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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 11. Juli 2016

60 Jahre burgenländische Gemeinschaft in Güssing (10. Juli 2016)

Ein Satz aus der gehörten 1. Lesung aus dem Buch Deuteronomium verbindet diese Festmesse und das Jubiläum „60 Jahre Burgenländische Gemeinschaft“, das wir heute mit der Stadtpfarre Güssing, den Mitgliedern der Gemeinschaft und unseren Landsleuten aus Amerika hier gemeinsam so festlich begehen. „Das Gebot Gottes ist nicht im Himmel … Es ist auch nicht jenseits des Meeres, so dass du sagen müsstest: Wer fährt für uns über das Meer, holt es herüber und verkündet es uns, damit wir es halten können? Nein, das Wort Gottes ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.“

Um die Jahrhundertwende (1900) sind tausende Menschen aus dem Burgen-land, vor allem auch aus dem Südburgenland, aus Armut und Not über das große Meer gefahren und haben in Amerika/Kanada eine neue Heimat sowie Hoffnung und Zukunft für ihr Leben gefunden. Die Burgenländische Gemein-schaft ist bereits 60 Jahre die Brücke zwischen der alten und der neuen Heimat, zwischen dem Burgenland und Amerika. Sie bemüht sich die Kontakte durch regelmäßige Besuche, Veranstaltungen, ein Vereinsblatt aufrecht zu erhalten, besonders zu den Nachfahren der ersten Auswanderergeneration. Das Land Burgenland, die Diözese Eisenstadt und ihre Bischöfe unterstützen bis heute zusammen mit der Burgenländischen Gemeinschaft diese so wichtige Sache! Zeichen dafür sind die gegenseitigen Besuche in Amerika und im Burgenland.
Was haben sich unsere ersten Auswanderer von der alten in die neue Heimat neben den wichtigsten Dingen mitgenommen? Es sind vor allem 3 Dinge:

Einen tiefen Glauben.
Mit einem tiefen Glauben im Herzen und im festen Vertrauen auf Gottes Wort, seine Wegbegleitung und auf bessere Lebensbedingungen machten sie sich aus der kleinen, vertrauten, sicheren Heimat auf den Weg über das große Wasser in die große, unbekannte und neue Welt. Mit Gottes Wort im Herzen konnten sie die neuen Herausforderungen bewältigen und ein neues Leben aufbauen in der fernen und fremden Welt. Nicht alle haben es geschafft, manche sind wie-der zurückgekommen! Äußere Zeichen ihres tiefen Glaubens sind die Kirchen, die sie in der neuen Heimat errichteten – oft nach dem Vorbild der Kirche in der alten Heimat – und das religiöse Leben, das sie in ihren Familien und Pfarr-gemeinden pflegten. Der verstorbene Kardinal Bernardin von Chikago hat im Audienzzimmer von Papst Johannes Paul II. unserem Bischof László gesagt:  Was wäre meine Erzdiözese Chikago ohne die Gläubigen aus dem Burgenland? Ich war damals als junger Sekretär des Bischofs stolzer Augen- u. Ohrenzeuge!

Ist das nicht ein schönes Zeugnis, das er über unsere Landsleute ablegte?
Wie Mose das Volk Israel in der 1. Lesung erinnert, Gottes Wort zu hören, seine Gebote zu achten und zu ihm zurückzukehren, so ist es auch heute Aufgabe der Kirche den Menschen das Evangelium zu verkünden, sie zur Gottes/Nächsten-liebe zu ermutigen, die Tat des barmherzigen Samariters wachzuhalten und  nachzuahmen – das ist gelebtes, glaubwürdiges und anziehendes Christentum!
Auch unsere Auswanderer waren auf die Hilfe von guten Menschen in Amerika angewiesen, haben die Hilfe vieler barmherziger Samariter gebraucht und sind wohl auch vielen Menschen zum barmherzigen Samariter geworden – ist das nicht auch eine wichtige Botschaft für unseren Umgang mit Flüchtlingen und Verfolgten? Wie sagt Jesus im Evangelium: „Dann geh und handle genauso!“

