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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 19. September 2016

Diakonenweihe von Kurt Aufner und Gustav Lagler im Martinsdom 18. September 2016

Ich möchte uns allen – besonders unseren beiden Kandidaten zum Diakonat – den ungerechten Verwalter im Evangelium als Vorbild für unser Christsein und für Euren diakonalen Dienst geben. Warum gerade diesen Mann, Gauner? Wenn Jesus gerade diesen Mann im heutigen Evangelium lobt und uns damit empfiehlt auch so zu handeln, dann geht es ihm sicher nicht darum, Urkundenfälschung und Geschäftsschädigung gutzuheißen. Was Jesus uns sagen will, ist: Der Mann ist schlau, klug, originell, raffiniert. Um seinen Kopf zu retten, lässt er sich etwas einfallen und nützt die Chance des Augenblicks. Er entgeht einer Kündigung und sichert sich zugleich seine Zukunft. Umgesetzt für uns – besonders für unsere beiden Weihekandidaten – bedeutet das: Seid ihr Kinder des Lichts doch auch so erfinderisch für Jesu gute Sache wie die Kinder dieser Welt für ihre egoistischen Interessen. Eure Zukunft steht auf dem Spiel – nützt eure Zeit, handelt entschlossen, seid klug, riskiert alles für das Reich Gottes, seid originell, was euren Glauben, was das Umsetzen von Gottes- und Nächstenliebe in die Tat anlangt.

Ihr, liebe Weihekandidaten, habt diese Einladung Jesu zur Risikobereitschaft, Originalität und Klugheit im Dienst der Sache Jesu aufgegriffen und wollt Jesus im geistlichen Dienst ganz nachfolgen, mehr als nur Durchschnittschristen sein. Ihr seid Menschen, die radikale Konsequenzen aus ihrer Beziehung zu Gott und Jesus Christus gezogen haben. Ihr seid Menschen, die wachsam waren für Jesu Ruf sowie für die Not und die Notwendigkeiten ihrer Mitmenschen und Zeit. Ihr seid Menschen, die Freude am Evangelium haben und ein Herz für ihre Mitmenschen, besonders jenen, die in Not sind. Ihr werdet als Diakone auch Menschen sein, die für ihre Mitmenschen ein Wegweiser zu Gott sind, aber auch unbequeme Zeitgenossen, die das offene Wort riskieren, gegen den Strom schwimmen sowie Vorbeter und Fürbitter sind. Tut dies aber wie der Verwalter im Evangelium mit Klugheit und Originalität, vor allem aber mit Liebe und Barmherzigkeit und in der Sprache, die auch die heutigen Menschen verstehen – dann seid Ihr anziehend und glaubwürdig!

Ihr könnt dabei auf das Beispiel so vieler Christen und Heiligen schauen, die es uns im Laufe der Geschichte vorgemacht haben – in diesem Heiligen Jahr für die Weltkirche und Jubiläumsjahr für unsere Diözese und Eurem Weihejahr sind es vor allem der hl. Martin, unser Landes- und Diözesanpatron und die jüngste Heilige der Kirche, der Engel der Armen, Mutter Teresa von Kalkutta – beide sind wohl die großen Heiligen der Barmherzigkeit! Beide haben Jesu Wort im heutigen Evangelium: "Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon" in ihrem Leben verwirklicht.

Das aramäische Wort "Mammon" bedeutet ursprünglich "trauenvertrauen". Der "Mammon" ist also das, worauf man vertraut. Schon in biblischer Zeit bekam der "Mammon" die Bedeutung von "Besitz oder Vermögen" – und damit ist die zentrale Versuchung des "Mammon" klar: Menschen trauen nicht der Beziehung zu Gott, sondern glauben, in erster Linie durch das eigene Vermögen bewirken zu können, dass ihr Leben gelingt. Dem Besitz gilt dann auch ihre gesamte Arbeit und Aufmerksamkeit. Tun das nicht viele Menschen auch heute? Besitz und Reichtum allein garantiert aber kein glückliches und erfülltes Leben. Wenn die Sorge um den Besitz das Denken ausfüllt, geht Entscheidendes verloren, nämlich die Beziehung zu den Menschen und auch zu Gott. Vielmehr sind wir gefordert, Besitz so einzusetzen, dass er dem Leben dient. Das ist der kluge Umgang mit Reichtum, von dem Jesus im heutigen Evangelium spricht.

