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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Dienstag, 29. September 2015

„Wegweiser, nicht Sitzordner“: 5 Jahre Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics

5. Jahrestag der Bischofsweihe des Eisenstädter Diözesanbischofs – Vom persönlichen Engagement für die christliche Solidarität mit Flüchtlingen über die Ermöglichung des ersten orthodoxen Klosters in Österreich bis zum "Neuen Pastoralen Weg": Der Europabischof wird der „Martinstaten“ nicht müde

Eisenstadt – „Keine Sitzordnung, sondern Wegweisung“ lautet einer der markantesten und charakteristischsten Appelle von Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics, der sein bischöfliches Unterwegssein für die Diözese Eisenstadt so treffend auf den Punkt bringt: Grundlegende Überzeugungen in unkomplizierter, leutseliger, pragmatischer Weise stets neu auf der Höhe der Zeit ausbuchstabieren zu können, dabei ein weltoffenes, unbefangenes Sensorium für alle gesellschaftlichen Bereiche, gerade für die Randzonen, zu schärfen, aber ohne Rückgradverkrümmung und das Anbiedern an billigen Beifall.

Sein Quinquennium, den Fünf-Jahrestag seiner Bischofsweihe, „feierte“ der Europabischof auf eine Weise, die spiegelbildlich für sein bischöfliches Tun ist: Arbeitend und im ökumenischen Aufeinander-Zugehen mit der orthodoxen Kirche im Zuge einer Reise und eines Lokalaugenscheins auf Kreta, ohne Scheu, auch aktuelle gesellschaftspolitisch „heiße Eisen“ wie die europäische Solidarität mit Schutzsuchenden auf der Flucht anzupacken.

Plädoyer für mehr Martinus
Vor fünf Jahren, genauer am 25. September 2010, wurde Ägidius J. Zsifkovics im Martinsdom zum dritten Diözesanbischof von Eisenstadt und damit zum Nachfolger des ersten Eisenstädter Bischofs Stephan László und dessen Nachfolger Paul Iby geweiht. Bereits in seiner Ansprache hob der damals neugeweihte Diözesanbischof die Solidarität mit den Mitmenschen, insbesondere die Zuwendung zu den „Mühseligen und Beladenen“, die „Sorge für Arme, Heimatlose, Notleidende“ als „Dauerauftrag für die Kirche“, als konkrete Martinstaten gerade für die Martinsdiözese Eisenstadt hervor. „Wir brauchen mehr Martinus“, so die unermüdliche Ermutigung von Ägidius J. Zsifkovics.

Auch ein zweiter zentraler Grundbaustein kam bereits im Zuge der damaligen Bischofsweihe, vorgenommen von Hauptkonsekrator Kardinal Christoph Schönborn und den Konkonsekratoren Kardinal Josip Bozanic aus Zagreb und Bischof Paul Iby, lebendig zur Sprache: die hohe Wertschätzung der kulturellen, sprachlichen, spirituellen und ökumenischen Vielfalt des Burgenlandes im Herzen Europas, das „uns zum Modell für andere und so kostbar im großen Europa macht“, sagte Bischof Zsifkovics damals vor den 57 anwesenden Erzbischöfen und Bischöfen, einschließlich dem apostolischen Nuntius Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen und dem Primas von Ungarn, Kardinal Peter Erdö.

Was sind nun die wesentlichen Akzente, die der Brückenbauer Ägidius J. Zsifkovics, der das Übersetzen, das wechselseitig sich befruchtende Händereichen von Welt und Kirche, von Kirche und Welt inmitten der Aktualität der Zeit zum Programm macht, in seinen ersten fünf Jahren als Diözesanbischof setzen konnte? Mit welchen Spuren und Färbungen hat sich sein bischöfliches Unterwegssein bis zum nun vollzogenen Quinquennium in die Diözese Eisenstadt und darüber hinaus eingeschrieben?

