonskoga ko-munizma. Ne. Nisu mu mogli slomiti krila istine. Stepinac nam je do-kaz, da je Božja uvijek zadnja a ne ljudska! Pokazao je svojim muči-teljem ča je jače, križ kao znak mučenika ili petokraka kao znak mučitelja. Kanili su ubiti istinu u Stepincu i to još danas bez srama pokušavaju. Kanu skriti istinu o milijun mučenih, ubijenih i prognanih Hrvatov i drugih ljudi, ki nisu mogli prihvatiti laž i kradnju ljudske slobode govora. Stepinac je simbol istine i borac protiv laži. Pobijedio je sve lažne ljudske sude. Dobro je konačno pobijedilo zlo. Hodimo zato i mi u istini kot Stepinac i držimo se njegovoga gesla: „U ljubavi svojoj prema domovini i narodu ne dam se ni od koga nadvisiti.“

Dienstag, 18. April 2017

Ostern im Martinsdom - 16. April 2017

In der Regensburger St. Jakobskirche gab es vor Jahren eine Sensation: Ein Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert sollte restauriert werden. Dabei entdeckten die Fachleute im Hinterkopf des Gekreuzigten in einem Hohlraum einen Schmetterling, ungefähr 4 bis 5 cm groß, aus vergoldetem Silber, die Flügel farbenprächtig emailliert und die Fühlerspitzen aus echten Perlen.

Was hat dieser Schmetterling im Hinterkopf Jesu zu suchen? Dafür gibt es zwei Erklärungen: Zum einen war schon in der Antike der Schmetterling ein Sinnbild für die unsterbliche Seele des Menschen – das griechische Wort "Psyche" bedeutet sowohl Seele als auch Schmetterling. Und zum anderen haben die Kirchenväter im Schmetterling ein Symbol für die Auferstehung Jesu gesehen – so wie sich die Raupe zur starren, leblosen Puppe verwandelt, aus der aber ein schöner, farbenfroher Schmetterling schlüpft, so steht auch für Jesus am Ende nicht der Tod, sondern neues Leben. Der Schmetterling also als Bild für verwandeltes und befreites, für neues und unsterbliches Leben. Und der Schmetterling im Hinterkopf Jesu beim Regensburger Kruzifix – das wäre doch Ostern im täglichen Leben: Immer im Hinterkopf haben: Jesus lebt und auch wir werden leben!

Der Schmetterling ist also eine ausgezeichnete Osterpredigt. Wir sollen jederzeit im Hinterkopf haben: Wir sind befreit von der Angst vor dem Tod. Daher eine dreifache Osterbotschaft an uns:
Ostern schenkt uns Flügel, uns aus unserer Verpuppung, aus allem erstarrten herauszuholen und zu neuen Menschen zu machen; dass wir abstreifen, was uns krank macht, einengt und lähmt; dass wir herausschlüpfen aus dem Gefängnis unserer Lethargie, Resignation und Gewohnheiten, in die wir uns selbst verstrickt haben; dass wir uns das Leben nicht mit Vorurteilen schwer machen und uns nicht von Populisten zu Ausgrenzungen und Demütigungen anderer – vor allem Fremder, Verfolgter und Flüchtlinge - verleiten lassen; dass wir als Menschen-Christen nicht verkümmern, sondern unsere Talente in Kirche und Gesellschaft einbringen; dass wir unsere Masken ablegen und Fassaden aufgeben, indem wir einfach und verantwortlich leben; dass wir uns und andere nicht auf alte Schuld und Versagen festlegen, sondern wissen, dass wir immer wieder neu anfangen dürfen. Brauchen wir nicht heute mehr denn je diese Frohbotschaft von Ostern, um dem verängstigten Menschen, unserer von Hass, Krieg, Terror, Vertreibung und Verfolgung bedrohten Welt, unserem lau gewordenen Christentum neue Flügel zu verleihen?

