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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Erntedankfest und Diakonentreffen, Illmitz - 11. Oktober 2015

Das Wort "Danke" ist ein Schlüsselwort in unserem Leben. Es schließt die Tür zu einem neuen Leben auf, das nicht als selbstverständlich betrachtet wird, sondern ein Leben ist, das ich dankbar als Geschenk von Gott annehme. Weil die Hektik des Alltags uns oft vergessen lässt, wofür wir danken können und sollen, haben uns die Kinder beim Bußakt daran erinnert. Am heutigen Erntedankfest möchte ich daher mit Euch kurz über das Wort "Danke" nachdenken.

Der erste Buchstabe ist das D – wie Demut.
Wenn wir einem Menschen "Danke" sagen, haben wir meistens etwas von ihm bekommen: ein Geschenk, etwas Neues zum Anziehen, ein Spielzeug, vielleicht hat uns jemand bei der Arbeit oder in der Schule geholfen. Manchen Menschen fällt es schwer, für eine solche Hilfe danke zu sagen, weil sie sich schämen, dass sie es nicht alleine können. Danke sagen hat daher etwas mit Demut zu tun. Das bedeutet: Ja, ich kann nicht alles alleine. Ich bin froh, wenn mir geholfen wird.

Der zweite Buchstabe ist das A – wie Anerkennung.Kaum jemand kommt auf die Idee, außer am Muttertag oder am Geburtstag der Mutter dafür zu danken, dass sie sich Tag für Tag um das Essen, die Einkäufe, die Wäsche und vieles andere mehr kümmert. Meistens ist das für uns selbstverständlich. Genauso denkt man über Väter und Mütter, die für den Lebensunterhalt der Familie arbeiten gehen. Dabei sehnen sich Erwachsene genauso wie Kinder nach Lob und Anerkennung für das, was sie leisten. Danken hat also auch mit Anerkennung zu tun. Und wer von uns freut sich darüber nicht?!

Der dritte Buchstabe ist das N – wie Nähe.
Danken ist mehr als nur eine Höflichkeit. Danken ist eine Antwort auf das, was einer für mich getan hat. Ich lasse es nicht einfach geschehen, sondern ich rede mit dem Schenkenden. Wenn Menschen miteinander sprechen, kommen sie sich nahe. Das erfahren wir alle jeden Tag, in der Familie und Schule, am Arbeitsplatz, mit unseren Freunden, im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben. Es ist für alle schön, ab und zu ein Dankeschön zu hören, weil dadurch Wärme, Nähe entsteht.

Der vierte Buchstabe ist das K – wie Kraft.
Wenn einer sich bei uns bedankt für eine kleine Hilfe in der Schule, am Arbeitsplatz oder zuhause, freuen wir uns und sind auch ein wenig stolz, dass unser Tun gelungen ist und unser Einsatz nicht umsonst war. Wir fühlen uns bestätigt. Das gibt uns Freude und Kraft, Aufgaben anzupacken, zu denen wir oft nur wenig oder keine Lust haben und die manchmal sogar undankbar sind.

Der fünfte Buchstabe ist das E – wie Einsicht.
Danken hat auch mit Einsicht zu tun. Ich sehe ein, dass ich nicht alles durch mich selber schaffe und nur mir selber verdanke. Ich bin angewiesen auf andere: auf meine Eltern und Geschwister, Freunde, Mitschüler, Arbeitskollegen, Lehrer, Ärzte, Politiker, Gewerke, Hilfsorganisationen, Vereine, Seelsorger, Gott. Wir leben miteinander in Gemeinschaft und haben viele Gründe dankbar zu sein!

Dankbarkeit macht nicht klein, sondern Dankbarkeit macht bewusst, dass das ganze Leben ein Geschenk ist: die Erde, auf der wir leben, und die Menschen, mit denen wir leben. Wir Christen glauben, dass Gott uns alles geschenkt hat. Darum versammeln wir uns am Sonntag zur Eucharistiefeier – zur Danksagung vor Gott für das Geschenk der Schöpfung, des Lebens, der Berufung, Erlösung! Das Erntedankfest erinnert uns alle DANKE zu sagen, um nicht die Bedeutung dieses Wortes zu vergessen – Demut, Anerkennung, Nähe, Kraft, Einsicht!

