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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 29. Juni 2016

Priesterweihe von Stefan Ludwig Jahns im Martinsdom - 29. Juni 2016

Ich erinnere mich noch genau an den Tag als Du, lieber Stefan, vor 7 Jahren in das Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz in Wien zur mir gekommen bist und mir Deinen Entschluss offenbartest, Priester werden zu wollen – Du hast mich um Rat gebeten, welche Schritte dabei zu setzen sind. Das Gespräch mit Dir hat mich innerlich berührt und bleibt mir unvergesslich! Du hast ein sicheres Leben als Anwalt und Chef einer Anwaltskanzlei zurückgelassen und Du hast ein neues, riskantes/unsicheres, geistliches Leben ersehnt. Du bist dabei in guter Gesellschaft mit anderen großen Gestalten der Kirche – Alphons von Liguri, Robert Bellarmin, Thomas Morus – sie alle haben die Kanzlei gegen eine noch stärkere Berufung eingetauscht. Deine berufliche Vergangenheit inspirierte mich, mir das Bild der Anwaltschaft in dieser Predigt zur Hilfe zu nehmen. In Deiner Berufung zum Priester kannst Du auf Advokaten, Anwälte zählen, die Dich durch das Leben und den priesterlichen Dienst begleiten und Du selbst kannst für andere zum Anwalt werden. Was ist ein Advokat? Es ist die Person, die man herbeiruft und um Hilfe bittet, wenn man sie braucht.

3 Advokaten stehen Dir verlässlich, rund um die Uhr zur Seite, und anders als es bei Anwälten ist, sie verrechnen Dir ihre Dienste nicht nach der Tarifordnung der Anwaltskammer. Sie sollen Dir Vorbilder sein, wie Du im priesterlichen Dienst mit den verschiedenen Arten von Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche umgehen sollst, die auch Dich um Rat, Hilfe, Beistand bitten werden.

Dein erster Advokat ist wohl der heilige Petrus. Petrus ist der Advokat der Kirche, sozusagen unser Familienanwalt, der das verkörpert, was für unsere Kirchengemeinschaft Fundament, Lehre und Tradition ist. Petrus ist als Fels der erste Anwalt der Kirche von Jesus selbst eingesetzt. Petrus steht für die kirchliche Gemeinschaft nach innen, die er zusammenhält! Du, lieber Stefan, sollst als Priester den Menschen mit Freude, verständlich, unverkürzt und überzeugend das Evangelium verkünden durch Wort und Tat. Du sollst dabei wissen, dass auch Petrus im Leben Höhen und Tiefen hatte – sein Versagen und Verrat sowie sein Bekenntnis: „"Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!" von dem uns das eben gehörte Evangelium berichtet. Das ist für Dich und für uns alle eine große Herausforderung und zugleich Trost! Du sollst auch wissen – was uns die 1. Lesung aus der Apostelgeschichte sagt – dass Petrus nicht durch Waffen, sondern durch das Gebet der Gemeinde, also durch Gottes Wirken aus dem Gefängnis befreit wurde. Pflege daher das Gebet, feiere die Liturgie, die Sakramente und empfange sie auch selber – dann wirst Du Menschen nicht an Dich binden, sondern zu Gott und in die Freiheit führen! Je mehr Du als Priester in die Tiefe gehst, umso weiter wird Dein Denken + Tun!

Der zweite Advokat ist zuständig für jene, denen noch niemand von Jesus erzählt hat, jene, die noch nicht mit dem Evangelium in Berührung gekommen sind, die scheinbar nicht zur kirchlichen Familie gehören – es ist der hl. Paulus. Paulus hat immer versucht die Grenzen der Gemeinschaft nach außen zu überschreiten. Er verschließt sich nicht in der eigenen Gemeinschaft, sondern er ist offen für das Neue! Wenn Paulus heute Anwalt geworden wäre, dann wäre er ein Anwalt der weltweiten Fusionierungen. Doch die Fusion, von der Jesus sprach und die Du als Priester vertreten sollst, lautet: Liebe zu allen und Hingabe. Die 2. Lesung aus dem 2. Timotheusbrief sagt uns, dass Paulus am Ende seines Lebens zwar gefangen und einsam ist, zugleich auch dankbar + voller Hoffnung. Du, lieber Stefan, sollst wie Paulus in Deinem priesterlichen Dienst auf alle zugehen, niemanden ausschließen und Dich vor dem Neuen nicht fürchten. Du bist Advokat für alle! Als Priester wirst Du nicht nur auf eine Pfarre geweiht, sondern zum Dienst in der Kirche, der Du Dich ganz zur Verfügung stellst! Du sollst wie Paulus Missionar sein, auch und vor allem für jene, die außerhalb der Kirche, die wie es Papst Franziskus immer wieder sagt, an den Rändern sind! Verschieße Dich als Priester nicht, sondern sei Brückenbauer und Grenzgänger, Anwalt für Suchende, Fernstehende, jene am Rande, die es auch bei uns gibt! Tappe nicht in die Falle, Dich zu verschließen, Dir selbst zu genügen und um Dich selbst zu kreisen, ob im Presbyterium, in der Pfarre, im SSR oder Dekanat!

Der dritte Advokat ist – wie kann es bei uns im Burgenland anders sein – unser Landes- und Diözesanpatron der hl. Martin, dessen Jubiläum wir heuer feiern. Martinus ist der Anwalt der Armen, Kleinen, Schwachen, Benachteiligten. Martinus ist der Pflichtverteidiger unter den Heiligen der katholischen Kirche. Die, die wenig oder nichts haben, denen stellt er sich zur Seite – und das sollst auch Du in Deinem priesterlichen Dienst tun. Sei dort anwesend und barmherzig, wo Menschen etwas fehlt: an materiellen und geistigen Dingen, an Einsicht! Verwirkliche die Werke der Barmherzigkeit in Deinem priesterlichen Leben! Das heißt nach Bischof Wanke konkret, einem Menschen zu sagen: Du gehörst dazu. Ich höre dir zu. Ich rede gut über dich. Ich gehe ein Stück mit dir. Ich teile mit dir. Ich besuche dich. Ich bete für dich. Das sind Martinstaten im Alltag, mit denen Du wie Martinus, Anwalt für die Armen bist, die es auch bei uns gibt! Vergiss als Kind einer kleinen Volksgruppe nie Deine eigenen Wurzeln, trag als Priester dazu bei, dass der Glaube, die Muttersprache und die Kultur in Deiner kroatischen Volksgruppe hier im Burgenland weiterlebt und sei offen auch für die anderen Volksruppen und Minderheiten in unserem Land! Suche und unterstütze immer das Gemeinsame und meide alles, was spaltet und trennt! Martinus ist Dir und uns allen darin als Brückenbauer ein guter Anwalt!

Schließlich möchte ich Dein Leben und Deinen priesterlichen Dienst der größten aller Anwältinnen beim Herrn anvertrauen der „Advocata nostra“, der Muttergottes von Mariazell, unserer Advokatin, die auf Deinem Berufungsweg besonders bedeutsam war, damit Du wie Petrus Familienanwalt, wie Paulus Anwalt für Suchende und Fernstehende, wie Martinus Pflichtverteidiger und Anwalt der Armen, Notleidenden und Hilfsbedürftigen sein kannst!

Erbitten wir nun Gottes Beistand, den Hl. Geist, für unseren Weihekandidaten! Amen.