Solidarität mit Flüchtlingen: Sinusknoten christlichen Herzschlags 
Da wäre angesichts der brennenden Aktualität zunächst das persönliche Engagement von Diözesanbischof Zsifkovics für die Solidarität mit Flüchtlingen zu nennen. Die kleine Diözese Eisenstadt hat auf Initiative des Bischofs, der bereits zu Anfang des Jahres zu einem Asylgipfel eingeladen hatte, bis dato Wohnraum sowie umfassende, qualifizierte Betreuung für 200 Flüchtlinge und darüber hinaus zusätzlich 700 Notquartiere für Schutzsuchende auf der Flucht geschaffen. „Die solidarische Zuwendung zu hilfesuchenden Menschen liegt nicht an der Peripherie eines christlichen Selbst- und Weltverständnisses, sondern am Sinusknoten von dessen Herzschlag“, ist Bischof Zsifkovics nicht müde zu betonen. Nicht Heroismus und oberflächlicher Aktionismus seien gefragt, wohl aber der solidarische, helfende, liebevolle Dienst am Nächsten als die „eigentlichen Kennzeichen des Christseins“.

Orthodoxes Kloster: Eisenstadt auf der Bühne der Weltkirche
Ein weiteres Grundanliegen des nun seit fünf Jahren in Amt und Würde waltenden Diözesanbischofs ist der Dialog, die gelebte Ökumene, das immer gesprächsbereite Raumgeben für vielfältige, verschiedene und bunte Lebensstile, Lebenswirklichkeiten und Glaubenszugänge. So ermöglichte Bischof Zsifkovics etwa mit der Zurverfügungstellung eines Stücks Land in der Diözese Eisenstadt die Gründung des ersten orthodoxen Klosters in Österreich, das in St. Andrä am Zicksee im Seewinkel entstehen wird. Es soll Begegnungsstätte, spirituelles Zentrum und Zeichen einer dialogischen Einheit sein an einem Ort, an dem noch bis vor Kurzem der Eiserne Vorhang die Welt in zwei Teile schnitt. Papst Franziskus ließ es sich nicht nehmen, das Projekt ausdrücklich zu würdigen, und Bartholomaios I., Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel und Ehrenoberhaupt von weltweit 375 Millionen orthodoxen Christen, kam eigens nach Eisenstadt.

Für Bischof Zsifkovics, dem gebürtigen, in der Pfarre Stinatz aufgewachsenen Burgenlandkroaten, dem Europabischof und zuständigen Bischof für Roma und Sinti, geht es dabei immer auch um ein Zugehen auf den Stern des Martinus, des pannonischen Heiligen und Bischofs von Tours: „Sein Akt des Mantelteilens als tiefes Symbol einer christlichen Vernunft des Herzens ist hier und heute, 1.700 Jahre nach seiner Geburt aktueller denn je. Europa muss den Grenzen überwindenden, in konkret gelebter Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft wirklich gewordenen Geist Martins wiederentdecken, wenn es einer nachhaltigen, humanen Zukunft entgegengehen will“, betont Bischof Zsifkovics.

„Neuer Pastoraler Weg“: Sauerstoffmaske des Christseins reaktivieren
Vom Martinsgeist durchweht ist auch ein ambitioniertes Großprojekt der Diözese Eisenstadt, mit dem Bischof Zsifkovics die Weiche „weg von überholten Strukturen und starren Konventionen“, hin zu einem „aktiven, mündigen, partizpatorischen Christentum aus Überzeugung“ zu stellen versucht: Der „Neue Pastorale Weg“ ist Eisenstadts konkrete Antwort auf den Anspruch der Neuevangelisierung, den die Weltbischofssynode im Jahr 2012 in den Mittelpunkte stellte. Als Vertreter der österreichischen Bischöfe nahm damals Ägidius J. Zsifkovics teil. In diesem Jahr gestartet, zielt der „Neue Pastorale Weg“ auf die Beförderung und Befeuerung einer aktiven Mitwirkung und Einbindung der Gläubigen, auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit gegebenen Ressourcen, auf die Gründung neuer, lebendiger Gemeinschaften, kurz: auf eine „kooperative Pastoral, die aufgeklärte und geformte Laien als großen Schatz der Kirche wahr und ernst nimmt und die die Menschen in ihren konkreten Lebenswirklichkeiten tatsächlich erreicht“, so der Bischof. 40 Seelsorgeräume sollen bis 2025 geschaffen werden, Priester und Laien sollen enger zusammenrücken und einen Verkauf von Kirchen wird es nicht geben. „Dafür ist weder eine Taktik noch ein Masterplan notwendig, sondern vielmehr die Rückbesinnung auf die Sauerstoffmaske des Christseins: das Evangelium und dessen lebendige Umsetzung in der Welt von heute“.