Ostern gibt uns neuen Schwung, die Botschaft von der Auferstehung in die Welt zu tragen. Auf dem Regensburger Schmetterling ist auf dem rechten Flügel Maria zu sehen, auf dem linken Johannes, der Lieblingsjünger Jesu. Der Rumpf des Schmetterlings ist Jesus am Kreuz, so wie wir es vom Kreuzweg her kennen – nur hier in einem Schmetterling eingepackt. Was will uns das sagen? Wie Maria aus dem Wunder der Auferstehung ihres Sohnes neuen Schwung bekam oder der Apostel Johannes sich aufmacht, die österliche Botschaft in die Welt zu tragen, so sind auch wir aufgerufen zu einer Liebe, die sich aus dem Trott des Alltäglichen und Gewohnten emporschwingt und alle Begrenzungen überfliegen kann. Christ ist, wer sich vom Auferstandenen gewinnen und überwältigen lässt. Im Leben der Getauften müsste das Leben des Auferstandenen sichtbar werden. Die hl. Taufe befähigt uns Christen – wie Paulus in der Lesung den Kolossern sagt – unseren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische zu richten! Trachten Christen noch nach Himmlischem oder nur nach Irdischem? Brauchen wir nicht heute mehr denn je diesen österlichen Schwung, österliche Christen in unserer Kirche, in unserer Diözese mit ihren Pfarrgemeinden, in unseren christlichen Familien und Gemeinschaften?

Ostern will uns zur Begegnung mit dem Auferstandenen, zur Freundschaft mit Jesus führen. Dies zeigen uns auch die Osterevangelien deutlich – Maria von Magdala, Petrus, Johannes, später die Apostel, die beiden Emmausjünger, sie alle begegnen dem Auferstandenen persönlich, werden von ihm berührt und werden so zu begeisterten Zeugen und Boten der Auferstehung und des Auferstandenen. Nicht nur das alte Regensburger Kruzifix mit dem Schmetterling im Hinterkopf des Gekreuzigten, sondern auch der hochbetagte ehemalige Theologieprofessor in Regensburg – Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI., der heute seinen 90. Geburtstag feiert – ist ebenfalls ein profunder, stiller und glaubwürdiger Zeuge der Osterbotschaft. Bei seinem Besuch am 8. September 2007 in Mariazell hat er uns in der Predigt eindrucksvoll daran erinnert "Auf Christus zu schauen!" "Wenn wir das tun, dann sehen wir, dass das Christentum mehr und etwas anderes ist als ein Moralsystem, als eine Serie von Gesetzen und Forderungen. Es ist das Geschenk einer Freundschaft, die im Leben und im Sterben trägt … Dieser Freundschaft vertrauen wir uns an. Aber gerade weil das Christentum mehr ist als Moral, eben das Geschenk einer Freundschaft, darum trägt es in sich auch eine große moralische Kraft, deren wir angesichts der Herausforderungen unserer Zeit so sehr bedürfen." Papst Benedikt XVI. hat in seinem Forschen und Lehren als Professor, in seiner Hirtensorge als Bischof, Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation, vor allem in seinem Dienst als Nachfolger Petri immer Gott und sein Geheimnis in die Mitte gestellt, die Menschen aufgerufen auf Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, zu schauen und sie ermutigt ihr Leben aus der Freundschaft mit Jesus zu gestalten. Braucht es nicht heute mehr denn je solche Propheten und Hirten mit großer Intellektualität und tiefer Spiritualität, die unsere Kirche und Welt an Gott und sein Geheimnis erinnern, damit unsere Kirche und Welt nicht gottlos, orientierungslos und damit hoffnungslos ist?

Mein Osterwunsch an sie alle lautet daher: Die Feier von Ostern schenke uns Flügel, uns aus unseren Ängsten, Verkrustungen und Gewohnheiten zu befreien – Die Feier von Ostern führe uns zur Begegnung mit dem Auferstandenen und festige/erneuere unsere Freundschaft mit Jesus – Die Feier von Ostern gebe uns neuen Schwung das Osterlicht in die Finsternis unserer Welt zu tragen und die Osterbotschaft mit unserem Leben im Alltag zu bezeugen!

Der Schmetterling im Hinterkopf des Gekreuzigten am kostbaren Regensburger Kreuz und der ehemalige Regensburger Professor Joseph Ratzinger und emeritierte Papst Benedikt XVI., dem wir zum heutigen 90. Geburtstag von Herzen alles Gute wünschen, aufrichtig für seinen treuen Dienst in der Kirche und für seine Verbundenheit mit dem Burgenland seit seiner Jugend im "Reichsarbeitsdienst" bei uns in Deutsch Jahrndorf danken und für den wir heute besonders beten – erinnern und ermutigen uns, Ostern immer im Hinterkopf zu haben, das heißt zu wissen: Jesus lebt und auch wir werden leben! Also, nicht der Tod, sondern das Leben hat das letzte Wort! Amen.