Ihr, liebe Weihekandidaten, zeigt durch Eure Bereitschaft zur Weihe, dass Ihr der Beziehung zu Gott nicht nur traut, sondern auf ihr Euer ganzes Leben baut. Ihr vertraut Gott, dass Euer Leben gelingt und dass Ihr vielen Menschen den Weg zu einem gelingenden und erfüllten Leben – zu Jesus – zeigen und ihnen auch auf diesem Weg helfend beistehen könnt. In der Weihe wird jetzt durch Zeichen und Riten Euer Dienst als Diakon sichtbar gemacht, indem Ihr nach der Anrufung des Heiligen Geistes, Eurem Weiheversprechen, der Handauflegung und Gebet die Dalmatik anzieht und ich Euch das Evangeliar zur Verkündigung der Frohbotschaft Jesu überreiche sowie Euch den Friedensgruß gebe als Zeichen dafür, dass Ihr Friedensboten in der Welt seid. Wie Ihr aber den Dienst des Diakons ausüben und welche Eigenschaften Euch dabei auszeichnen sollen, das erbitte ich für Euch von Gott im Weihegebet: "Das Evangelium Christi durchdringe euer Leben. Sichtbare Liebe sei euch eigen, unermüdliche Sorge für die Kranken und Armen. Mit Würde und Bescheidenheit sollt ihr allen begegnen, lauter im Wesen und treu im geistlichen Dienste. Das Beispiel eures Lebens soll die Gemeinde auf den Weg der Nachfolge führen."

In Eurem Dienst als Diakone seien Euch die Klugheit, Risikobereitschaft und Originalität des Verwalters im heutigen Evangelium sowie Martinus und Mutter Teresa – die Heiligen der Barmherzigkeit – Vorbild und Wegweiser! Wie der Prophet Amos in der 1. Lesung damals, so kämpft auch Ihr als Diakone heute gegen Menschen an, die sich fromm geben und religiöse Feste feiern, aber die Armen betrügen und ausbeuten – seid und bleibt als Diakone immer auf der Seite der Armen, Kleinen, Schwachen, Flüchtlinge, Verfolgten, auch wenn es nicht "in" und angenehm ist, auch wenn der "Stammtisch" anderes sagt! Fürchtet Euch nicht, habt Mut und tut es, dann seid ihr auf der richtigen Seite! Betet stellvertretend für alle Menschen wie es Paulus in der 2. Lesung seinem Schüler Timotheus ans Herz legt und seid als Diakone wie Jesus immer Mittler zwischen Gott und den Menschen!

Unser aller Gebet begleitet Euch in dieser so wichtigen Stunde Eures Lebens, wenn wir jetzt vor der Weihe gemeinsam Gottes Heiligen Geist für Euch und für Euren Dienst als Diakone erbitten! Amen.

Montag, 12. September 2016

Predigt anlässlich des Ordenshochfestes „30 Jahre Ferdinandus Orden“ - 10. September 2016

Lieber Bischof Paul als Geistl. Generalprotektor des Ferdinandus Ordens!
Liebe Ordensmitglieder mit den Honoratioren an der Spitze!
Geschätzte Vertreter der Politik und des öffentlichen Lebens!
Liebe, zum feierlichen Gottesdienst versammelte Gemeinde!

Das Beispiel vom barmherzigen Samariter, das wir soeben gehört haben, ist einer der wichtigsten Texte der Menschheit. Jesus führt seinem Gesprächspartner vor Augen, worin die Erlangung des ewigen Lebens besteht. Sie besteht nicht in der Rechtgläubigkeit; sie besteht auch nicht darin, zur richtigen Kaste zu gehören oder den richtigen sozialen Status in der Welt zu haben. Das Himmelreich erlangt, so Jesus, jener, der Mitleid mit seinem Nächsten hat. Der, der aus reiner Barmherzigkeit hilft und die Wunden des anderen verbindet. Willst Du das ewige Leben erlangen, "dann geh und handle genauso!"

Das Liebesgebot Jesu hat die Welt verändert. So schrecklich sie auch immer wieder sein mag – zu allen Zeiten hat es Menschen gegeben, die von Christus inspiriert, vom Mitgefühl für andere bestimmt waren und nach dem Liebesgebot handelten. Martin von Tours stand für diese Haltung und lebte sie überzeugend in Zeiten allergrößter gesellschaftlicher Herausforderungen. Es war die Zeit der Völkerwanderung, alte Sicherheiten zerbrachen, die antike Gesellschaft wurde durcheinandergewirbelt und musste sich neu orientieren – eine Zeit, die der heutigen nicht ganz unähnlich ist.