Erlaubt mir noch ein kurzes Wort an unsere Diakone aus ganz Österreich.
Die Lesungen des heutigen Sonntags geben 3 Tipps für euren Dienst in der Kirche und Welt, damit ihr eure Aufgaben besser erkennen und erfüllen könnt. 

Diakone sind von Gottes Weisheit erfüllt, bereiten ihr den Weg in der Welt. 
Der Verfasser der 1. Lesung weiß Macht und Reichtum, Gesundheit, Schönheit und Erfolg haben keinen Wert ohne die Weisheit. Sie hilft unterscheiden zwischen richtig und falsch, Nebensächlichem und Wesentlichem, Gut und Böse. Sie bleibt dem Menschen über den Tod hinaus, als ewiges Licht der Gotteserkenntnis und Gottesgemeinschaft. Diakone, von Gottes Weisheit erfüllt, bereitet ihr heute den Weg!

Diakone sind vom Wort Gottes bestimmt und getragen.
Die 2. Lesung aus dem Hebräerbrief sagt: Gottes Wort ist lebendig und mächtig. Sein Wort ist Schöpfung und Offenbarung, es ist Verheißung und Gericht. Das Wort mit dem er uns das Heil anbietet, bedeutet auch Entscheidung. Diakone sind zuerst bestimmt und getragen von Gottes Wort, damit sie dieses Wort dann auch den Menschen glaubwürdig verkünden und bezeugen können. Darum ist eure erste und wichtigste Nahrung Gottes Wort in der Hl. Schrift – lest, studiert, betrachtet es betend, lebt selber nach diesem Wort und ihr werdet es so den Menschen am glaubwürdigsten verkündigen und bezeugen!

Diakone sind dem Ruf Jesu gefolgt und dienen besonders den Armen.
Der Ruf zur Nachfolge ergeht an alle, die an Jesus glauben: aber nicht alle werden zur gleichen Form der Nachfolge gerufen. Das Evangelium dieses Sonntags zeigt uns das deutlich, wenn Jesus den reichen Jüngling ruft! Diakone sind dem Ruf Jesu gefolgt und haben den Sinn ihres Lebens gefunden im Dienst an den Armen. Der Diakon ist kein kirchlicher Statist, Karrierist oder gar Aufputz in der Liturgie, sondern wie es die Kirchenväter so schön und klar sagen, das Auge Gottes der Kirche. Der Diakon soll nicht zuerst auf sich selber schauen, sondern ein Auge haben für die Not der Menschen, besonders der Armen von heute. Vergesst das nie – das ist euer erster und wichtigster Dienst!

Als Bischof danke ich allen Diakonen in Österreich, besonders auch in unserer Diözese, für ihre vielfältigen, engagierten und treuen Dienste als wachsames Auge Gottes unserer Kirche! Ich bete für euch und wünsche euch, dass ihr mit Gottes Weisheit und Gottes Wort im Herzen den Armen von heute dient! Amen.

Sendungsfeier Katechismen, Stift Heiligenkreuz - 10. Oktober 2015

Die heutige Sendungsfeier der Katechisten hier im Stift Heiligenkreuz lädt ein nachzudenken, welche Eigenschaften heute Christen - Getaufte und Gefirmte - mehr noch Katechetinnen und Katecheten als Zeugen Jesu auszeichnen sollen. Es sind vor allem 3 Eigenschaften, über die ich mit Euch nachdenken möchte.

Der Christ-Katechist von heute muss ein durch und durch geistlicher Mensch sein.
Dies ist ein Mensch, in dem der Geist Gottes wohnt und der in seinem Leben auf die Lebenskraft des Heiligen Geistes vertraut, sich ganz und gar auf sein Wirken verlässt. Ein geistlicher Mensch ist also einer, der nicht allein auf das Sichtbare und Machbare, auf das Planbare und Leistbare schaut, sondern der vielmehr auf das unverfügbare Wirken des Geistes Gottes baut, daraus lebt, ihm Raum gibt. Geistliches Leben wird nirgendwo so konkret wie im Gebet und Gottesdienst. Hier wird erfahrbar, dass im christlichen Leben das Entscheidende von Gott her geschieht, der aber voll auf unser Mittun setzt. Geistliches Leben ist von der Spannung zwischen gläubiger Gelassenheit im Vertrauen auf Gottes Geist und persönlichem Engagement in der Nachfolge Jesu geprägt. Geistliches Leben ist unbedingte Voraussetzung und Grundlage für geistliches Tun, besonders für die Verkündigung! Papst Franziskus betont deshalb im Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" so sehr, dass jeder Christ eine persönliche Beziehung, Begegnung und Freundschaft mit Jesus haben muss, und wenn er sie noch nicht oder nicht mehr hat, dann soll er diese suchen. Pflegen wir daher das Gebet und den Gottesdienst, das Lesen und Betrachten der Hl. Schrift, die eucharistische Anbetung und empfangen wir selber die Sakramente, besonders das Sakrament der Versöhnung in der hl. Beichte, um geistliche Menschen zu werden/sein!

