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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Freitag, 25. Dezember 2015

Predigt zur Christmette - 24. Dezember 2015

Bethlehem und der moralische Klimawandel: Herzenserwärmung statt Erderwärmung

Liebe Schwestern und Brüder!

Unter den großen Worten dieses bald zu Ende gehenden Jahres befand sich auch das Wort „Klimawandel“. Nachdem in den vergangenen 25 Jahren jeder internationale Versuch, etwas für das Klima unseres Planeten zu tun, mehr oder weniger gescheitert ist, wurde der diesjährige Klimagipfel von Paris von vielen als ein bemerkenswerter Fortschritt bezeichnet.

Bei aller Freude darüber geben jedoch viele Experten zu bedenken, dass die Stimmung in den beteiligten politischen Kreisen weit besser sei als die tatsächliche Lage unseres Planeten. Tatsächlich ist der Zustand des Weltklimas nach wie vor besorgniserregend. Die in Paris beschlossene Obergrenze von maximal 1,5 Grad Celsius Erderwärmung bis zum Ende dieses Jahrhunderts wird von Forschern als unrealistisch beurteilt. Denn damit sich die Erde bis zum Jahr 2100 nur um diesen Wert erwärmt, müssten wir in fünf Jahren komplett aufhören, Kohle, Öl und Gas zu verbrennen.

Statt dessen produziert die jetzige Menschheit pro Jahr mehr Ruß als im gesamten Mittelalter, legt jährlich sechs Billionen Kilometer mit dem Flugzeug zurück; unser landwirtschaftliches System hat keine Antwort auf die bevorstehenden globalen Ernährungsprobleme, und die Generation unserer Enkelkinder wird sich die vom Klimawandel bedrohte Erde mit bereits 10 Milliarden Menschen teilen müssen. Es stellt sich die Frage: Haben wir als Menschheit überhaupt eine Zukunft, wenn wir so weitermachen?

Das Ereignis von Bethlehem ist seit jeher die Einladung an die Menschen, nicht so weiterzumachen und ihr Leben zu ändern. Heute, im 21. Jahrhundert, würde ich so weit gehen, diese Einladung von Bethlehem als den letzten Aufruf und die letzte Chance zum „moralischen und geistigen Klimawandel“ zu bezeichnen. Denn die barmherzige, freie, von unmenschlichen Bindungen an Haben und Besitz unabhängige Lebensweise, die Jesus den Menschen vorgelebt hat, ist auch nach 2000 Jahren Christentum noch nicht in das praktische Handeln der Völker eingegangen. Das Evangelium ist damit keinesfalls ein Auslaufmodell, sondern es ist heute zur Überlebensfrage der Menschheit geworden.

„Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ – so schildert der heute gehörte Johannesprolog die Menschwerdung Gottes und die Blindheit der Menschen für den Messias. Der heutige Mensch darf sich nicht rühmen, besser oder moralischer zu sein als die Menschen vor 2000 Jahren. Doch er hat heute eine viel bessere Perspektive auf die Konsequenzen seiner Handlungen. Erstmals in unserer Geschichte erschließen sich die Sünde und die Götzen der Macht, des Besitzes, des Genusses, vor denen Jesus warnte, einer objektiven Messbarkeit. Denn in den steigenden CO2-Ausstößen und den durch die Polschmelze ansteigenden Meeresspiegeln steigt uns auch unser eigener Lebensstil entgegen.

Drei Haltungen sind es, die diese fatale Entwicklung der Welt mitbestimmen:

1. Die Gier des Menschen: Papst Franziskus hat es in seiner Enzyklika Laudato si’ beinhart auf den Punkt gebracht, indem er seine umfassende Analyse der globalen Umweltverschmutzung und des Klimawandels in direkte Beziehung setzt zur Verschlechterung menschlicher Lebensqualität, zu sozialem Niedergang und weltweiter sozialer Ungerechtigkeit. Franziskus kritisiert schonungslos die Schwäche der internationalen Politik, während die Wirtschaftsmächte damit fortfahren, das derzeitige System zu rechtfertigen, in dem Spekulation und Streben nach Gewinn die Menschenwürde und die Umwelt ignorieren.

