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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Donnerstag, 24. März 2016

Chrisam-Messe im Martinsdom, 23. März 2016

Der neue pastorale Weg der Diözese Eisenstadt verlangt von den kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedene Charismen/Talente – nicht jeder/jede von den pastoralen Mitarbeitern hat alles und muss alles haben. Aber jeder/jede hat etwas, mit dem er/sie die Gemeinschaft bereichert – es braucht jeden/jede mit seinen Talenten für den Dienst im Weinberg des Herrn. Wenn wir heute hier im Martinsdom gemeinsam die Chrisam-Messe feiern, dabei die Öle weihen und unsere Bereitschaft zum priesterlichen Dienst erneuern, möchte ich in dieser Predigt mit Euch, liebe Mitbrüder, die verschiedenen Priestertypen bedenken, die es in jedem Presbyterium gibt und auch braucht.

Ich nehme mir dabei den bekannten Redemptoristen P. Bernhard Häring zu Hilfe, der auf prägnante/humorvolle Art und Weise verschiedene Priestertypen beschrieben hat. So wie in der Arche Nohas nicht alle Tiere gleich waren, so gibt es auch innerhalb der Priesterschaft eine große Vielfalt von Priestertypen. Ich meine, es braucht heute vor allem 3 Typen für den priesterlichen Dienst:

Es braucht heute den Zeugen des Evangeliums Jesu Christi. 
Die Botschaft von Jesu Leben, Tod und Auferstehung kann kein Mensch erdichten und sich selbst sagen, er kann sie sich nur sagen lassen und dankbar empfangen. Ein Priester steht daher zunächst im Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Um diesen Dienst überzeugend zu tun, muss er selbst ein überzeugter Mensch sein; er muss von der Wahrheit des Evangeliums überzeugt sein. Er muss selber Jesu liebenden Blick im Leben erfahren haben, um den Mitmenschen mit dem liebenden Blick Jesu begegnen zu können. Er selbst darf Jesus nicht aus dem Blick verlieren – das Gebet/Stundengebet, die Liturgie, Bibelbetrachtung, Beichte, Anbetung helfen dabei! Unsere Zeit braucht Priester, die das Evangelium mit Freude und Begeisterung verkünden sowie mit ihrem Leben bezeugen!

Es braucht heute auch den Propheten. 
Es ist Lehre der Kirche, dass alle Christen am prophetischen Amt Christi teilhaben. Wenn dem so ist, dann sollte dies vor allem für die Priester in spürbarer Weise zutreffen. Was ist mit prophetischer Sendung und Begabung gemeint? Propheten sind Menschen, die eine tiefe Einsicht in das Geheimnis des Glaubens und einen überzeugenden Blick für die Zeichen der Zeit haben. Propheten sind Menschen, die immer zwei oder drei Schritte voraus sind im Durchschauen der Heilsgeschichte und dem entsprechenden Lebenszeugnis. Propheten sind Menschen, die uns nicht nur mit Worten, sondern durch ihr Leben den aufrechten Gang lehren, leere Hülsen entlarven, das Wesentliche und Mögliche vom Unwesentlichen und Nebensächlichen zu unterscheiden. Propheten helfen den Menschen die Gnade der Stunde zu entdecken, sie leben vom Vorschuss der Gnade Gottes und verstehen es, anderen den nötigen Vor-schuss an Vertrauen zu schenken. Unsere Zeit braucht Priester als Propheten!

Es braucht heute aber auch den Heiler. 
In vielen Kulturen und Religionen fielen die Rolle des Priesters und des Heilers zusammen. Selbst Jesus ging im Lande umher, die Frohbotschaft verkündend und heilend. Er verkündete die Heilsbotschaft vom Reich Gottes und heilte alle Krankheiten und Gebrechen im Volk. Die Menschen wollten ihn berühren, denn es ging eine heilende Kraft von ihm aus, alle, die er berührte, wurden geheilt! Die liebende Gegenwart und wärmende Nähe Jesu heilt die menschlichen Beziehungen und befreit von den Krankheiten, die Folge gestörter menschlicher Beziehungen und einer gestörten Beziehung zu Gott sind. In den hl. Ölen gibt sich uns der Herr selber als Heilsmittel in die Hand, um heute Menschen zu heilen.

Die Kirche und Welt von heute braucht mehr denn je den Priester als Zeugen des Evangeliums, Propheten und Heiler – wir wurden dazu in Taufe, Firmung und Weihe gesalbt und gesendet. Wenn wir heute die Öle weihen, dann ist diese liturgische Handlung nicht einfach ein äußerlicher Ritus. Sie enthält vielmehr für uns alle die Selbstvergewisserung, dass wir auf ihn und seinen Namen gesalbt sind in der Taufe, dass wir von ihm bestätigt sind in der Firmung und dass wir gesandt sind in der Priesterweihe, treue Diener des Freudenöls zu sein – Zeugen des Evangeliums, Propheten und Heiler. Und aus dieser Selbstvergewisserung fließt von selbst die Selbstverpflichtung, uns selbst heute wieder neu einsalben zu lassen in das Geheimnis Jesu Christi.

Als Bischof danke ich Euch, liebe Mitbrüder, für Euren Einsatz und Dienst! Mit P. Häring bitte ich Euch aber gleichzeitig: Seid kein Gockel auf dem Misthaufen, keine Moralisten, Gendarmen, Ritualisten, Intriganten und Pessimisten! Seid vielmehr Priesteroriginale, die ihre Charismen/Talente in unsere Diözese einbringen und gemeinsam mit den anderen pastoralen Mitarbeitern, den uns anvertrauten Menschen dienen – dann wird unser pastoraler Weg gelingen!

Es ist für uns gut, dass der Herr auch uns seine Diener der Schwachheit unterworfen hat, damit wir Mitleid verspüren mit denen, die in Unwissenheit und Irrtum leben. Sie sollen durch uns erfahren, von Gott erwartet und geliebt zu sein und bei ihm Vergebung zu finden – eine große priesterliche Aufgabe!

Mit Papst Franziskus bete ich: "Herr Jesus Christus, sende aus deinen Geist und schenke uns allen seine Salbung, damit das Jubiläum der Barmherzigkeit ein Gnadenjahr des Herrn werde und deine Kirche mit neuer Begeisterung den Armen die Frohe Botschaft bringe, den Gefangenen und Unterdrückten die Freiheit verkünde und den Blinden die Augen öffne." So sei es – Amen!