Schöpfungsverantwortung: „Zeigen, wohin Reise gehen muss“
Vieles wäre noch zu nennen aus den ersten fünf Jahren des bischöflichen Dienstes von Ägidius J. Zsifkovics, der bis zur Matura 1981 eigentlich Polizist werden wollte, bis heute gerne mit den Leuten Karten spielt, Witze – ob auf deutsch oder kroatisch, ungarisch, italienisch oder englisch – erzählt und in seinen Predigten keine Scheu hat, über „James Bond“-Filme und Popsongs zu sinnieren und die Sprache der Jugend aufzugreifen. Dabei sind es zwei Herzensanliegen, die gerade seine enge Verbundenheit mit Papst Franziskus bezeugen: das couragierte Abschneiden alter und verfilzter Zöpfe und die gelebte Schöpfungsverantwortung. „Wer, wenn nicht die Kirche muss Vorbild sein für eine ökologische Vernunft, die immer auch die mitmenschliche und die spirituelle Dimension einschließt. Wenn wir die Gier und Fixiertheit auf das Haben nicht durch die Offenheit für das Geschenk des Seins ersetzen können, werden wir selbst zur Gefahr für unseren wunderschönen Planeten und damit zur Gefahr für uns selbst“, so der Bischof, der in einem landwirtschaftlichen Betrieb, mit dem Halten von Kühen und dem Sorgetragen um Bienen groß geworden ist. Ob ökologisches Bauen und das Setzen auf Alternativenergien in der Diözese, ein Projekt zur Rettung der Langohr-Fledermaus in kirchlichen Dachstühlen oder Aktionen zur Schöpfungsverantwortung: „Die Kirche muss zeigen, wohin die Reise gehen soll.“ Eben Wegweiser sein, nicht Sesselkleber und Sitzordner!

Mittwoch, 16. September 2015

Österreichische Mesnerwallfahrt - Rankweil, 15. September 2015

Wer in die Wallfahrtskirche von Rankweil kommt, sieht das altehrwürdige silberne Kreuz über dem Altar und im Mittelpunkt der Basilika die Statue der "Sieben Schmerzen Marias", sieben Schwerter durchbohren ihr Herz. Beides – das Kreuz und die Statue der schmerzhaften Muttergottes – vereinen sich im uns allen vertrauten Bild der Pietà. Dieses Bild prägt auch den heutigen Festtag. Die Pietà ist wohl deshalb das Gnadenbild unter den vielen Gnadenbildern in der Kirche, weil sie die Übersetzung des Kreuzes Christi hinein in die Dimension des Menschen ist. Schon in der äußeren Gestalt ähnelt die Pietà dem Kreuz. Maria ist gleichsam die Vertikale: Auf ihrem Schoß ruht im Getöteten Christus die Horizontale. Beim Blick auf die Pietà fallen 3 Dinge auf, die ich anlässlich der österreichischen Mesnerwallfahrt hierher nach Rankweil für unser Christsein – besonders auch für Euren Dienst als Mesner – mit Euch bedenken möchte. 