Der Christ-Katechist von heute muss auch ein ganz und gar weltlicher Mensch sein.
Echtes, gesundes geistliches Leben flieht nicht aus der Welt, sondern vielmehr mit der Welt in das Reich Gottes. Aufgabe des Seelsorgers und Katecheten ist es die Zeichen der Zeit wahrzunehmen und zu erkennen, in der Überzeugung, dass sich in ihnen das Wirken des Heiligen Geistes selbst zeigt. So gesehen ist es Aufgabe von Katecheten, gute Meteorologen des Glaubens in der heutigen Welt zu sein, die auf die Zeichen der Zeit achten, in ihnen das Wirken des Heiligen Geistes in der Welt wahrnehmen. Gläubiger Meteorologendienst ist keine billige Anpassung an die Plausibilitäten der Welt, sondern eine Vertiefung des Evangeliums. Die Konzentration auf Gott ist es, was Seelsorge heute entscheidend ausmacht; und diese Konzentration auf Gott ist genau das, was die Welt heute am meisten nötig hat. Als durch und durch weltliche Menschen erweisen sich Christen darin, dass sie Gott in der heutigen Welt verkünden und dass sie diese Welt auch kennen: sowohl die Nöte und Probleme, Ängste und Sorgen der Menschen als auch ihre Freuden und Sehnsüchte. Der Christ soll daher in der einen Hand die Bibel und in der anderen die Zeitung halten, beide gut kennen und miteinander verbinden!

Der Christ-Katechist von heute muss ein entschieden kirchlicher Mensch sein.
Kirchlichkeit bedeutet nicht kritikloser Konformismus. Da die Kirche nicht nur Kirche der Heiligen, sondern auch Kirche der Sünder ist, hat in ihr auch Kritik ihren legitimen Ort – vorausgesetzt, dass diese Kritik dem Aufbau der Kirche dient und nicht ihrer Zerstörung. Auf Ungehorsam ist kein Segen! Zur Kritik gehört immer auch ein gesundes Maß an Selbstkritik. Im Blick auf diese gilt die alte Lebensweisheit: "Man muss die Kirche nehmen, wie sie ist; eine andere gibt es nicht." Dieser konkreten Kirche mit ihren Schönheiten und Runzeln gilt unser Dienst, und nicht einer von uns erträumten und selbst zurechtgebastelten Kirche. Wahre Kirchlichkeit besteht darin, dass sich Katechisten der konkreten Kirche am Ort ihres Lebens in einer unbeirrbaren Gläubigkeit zur Verfügung stellen – deshalb werden sie auch feierlich gesendet, gibt es die missio canonica!
Ich bitte Euch: Schämt Euch nicht klug, unverkürzt und treu den Schatz des Glaubens den Euch anvertrauten Menschen weiterzugeben und mit Eurem Leben zu bezeugen! Es liegt kein Segen darauf, die Lehre der Kirche nach eigenen An-sichten zu verkürzen – habt den Mut die "Lehre der Apostel" zu verkünden, zusammen mit Petrus und den Nachfolgern der Apostel und nicht gegen sie!
Ich danke Euch für die Bereitschaft in den Dienst in ihren Diözesen für die Kirche zu treten, für Ihr Mittragen, Mitleiden mit der Kirche, für Ihre Kirchlichkeit!
Der Christ und noch mehr der Katechist von heute muss ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch sein, um glaubwürdiger Zeuge Jesu zu sein! Wie sagt der Herr im Evangelium: "Selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen." Wer wie Maria Gottes Wort hört und befolgt, der ist auf dem Weg ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch zu werden und zu sein. Schauen wir daher im Leben auf Maria und bitten wir die Rosenkranzkönigin um Christen, Hirten und Seelsorger, vor allem aber um Katechisten für unsere Kirche, die wirklich geistliche, weltliche und kirchliche Menschen sind! Die Kirche sendet Euch auf die Strassen der Welt, steigt ein in den Wagen der Menschen, hört zu, begleitet, unterweist und führt sie zum Glauben an Jesus! Ich wünsche Euch viel Freude, Mut und Geduld, vor allem aber Gottes Segen in Eurem neuen pastoralen Dienst als Katechisten! Amen.

