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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Dienstag, 29. März 2016

Osterpredigt im Martinsdom - 27. März 2016

Vor wenigen Tagen wurde Europa in seinem Zentrum von barbarischen Attacken getroffen. Zwei Bomben rissen in Brüssel mehrere Dutzend Menschen in den Tod. Viele der Überlebenden wurden schwer verwundet, bleiben ein Leben lang von den schrecklichen Ereignissen an Leib und Seele gezeichnet. Die Täter: Drei irregeleitete junge Männer, die im Namen Gottes/Religion anderen das Leben nahmen und dabei getan haben, was in allen zivilisierten Gesellschaften als das Abscheulichste überhaupt angesehen wird. Unsere Gebete und unser Mitgefühl gelten den Opfern der Anschläge und ihren Angehörigen. Doch am allermeisten sind es die Seelen der Attentäter, die unser aller Gebet brauchen.

Charles Declerq, ein Priester und Journalist eines katholischen Radiosenders, der das Unglück in der Brüsseler Metro-Station Maelbeek miterlebte, berichtete, wie sich bei der Einfahrt seines Zugs in die Station die Detonation ereignete. Er beschreibt es mit folgenden Worten: "Glasscheiben fallen auf meine Beine, kein Licht, Rauch, Schreie." In Dunkelheit und Qualm hätten die Menschen verzweifelt einen Weg ins Freie gesucht. Und Declerq berichtet weiter: "Nach zwei Minuten kam der Zugführer mit einer Leuchte und ließ die Passagiere an einer Stelle nach draußen, wo es ein Fenster gab."

Liebe Schwestern und Brüder! Der Zugführer kam mit einer Leuchte und ließ die Menschen nach draußen, wo es ein Fenster gab … Dieser Satz hat mich tief ergriffen. Versuchen wir uns die Szene vorzustellen, auch wenn sie unvorstellbar ist: In allergrößter Bedrängnis, völlig im Dunkeln, inmitten der Schreie der Sterbenden und Verwundeten, mit Rauch in den Augen und dem Geruch des Blutes und des Todes in der Nase, muss das Herannahen des Zugführers mit seinem Licht den Menschen im U-Bahn-Schacht von Maelbeek wie eine Erlösung vorgekommen sein. Wir können uns kaum vorstellen, was die Menschen in dieser existentiellen Randerfahrung erlebt haben, als Minuten zur Ewigkeit wurden. Ihr Erlebnis bringt uns sehr nahe an das österliche Geheimnis heran. Denn der Glaube an die Auferstehung Christi leuchtet vor allem in den Opfern, den Bedrängten, Flüchtlingen und Verfolgten, Gefallenen und Ausgestoßenen, Kranken und Verwundeten, Armen und Unterdrückten, Missbrauchten und Vergessenen. Sie sind es, denen sich Jesus in besonderer Weise zugewandt hat. So beginnt das Osterereignis stets in einem dunklen Tunnel! Der Leidensweg Jesu war solch ein dunkler Tunnel. Sein Schrei am Kreuz: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" steht für den dunkelsten Moment. Die U-Bahn-Tunnel unserer modernen Zeit sind ein starkes Symbol für die Hoffnungslosigkeit und die Lebensdramen vieler Menschen. Über eine Rolltreppe gelangt man in eine Art "Unterwelt", wo es kein Tageslicht gibt. Dort bewegt man sich auf den Schienen eines Übergangsstadiums/Schwellenraums, so lange, bis man an eine neue Station gelangt, von wo aus der Mensch wieder aufsteigt ans Licht. Unser aller Leben ist voll von solchen dunklen Momenten des Übergangs, des Abstiegs ins Dunkel und Aufstiegs ans Licht, von Momenten des Schmerzes, Zweifels und der Sünde, aber auch der Liebe und Freude. Jesus hat in seiner Auferstehung das allergrößte Dunkel, die Macht des Bösen und des Todes überwunden. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort, sondern ist nur der Durchgangstunnel vor dem Aufstieg ans Licht, die Rolltreppe des Lichts. So ist der Auferstandene für uns alle der rettende Zugführer mit der Leuchte!

Liebe Schwestern und Brüder! Menschen, die aus dieser Hoffnung leben, be-halten dieses Licht nicht für sich, sondern geben es weiter. Als Christen sind wir in Taufe und Firmung zu Lichtträgern und Friedensboten gesalbt worden – wir sollen Glaube, Hoffnung und Liebe leben und andere damit anstecken. Sind wir Christen nicht oft in Gefahr die große Weltpolitik zu kritisieren, aber im eigenen Leben, in der eigenen Familie, im eigenen Haus, in der eigenen Pfarre und am Arbeitsplatz sind wir nicht imstande aus Überzeugung und mit Freude das Licht des Glaubens zu verbreiten und Friedensboten zu sein! Hört man nicht gerade in diesen Tagen auch bei uns oft von Christen, dass sie Angst vor Menschen mit anderer Sprache, Kultur und Religion haben und so das Christentum in Gefahr sehen, aber sie selber kennen, schätzen und prakti-zieren ihre eigene Religion nicht? Ist das nicht Verlogen? Solche Christen haben den Tunnelblick, aber keine österlichen Augen! Es fehlt ihnen die Begegnung mit dem Auferstandenen, das Osterlicht ist in ihnen weithin erloschen! Ostern ist das Fest des Fensters ins Licht – es braucht aber Lichtträger, die dieses Licht in unserer finsteren und kalten Welt mit Freude weitergeben! Seien wir wie helle Fenster, durch die andere Licht und Hoffnung erfahren!