1. Das geneigte Haupt.
Als Christus am Kreuz starb, warf er nicht menschenverachtend sein Haupt zurück, sondern nach dem Zeugnis der Evangelisten neigte er sein Haupt zur Welt und starb. Wenn wir auf die Pietà schauen, dann setzt sich die Haltung des Sohnes in der Mutter fort. Das sich zur Welt herabneigende Haupt des Herrn findet seine Fortsetzung in dem in das Elend der Welt hineingebeugte Haupt Mariens, das sich über ihren toten Sohn herabneigt. Die absteigende Linie ihres Hauptes zeigt uns einen Gott im Abstieg. Nicht der Reiter auf dem hohen Ross offenbart uns den erbarmenden Vater unseres Herrn Jesus Christus, sondern die sich herabneigende Pietà. Sie weist uns hin zum Abendmahlssaal, indem der Herr vor den Füßen seiner Jünger sich herabbeugt und damit vor aller Welt den Standort Gottes unter den Menschen festlegt. Dieser Standort Gottes in der Welt ist geprägt durch das Wort "unter" und nicht "über". Gott steht nie aufseiten der Übermenschen. Gott ist immer "unter" den Menschen zu finden. Das herabgeneigte Haupt der Pietà ist wie ein Wegweiser, der uns hinweist auf den Standort Gottes in der Welt. Darum drängt alles Leid der Welt zur schmerzhaften Mutter, weil es hier nicht übersehen, sondern wirklich angesehen wird.

2. Die ausgebreiteten Arme.
Am Kreuz breitet der Herr seine Arme aus, um alle Last dieser Welt zu tragen. Die Pietà hat ihre Arme nicht eingewinkelt, um sich mit ihren Ellbogen in der Welt durchzusetzen. Christus wird vom Kreuz abgenommen und von den offenen Armen der Pietà übernommen. Der Herr ist vom Kreuz verschwunden. So etwas gibt es, dass Nacht über unsere Erde hereinbricht, in der Gott von der Erdoberfläche verschwindet wie am Karsamstag in den Mutterschoß der Erde. Das Grab wurde sein Refugium, aus dem der Vater den Sohn auferweckte und von dort aus die Welt eroberte. Auch nach Ostern sind Nächte möglich, Nächte, in denen Gott von der Welt zu verschwinden scheint, wo das Licht ausgeht. In solchen Situationen werden Pietà-Existenzen gebraucht, die – wenn der Herr vom Kreuz abgenommen wird – bereit sind, ihn in ihre Arme zu übernehmen, die mit dieser kostbaren Last durch die Nächte gehen. Von ihren weiten Armen kann die Rettung ausgehen, brechen neue Tage für unsere Welt an. Viele Zeichen scheinen darauf hinzudeuten, dass heute wieder eine neue Gottesdämmerung am Hereinbrechen ist. Darum werden Männer und Frauen gesucht, die bereit sind, den Herrn in ihre Arme zu nehmen, wenn er vom Kreuz abgenommen wird, die ihn durch die Nächte hindurchtragen in den neuen Morgen hinein, den er zu seiner Zeit aufgehen lässt. Der Christ ist berufen, ein solches Refugium für den Herrn zu sein, wenn ihn die Seinigen nicht mehr aufnehmen und er vom Angesicht der Welt verschwinden muss. Es gibt mehr solche Pietà-Menschen als wir vielleicht ahnen. Sie machen nicht viel von sich reden, aber sie sind die Garantie für den neuen Morgen nach einer langen, dunklen Nacht.

3. Das offene Herz.
Die Pietà ist das Kreuz Christi in der Dimension der Menschen. Der Evangelist Johannes berichtet, dass einer der Soldaten mit seiner Lanze die Seite des Herrn am Kreuz durchstoßen hat, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Simeon sagt zu Maria: Ein Schwert des Schmerzes wird deine Seele durchbohren. Seit Golgota gehören Herz-Jesu-Verehrung und Herz-Mariä-Verehrung zusammen. Die Pietà ist Herz-Jesu-Bild und Herz-Mariä-Bild in einem. Der Leib des Herrn auf ihrem Schoß trägt die Wundmale. Das Evangelium wird nicht im Kopf verwirklicht, sondern im Herzen. Maria hält den toten Christus auf ihrem Schoß nicht in Distanz, sondern sie drückt ihn ans Herz. Das Herz muss dabei sein. Wohlmeinende Freunde trösten uns im Unglück, indem sie sagen: Du darfst dir nicht alles so zu Herzen nehmen. Was wir uns aber nicht zu Herzen nehmen, das haben wir nicht angenommen, selbst wenn uns dabei fast das Herz abgedrückt wird. Wir müssen uns diese Welt und die Menschen ans Herz wachsen lassen, wir müssen sie annehmen, denn nur dann können sie auch verwandelt werden.