Chrisammesse - 12. April 2017

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst! Zur Chrisammesse versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Die Chrisam-Messe, die wir jedes Jahr hier im Dom feiern, ist ein Zeichen der Einheit – der Einheit der vielen Priester aus allen Dekanaten und der vielen Männer und Frauen aus den Pfarren unserer Diözese mit dem Bischof. Und ebenso sind die heiligen Öle, die in diesem besonderen Gottesdienst geweiht werden, ein Zeichen unserer Einheit: Als Werkzeuge der Stärkung, der Pflege und der Heilung drücken sie aus, was wir alle als Menschen benötigen, um als Glieder eines Leibes Christus anzugehören.

Doch noch eine Einheit können wir heute erfahren: Diese Öle, die ihren Ausgang bei den Menschen des Orients nahmen, haben nur deshalb seit Jahrtausenden Bestand und konnten den Weg vom Alltag in den Gottesdienst finden, weil sie eine innere Qualität besitzen, die über jeden Zweifel erhaben ist. Jeder weiß, dass es beim Olivenöl verschiedene Güteklassen gibt. Die höchste Güte haben jene Öle, die direkt aus der Frucht gepresst werden und unvermischt und unverfälscht sind. Das ist ein starkes Bild und Vor-Bild für unser Leben und unseren Dienst als Seelsorger. Ich möchte daher diese Feier nutzen, um mit euch gemeinsam über die Qualität unseres pastoralen Dienstes nachzudenken und damit über die nötige Einheit von äußerem Zeichen und innerer Haltung.

Niemand geringerer als Papst Franziskus hat in seinem Apostolischen Schreiben "Misericordia et misera" zum Abschluss des außerordentlichen Heiligen Jahres der Barmherzigkeit am Christkönigssonntag 2016 besonders den Bischöfen, Priestern und Diakonen einige pastorale Prioritäten ans Herz gelegt. Es sind jene Prioritäten, die sich an die innerste Qualität seelsorglichen Dienstes richten. Denn: Nur eine qualitätsvolle Frucht bringt wohlriechendes Öl hervor, das den Menschen in Wort und in Tat dient.

Da ist zunächst – bildlich gesprochen! – das wohlriechende Öl der Homilie, der Predigt, der Katechese. Papst Franziskus erinnert uns in seinem Schreiben daran, dass das Hören des Wortes Gottes in der Kirche und im Leben des Christen eine besondere Bedeutung hat. Nur wer sein Ohr und sein Herz offen hält, ist auch empfänglich für das Geschenk der göttlichen Barmherzigkeit. Daher die wörtliche Bitte des Heiligen Vaters an die Priester: "So ermahne ich dringend, die Homilie entsprechend vorzubereiten und die Verkündigung zu pflegen. Sie wird umso fruchtbarer sein, je mehr der Priester an sich selbst die barmherzige Güte des Herrn erfahren hat. Die Gewissheit zu vermitteln, dass Gott uns liebt, ist keine theoretische Übung, sondern eine Bedingung für die Glaubhaftigkeit des eigenen Priestertums."

Was bedeutet das für uns Geweihte? Unsere Predigten müssen gewissermaßen das Öl sein, das aus uns – wie aus Früchten – herausgepresst wird. Nur ein Seelsorger, der selbst die Barmherzigkeit Gottes erfahren hat, ist imstande, Barmherzigkeit zu leben und sie im pastoralen Leben für andere erfahrbar zu machen. Ein bloßes Reden über Barmherzigkeit, und sei es noch so kunstvoll, ist, wenn es nicht aus dem Herzen des Sprechenden kommt, wie synthetisches Öl oder wie gepanschter Wein. Der Glykolwein in den 80-ern war zwar süß, aber nicht bekömmlich für den Menschen. Wohlklingende Predigten anderer Leute aus dem Internet heraus zu kopieren und vom Ambo zu verlesen, ist kein fruchtbringender Verkündigungsdienst, wenn auch nicht unbedingt gesundheitsgefährdend. Die Gläubigen spüren instinktiv, dass in solchen Fällen beim Prediger keine Einheit zwischen Herz und Hirn besteht und öffnen sich auch nicht für das Wort Gottes. Verzichten wir auf solche Formen des Selbstbetrugs!