Die Muttersprache und Kultur.
Neben dem Glauben haben sich unsere Auswanderer auch die Muttersprache – deutsche, kroatische, ungarische – u. Kultur in die neue Heimat mitgenommen. Die Pflege der Muttersprache u. Kultur hält sie in den verschiedenen Vereinen und Heimatverbänden zusammen, dass sie ihre Identität bewahren können, die Verbindung zur alten Heimat nicht verlieren und die amerikanische Gesellschaft wesentlich bereichern. Gerade auf diesem Gebiet leistet die Burgenländische Gemeinschaft durch 60 Jahre hindurch ihren so wertvollen Beitrag, wofür ich allen Verantwortlichen und Mitgliedern als Bischof für ihren persönlichen Ein-satz von Herzen danke und gleichzeitig alle inständig bitte, weiterzumachen! Das friedliche Zusammenleben von verschiedenen Sprachen, Religionen u. Kul-turen ist möglich nach dem Grundsatz: Das Eigene lieben, das andere schätzen! Ist das nicht eine wichtige Botschaft auch für unsere zerrissene Welt und für unser gespaltenes Europa, das sich wieder in Nationalismen abgrenzen will und im Mitmenschen oft nur den Konkurrenten und Feind sieht? Was hätten unsere Landsleute damals in Amerika getan, wenn man ihnen so begegnet wäre?

Zwei fleißige Hände.
Neben dem Glauben, der Muttersprache und Kultur haben sich unsere Auswan-derer vor allem zwei fleißige Hände in die neue Heimat mitgenommen. Diese ihre fleißigen Hände haben sie immer wieder zum Gebet gefaltet, aber auch zum Aufbau ihrer neuen Existenz eingesetzt. Unsere ausgewanderten Lands-leute waren gesuchte Handwerker und Facharbeiter, fleißige und anständige Arbeiter, die auch zum Aufbau und Wohlstand Amerikas beigetragen haben. Viele haben es weit gebracht, sind aber durch die harte Arbeit früh gestorben. Ob in kirchlichen oder staatlichen Kreisen, überall sind unsere Landsleute in Amerika und Kanada durch ihr Können und ihren Fleiß bekannt und hochge-schätzt – davon konnte ich mich bei meinem Besuch in Amerika überzeugen!Vergessen wir als Christen nicht unsere Hände zum „Beten und Arbeiten“ einzusetzen, auch wenn wir uns dabei schmutzig und verletzbar machen!

Als Bischof möchte ich abschließend zu 60 Jahre Burgenländische Gemeinschaft nochmals von Herzen gratulieren, allen Dank sagen für ihren Einsatz und sie bitten auch weiterhin nicht müde zu werden, diese Brücke von der alten in die neue Heimat zu pflegen und mit den modernen Mitteln auch noch auszubauen!Mein Wunsch an uns alle – ob in der alten oder in der neuen Heimat – ist:
Gehen wir mit Gottes Wort im Herzen in die Zukunft!
Pflegen wir unsere Muttersprache und Kultur, geben wir sie an die junge Generation weiter und bleiben wir immer für andere offen!
Erheben wir unsere beiden Hände im Alltag zum Gebet und helfen wir wie der barmherzige Samariter im heutigen Evangelium unseren Mitmenschen in Not! Das Heilige Jahr der Barmherzigkeit und unser Martinsjahr laden uns dazu ein!
Gottes Segen und die Fürsprache des seligen Ladislaus Batthyány Strattman, der hier in der Basilika in Güssing bestattet ist, begleite uns Burgenländer hier in der alten Heimat und unsere Landsleute in der neuen Heimat Amerika sowie unsere Burgenländische Gemeinschaft in eine gute und gesegnete Zukunft! Amen.