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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 7. November 2016

Martinsfest des Burgenlandes in Wien - 6. November 2016

Im Wiener Stephansdom gibt es mehrere Bezugspunkte zum Burgenland – einer der wichtigsten ist, dass dieses Wahrzeichen von Wien und ganz Österreich mit St. Margarethener Sandstein gebaut wurde; ein weiterer ist hier vorne diese Kommunionbank, die nach dem Wiederaufbau des Domes nach dem 2. Weltkrieg vom Burgenland gestiftet wurde; oder dann auch das Gnadenbild von Maria Pócs hinten beim Haupteingang, dessen Fest der feierlichen Übertragung in den Stephansdom am heutigen Sonntag gefeiert wird und von dem es auch bei uns im südburgenländischen Wallfahrtsort Maria Bild, eine Kopie gibt; sowie in der Krypta dieses Domes, wo auch die Erzbischöfe von Wien bestattet sind, die von 1921 bis 1954 auch unsere Apostolischen Administratoren waren und bis heute unsere Metropoliten sind. Hier in diesem Dom hat auch der unvergessliche Kardinal Franz König seine letzte Ruhestätte gefunden, der oft und gerne die Frage stellte, die uns auch das heutige Evangelium stellt: nach dem Leben, dem Tod und die Auferstehung – oder wie es Kardinal König so treffend formulierte: Woher komme ich – Wohin gehe ich – Was ist der Sinn meines Lebens?

Der Stephansdom als Bauwerk – seine Konzeption und Architektur – gibt uns eine Antwort auf diese Fragen, oder besser gesagt, will uns helfen als Menschen und als Christen eine Antwort darauf zu finden.

Woher komme ich?
Beim Haupteingang in dieses überwältigende Gotteshaus befindet sich am rechten Seitenaltar das bekannte Gnadenbild von Maria Pócs – die Muttergottes mit dem Jesuskind. Es ist für mich gleichsam der Hinweis dafür, dass wie das Jesuskind alle Menschenkinder dieser Welt das Leben als Geschenk aus Gottes Vaterhand empfangen. Gott ist es, der unsere Namen in seine Hand geschrieben, der jeden und jede von uns mit Talenten und Fähigkeiten ausgestattet und jedem und jeder einzelnen von uns eine hohe Würde geschenkt hat. Das Gnadenbild von Maria Pócs will uns sagen: Du bist ein Kind Gottes – Vergiss das nie in deinem Leben! Du hast einen Vater im Himmel, von dem Du kommst und zu dem Du gehst. In Maria hast Du auch eine Mutter, die Dich zum himmlischen Vater führen will – Vertrau im Leben auf sie und höre auf sie: "Was er/Jesus euch sagt, das tut!"

Wohin gehe ich?
Auch diese so wichtige Frage des Lebens findet eine Antwort in der Architektur dieses Domes. In den gotischen Gotteshäusern streben die Pfeiler und Säulen nach oben, hoch hinauf, weit in den Himmel! Das soll uns Menschen sagen, dass unsere Zukunft der Himmel ist, dass wir alle zum himmlischen Vater hin unterwegs sind und dass einer uns das Tor zum Himmel geöffnet hat – Jesus Christus, durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung. So ist das nicht nur eine fromme Geschichte, sondern eine Tatsache der Geschichte. Das bezeugt uns auch die Botschaft des heutigen Evangeliums, wenn Jesus sagt: "Gott ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden." Und dieses so prächtige Bauwerk der Gotik ist über Jahrhunderte hinweg ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wohin wir Menschen gehen! Wir können voll Vertrauen diesem Weg folgen, weil Jesus ihn vor uns und für uns gegangen ist!

Was ist der Sinn meines Lebens?