Damit in direktem Zusammenhang steht die zweite große Bitte von Papst Franziskus. Sie lautet: "Die Priester fordere ich erneut auf, sich mit großer Sorgfalt auf den Dienst der Beichte vorzubereiten, der eine wirklich priesterliche Aufgabe ist." Ich höre den gedanklichen Einwand vieler von euch: "Ja, was sollen wir denn machen, wenn die Leute nicht mehr beichten gehen?" Darauf meine Gegenfrage: "Was tragen wir als Priester dazu bei, dass wieder mehr Menschen den Weg ins Beichtzimmer finden?" Wie unser Beitrag aussehen soll, sagt uns Papst Franziskus selbst: "... ich bitte euch, für alle offen und aufnahmebereit zu sein; Zeugen der väterlichen Zärtlichkeit zu sein trotz der Schwere der Sünde; fürsorglich zu helfen, über das getane Böse nachzudenken; unmissverständlich die moralischen Prinzipien darzulegen; verfügbar zu sein, um die Gläubigen auf ihrem Weg der Buße zu begleiten und dabei geduldig ihr Tempo zu berücksichtigen; weitsichtig zu sein in der Unterscheidung jedes einzelnen Falles und großherzig in der Gewährung der Vergebung Gottes."

Ich denke, dass diese Anleitung uns klar macht, dass das Sakrament der Versöhnung bereits im Vorfeld des Beichtstuhls eine Einladung und eine sensible Vorbereitung durch den Priester braucht. Auch hier gilt das Bild von der guten Frucht und ihrem Öl: Nur ein Priester, der am eigenen Leib den Prozess von Sünde, Reue, Umkehr und Versöhnung mit Gott und mit sich selbst erfahren hat, wird anderen Versöhnung Suchenden auf ihrem Weg wirklich beistehen können. Ein solcher Beichtdienst, der Gottes Barmherzigkeit erfahrbar macht, ist wirklich Öl der allerhöchsten Güteklasse. Alles andere erleben die Menschen als künstlich und lehnen es wohl zu Recht ab.

Drittens bittet Papst Franziskus uns Priester – wiederum bildlich gesprochen - um ein besonders wertvolles "Öl" auf eine der großen Wunden unserer Gesellschaft: Er lädt uns ein zu einer erneuerten Ehe- und Familienpastoral angesichts der vielfältigen und komplizierten Lebenssituationen von Paaren und Familien in der heutigen Zeit. Er bittet die Priester wortwörtlich um "eine aufmerksame, tiefe und weitsichtige geistliche Unterscheidung, damit niemand ausgeschlossen wird, in welcher Situation er auch lebt, und jeder sich von Gott konkret angenommen fühlen, aktiv am Leben der Gemeinde teilhaben und jenes Volk Gottes eingegliedert werden kann, das unermüdlich auf die Fülle des ... Reichs der Gerechtigkeit und Liebe, der Vergebung und Barmherzigkeit hin unterwegs ist."

Es ist dieser hohe Anspruch einer Seelsorge des Begleitens, Unterscheidens und Eingliederns wohl jener Bereich, in der sich das pastorale Vermögen oder Unvermögen eines Seelsorgers am stärksten zeigt. Denn nur ein Priester, der die Erfahrung der Barmherzigkeit selbst gemacht hat, ist fähig, auf alle menschlichen Schwierigkeiten mit der Haltung der Liebe Gottes zu schauen und wird nicht müde, Menschen zu begleiten: in der Ehevorbereitung; in der Ehebegleitung; beim Leben in der Familie, die der wichtigste Lernort des Glaubens ist und als "Kirche im Kleinen" bezeichnet wird; vor allem aber auch im Umgang mit Zerbrechlichkeit und Irregularität, dort, wo Lebensträume scheitern und Menschen darin gestärkt werden müssen, nicht an ihren Begrenztheiten zu verzweifeln, sondern dennoch nach der Fülle und der Gemeinschaft zu streben, die uns Menschen verheißen ist.

Im Evangelium der Chrisammesse wird uns heute von neuem gesagt, dass der Geist des Herrn auf uns ruht, der uns in Taufe, Firmung und Weihe gesalbt hat; der uns gesandt hat, sein Wort und seine Barmherzigkeit in Predigt, Homilie und Katechese zu verkündigen, das Sakrament der Versöhnung selber zu empfangen und anderen als das Geschenk des Auferstandenen weiterzugeben; der uns gesandt hat, sich der Familien und der Jugend anzunehmen.