2. Die Unbarmherzigkeit des Menschen: Das von Papst Franziskus ausgerufene „Jahr der Barmherzigkeit“ kommt nicht von ungefähr. Damit sollen wir Menschen daran erinnert werden, dass wir alle selbst der Barmherzigkeit Gottes bedürfen und nicht müde werden dürfen, Barmherzigkeit auch an unseren Mitmenschen zu üben. Das Martinsjahr unserer Diözese führt uns dabei besonders das Beispiel unseres Diözesan- und Landespatrons Martinus vor Augen. Die Welt braucht mehr Martinus – das heißt mehr Solidarität, mehr Teilen, mehr Mitgefühl, statt noch mehr CO2.

3. Die Gottesferne des Menschen: Näher als in Bethlehem konnte Gott den Menschen nicht kommen. Seine Menschwerdung ist die Totalannäherung an uns. Dass gerade am Ort seiner Geburt heute eine acht Meter hohe Mauer in Bethlehem das palästinensische Autonomiegebiet von Israel trennt, ist ein schmerzhaftes Symbol für die Mauern, die wir Menschen in unseren Herzen aufstellen. Gott kann sich uns durch seine Menschwerdung noch so sehr annähern – wenn wir uns nicht von ihm anrühren lassen, ist alles vergebens.

Ich möchte es am Heiligen Abend klar sagen, gerade weil es zur Flüchtlingskrise und zu den Ängsten vieler Menschen passt: Als Bischof und als Christ habe ich keine Angst vor Minaretten! Ich habe vielmehr Angst vor jenen Menschen mitten unter uns, die die Bedeutung des Kirchturms nicht mehr kennen und die die Bedeutung des Kindes in der Krippe nicht mehr kennen. Menschen, für die Weihnachten zum inhaltsleeren Fest des Kitsches und einer verengten Punschseligkeit verkommen ist, zum kalendarisierten Überbleibsel eines reinen Gewohnheitschristentums, hinter dem sich alte Asche, aber kein Feuer mehr befindet. Heute ist uns der Retter geboren! Wer wirklich auf das Kind in der Krippe blickt und Christus, dem Retter der Welt, sein Herz öffnet, der hat keine Angst! – weder vor einer anderen Religion noch vor dem Atheismus.

Liebe Schwestern und Brüder! Ich weiß nicht, ob wir die Welt retten werden, wenn wir weniger Wasser beim Duschen verbrauchen oder in Zukunft nur mehr Elektroautos kaufen – manche Forscher raten mittlerweile sogar dringend davon ab. Doch instinktiv wissen wir alle eines: Die Verschlechterungen der Umweltbedingungen und die Verschlechterung im menschlichen und moralischen Bereich sind untrennbar miteinander verbunden. Wir können keine gesunde Beziehung zur Natur und zu unserer Erde geltend machen ohne eine gesunde und verantwortungsvolle Beziehung zum Mitmenschen und zu Gott.

Das Kind in der Krippe von Bethlehem ist die Verbindung von Gott und Mensch, Himmel und Erde. Durch sein Menschwerden hat Gott vor 2000 Jahren einen ganz anderen Klimawandel eingeleitet. Gott will

- ein Klima der Menschlichkeit und der Selbstlosigkeit statt der Gier und der menschlichen Ausbeutung;
- ein Klima der Barmherzigkeit und der gegenseitigen Hilfe statt der Unbarmherzigkeit und der menschlichen Kälte;
- ein Klima der Gottesnähe und der Spiritualität statt der Gottesferne und des modernen Götzendienstes am Geld, am Besitz und am Konsum.