Die Pietà erinnert uns an das geneigte Haupt Christi, die ausgebreiteten Arme und das offene Herz Mariens. Zeigt sich darin nicht auch der Mesnerdienst? Wie oft neigt Ihr in Eurem täglichen Dienst das Haupt vor Christus und habt daher auch ein Auge für den Dienst vor Gott und die Anliegen der Menschen? Wie oft breitet auch Ihr die Hände aus, um Euren Dienst im Geist Jesu zu tun? Wie oft sucht auch Ihr beim Herzen Jesu und Mariens Kraft, Hilfe und Trost, damit Ihr mit Freude, Herz und Hirn Dienst tun könnt für Gott, Kirche, Pfarre? Als Euer Referatsbischof sage ich Euch allen in meinem Namen sowie namens der ÖBK für Euren täglichen Dienst und Euer Glaubenszeugnis Vergelt´s Gott! Ihr seid ein Schatz für die Kirche – bereichert sie weiterhin mit Euren Talenten!  Die Pietà lädt uns Christen, besonders jeden MesnerIn ein: Hab ein geneigtes Haupt, ausgebreitete Arme und ein offenes Herz für Gott und die Mitmenschen! Die Schmerzhafte Muttergottes von Rankweil erbitte uns diese Gnade von ihrem gekreuzigten und auferstanden Sohn Jesus Christus für unseren Dienst! Amen.

Montag, 7. September 2015

Predigt anlässlich der 63. Arbeiterwallfahrt - 6. September 2015

Das Motto der 63. Burgenländischen Arbeiterwallfahrt nach Baumgartenberg und Enns in Oberösterreich lautet: Unterwegs im Glauben. 600 Menschen aus 83 Pfarren unserer Diözese haben sich gestern und heute in 12 Bussen auf den Weg gemacht, um als Pilger ein Glaubenszeugnis zu geben, um zu zeigen, dass wir als Christen gemeinsam "unterwegs im Glauben" sind.
Ein Bild, das in diesen Tagen über alle Fernsehkanäle ging, will mir nicht aus dem Kopf gehen – es sind die vielen Flüchtlinge am Ostbahnhof in Budapest, die um einen Platz im Zug kämpfen, um vor Krieg, Elend und Not endlich nach Österreich und Deutschland zu gelangen, wo man sich Frieden, Sicherheit und Wohlstand verspricht. Der Zug wird so für viele Flüchtlinge zum Symbol für die Fahrt in die Freiheit/Glück, für die sie bereit sind alles zu geben, auch ihr Leben!

Ich möchte mir in dieser Predigt das Bild vom Zug, der auf den richtigen Geleisen steht und fährt, die zum erwünschten Ziel führen zu Hilfe nehmen, um unser "Unterwegssein im Glauben" tiefer zu überdenken. Arbeiter fahren mit dem Zug. Auf unserer Reise durch das Leben sitzen wir Christen mit anderen Menschen im Zug. Es gibt viele Geleise, die zum Ziel führen. Es sind aber 3 Geleise, die Menschen, die gemeinsam "unterwegs im Glauben" sind auszeichnen müssen.

Die Geleise in die Tiefe.
Wenn man in unserer Alpenrepublik mit dem Zug fährt, taucht der Zug oft in einem Tunnel ein. Für zukünftige Verkehrsplanungen werden Tunnels, Unter-flurtrassen und Untergrundbahnen immer wichtiger. Auch im Glauben, in der Kirche braucht es unbedingt die Fahrt in die Tiefe. Der große Theologe Karl Rahner hat einmal gesagt, dass die Kirche der Zukunft eine mystische sein muss, wenn sie bestehen will. Mit "mystisch" ist nicht das Untertauchen in eine weltfremde Frömmigkeit gemeint, Ekstasen, Magie, Konzentra-tionstechniken und religiöse Sensationslust – das sind eher Sonderzüge und Geisterbahnen mit Drohbotschaften und Privatoffenbarungen, die man stilllegen sollte. Die Geleise in die Tiefe meinen die Mystik im ursprünglichen Sinn des Wortes: Das Verbundensein mit dem Mysterium/Geheimnis/Gott. Das heißt, dass wir mit Jesus eine lebendige Einheit suchen müssen – in der Hl. Schrift, im Gebet, im Sakrament, in der Liturgie und in der Spiritualität. Wenn ich diese Geleise in die Tiefe an erster Stelle nenne, dann sage ich damit, dass das Entscheidende im Glauben nicht in der Organisation der Kirche liegen darf. Das wichtigste ist Gott und der Mensch, der mit ihm verbunden, von ihm erfüllt ist, der in stiller Dienstbereitschaft Gottes Willen tut. Christen, die gemeinsam "unterwegs im Glauben" sind, brauchen daher die Verbindung mit Gott durch das Gebet, das Lesen der Hl. Schrift, den Gottesdienst, die Sakramente, die Wallfahrt, eine gesunde Spiritualität – vernachlässigen wir es nicht auf diesen Geleisen in die Tiefe zu fahren, um nicht leer, banal, brutal, oberflächlich zu sein!

