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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Donnerstag, 25. Februar 2016

Pendlermesse der Burgenländer in Wien - 24. Feber 2016

Im soeben gehörten Evangelium aus den sog. "Abschiedsreden Jesu" fasst der Evangelist Johannes in einigen Worten zusammen, was Jesus den Aposteln als Vermächtnis ans Herz legt; was er sich von denen wünscht, die ihm nachfolgen wollen, die in seinem Sinn leben wollen. Es sind 3 Dinge, die er uns mitgibt:

Lasst die Leute das Geheimnis Gottes erleben – durch eure Liebe! "Bleibt in meiner Liebe!" oder: "Dies trage ich euch auf: Liebt einander!", sagt Jesus im heutigen Evangelium. Was heißt das für uns Christen – die Jünger Jesu von heute – in den Alltag übersetzt? Zeigt durch die Art und Weise, wie ihr miteinander umgeht, an welchen Gott ihr glaubt. Macht durch den Respekt, den ihr auch den weniger sympathischen Mitmenschen entgegenbringt – heute besonders auch den Flüchtlingen – ganz deutlich, dass vor Gott jeder Mensch wertvoll ist und eine hohe Würde hat. Dass das nicht immer leicht fällt, hat der englische Schauspieler Peter Ustinov auf den Punkt gebracht: "Die Bibel sagt, du sollst deinen Nächsten lieben. Ich bin überzeugt, dass sie meinen Nachbarn nicht kennt." Christen versuchen gerade deswegen, anderen mit Achtung zu begegnen; nicht nur auf das eigene Recht und den eigenen Vorteil zu schielen, hilfsbereit und entgegenkommend zu sein, in Liebe einander zu dienen. Wer lieblose Christen oder eine lieblose Kirche erlebt, der kann nichts ahnen vom Geheimnis eines liebenden Gottes.

Lasst die Leute das Geheimnis Gottes erleben – durch eure Freude! "Meine Freude soll in euch sein und eure Freude soll vollkommen werden", sagt Jesus als zweites im heutigen Evangelium. Was heißt das für uns Christen – die Jünger Jesu von heute – in den Alltag übersetzt? Ergreift die Möglichkeiten, die das Leben euch anbietet. Zeigt immer wieder durch eure Gelassenheit und eure Freude, durch ein frohes Gesicht oder ein herzliches Lachen, dass ihr den Wunsch Jesu ernst nehmt. Feiert frohe und lebendige Gottesdienste, seid mit Begeisterung dabei und widerlegt damit die Spötter, die unsere Sonntagsmesse die "Pflichtveranstaltung der Mumien" nennen. Seht manches nicht so verbissen und verkrampft, sondern bewahrt euch ein freudiges, weites und positiv gestimmtes Herz. Wie hat Friedrich Nietzsche gesagt: "Wenn die Christen nur fröhlicher wären, könnte ich an ihren Gott glauben!" Wer freudlose Christen oder eine freudlose Kirche erlebt, der kann nichts ahnen vom Geheimnis eines Lebens- und menschenfreundlichen Gottes.

Lasst die Leute das Geheimnis Gottes erleben – durch eure Freiheit! "Ich nenne euch nicht mehr Knechte – ihr seid meine Freunde", sagt Jesus als drittes im heutigen Evangelium. Was heißt das für uns Christen – die Jünger Jesu von heute – in den Alltag übersetzt? Unterdrückt niemanden und wehrt euch gegen jede Art von Unterdrückung – steht auf und lernt den aufrechten Gang. Lasst nicht zu, dass Duckmäuser, Kleinkarierte, Ängstliche, Skrupulanten den Geist der Freiheit und Offenheit aus Kirche und Gesellschaft vertreiben. Habt Mut zu neuen Wegen und zu einem originellen Christsein. Bleibt trotz allem Gegenwind standhaft und treu, wachsam und kritisch. Schwimmt gegen den Strom, unterscheidet die Geister, schämt euch nicht für eure Überzeugung. Freut euch an neuen Ideen und fördert die Kreativität in euren Gemeinden und Gemeinschaften. Gebt jeder und jedem die Chance, ein eigenes Profil im Glauben zu entwickeln. Wer ängstliche und unfreie Christen, eine ängstliche und duckmäuserische Kirche erlebt, der kann nichts ahnen vom Geheimnis eines befreienden Gottes.

Lasst die Leute das Geheimnis Gottes erleben – durch eure Liebe, durch eure Freude, durch eure Freiheit – und in diesem Heiligen Jahr füge ich noch hinzu – durch eure Barmherzigkeit. Das ist das Vermächtnis Jesu an seine Apostel, an seine Jünger, an uns Christen, an seine Kirche. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit sich den Auftrag Jesu zu Herzen zu nehmen und Liebe, Freude, Freiheit und Barmherzigkeit im Alltag zu üben. Der Apostel Matthias – dessen Fest wir heute feiern – hat es uns vorgemacht, jetzt sind wir dran es ihm nachzumachen. Wir dürfen gewiss sein, dass er uns dabei nicht nur Vorbild und Wegweiser, sondern auch Helfer und Fürsprecher ist! Amen.