Als Bischof danke ich Euch allen für Euren Einsatz und ermutige Euch, trotz aller Herausforderungen nicht müde und mutlos zu werden. Der Geist, der auf uns ruht und in uns wirkt, ist größer als wir selbst. Wie Reben hängen wir am Weinstock und wie Früchte am Ölbaum, von wo her wir alles erhalten, um zu leben. Erneuern wir heute wieder unsere Bereitschaft, anderen die heiligen Öle zu bringen und selbst heilendes und pflegendes Öl zu sein für andere.

Dazu erbitten wir Gottes Hilfe und Beistand!

Amen.

Mittwoch, 1. März 2017

Aschermittwoch im Martinsdom, 1. März 2017

Mit dem heutigen Aschermittwoch treten wir Christen in eine besondere Zeit ein – der lateinische Name dafür lautet: Quadragesima. Wenn wir dieses Wort ins Deutsche übertragen wollen, so ist das gar nicht einfach. Das alte Wort "Fastenzeit" ist ungenügend. Das neue Wort "österliche Bußzeit" ist besser, aber es reicht auch nicht aus. "Quadragesima" müssten wir von der Liturgie her übersetzen mit: "das Fest der 40 Tage". Denn dieses Wort wird vor allem durch drei Begriffe gebildet: solemnia – Festlichkeit, celebrare – feiern und sacramentum. Mit dem Wort "Sakrament" ist ein Ereignis aus der Geschichte Gottes mit den Menschen gemeint, das in der Kirche zu einer Lebensform geworden ist, in der dieses Ereignis immer neu gegenwärtige Wirklichkeit wird. Indem wir in diese Lebensform hineintreten, berühren wir das Ereignis und berühren so jene Stelle der Geschichte, wo die Wand der Vergänglichkeit aufgerissen ist, wo Gottes Hand hereinreicht in diese Zeit.

Was bedeutet also das "Fest der 40 Tage"? Es ist das Hineintreten in das Geschehen der Geschichte Gottes mit den Menschen, das die Zahl 40 benennt. Es bedeutet etwas anderes als private Kasteiung, Verzicht, Opfer, Frühjahrs-Abmagerungskur, obwohl sie durchaus dies mit in sich aufnehmen kann. Dabei steht aber nur der Mensch selbst, das eigene Ich im Mittelpunkt. Es geht um Selbstverwirklichung. Der Mensch will sich selbst erleisten und beweisen, er will die Macht seines Geistes und Willens zeigen. Der Mensch kann aber auf solche Weise nicht ganz gesund werden, da am Ausgangspunkt etwas Falsches steht: das eigene Ich als Mittelpunkt, und der Versuch des Menschen, sich selbst zu machen. Das "Fest der 40 Tage" bedeutet, dass wir gerade diesen Grundfehler, an dem die Welt krankt, an dem wir alle kranken, korrigieren, dass wir in die Endprivatisierung der Existenz hineintreten, indem wir uns hingeben an das gemeinsame Fest der 40 Tage. Dabei berühren wir das Ereignis der Wüstenjahre Israels, das Geheimnis der ersten Liebe zwischen Gott und seinem Volk. Wir berühren darin den Sieg Jesu Christi in der Wüste über die Macht des Bösen. Darum sind die 40 Tage "Quadragesima" ein Fest. Darum folgt die Kirche dem Auftrag Jesu im heutigen Evangelium: "Wenn du fastest, mach kein finsteres Gesicht, sondern salbe dein Haar und wasche dein Gesicht!" Wir feiern in diesen 40 Tagen die Überwindung und das sich Berühren von Gott und Welt, von Gott und Mensch. Wir feiern die Freiheit des Menschen, unsere Freiheit von Egoismus und den Mächten des Bösen/Todes. Wir feiern die Überwindung von Materie und Geist.

Jesus bittet uns, seine Jünger, im Evangelium des Aschermittwochs alle Masken abzulegen und in den kommenden 40 Tagen unsere Ver-bindung mit Gott und den Mitmenschen zu erneuern. Wie? Durch Fasten, das heißt leer werden für Gott – durch Beten, das heißt Vertrauen zu Gott – durch Almosengeben=Teilen, das heißt Handeln wie Gott. Braucht nicht gerade das unserer Zeit mehr denn je?