Die Geleise ins Miteinander.
Wenn ein Zug einen Großbahnhof verlässt, beginnen sich die vielen Parallelgeleise mit Querverbindungen und Weichen zu vernetzen und in neue Stränge einbinden. Die Räder des Zuges registrieren diesen Vorgang jedes Mal mit einem leichten Schlag, den auch die Reisenden im Abteil spüren – ein Zeichen dafür, als sei das Miteinander der Schienen nicht ganz ohne Probleme.
Auch die Geleise ins Miteinander, die Jesus im Abendmahlssaal gelegt hat waren bei seinen Jüngern nicht ohne Probleme – Ehrgeiz, Rivalitäten, Machtansprüche, Geltungsdrang, bis hin zum Verrat. Jesus hat gewusst, was die Geleise ins Miteinander gefährden wird: der Egoismus, der Eigensinn des Einzelnen und der falsche Umgang mit Autorität und Macht. Die Erfahrung des Miteinander ist aber entscheidend für die Reisenden. Das Erlebnis konkreter Gemeinschaft in der Kirche schafft Fahrtkomfort. Man fühlt sich wohl, wenn man ein Klima des Miteinanders zu spüren bekommt. Es braucht in der Familie und Kirche das "Wir-Erlebnis". Der Ausbau der Geleise ins Miteinander ist heute mehr als nötig, um trotz neuester Kommunikationsmittel der zunehmenden Isolation und Individualisierung der Menschen entgegenzuwirken. Was nützen uns die besten Handys, iPhones, iPads und Computer, wenn wir nicht mehr miteinander reden können! Der Mensch braucht wieder mehr Herz! Für Menschen, die gemeinsam "unterwegs im Glauben" sind, führt das Geleise ins Miteinander rund um den Altar. Wir Christen haben eine Mitte, zu der wir alle gehören. Pflegen wir diese Mitte in der Familie, wenn wir uns um den Tisch versammeln, aber auch in der Pfarre, wenn wir uns um den Altar versammeln, damit wir das Miteinander stärken! Diese 63. Arbeiterwallfahrt ist ein konkretes und lebendiges Zeichen des Miteinanders in unserer Diözese!

Die Geleise der Hilfsbereitschaft.
An den Geleisen der Hilfsbereitschaft, der helfenden Liebe pulst im Bahnhof Kirche das Leben. Da werden laufend Züge abgefertigt, die zu den verborgenen Nöten der Menschen in der Heimat und außerhalb unterwegs sind: zu denen, die sich schwer tun im Leben oder durch den Rost fallen, zu den Pflegebedürftigen und Suizidgefährdeten, Alkohol- und Drogenabhängigen, Alleinerziehenden und Familien in Bedrängnis, zu Vereinsamten und Sandlern, heute besonders zu den Asylsuchenden, Flüchtlingen und Verfolgten. Natürlich kann die kirchliche Hilfsbereitschaft nicht überall und allen helfen, aber wir müssen darauf achten, dass wir aus dem rechten Geist heraus helfen und das uns Mögliche auch tun! Als Martinsdiözese sind wir da mehr als andere gefordert, bereit sein zum Teilen und zur Aufnahme von Flüchtlingen in unsere Pfarren – als Bischof bitte ich jede Pfarre unserer Diözese diesen Menschen unsere christliche Hilfsbereitschaft zu erweisen! Denn im Zielbahnhof unseres Lebens wird sich der Herr der Welt besonders für die einfahrenden Züge der Nächstenliebe interessieren. Vergessen wir dabei nicht Jesu Wort: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Die Caritas, die Geleise der Hilfsbereitschaft sind das Kennzeichen jeder echten christlichen Gemeinde und ihrer Glaubwürdigkeit!