Die Explosionen von Brüssel mit ihren tragischen Folgen müssen uns endlich aus unserem Schlaf wecken und geben uns die Versäumnisse im religiösen Leben, aber auch bei der Integration von Fremden, auch muslimischen Jugendlichen zu bedenken, was ein hochrangiger belgischer Politiker dieser Tage in seinem Land offen eingeräumt hat, wenn er sagt: "Wir waren nicht in der Lage, ihnen eine flämische Version des amerikanischen Traums anzubieten." Das heißt soviel wie: Wir, die Länder Europas – und ich nehme hier Österreich nicht aus – waren nicht in der Lage, auf die Jugend zu achten. Man hat über Jahrzehnte Menschen als billige Arbeitskräfte nach Europa geholt und dachte, jenseits der Wirtschaft würde sich alles andere von selbst regeln. Doch so war es nicht! Jeder Mensch hat eine Würde, ein Recht auf ein gutes Leben, seelische Bedürfnisse, verdient Chancengleichheit und Respekt. So sind mitten in Europa Parallelgesellschaften entstanden. Diese neuen Mitbürger sind in vielen Fällen Identitätssuchende geworden, orientierungslose/labile Jugendliche, die sich ideologischen Rattenfängern anschließen, ferngesteuert werden und so den Terror nach Europa bringen. Ob wir es wollen oder nicht: Europa trägt Mitverantwortung und Mitschuld an dieser Entwicklung!

Was ist die Antwort auf Gewalt und Terrorismus? Hass, Rache und Angst sind keine Antwort! Eine Gesellschaft, die beginnt sich abzuschotten, zu fürchten, alles und jeden zu verdächtigen, kontrollieren und zu überwachen, sperrt sich selbst in einen dunklen Tunnel. Sie wird zum Massengrab. Der dunklen Botschaft des Hasses und der Gewalt kann nur die leuchtende Botschaft der Liebe, Vergebung und Friedens wirksam entgegengesetzt werden – die Botschaft von Ostern! Wenn wir Christen auf Christus, den Zugführer mit der Leuchte schauen und vertrauen, und seine Lichtträger und Friedensboten sind, dann werden wir selber, unsere Gesellschaft, unser Land, Europa und die ganze Welt zum Raum der hellen Fenster, die Zerstörung in Heil, Angst in Hoffnung, Hass in Liebe übergehen lassen! An Ostern hat uns Christus, unser Zugführer mit der Leuchte den Weg ans Fenster des ewigen Lebens nicht nur gezeigt, er hat es uns geöffnet und ist als erster durchgegangen! Deshalb brauchen wir uns trotz Not und Bedrängnis nicht zu fürchten – das ist wirklich eine gute Nachricht, und daher wünschen wir Christen heute uns zu Recht: Frohe Ostern! Amen.

Donnerstag, 24. März 2016

Chrisam-Messe im Martinsdom, 23. März 2016

Der neue pastorale Weg der Diözese Eisenstadt verlangt von den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedene Charismen/Talente – nicht jeder/jede von den pastoralen Mitarbeitern hat alles und muss alles haben. Aber jeder/jede hat etwas, mit dem er/sie die Gemeinschaft bereichert – es braucht jeden/jede mit seinen Talenten für den Dienst im Weinberg des Herrn. Wenn wir heute hier im Martinsdom gemeinsam die Chrisam-Messe feiern, dabei die Öle weihen und unsere Bereitschaft zum priesterlichen Dienst erneuern, möchte ich in dieser Predigt mit Euch, liebe Mitbrüder, die verschiedenen Priestertypen bedenken, die es in jedem Presbyterium gibt und auch braucht.