Das Aschenkreuz, das uns jetzt aufgelegt wird, ist ein Zeichen unserer Vergänglichkeit, unserer Bereitschaft zur Umkehr und der Hoffnung auf neues Leben. Es ist auch ein Zeichen, dass wir uns als Christen auf das Fest der 40 Tage einlassen und unseren Weg auf Ostern hin mit Freude, Mut und Entschlossenheit gehen wollen! Ich wünsche uns allen dabei Ausdauer und Geduld - vergessen wir nie: zum Gelingen jedes Festes gehört eine gute Vorbereitung und Beichte. Gott bietet uns in diesen 40 Tagen von neuem die Versöhnung und Vergebung an – nützen wir diese Zeit der Gnade! Amen.

Mittwoch, 18. Januar 2017

Ökumenischer Gottesdienstes in der Gebetswoche für die Einheit der Christen - Bad Tatzmannsdorf, 18. Jänner 2017

Liebe Schwestern und Brüder!

Zwei Blinde sitzen an einer Straße. Jesus kommt vorbei und sie bitten ihn laut rufend um Erbarmen. Die Menge ist erbost und will die beiden Blinden zum Schweigen bringen. Ohne Erfolg: Jesus hat Mitleid und macht beide sehend.

Was uns das Evangelium in wenigen Worten mit einer prägnanten Szene erzählt, ist auch ein Gleichnis für ein jahrhundertelanges Drama, auf dessen Bühne wir alle einen Platz einnehmen. Denn der Weg, an dem sich die Szene abspielt, ist auch der jahrhundertelange Weg unserer christlichen Konfessionen. Die Menge, von der die Rede ist und der die um Erbarmen rufenden Blinden ein Ärgernis sind, das sind auch die vielen Zeitgenossen, die keine Störungen ihrer gewohnten konfessionellen und sonstigen Sichtweisen und Privatwahrheiten dulden. Und die beiden Blinden an der Straße – ja, das sind wir! Denn der Weg zur Erkenntnis ist für den Einzelnen, für die Völker und Nationen, für die Kulturen und Religionen ein Weg des immer mehr Sehend-Werdens. Dieser Weg ist nie abgeschlossen. Offenbart sind uns nur die Richtung und das göttliche Ziel dieses Weges: Versöhnung, Friede, Liebe.

Entscheidend an dieser Szene des Evangeliums ist für uns: Jesus handelt nicht ohne oder gar gegen den Willen der Blinden. Es sind die beiden Blinden, die sich ihrer Blindheit bewusst sind und von sich aus um Erbarmen rufen. Und als Jesus ihnen die Frage stellt „Was soll ich euch tun?“, da antworten beide ganz klar: „Herr, wir möchten, dass unsere Augen geöffnet werden.“ Das ist entscheidend: Beide wollen sehend werden! Und so ist ihr Weg – so ist unser aller Weg! – ein Weg der drei Schritte:

1. Dieser Weg beginnt mit der Erkenntnis, dass wir als Christen im Laufe der Geschichte so vieles um uns herum, so vieles am jeweils anderen nicht gesehen haben, nicht sehen konnten, auch nicht sehen wollten. Jahrhunderte der Blindheit und der Verblendung begleiteten den Weg unserer Konfessionen.

2. Von dieser bitteren, aber notwendigen Erkenntnis gelangen wir zum zweiten Schritt, zum Bekenntnis. Es ist das Bekenntnis, dass wir durch unsere Blindheit aneinander schuldig geworden sind. Durch Religionskriege; durch gegenseitige Be- und Verurteilungen; durch Polemiken; dadurch, dass wir einander – theologisch und mit anderen Mitteln – gegenseitig „zur Hölle“ geschickt haben. Diese Schuld, Stein um Stein in Jahrhunderten zu einer hohen Mauer aufgeschichtet, hat uns lange Zeit voneinander getrennt. Sie hat uns im jeweils anderen einen vermeintlichen Feind und dadurch eine scheinbare Bestätigung der eigenen Standpunkte, der eigenen Lieblingstheorien und lähmender, blindmachender Klischees geliefert. Doch in Wahrheit hat diese Mauer uns alle eingeschränkt und ärmer, um nicht zu sagen: armseliger gemacht. Denn sie hat uns voneinander getrennt! Sie hat uns die Sicht aufeinander und dadurch die Sicht auf Gott in seiner Fülle verbaut! Politik, Ideologie und ein Zuviel an Theologie haben allzu oft die Herzen aus Fleisch und Blut, die Christus wollte, zu vorbiblischen Herzen aus Stein gemacht!