Unser gemeinsames "Unterwegssein im Glauben" braucht heute mehr denn je die Geleise in die Tiefe, die Geleise des Miteinander und die Geleise der Hilfsbereitschaft, damit wir als Christen vor der Welt glaubwürdig und anziehend sind, erst genommen werden und unser Lebenszug ans Ziel gelangt. Die Lesungen des heutigen Sonntags sind eine Einladung an uns, die wir gemeinsam "unterwegs im Glauben" sind: 
"Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht hier ist euer Gott!" Das ruft der Prophet Jesaja in der 1. Lesung dem mutlosen/enttäuschten Volk Israel zu, das aus der Gefangenschaft in Babylon heimgekehrt ist, sich mit d. Neubeginn schwer tut!
"Haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus frei von jedem Ansehen der Person." Mit anderen Worten mahnt der Jakobusbrief: Schaut nicht nur auf die Großen und Reichen, sondern vergesst nicht die Armen und Kleinen!
"Öffne Dich!" Wenn Jesus im Evangelium einen Taubstummen heilt, dann will er damit sagen: Sei im Leben nicht taub für Gottes Wort und die Not der Armen!

Wenn wir so im Leben gemeinsam unterwegs sind, dann sind wir wirklich auch "unterwegs im Glauben", dann werden wir auch das Ziel nicht verfehlen. Amen.

Ökumenischer Gedenkgottesdienst für die 71 Flüchtlinge an der Ostautobahn A4 bei Parndorf - Neusiedl am See, 4. September 2015

Von Blaise Pascal stammt der Satz: "Des Menschen Größe und sein Elend gehören zusammen."
Wir alle sind Zeugen und Nutznießer der Größe des Menschen, dessen, was menschlicher Geist und menschliches Können bis heute imstande sind – denken wir nur an den Fortschritt in der Technik, Medizin, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und Kultur. Wir alle sind aber auch Zeugen des menschlichen Elends, was der Mensch imstande ist zu tun, anderen anzutun und was er imstande ist zu erleiden und zu ertragen – das Ereignis von 71 erstickten Flüchtlingen in einem auf der Ostauto-bahn bei Parndorf abgestellten Lastwagen zeigt das ganze Elend des Menschen! Wir alle sind darüber betroffen, beschämt, verärgert und traurig. Wir stehen schockiert und hilflos da und können nicht glauben, dass so etwas im 21. Jahrhundert in unserem modernen Europa, vor unserer Haustür, möglich ist!

Wir sind deshalb heute Abend hierher nach Neusiedl am See gekommen, um ganz nah am Ort des Horrorfundes innezuhalten, für die 71 Opfer Kerzen anzuzünden und zu beten. Wir tun es gemeinsam als katholische, evangelische und orthodoxe Christen in guter ökumenischer Verbundenheit, auf unsere bewährte pannonische Art. Wir tun es in der festen Überzeugung, dass unser Gebet für die Opfer von Gott gehört wird und wir uns dabei in unserem Menschsein und Christsein bestärken. Denn wenn der Mensch betet, zeigt er seine wahre Größe und kann er auch das Elend besser tragen und ertragen, bekommt er von Gott Kraft zum Helfen!