Der Blick auf den Erlöser in der Krippe führt dazu, das Klima der Welt nachhaltig zu ändern. Bethlehem verheißt uns den wahren, den entscheidenden, den moralischen Klimawandel der Menschheitsgeschichte. Sein Zeichen ist nicht die Erderwärmung, sondern die Herzenserwärmung.

Montag, 14. Dezember 2015

Öffnung der Heiligen Pforte im Martinsdom - 13. Dezember 2015

Papst Franziskus hat für die ganze Kirche ein außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen, dass er am 8. Dezember – 50 Jahre nach Beendigung des 2. Vatikanischen Konzils – im Petersdom mit der Öffnung der Heiligen Pforte eröffnet hat und das bis zum Christkönigsfest 2016 dauern soll. Am heutigen 3. Adventssonntag – dem Sonntag der Freude – wird in allen Domkirchen und Jubiläumskirchen – bei uns sind es neben dem Martinsdom auch die päpstlichen Basiliken Frauenkirchen, Loretto und Güssing – mit der Öffnung der Heiligen Pforte in allen Diözesen das "Jahr der Barmherzigkeit" begonnen.

Wozu ein "Jahr der Barmherzigkeit"?
Papst Franziskus sagt in der Verkündigungsbulle folgendes dazu: "Ganz einfach, weil die Kirche in dieser Zeit großer epochaler Veränderungen gerufen ist, die Zeichen der Gegenwart und Nähe Gottes vermehrt anzubieten. Es ist die Zeit wieder auf das Wesentliche zu schauen. Es ist die Zeit für die Kirche, den Sinn des Auftrages wieder neu zu entdecken, den der Herr ihr am Ostertag anvertraut hat: Zeichen und Werkzeug der Barmherzigkeit des Vaters zu sein. Deswegen soll das Hl. Jahr den Wunsch lebendig halten, die vielen Zeichen der Barmherzigkeit begreifen zu können, die Gott der ganzen Welt anbietet, vor allem denen, die in Leid sind, die allein und verlassen und ohne Hoffnung sind, vom Vater Vergebung zu erlangen und sich von ihm geliebt zu wissen. Ein Jahr, in dem wir vom Herrn Jesus berührt und von seiner Barmherzigkeit verwandelt werden, damit auch wir zu Zeugen der Barmherzigkeit werden. Das ist der Grund für das Jubiläum, denn dies ist die Zeit der Barmherzigkeit." Heute am Sonntag Gaudete wollen wir mit Freude das Jahr der Barmherzigkeit beginnen, Gott für dieses Geschenk danken und diese Zeit der Gnade nützen!

Warum wird heute die "Heiligen Pforte" feierlich geöffnet?
Jedes Heilige Jahr wird in der Kirche mit der Öffnung der Hl. Pforte begonnen. Mit der Öffnung der Hl. Pforte in jeder Domkirche am heutigen Tag will Papst Franziskus jede Diözese direkt in dieses Hl. Jahr einbeziehen, es als eine Zeit der Gnade sehen und das ganze Volk Gottes zur geistlichen Erneuerung einladen. Bei meinem Besuch des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. dieser Tage in Konstantinopel habe ich die berühmte Hagia Sophia besucht und dabei an der Türschwelle zwei tiefe Stellen gesehen, an denen die Türwächter standen und die Pilger begrüßten. Die beiden Stellen sind so abgenützt, dass man beim Durchschreiten besonders achtsam sein muss, um nicht zu fallen. Türschwellen wollen dazu beitragen, das Hineingehen bewusster zu gestalten. Sie verstärken die Achtsamkeit auf den Unterschied zwischen draußen und drinnen. Sie laden ein, sich noch einen Augenblick lang auf Begegnungen vorzubereiten, die geschehen, wenn die Tür geöffnet wird.