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Europabischof mahnt mehr Solidarität auf EU-Ebene ein

© kathbild.at / Franz Josef Rupprecht
01. Oktober 2015
Europa / Flüchtlinge / Europabischof / Zsifkovics / Kreta / Orthodoxe Kirche

Bischof Zsifkovics bei Lokalaugenschein sozialer Hotspots auf Kreta: „Die Not schutzsuchender Menschen auf der Flucht muss alle angehen“ – Es brauche eine gemeinsame, solidarische europäische Flüchtlingspolitik, um einerseits Überforderungen, andererseits Anfeindungen gegenüber Flüchtlingen entgegenzuwirken


„Es braucht mehr Solidarität innerhalb der Europäischen Union, eine Rückbesinnung auf den Geist des europäischen Miteinander und mehr Verantwortungsbewusstsein für ein Friedens- und Solidarprojekt, das in der Flüchtlingskrise seinen Lackmustest hat“: Das betonte Europabischof Ägidius J. Zsifkovics, der gemeinsam mit dem griechisch-orthodoxen Metropoliten von Austria, Arsenios Kardamakis, einen Lokalaugenschein zu sozialen und karitativen Einrichtungen auf Kreta und dessen Flüchtlings-Hotspots unternahm. Die Flüchtlingskrise sei eine europäische Herausforderung, die nur durch eine gemeinsame europäische Lösung bewältigt werden könne.

 „Europa darf Seele nicht verlieren“
„Die Not schutzsuchender Menschen auf der Flucht vor Krieg, Terror, Verfolgung und Gewalt muss alle in Europa angehen“, so der Europabischof, der ausdrücklich vor einem Abstreifen und Abschieben von Verantwortung mit Blick auf die Flüchtlingsfrage warnte. Solidarität und Hilfsbereitschaft mit Flüchtlingen sei ein unerlässlicher und unhintergehbarer Teil eines sich als Wertegemeinschaft verstehenden Europa. „Wenn wir in dieser Frage scheitern, scheitert der europäische Geist, und Europa verliert seine Seele“, mahnte Bischof Zsifkovics, auf dessen Initiative in der kleinen Diözese Eisenstadt 200 Betreuungsplätze für Flüchtlinge sowie zusätzlich 700 Notquartiere geschaffen wurden.

Ein Frauenkloster zeigt, wie es geht
Die Flüchtlingsfrage als das aktuell wohl dringendste europäische Thema ist in der Diözese Eisenstadt ebenso präsent und brisant wie auf Kreta. Auf der größten griechischen Insel unternahm der Europabischof zudem Lokalaugenscheine zu sozialen und karitativen Hotspots, etwa zum Frauenkloster Kalyviani, das mit ebenso viel Engagement und Professionalität sowohl ein Waisenheim für Mädchen als auch ein Altersheim führt. Hier werde auf großartige Weise gezeigt, „wie es gehen kann, wenn eine aus christlichem Selbst- und Solidarverständnis geleitete Vernunft des Herzens federführend ist“, zeigte sich Bischof Zsifkovics beeindruckt. Das Kloster mache eindrucksvoll deutlich, dass sich Spiritualität und konkretes gesellschaftspolitisches, mitmenschliches Engagement  wechselseitig befruchten können: Denn Sonntag für Sonntag kommen weit mehr als 1.000 Menschen, um an der hl. Messe an diesem geistlichen Zentrum teilzunehmen – ein Zentrum, das zugleich 30 hauptamtliche Sozialarbeiter, Psychologen und weitere Fachkräfte für die karitative und Sozialarbeit beschäftigt und die dafür monatlich notwendigen Personalkosten von rund 70.000 Euro aus eigener Kraftanstrengung aufzubringen weiß.