Der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry sagte einmal: "Menschsein heißt verantwortlich sein, Scham empfinden beim Anblick der Not, auch wenn man augenblicklich nicht schuld an ihr ist." In diesen Tagen ist wahrhaft unser Menschsein und noch mehr unser Christsein gefordert, hart auf die Probe gestellt. Sind wir noch Menschen – fühlen wir uns für unsere Mitmenschen verantwort-lich, oder geht uns das alles nichts an und lässt es uns kalt? Empfinden wir noch Scham beim Anblick der Not, oder bleiben wir hartherzig? Jetzt genügen nicht mehr leere Absichtserklärungen, schöne Sonntagsreden, politisches Taktieren und Hick-Hack, ideologische Kämpfe, Schuldzuweisungen und Abschieben der Verantwortung auf andere, die Nationalstaaten auf die EU und die EU auf die Nationalstaaten. Jetzt braucht es einfach, rasch, unkompliziert Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe. Die gelebte Menschlichkeit ist der eigentliche Maßstab christlichen Lebens. Was heißt das? Das heißt, letzter Maßstab ist nicht allein unsere Rechtgläubigkeit, die lückenlose Befolgung von Glaubenslehren und Geboten, nicht das Vorweisen eines tadellosen Lebens, sondern die gelebte Menschlichkeit gegenüber den Ärmsten und Geringsten. In ihnen begegnen wir Christus, sagt das eben gehörte Evangelium! "Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Jesus ist zu finden in den Armen und Hilfsbedürftigen. Das, was wir Christen für sie tun, tun wir für Jesus und wir tun zugleich das, was Jesus selber getan hat als er sich den Ausgestoßenen und Notleidenden zuwandte.

Die zu uns kommenden Flüchtlinge sind heute die Geringsten, Hilfsbedürftigen. Wenn wir sie aufnehmen, nehmen wir Christus selber auf, der auch Flüchtling war. Vergessen wir nie: Morgen können wir diese Geringsten, Hilfsbedürftigen sein – auch wir erwarten uns dann von anderen Hilfe und Barmherzigkeit! Als Bischof danke ich allen in unserem Land, die sich für die Flüchtlinge einsetzen und ihnen helfen, die ihnen zu essen und zu trinken geben, die sie aufnehmen und ihnen ein Dach/Heimat/Geborgenheit geben, die ihnen Kleidung und alles notwendige zum Leben geben, sie besuchen, sich um sie kümmern – alle, die das tun dürfen wissen, dass sie Jesu Forderung im Evangelium erfüllen! Im Namen der Flüchtlinge sage ich allen Vergelt´s Gott dafür! Gleichzeitig bitte ich alle in unserem Land trotz der Herausforderungen in dieser schwierigen Situation zusammenzustehen, um die Not zu bewältigen! Ich bitte alle Pfarren um die Aufnahme von Flüchtlingen – es soll keine Pfarre bei uns geben, die sich dem entzieht, denn daran hängt unsere Glaubwürdigkeit! Als Europabischof appelliere ich an die Verantwortlichen in der EU und in den Mitgliedsstaaten alles zu tun, um dieser Not mit den europäischen Werten zu begegnen, den Flüchtlingen rasch und unkompliziert zu helfen und die Ursachen für diese Not ernsthaft und nachhaltig zu bekämpfen. An der Flüchtlingsfrage wird sich entscheiden, ob Europa als eine von christlichen Wurzeln, vom Prinzip der Menschenwürde und der Unveräußerlichkeit von Grundwerten getragene Wertegemeinschaft, als Friedensprojekt im offenen, demokratischen und solidarischen Miteinander wirklich gelebt wird, oder ob der europäische Gedanke zur Makulatur geworden ist. Das Ereignis von Parndorf ist eine Schande für die Menschheit! Es darf sich nie mehr wiederholen!

Viele Flüchtlinge warten auf den rettenden Zug, der sie aus Krieg, Verfolgung, Elend und Not in Freiheit, Sicherheit, Frieden und Wohlstand bringt. Vergessen wir nicht, dass nicht nur diese Menschen, sondern wir alle auf unserer Lebensreise Geleise der Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe brauchen. Wir dürfen als Christen wissen, dass der Herr der Welt am Ende unserer Lebensreise im Zielbahnhof des Jüngsten Tages sich nach seinen eigenen Worten besonders für die einfahrenden Züge der Nächstenliebe interessieren wird – nach dem Motto: "Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Mögen die Seelen der 71 erstickten Flüchtlinge auf der Ostautobahn bei Gott angekommen sein, der sie für immer liebevoll aufnimmt! Amen.