In dieser Zeit des Umbruchs führte ein junger römischer Soldat den Menschen vor Augen, dass das bloße Reden von der Gottesliebe wertlos ist, wenn es nicht von der konkreten Zuwendung zu unserem Nächsten begleitet wird. Die Liebe ist der Sinn und das Grundgesetz unseres Lebens. Weil wir nach Gottes Bild geschaffen sind, sind wir der Liebe fähig und können daher Gott, der die Liebe ist, in der Liebe am reinsten finden. Die Martinserzählung bringt das auf den Punkt: Nachdem der heilige Martin dem Bettler die Hälfte seines Mantels geschenkt hatte, erscheint ihm im Traum Christus mit demselben Stück Mantel bekleidet – er war es, der Martin als Bettler begegnet war.

Wenn man die Biografie des heiligen Martin, die "Vita Martini" des römischen Historikers Sulpicius Severus liest, treten vor allem drei Persönlichkeitsmerkmale zutage:

Erstens: Martin von Tours war ein Mensch, der aus einer echten Gottesliebe heraus lebte. Er wusste um die Kraft des Gebets und der Stille. Nur so konnte er sein anspruchsvolles geistliches und karitatives Programm bewältigen.

Das zweite Merkmal seiner Persönlichkeit: Weil Martinus tief in sich selbst hineinsah, kannte er die inneren Strömungen und Widersprüchlichkeiten des Menschen. Er hatte gelernt, die verschiedenen Geister, die in jedem Menschen am Werken sind, zu unterscheiden und sich auf das Wesentliche zu besinnen: auf das, was den Menschen näher zu Gott hin führt, und auf die neuen Wege, die zu gehen waren – im persönlichen Leben, in der Kirche, in der ganzen Gesellschaft.

Das dritte und wohl bekannteste Merkmal des Heiligen aber ist die Solidarität mit den Mitmenschen. Im Akt des Mantelteilens wird dieser Geist des Martinus am reinsten sichtbar. Dafür wird Martinus auf der ganzen Welt geliebt.

Liebe Schwestern und Brüder! Das Vermächtnis dieses Mannes, dieses großen Heiligen der Nächstenliebe und der Solidarität, ist ein ewig aktueller Beitrag an unseren Glauben und an unsere Welt. Martinus lebte vor 1700 Jahren, doch sein Wesen und sein Erbe deuten weit in die Zukunft. Sein Leben, das ganz auf Christus verweist, ist uns ein Vorbild, wie wir gerade heute den Wunden einer politisch, sozial, ökonomisch und ökologisch blutenden Welt begegnen können, um zu ihrer Heilung beizutragen.

Das Jubiläum, das wir heute feierlich begehen, ist ein Hoffnungsschimmer in einer von so vielen Leiden gezeichneten Gesellschaft: Seit 30 Jahren verfolgen die Mitglieder des Ferdinandus Ordens im Sinne einer christlichen Geisteshaltung das Ziel, freiwillige und gemeinnützige Hilfstätigkeit sowie karitatives Wirken für bedürftige Menschen weltweit zu fördern. Sie tragen damit durch konkrete Taten – sei es durch ehrenamtlichen Dienst an bedürftigen Mitmenschen sei es durch finanzielle Opfer – zu einer besseren Welt im Sinne des Evangeliums bei. Die Liebe zu Gott, ein Leben aus dem Gebet, und die nach außen getragen Barmherzigkeit – diese drei Wesenszüge des heiligen Martin erstrahlen auch in so vielen Aktivitäten des Ferdinandus Ordens!

Ich danke Ihnen allen für Ihren Dienst und bitte Sie, diese 3 Haltungen in Ihren Herzen hochzuhalten und nicht müde zu werden, sie weiterhin einzubringen in den selbstlosen Dienst an unserem Land, an unserer Diözese, ja an der ganzen Welt! Und ich wünsche Ihnen auf die Fürsprache des Heiligen Martin, unseres Landes- und Diözesanpatrons, Gottes reichen Segen sowie ein herzliches "Ad multos annos!". Gehen Sie weiter Ihren Weg der Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit und mögen Sie dabei nie die letzten Worte Jesu im heutigen Evangelium vom Barmherzigen Samariter aus dem Bewusstsein verlieren: "Dann geh und handle genauso!"
Amen.