Auch darauf gibt uns der altehrwürdige Stephansdom eine Antwort? In den gotischen Kirchen sind vor allem auf der Außenfassade oder im inneren auf den Säulen und Pfeilern oder auch auf den Altären Statuen von Heiligen in Stein oder Holz zu sehen. Die Heiligen zeigen uns, den Sinn unseres Lebens oder sie wollen uns sagen, dass sie in ihrem Leben den Sinn des Lebens nach Höhen und Tiefen, oft langem Suchen, Ringen und Zweifeln gefunden haben. Hier im Stephansdom werden wir im Gnadenbild von Maria Pócs an Maria erinnert und vor allem auch an den hl. Erzmärtyrer Stephanus. Wir Burgenländer denken in diesem Jahr aber auch ganz besonders an unseren Landes- und Diözesanpatron, den hl. Martin von Tours, dessen 1700 Jahrjubiläum wir heuer feiern und dessen Reliquie heute auch hier vorne am Seitenaltar vor uns steht. Was haben die Heiligen gemeinsam? Sie haben etwas vom Evangelium im Leben verwirklicht und ihren Mitmenschen – besonders den Armen und Schwachen – gedient. Die Heiligen waren sich dessen bewusst, was Paulus in der heutigen 2. Lesung den Thessalonichern gesagt hat: "Der Herr richte euer Herz darauf, dass ihr Gott liebt und unbeirrt auf Christus wartet." Das ist auch die Botschaft des hl. Martin, ein Herz zu haben, das Gott und die Menschen liebt und auf Christus wartet. Mit anderen Worten: Spiritualität, Solidarität und Barmherzigkeit. Diese Botschaft braucht unsere Welt, der moderne Mensch mehr denn je. Das Motto für unser Martins-Jubiläumsjahr: Die Welt braucht mehr Martinus ist so gesehen wichtig und richtig! Die Welt braucht mehr Menschen-Christen, die spirituell, solidarisch und barmherzig sind!

Der heutige Sonntag lädt uns alle ein, sich den wichtigen Fragen des Lebens zu stellen, ihnen nicht auszuweichen, sich an ihnen nicht vorbei zu schwindeln oder sie gar nicht aufkommen zu lassen durch Flucht in die Arbeit und Betäubung durch Konsum und Wellness. Dieser unser geliebter Stephansdom und alle unsere Kirchen lassen uns in der Hektik und im Lärm des Alltags inne halten und helfen uns eine Antwort zu finden auch auf die wichtigsten Fragen des Lebens: Woher komme ich – Wohin gehe ich – Was ist der Sinn meines Lebens? Unser Stephansdom sagt uns: Wir kommen von Gott – Wir gehen zu ihm – Er ist der Sinn und das Ziel unseres Lebens! Jesus Christus ist Garant dafür, weil er durch Tod und Auferstehung uns das Tor zum Himmel geöffnet hat. Er gibt uns berechtigte Hoffnung zum Glauben an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben!

Maria ist ihm als erste auf diesem Weg gefolgt und die Heiligen sind uns allen Vorbilder und Wegweiser, damit wir den Weg zum Himmel finden. Der erste Märtyrer der Kirche – der hl. Stephanus, dem dieser Dom geweiht ist und der den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen sah – sowie der erste Heilige der Kirche, der kein Märtyrer war – der hl. Martin, unser Landes- und Diözesan-patron – haben es uns vorgemacht, dass es möglich ist diesen Weg zu gehen. Jetzt sind wir dran es ihnen nachzumachen. Ich wünsche uns dabei viel Freude und Mut, aber zugleich auch viel Ausdauer und Geduld!

Möge der Segen Gottes, die Fürsprache Unserer Lieben Frau von Maria Pócs und die Wegbegleitung der hll. Stephanus und Martinus die Kirche und Gesellschaft in unserer Heimat Österreich, besonders aber auch unser Land Burgenland und unsere Diözese Eisenstadt in eine gute Zukunft begleiten!

Und vergessen sie nicht, sich auf die Frage: Woher komme ich – Wohin gehe ich – Was ist der Sinn meines Lebens, auch wirklich eine persönliche Antwort zu geben! Amen.