Christliche Grundhaltung statt Klima der Angst
Der Bischof der Diözese Eisenstadt forderte zudem mehr Fairness hinsichtlich der Verteilung von Flüchtlingen und zugleich die Etablierung einheitlicher humaner Asystandards, die der Würde schutzbedürftiger Menschen tatsächlich entsprechen. Die Frage der Aufnahme von Flüchtlingen dürfe weder in den Sog einer wirklichkeitsfremden Emotionalität, die faktische Herausforderungen und Kraftanstrengungen zu übertünchen und schönzufärben geneigt sei, noch in Fahrwässer von inhumaner, einer christlichen Grundhaltung gänzlich entgegengesetzten Anfeindungen und Fremdenfeindlichkeit hineingezogen werden. „Wir dürfen nicht zulassen, dass ein Klima der Angst, das zum Nährboden für Hass und Hetze werden kann, uns die Mitmenschlichkeit nimmt“, stellte Bischof Zsifkovics klar.

Die Chance in der Krise
Der derzeitige Ist-Zustand Europas im Umgang mit der Flüchtlingsfrage bedürfe jedenfalls einer dringlichen Korrektur: „So wie bislang kann es nicht einfach weitergehen. Wir brauchen eine systematische europäische Lösung, die nur dann nachhaltig auf den Weg gebracht werden kann, wenn das Wertefundament Europas ernst genommen und gelebt wird.“ Wenn dies gelinge, könne die Krise selbst zur Chance werden, an einem humanen Europa zu bauen, in dem Solidarität und der urchristliche Dienst am Nächsten nicht zur Worthülse, zur Makulatur einer Marketingblase verkomme, sondern den eigentlichen Kern für die Organisation des europäischen Gemeinwohls bilde.

Egoismen und Schrebergartenenge durchbrechen
Die Forderung nach mehr europäischer Solidarität wurden auch vom Oberhaupt der halb-autonomen orthodoxen Kirche auf Kreta, Erzbischof Irinaios von Heraklion, sowie dem griechisch-orthodoxen Metropoliten von Austria, Arsenios Kardamakis, aufgegriffen: Eogismen, Tendenzen des Trittbrettfahrens und des Einigelns in eine empathielose Schrebergartenenge müsse durch ein Netzwerk der Nächstenliebe durchbrochen werden. „Gerade in Griechenland zeigt sich in der Krise ein starkes soziales Netz, in das sich die Kirche mit all ihren Mitteln und Möglichkeiten für die von der Wirtschaftslage teils arg gebeutelten Menschen einsetzt“, so Metropolit Arsenios.

„Europa muss zusammenrücken“
Eine hartnäckig sich haltende, nichtsdestotrotz falsche Mär sei die Rede vom vermeintlichen „Reichtum“ der orthodoxen Kirche in Griechenland. „In Wahrheit haben die Diözesen vor geraumer Zeit ihren Grundbesitz an den Staat abgegeben, der wiederum die Besoldung der Priester und Diakone übernahm. Unter dem Spardiktat bewilligt die Regierung nur noch einen Neupriester pro Diözese und Jahr, der Bedarf ist jedoch angesichts zahlreicher anstehender Pensionierungen viel größer“ informierte Erzbischof Irinaios, der Metropolit von Heraklion. Gerade einmal 600 Euro betrage das Monatsgehalt eines Neupriesters, der zudem eine Familie mit Frau und Kindern zu erhalten habe. „Ob in der Flüchtlingsfrage oder in anderen sozialen Notsituationen: Europa muss zusammenrücken und sich gemeinsam, mit- und füreinander seiner Probleme stellen“, betonten Metropolit Arsenios und Diözesanbischof Zsifkovics im Einklang.