Wir haben heute nach der feierlichen Prozession von der Franziskanerkirche vor dem Martinsdom bewusst angehalten, um die Heilige Pforte für unsere Diözese zu öffnen. Die Hl. Pforte erinnert uns an die Pforte des barmherzigen Herzen Gottes, die durch die geöffnete Seite Christi am Kreuz geöffnet wurde. Jesus ist die Tür, die zum Heil führt. Wenn ich nach der Öffnung der Hl. Pforte an der Türschwelle das Evangeliar erhoben und es nach innen und nach außen gezeigt habe, wird damit gesagt: Jesus ist das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters. Wenn wir die Heilige Pforte durchschreiten, lassen wir uns von der Barmherzigkeit Gottes umarmen und verpflichten uns, die Haltung des barmherzigen Samariters uns zu Eigen zu machen. Durchschreiten wir die Hl. Pforte bewusst, indem wir uns darauf innerlich gut vorbereiten!

Wie die Menschen im heutigen Evangelium Johannes den Täufer fragen auch wir: Was sollen wir also tun? Was sollen wir konkret tun in diesem Hl. Jahr?

Machen wir uns auf Wallfahrt zu den Jubiläumskirchen in unserer Diözese und durchschreiten wir bewusst die Heilige Pforte! Ich freue mich und bin dankbar, dass es im kommenden Jahr aus allen Dekanaten unserer Diözese monatliche Wallfahrten in unseren Dom geben wird mit einem vielfältigen geistlichen Programm, besonders mit der Vorbereitung auf das Sakrament der Versöhnung. Ich lade alle ein während des Hl. Jahres unseren Martinsdom oder die Basiliken in Frauenkirchen, Loretto und Güssing zu besuchen, um die Barmherzigkeit Gottes in einer guten Beichte zu erfahren und dabei den Ablass zu gewinnen. Die Priester bitte ich den Beichtdienst verantwortungsvoll zu tun, Abende der Barmherzigkeit anzubieten, um die Menschen gut auf die Beichte vorzubereiten! Die Gläubigen bitte ich dieses Angebot Gottes barmherziger Liebe anzunehmen!

Entdecken wir gerade im Jahr der Barmherzigkeit wieder die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit, die Bischof Joachim Wanke aus Erfurt so treffend ins Heute übersetzt hat: Barmherzigkeit ist – einem Menschen sagen: Du gehörst dazu – Ich höre dir zu – Ich rede gut über dich – Ich gehe ein Stück mit dir – Ich teile mit dir – Ich besuche dich – Ich bete für dich. Tun wir das in diesem Jahr mit Freude und mit innerer Hingabe – so tun wir konkrete Werke der Barmherzigkeit!

Vergessen wir nicht gerade in diesem Heiligen Jahr, das auch unser Martinsjahr ist, eine Martinstat zu setzen – Martinus ist der Heilige der Barmherzigkeit! In diesem Jahr soll es daher bei uns nicht heißen: Wie du mir, so ich dir, sondern vielmehr: Wie Gott mir, so ich dir! Da ist die Haltung des hl. Martin!

Vertrauen wir uns selber, unsere Familien, Pfarrgemeinden und Diözese, unsere Kirche und Welt in diesem Heiligen Jahr der "Mutter der Barmherzigkeit" an, damit es für uns alle ein "Jahr der Freude, Gnade und Barmherzigkeit" werde! Amen.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Homilie zum Patrozinium im Linzer Mariendom - 8. Dezember 2015

