Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 4. Juli 2016

Priesterweihe von Piotr Rychel OT in Gumpoldskirchen - 2. Juli 2016

Du, lieber Weihekandidat Piotr, hast vor dem Theologiestudium Kunstgeschichte studiert und danach erst Theologie. Du kennst Dich also nicht nur in der Philosophie und Theologie aus, sondern auch in der Kunstgeschichte – das ist eine gute Voraussetzung für den priesterlichen Dienst. In der Kunstgeschichte sind Bilder von großer Bedeutung, denn sie transportieren wichtige Botschaften. Bei dieser Predigt nehme ich mir daher gerade die Kunstgeschichte zur Hilfe, um am heutigen Marienfest 3 Bilder von Maria aus den Evangelien zu betrachten und sie für Deinen Dienst als Priester zu uns sprechen zu lassen.

Das erste Bild ist die Begegnung von Maria und Elisabeth. Im Zentrum des heutigen Festes steht der im eben gehörten Lukasevangelium Besuch Marias bei ihrer Verwandten Elisabeth. Deshalb wird dieses Fest auch Visitatio, Heimsuchung, Besuch und Begegnung genannt. Besuch und Begegnung ist für mich auch ein anderes Wort für Seelsorge. Wie Maria von zu Hause weggeht, ihre Verwandte Elisabeth besucht, mit Freude vom Hl. Geist erfüllt sie begrüßt und Gottes Heilshandeln in ihrem Leben besingt, so ist auch der Priester aufgerufen nicht nur sein Elternhaus und seine Heimat, sondern immer wieder auch sein Pfarrhaus und sein Ordenshaus zu verlassen, um das, was ihm von Gott in der Berufung geschenkt wurde sowie ausgestattet mit dem Wort und Sakrament nach seinen Talenten und Fähigkeiten zu den Menschen zu tragen, ihnen das Evangelium mit Freude zu bringen, Gottes Heilswirken im eigenen Leben, in Kirche und Welt zu besingen und für ihn heute glaubwürdig Zeugnis abzulegen. Dazu aber braucht es die Haltungen Marias – Freude, Dankbarkeit, Demut und Treue. Deshalb erinnert Papst Franziskus unermüdlich die Priester und Hirten von heute, sich nicht einzusperren und abzukapseln in ihrer eigenen Welt, nicht ständig um sich selbst zu kreisen und nur das zu tun, was einem gefällt, sich pastoral nicht nur auf die kleine Herde der Kirchenbesucher zu beschränken, sondern vielmehr den Mut zu haben jeden Tag neu aufzubrechen und hinauszugehen an die Ränder, zu den Suchenden, Fernstehenden, Enttäuschten und Verwundeten – sie zu besuchen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ihnen zu begegnen, sie verständnisvoll zu begleiten und ihre Wunden zu heilen. Das ist eine schöne und erfüllende, aber zugleich auch eine herausfordernde Aufgabe. Lieber Piotr, sperr Dich nicht daheim ein, sondern geh als Priester und Ordensmann wie Maria zu den Menschen, begegne ihnen mit Freude, Demut und Dankbarkeit, auf Augenhöhe, bring ihnen das Evangelium und führe sie zum Heiland!