3. Erst durch dieses ehrliche Bekenntnis können wir den dritten Schritt tun und gelangen so zum Verständnis. Nur durch die Liebe, die uns drängt, wie Paulus sagt, können wir einander unvoreingenommen sehen als Geschwister und als Kinder des einen Gottes. Das Hirn bringt uns Menschen zwar sehr weit – aber nur das Herz lässt scheinbar unüberbrückbare Distanzen überwinden! Die Liebe ist die höchste Form des Erkennens und Verstehens – auch das lesen wir bei Paulus.

Erkenntnis – Bekenntnis – Verständnis: Die Szene vor Jericho ist eine realistische Anleitung für die ökumenische Perspektive der Zukunft:
- Sie führt zu einer Erneuerung der Christenheit aus dem Geist des Evangeliums selbst. Sie skizziert unsere eigene Neuevangelisierung.
- Sie führt dazu, dass wir alle uns in Jesu Namen versammeln – und nicht im Namen trennender Kategorien, denen wir in der Vergangenheit mehr Liebe entgegengebracht haben als unseren Mitmenschen anderer Konfessionen.
- Sie führt dazu, dass wir ein gemeinsames und wirklich glaubhaftes Zeugnis der Barmherzigkeit in dieser Welt geben können, denn es besteht eine innere existentielle Verknüpfung von Barmherzigkeit, Nächstenliebe und Gotteserkenntnis!

Viele Christen erwarten zu Recht, dass das Gedenken an die Reformation uns dem Ziel der Einheit als Christen näher bringen werde. Wir dürfen diese Erwartung nicht enttäuschen! Gerade wir als Burgenländer, die wir so lange an einer Grenze und an einer Mauer gelebt haben, können aus der historischen Erfahrung sagen, was es in Pannonien an Gegeneinander der Konfessionen gegeben hat. Gerade wir aber sind auch Zeugen, wie dieses Gegeneinander zu einem unverbindlichen Nebeneinander und schließlich zu einem immer stärkeren Miteinander und heute zu einem echten Füreinander geworden ist. Wir sind auf dem richtigen Weg! Gottes Erbarmen möge uns, die wir so lange blind waren, weiterhin die Augen für seine Pläne öffnen! Superintendent Manfred und ich sind als Vertreter unserer beiden Kirchenleitungen bereit, auf diesem Weg weiter voranzugehen, doch wir können das nur stellvertretend tun. Deshalb bitten und ermutigen wir alle evangelischen und katholischen Christen unseres Landes zum Mitgehen – es ist der Weg Jesu, der will, dass wir eins sind! – bei allen Ängsten und Vorbehalten, die es in beiden Konfessionen gibt! Habt Mut! Ihr seid dabei nicht allein gelassen, wie Martin Luther uns in einem seiner Gebete erinnert:

„Lieber Herr Christ(e), gib uns allen deinen Geist und (deine) Gaben, nicht zu unserem Ruhm, sondern zum Nutz(en) und (zur) Besserung der Christenheit ...“

Vor unserer Prozession von der katholischen Pfarrkirche hierher in die evangelische Pfarrkirche haben wir ein schönes Lied gesungen. Darin hieß es : „Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Tor in einer Mauer, wie ein Brief nach langem Schweigen“...

Liebe Schwestern und Brüder! Feiern wir gemeinsam unsere Feste als Christusfeste – indem wir so viel wie möglich gemeinsam in dieser Welt wirken: in Gebet und Gottesdienst; im christlichen Unterricht und in der Bildung (wie etwa durch unseren neuen christlichen Lehrerverein); in der Pastoral und in der Caritas über alte Trennlinien hinweg! Schlagen wir neue, längst fällige Tore in alte Mauern! Und schreiben wir einander immer mehr Briefe! Diese Briefe können, wenn sie wirklich mit Interesse gelesen werden wollen, nur Liebesbriefe sein. Und vergessen wir nicht: Nur Menschen mit sehendem Herzen werden solche Briefe schreiben und auch lesen können. Menschen, die über die Erkenntnis zum Bekenntnis und schließlich zum Verständnis gelangen. Menschen wie die beiden Blinden vor Jericho, denen Christus mit seiner Liebe die Augen öffnete.

Blog Archive