Das heutige Marienfest mitten im Advent ist für viele Menschen unverständlich. Schon der deutsche Name "Ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria" klingt kompliziert und missverständlich. Der lateinische Name heißt kurz: "Immaculata conceptio", was man mit "Unbefleckte Empfängnis" übersetzt – genauso können wir aber auch sagen: "makelloses Konzept" oder "tadelloser Entwurf". Mit anderen Worten: in Maria begegnet uns "Gottes makelloses Konzept" vom Menschen. An Maria wird sichtbar, wie sich Gott den Menschen denkt und wünscht, welche Grundvorstellung er von einem gelingenden Leben hat, wie sein Plan für ein erfülltes menschliches Leben aussieht. Wer auf Maria schaut, kann ahnen, wie Gott unser Leben konzipiert hat. Daher sind wir heute an ihrem Feiertag eingeladen auf die "Immaculata conceptio", auf Gottes "makelloses Konzept" und "tadellosen Entwurf" zu schauen, also auf Maria, der auch dieser prächtige Linzer Dom, die größte Kirche Österreichs, geweiht ist. Es sind vor allem 3 Dinge, die zu einem erfüllten Menschsein gehören und die wir von Maria, dem "makellosen Konzept" und "tadellosen Entwurf Gottes" vom Menschen für unser Leben und Christsein lernen können.

Zu einem erfüllten Menschsein gehört zuerst einmal, darauf zu hören, was Gott mit uns vorhat, welche Lebensaufgabe er uns zugedacht hat, was er uns an Chancen und Möglichkeiten zuspielt, was er uns zutraut, was er von uns erwartet. Maria wird uns im heutigen Evangelium beim Besuch des Engels im Haus von Nazareth als eine große Hörende vor Augen gestellt. Nur weil Maria bei Gottes Ruf zu Hause, still und aufmerksam war, zuhören konnte, war es ihr möglich Gottes Wort/Ruf/Einladung zu hören, zu überdenken und anzunehmen! Maria bestätigt mit ihrem Leben das Wort der Bibel, dass der Glaube vom Hören kommt. Weil Marias Ohr, die Tür ihres Hauses und Herzens für Gott offen war, konnte sie trotz aller Fragen und Zweifel ihr "JA" zu Gottes Plan sagen. Das "NEIN" des Menschen auf den ersten Seiten der Bibel, von dem die heutige 1. Lesung aus dem Buch Genesis erzählt, hat Gott angeregt, seither immer wieder das Gespräch mit den Menschen zu suchen – und in Maria hat er das "JA" des Menschen gefunden. Unser heutiges Fest sagt, dass Maria schon im Leib ihrer Mutter frei von der Schuldlawine war, in die jeder Mensch Zeit seines Lebens verstrickt ist. Gott schenkte Maria die Gnade, ohne Vorbelastung durch das Böse sich für oder gegen seine Pläne zu entscheiden. Maria sagt "JA" zum Plan Gottes! Hat der moderne Mensch trotz bester Kommunikationsmittel im Lärm der Zeit nicht weithin das Hören auf Gottes Wort – Glauben – Beten verlernt? Wenn Papst Franziskus in dieser Stunde im Petersdom in Rom die Hl. Pforte öffnet, an der Schwelle das Evangeliar zeigt und das "Jahr der Barmherzigkeit" damit beginnt, dann sind wir alle eingeladen Gottes Wort der Barmherzigkeit an uns in diesem Jahr zu hören und wie Maria mit unserem "JA" Antwort zu geben.

Zu einem erfüllten Menschsein gehört auch, entsprechend dem Gehörten zu handeln, dem Ruf oder der Berufung zu folgen, das in die Tat umzusetzen, was wir als unseren Auftrag erkannt haben. Mit dem Satz im heutigen Evangelium "Ich bin die Magd des Herrn" signalisiert Maria, dass sie ihre Lebensaufgabe annimmt, dass sie Jesus, im wahrsten Sinne des Wortes, "zur Welt bringen" will. Die 2. Lesung aus dem Epheserbrief sagt uns, dass Gott uns alle schon vor der Erschaffung der Welt erwählt und bestimmt hat seine Söhne und Töchter zu werden durch Jesus Christus. In Taufe und Firmung, manche von uns auch in Profess und Weihe sind wir alle berufen in der Gemeinschaft der Kirche Jesus nachzufolgen und wie er zu handeln – heute seine Hände, Füße, Lippen, Augen, Ohren und sein Herz zu sein!
Maria lebt und handelt aus dem Schatz ihres Glaubens. Sie hat dabei einen Blick für Arme, Niedrige, Erniedrigte, für alle an den Rändern der Gesellschaft. Maria bestätigt mit ihrem Leben, dass der Weg der Nachfolge Jesu nicht leicht aber möglich und erfüllend ist. Der Christ soll wie Maria mit den Augen Jesu sehen, Jesu Gesinnung haben und wie Jesus handeln, das heißt: Mit Jesu Augen Gottes Schöpfung und den Mitmenschen sehen, den Armen und Notleidenden.
Hat der moderne Mensch nicht weithin aufgehört auf Jesu Botschaft zu hören und nach ihr im Leben zu handeln, weil das von ihm Opfer, Umkehr und den Mut zum Zeugnis, zum Schwimmen gegen den Strom abverlangt? Sind wir nicht oft nur mit uns selbst beschäftigt und lässt uns die Not Anderer nicht kalt?