Bischof Zsifkovics auf Kreta: Offene Arme und Dank für orthodoxes Kloster

Ökumene / Kreta / griechisch-orthodoxe Kirche / Bischof / Zsifkovics
Erzbischof Irinaios von Heraklion: Dank für das „große und symbolbehaftete Geschenk des Grundstücks für ein orthodoxes Kloster in St. Andrä am Zicksee“ – Eisenstädter Diözesanbischof Zsifkovics betonte auf Kreta die Bedeutung des ökumenischen Dialogs und Brückenbaus

Mit offenen Armen, einer überwältigenden Gastfreundschaft und Herzlichkeit wurde eine Gruppe burgenländischer Pilger, angeführt vom Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics und begleitet vom griechisch-orthodoxen Metropoliten von Austria, Arsenios Kardamakis, von der griechisch-orthodoxen Kirche auf Kreta empfangen. Der offenherzigen Begegnung auf der größten griechischen Insel ging die Initiative von Bischof Zsifkovics, ein Stück Land in der Diözese für das erste orthodoxe Kloster in Österreich zur Verfügung zu stellen, voraus: ein Akt von weltkirchlicher Bedeutung im Zeichen des ökumenischen Brückenbaus, wie Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche die „Martinstat“ des Bischofs würdigten.

Wie der „martinus“, die Kirchenzeitung der Diözese Eisenstadt in seiner kommenden Ausgabe berichtet, dankte der Erzbischof der Insel und Metropolit von Heraklion, Irinaios Athanasiadis, dem Eisenstädter Diözesanbischof „im Namen der Kirche Kretas für das große und symbolbehaftete Geschenk des Grundstückes für ein orthodoxes Kloster in St. Andrä am Zicksee“. Besonders anerkennende Worte fand das Oberhaupt der halb-autonomen orthodoxen Kirche auf Kreta für die in Österreich bestehende „gut funktionierende Gemeinschaft zwischen orthodoxen und katholischen Christen“.

Besondere Freundschaft
Diözesanbischof Zsifkovics wiederum betonte die besondere Freundschaft, die ihn mit dem griechisch-orthodoxen Metropoliten von Austria, Arsenios Kardamakis, verbinde: In ihm habe er einen „kostbaren Bruder und wertvollen Freund“ gefunden, ähnlich wie Papst Franziskus im Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaius I., auf weltkirchlicher Ebene. Bischof Zsifkovics machte in der herzlichen Begegnung mit Erzbischof Irinaios auch auf eine kalendarische Verbundenheit zwischen dem Erzbistum der Mittelmeerinsel und der Martinsdiözese aufmerksam: Sowohl der Patron von Heraklion, der hl. Minas, als auch der Patron der Diözese Eisenstadt, der hl. Martin, werden am 11. November gefeiert.

Die große Wertschätzung für die Wegbereitung des geplanten ersten orthodoxen Klosters in Österreich kam Bischof Zsifkovics auch in der Begegnung mit der Mönchsgemeinschaft von Epanosifi, der Metropolit Arsenios selbst ebenfalls angehört, entgegen. Der hiesige Abt Bartholomaios sicherten im Gespräch mit dem Eisenstädter Diözesanbischof die geistliche und finanzielle Unterstützung des Klosters in St. Andrä am Zicksee zu. Die Türöffnerfunktion von Bischof Zsifkovics und seine Zurverfügungstellung eines Grundstücks für das zu errichtende Kloster im Burgenland werde „in der ganzen orthodoxen Welt“ anerkennend wahrgenommen, so der Abt.

Quinquennium: Bischof mit „Spürnase“
Der vorletzte Tag der Kreta-Reise fiel mit dem Quinquennium, dem 5. Jahrestag der Bischofsweihe von Ägidius J. Zsifkovics, zusammen, das der Bischof gemeinsam mit den Mitreisenden aus dem Burgenland und den griechischen Freunden mit einer Dankmesse in der katholischen Kirche von Rethymnon feierte. Auch der örtliche griechisch-orthodoxe Metropolit Eugenios nahm an der Dankesfeier teil. Eine „Spürnase“ für das zu haben, was die Kirche im Hier und Heute am dringendsten brauche, sei die zentrale Herausforderung seines Amtes, zitierte die Kirchenzeitung „martinus“ den Diözesanbischof. Er sei dankbar dafür, dass so viele helfende Hände und hingebende Herzen das Unterwegssein seines Hirtendienstes begleiten und mittragen. Zudem wolle er jenen „einladend, ermutigend und einfühlsam nachgehen“, denen „auf dem Weg die Luft ausgegangen ist“, so der Bischof anlässlich seines Quinquenniums.