Das zweite Bild von Maria in den Evangelien ist die Hochzeit von Kana. Das Bild von der Hochzeit zu Kana ist in der christlichen Kunstgeschichte unzählige Male dargestellt. Es ist nicht auszudenken, wenn Maria in Kana nicht anwesend gewesen wäre. Es wäre wohl der Wein ausgegangen, der Hochzeitssaal wäre zu einem Saftladen verkommen. Der Wein ist es, der das Herz des Menschen erfreut – so ist Maria die Dienerin der Freude. Sie vermag mit ihren wachsamen Augen hinter der glänzenden Fassade einer Hochzeitsgesellschaft den Mangel zu entdecken. Sie ist zur Stelle, wo Mangel und Not sind und wird zum Anwalt Gottes vor den Menschen. Den Tischdienern sagt sie: "Was er euch sagt, das tut!" Sie wird aber auch zum Anwalt der Menschen vor Gott. Sie sagt ihrem Sohn: Sie haben keinen Wein mehr, bittet um Hilfe, legt Fürsprache ein. Ist das nicht auch die Aufgabe des Priesters, Ordensmannes und Seelsorgers? Diener der Freude zu sein, mit wachsamen Augen hinter die Lebensfassaden der Menschen zu schauen und ihre Nöte zu sehen, ihnen beizustehen, sie zu begleiten und zu heilen – einfach gesagt, dort nicht fehlen, wo man nötig ist! Lieber Piotr, geh deshalb als Priester und Ordensmann mit wachsamen Augen durch die Welt, schau hinter die Fassaden der Menschen, sieh nicht nur ihre Nöte, sondern geh zu ihren Tischen und hilf ihnen, auch auf die Gefahr hin, dass Du Dich dabei selber verletzt oder gar schmutzig machst! Mit Papst Franziskus sag ich Dir: Vergiss die Armen nicht! Maria im Hochzeitssaal von Kana und ein gutes Glas Wein aus Gumpoldski-rchen, aber auch aus dem Burgenland erinnern Dich immer daran!

Das dritte Bild von Maria in den Evangelien ist Maria im Abendmahlsaal. Nach der Himmelfahrt des Herrn zogen sich die Apostel zurück in ihre privaten Räume, in ihre Angst. Maria wurde zur Sammlerin der Zerstreuten, zur Symbola, die gegen den Diabolos antritt, um die Verängstigten und Zerstreuten um den einen Tisch im Abendmahlsaal unter dem einen Dach zu sammeln. Maria leitet in Jerusalem die erste Pfingstnovene, an deren Ende die Herabkunft des Heiligen Geistes steht, die zur Geburtsstunde der Kirche wird. Jeder Christ, so auch jeder Priester hat seinen einmaligen Platz in der konkreten Kirche. Jede und jeder ist aufgerufen eine Symbola und ein Symbolus zu werden, um die Menschen von der Peripherie in die Mitte zu führen. Als die Apostel mit Maria einmütig im Gebet versammelt waren, wurde ihnen der Geist geschenkt. Lieber Piotr, das Gebet, die Feier der Eucharistie und der Empfang der Sakramente, besonders des Sakramentes der Versöhnung, sollen Dir als Priester und Ordensmann Nahrung sein, damit Du zum Symbolus, zum Stifter von Einheit und Frieden sowie zum Brückenbauer wirst, der sich gegen den Diabolus stellt!

Der Priester von heute soll wie Maria in der Seelsorge zu den Menschen gehen, sie besuchen und ihnen in Freude begegnen, er soll ihre Nöte sehen, ihnen helfen, sie mit der Medizin der Kirche verarzten und sie zum Heil führen!

Lieber Piotr, ich kann Dir für Deinen priesterlichen Dienst nur die Worte aus den beiden Lesungen des heutigen Festtages als Wunsch und Auftrag mitgeben: Mit dem Propheten Zefanja sage ich Dir: Fürchte dich nicht! Der Herr, dein Gott, freut sich und jubelt über dich, er erneuert in der Priesterweihe seine Liebe zu dir! Und mit Paulus im Römerbrief rufe ich Dir zu: Sei fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! Unsere Liebe Frau vom Deutschen Hause in Jerusalem begleite Deinen Dienst!

Drogi Piotrze, nich cie Bóg bwogoswowi, a Maryja zawsze ochrania!

Erbitten wir nun gemeinsam für unseren Weihekandidaten die Kraft von oben, den Heiligen Geist, von dem auch Maria erfüllt war als sie Elisabeth besuchte und das große Danklied-Magnificat gesungen hat! Amen.