Schließlich gehört zu einem erfüllten Menschsein auch das Hinweisen: Wer auf Jesus hören, in seinem Sinn handeln will, wer darin den Sinn seines Lebens sieht – der möchte auch andere auf die Botschaft Jesu aufmerksam machen und sie zum Glauben an ihn einladen. Maria – so die Bibel – lädt andere ein, auf Jesus zu schauen und sein Wort zu hören. Im Hochzeitssaal von Kana lenkt sie den Blick auf Jesus, wenn sie zu den Dienern sagt: "Was er euch sagt, das tut!" Wie Maria sollen auch wir helfen an den Tischen der Welt – besonders den Armen und Notleidenden. Wir brauchen dabei nicht viel über Jesus reden – wir sollen vielmehr so handeln, dass man durch unser Tun nach Jesus fragt. Unser Leben soll ein Hinweis auf Jesus sein – das ist glaubwürdiges, überzeugendes und anziehendes Christentum! Gerade in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise helfen viele Menschen bei uns aus ihrem christlichen Glauben heraus anderen Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung sind – als beauftragter Flüchtlingskoordinator der ÖBK danke ich allen in unserem Land, die in Kirche und Gesellschaft helfen die Not zu lindern und bitte darin nicht nachzulassen! Wer Österreich/Europa liebt, spaltet es nicht, indem er neue Zäune aufstellt – als Kind, das am Eisernen Vorhang aufgewachsen ist, kenne ich die Tragik "Zaun!"
Vergessen wir Christen nie: Auch Jesus, Maria und Josef waren Flüchtlinge!
Hat der moderne Christ nicht weithin aufgehört seinen Mitmenschen, Kindern in der Familie glaubwürdiger Wegweiser und Hinweisschild zu Gott zu sein? Maria bezeugt mit ihrem Leben, dass sie im Alltag den Glauben lebte, dass ihr Gebet, Gottesdienst, Wallfahrt, Caritas bedeutsam waren – wie ist das bei uns?

Hören – Handeln – Hinweisen: Drei Bausteine für ein gutes und sinnvolles Lebenskonzept, für einen klaren, eindeutigen und makellosen Lebensentwurf, für ein erfülltes Menschsein und Christsein – oder lateinisch gesagt: für eine "Immaculata conceptio", wie wir sie an Maria ablesen können. Wenn wir uns an diesem Konzept orientieren, versuchen Hören, Handeln, Hinweisen zum Grundmuster unseres Christseins zu machen, dann sind wir mit unserem Latein noch lange nicht am Ende, dann hat unser Leben nicht nur einen großen Anfang, sondern auch ein großes Ziel, eine große Zukunft – wie das Leben Marias!

Maria, die "Immaculata conceptio" hat es uns vorgemacht, jetzt sind wir dran es ihr heute nachzumachen, damit auch unser Leben gelingt. Wir dürfen wissen, sie ist uns dabei eine verständnisvolle Wegweiserin, Helferin und Fürsprecherin!