Hier geht´s zu den Fotos vom Gottesdienst ... 

Dienstag, 2. Februar 2016

Darstellung des Herrn - 2. Feber 2016

Mit dem heutigen Fest der Darstellung des Herrn wird das von Papst Franziskus ausgerufene "Jahr der Orden" feierlich beendet. Der Papst gab den Frauen und Männern des geweihten Lebens drei Ziele zur Reflexion mit auf ihren Weg: Erstens sollen sie dankbar auf die Vergangenheit ihrer Gemeinschaften schauen; zweitens hat er sie eingeladen, die Gegenwart mit Leidenschaft zu leben, und drittens hat sie der Papst ermutigt, die Zukunft voll Hoffnung zu ergreifen. Dieses Programm berührt doch die Frage, die sich im Grunde jeder Mensch stellt: Wie kann mein Leben gelingen? Der Dreischritt, den Papst Franziskus vorschlägt, kann uns helfen, auch unser Leben als getaufte Christen tiefer zu reflektieren, wozu ich sie alle in dieser Predigt einlade!

Dankbar auf das Leben schauen: In der Dankbarkeit gewinne ich das rechte Verhältnis zu meiner Vergangenheit. Bewusst zum Ausdruck gebrachte Dankbarkeit kann mir helfen, ein rechtes und vor allem versöhntes Verhältnis zu meiner Vergangenheit zu bekommen. Schauen wir dankbar auf das Leben und wir werden trotz aller Verwundungen versöhnt mit der Vergangenheit sein!

Die Gegenwart mit Leidenschaft leben: Als Mose Gott nach seinem Namen fragte, sagte dieser: "Ich bin der Ich bin da." Gott sagt nicht: "Ich war einmal da." Er sagt auch nicht: "Ich werde da sein." Nein, Gott sagt es in der Gegenwartsform: "Ich bin da." Im Hier und Jetzt meines Lebens ist Gott da. Das heißt: "Ich lebe jetzt und heute, ich lebe voll und ganz, und das Leben ist es wert, gelebt zu werden. Leben wir die Gegenwart mit Leidenschaft – Gott ist mit uns!

Die Zukunft voll Hoffnung ergreifen: Was das für mein Leben als Christ bedeuten kann, finde ich sehr schön wiedergegeben in der Aussage von Oscar Wilde: "Der einzige Unterschied zwischen dem Heiligen und dem Sünder ist, dass der Heilige eine Vergangenheit hat und jeder Sünder eine Zukunft." Ergreifen wir daher trotz aller Herausforderungen, Probleme und Niederlagen mit Hoffnung jeden Tag von neuem die Chancen, die uns geschenkt sind, gestalten wir mit unseren Fähigkeiten mit – dann haben wir nicht Angst vor der Zukunft!

Was Papst Franziskus den Ordensleuten ans Herz gelegt hat, ist für jeden Christen ein guter Rat für ein gelingendes Leben: Dankbar auf das Leben schauen – Die Gegenwart mit Leidenschaft leben – Die Zukunft voll Hoffnung ergreifen! Tun wir das und bringen wir wie Maria und Josef unser Opfer im Tempel, indem wir Gott unser Leben weihen und um seinen Segen bitten! Ich wünsche uns allen, dass wir wie Simeon und Hanna Warten-Können und immer mit Gott in unserem Leben rechnen – wir sollen wissen: Gott ist mit uns!

Als Bischof danke ich allen Ordensleuten in unserer Diözese, dass sie mit ihrem Ordenscharisma und persönlichem Einsatz unser Land bereichern, sage Vergelt´s Gott für ihr Beten und Arbeiten und ich erbitte unserer Kirche gute Priester- und Ordensberufungen sowie auch viele Christen, die aus Taufe/Firmung leben und unsere Kirche und Gesellschaft mitgestalten! Danke auch den Ordensgemeinschaften und dem Bischofsvikar für die Orden für jedes Gebet und alle Initiativen in diesem "Jahr der Orden" – möge es reiche Früchte tragen!

Vergessen wir nicht: der Auftrag von Papst Franziskus an die Ordensleute ist mit dem "Jahr der Orden" nicht beendet, sondern gilt weiter und sogar jedem Christen: Dankbar auf das Leben schauen – Die Gegenwart mit Leidenschaft leben – Die Zukunft voll Hoffnung ergreifen. Gottes Segen begleite uns dabei! Amen.