Ich nehme mir dabei den bekannten Redemptoristen P. Bernhard Häring zu Hilfe, der auf prägnante/humorvolle Art und Weise verschiedene Priestertypen beschrieben hat. So wie in der Arche Nohas nicht alle Tiere gleich waren, so gibt es auch innerhalb der Priesterschaft eine große Vielfalt von Priestertypen. Ich meine, es braucht heute vor allem 3 Typen für den priesterlichen Dienst:

Es braucht heute den Zeugen des Evangeliums Jesu Christi. 
Die Botschaft von Jesu Leben, Tod und Auferstehung kann kein Mensch erdichten und sich selbst sagen, er kann sie sich nur sagen lassen und dankbar empfangen. Ein Priester steht daher zunächst im Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Um diesen Dienst überzeugend zu tun, muss er selbst ein überzeugter Mensch sein; er muss von der Wahrheit des Evangeliums überzeugt sein. Er muss selber Jesu liebenden Blick im Leben erfahren haben, um den Mitmenschen mit dem liebenden Blick Jesu begegnen zu können. Er selbst darf Jesus nicht aus dem Blick verlieren – das Gebet/Stundengebet, die Liturgie, Bibelbetrachtung, Beichte, Anbetung helfen dabei! Unsere Zeit braucht Priester, die das Evangelium mit Freude und Begeisterung verkünden sowie mit ihrem Leben bezeugen!

Es braucht heute auch den Propheten. 
Es ist Lehre der Kirche, dass alle Christen am prophetischen Amt Christi teilhaben. Wenn dem so ist, dann sollte dies vor allem für die Priester in spürbarer Weise zutreffen. Was ist mit prophetischer Sendung und Begabung gemeint? Propheten sind Menschen, die eine tiefe Einsicht in das Geheimnis des Glaubens und einen überzeugenden Blick für die Zeichen der Zeit haben. Propheten sind Menschen, die immer zwei oder drei Schritte voraus sind im Durchschauen der Heilsgeschichte und dem entsprechenden Lebenszeugnis. Propheten sind Menschen, die uns nicht nur mit Worten, sondern durch ihr Leben den aufrechten Gang lehren, leere Hülsen entlarven, das Wesentliche und Mögliche vom Unwesentlichen und Nebensächlichen zu unterscheiden. Propheten helfen den Menschen die Gnade der Stunde zu entdecken, sie leben vom Vorschuss der Gnade Gottes und verstehen es, anderen den nötigen Vor-schuss an Vertrauen zu schenken. Unsere Zeit braucht Priester als Propheten!

Es braucht heute aber auch den Heiler. 
In vielen Kulturen und Religionen fielen die Rolle des Priesters und des Heilers zusammen. Selbst Jesus ging im Lande umher, die Frohbotschaft verkündend und heilend. Er verkündete die Heilsbotschaft vom Reich Gottes und heilte alle Krankheiten und Gebrechen im Volk. Die Menschen wollten ihn berühren, denn es ging eine heilende Kraft von ihm aus, alle, die er berührte, wurden geheilt! Die liebende Gegenwart und wärmende Nähe Jesu heilt die menschlichen Beziehungen und befreit von den Krankheiten, die Folge gestörter menschlicher Beziehungen und einer gestörten Beziehung zu Gott sind. In den hl. Ölen gibt sich uns der Herr selber als Heilsmittel in die Hand, um heute Menschen zu heilen.

Die Kirche und Welt von heute braucht mehr denn je den Priester als Zeugen des Evangeliums, Propheten und Heiler – wir wurden dazu in Taufe, Firmung und Weihe gesalbt und gesendet. Wenn wir heute die Öle weihen, dann ist diese liturgische Handlung nicht einfach ein äußerlicher Ritus. Sie enthält vielmehr für uns alle die Selbstvergewisserung, dass wir auf ihn und seinen Namen gesalbt sind in der Taufe, dass wir von ihm bestätigt sind in der Firmung und dass wir gesandt sind in der Priesterweihe, treue Diener des Freudenöls zu sein – Zeugen des Evangeliums, Propheten und Heiler. Und aus dieser Selbstvergewisserung fließt von selbst die Selbstverpflichtung, uns selbst heute wieder neu einsalben zu lassen in das Geheimnis Jesu Christi.

Als Bischof danke ich Euch, liebe Mitbrüder, für Euren Einsatz und Dienst! Mit P. Häring bitte ich Euch aber gleichzeitig: Seid kein Gockel auf dem Misthaufen, keine Moralisten, Gendarmen, Ritualisten, Intriganten und Pessimisten! Seid vielmehr Priesteroriginale, die ihre Charismen/Talente in unsere Diözese einbringen und gemeinsam mit den anderen pastoralen Mitarbeitern, den uns anvertrauten Menschen dienen – dann wird unser pastoraler Weg gelingen!

Es ist für uns gut, dass der Herr auch uns seine Diener der Schwachheit unterworfen hat, damit wir Mitleid verspüren mit denen, die in Unwissenheit und Irrtum leben. Sie sollen durch uns erfahren, von Gott erwartet und geliebt zu sein und bei ihm Vergebung zu finden – eine große priesterliche Aufgabe!

Mit Papst Franziskus bete ich: "Herr Jesus Christus, sende aus deinen Geist und schenke uns allen seine Salbung, damit das Jubiläum der Barmherzigkeit ein Gnadenjahr des Herrn werde und deine Kirche mit neuer Begeisterung den Armen die Frohe Botschaft bringe, den Gefangenen und Unterdrückten die Freiheit verkünde und den Blinden die Augen öffne." So sei es – Amen!