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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Sonntag, 12. Juli 2015

Altarweihe in der Pfarrkirche von Maria Bild (12.07.2015)

Wenn wir Menschen eine Reise antreten oder auf Urlaub gehen, was packen wir da nicht alles in den Koffer! Waschzeug, Ersatzkleidung für alle Fälle, Bücher u. Spiele gegen die Langeweile, Reiseproviant für unterwegs, eine Fotokamera, das Handy oder Smartphone, den Laptop oder das iPad, den Ausweis und genügend Geld. Wir machen hinterher meist die Erfahrung: Wir haben nur einen Bruchteil dessen gebraucht, was wir eingepackt haben. Wir haben viel zu viel Ballast mitgeschleppt. Wir haben uns die Reise unnötig beschwerlich gemacht.

Auch Jesus schickt seine Jünger im Evangelium auf eine Reise, er sendet sie. Jesus lässt sie für ihre Reise keinen Koffer packen. Nichts außer einem Wanderstab, das Hemd am Körper und Sandalen soll sie auf der Reise begleiten. Keine Vorräte, kein Geld, kein zweites Hemd, nicht einmal ein Stück Brot sollen sie mitnehmen. Stattdessen: großes Vertrauen, Durchhaltevermögen, Vollmacht. Was bedeutet das alles – was will Jesus damit den Menschen aller Zeiten sagen, besonders auch uns modernen Christen des 21. Jahrhunderts?

Jesus sendet die „Zwölf“ aus. Die Zahl zwölf erinnert an die 12 Stämme Israels. Ihre Sendung gilt also dem ganzen Volk, nach Jesu Auferstehung allen Völkern.
Jesus schickt sie zu zweit auf den Weg. Ein Wort hat Gewicht, wenn 2 Zeugen dafür geradestehen. Sie sollen auch Vorbild sein für andere. Denn wenn 2 schon nicht miteinander auskommen, wie sollte ihre Botschaft glaubwürdig sein?
Jesus sendet seine Jünger mittellos. Ihr Lebens/Heilmittel ist die Verkündigung der Frohen Botschaft. Sie sollen dabei ihr Vertrauen ganz auf Gott setzen. Mit dem Quartier sollen sie zufrieden sein und nicht nach einem besseren schielen. Sie müssen damit rechnen, dass sie nicht aufgenommen werden u. ihre Botschaft nicht gehört werden will, denn Gott respektiert die Freiheit jedes Menschen.
Schließlich fasst der Evangelist Markus das Tun der Jünger Jesu so zusammen: „Die Zwölf machten sich auf den Weg u. riefen die Menschen zur Umkehr auf. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.“

Einer, der uns heute im Namen Jesu zu diesem Tun unerschrocken/unermüdlich auffordert und es glaubwürdig, schlicht u. einfach vorlebt ist Papst Franziskus. Er ist in diesen Tagen in Lateinamerika – Ecuador, Bolivien, Paraquay – unter-wegs, um allen Menschen, besonders den Armen, das Evangelium zu bringen.
Er ruft uns alle auf, noch heute die persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern, um anderen das Evangelium glaubwürdig bezeugen zu können.
Er ruft uns zur Umkehr aus unserer satten Wohlstands- u. Wegwerfgesellschaft und einen einfachen, verantwortbaren Lebensstil zu führen, dass Generationen nach uns auch noch die Güter der Erde gebrauchen können.
Er ruft uns zur Umkehr aus unserem überzogenen Individualismus, Beliebigkeit, Angst vor Bindungen, Fremden, selbstgemachten Religion ohne die Kirche.
Für Papst Franziskus ist es klar: Die Kirche muss sich wandeln, von einer bishe-rigen „Komm her Kirche“ zu einer „Geh hin Kirche“ der Zukunft. Es geht letzt-lich um eine arme, barmherzige und glaubwürdige Kirche, die vom Evangelium geprägt ist; eine Kirche, welche die Menschen mit ihren Bedürfnissen, Sorgen und Verwundungen ernst nimmt. Dafür steht Papst Franziskus, wenn er im Apo-stolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“ sagt: „Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und verschmutzt ist, weil sie auf die Strassen hinausgegangen ist, lieber, als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequem-lichkeit, sich an die eigene Sicherheit zu klammern, krank ist.“ (EG 49)

Das, was Jesus seinen Jüngern damals im Evangelium aufgetragen hat, das ha-ben viele Menschen im Laufe der Geschichte getan und sie tun es auch heute. Das ist auch Jesu Auftrag und Sendung an uns Christen von heute, auch hier in der Pfarre Maria Bild. Wir alle sind durch Taufe und Firmung – einige von uns auch durch die Weihe – gesendet die Sache Jesu heute, hier u. jetzt fortzusetzen, woran uns Papst Franziskus unermüdlich und unmissverständlich erinnert: sich auf den Weg machen – umkehren – Dämonen austreiben – Kranke salben und heilen. Damit wir das tun können, braucht es immer wieder den Gang zu Jesus, der uns wie die Zwölf zu sich ruft und in seiner Kirche um sich versammelt.
Hier in der Kirche versammelt er uns um den Tisch des Wortes/Ambo, um uns das Wort der Heiligen Schrift als Orientierung für unser Leben zu geben.
Hier in der Kirche versammelt er uns um den Tisch des Brotes/Altar, um uns das Brot des Lebens zu reichen, sich uns als wahre Nahrung zu schenken.
Hier in der Kirche beschenkt er uns mit seinen Sakramenten und lässt uns seine Nähe und Gegenwart in der Gemeinschaft der Gläubigen erfahren, schenkt er uns Versöhnung, inneren Frieden, Trost, Heil und Heilung.
Hier in der Kirche sind wir durch die Verkündigung, Liturgie und Caritas mit ihm und untereinander als Brüder und Schwestern verbunden.

Liebe Maria Bilder: Kommt daher oft und gerne in Eure wunderschöne Pfarr- und Wallfahrtskirche zum Gebet und Gottesdienst, legt Eure Freude und Euer Leid, Eure Bitte und Euren Dank auf den Altar, um im Blick auf Maria die Herausforderungen des Lebens bewältigen und Eure Sendung als Christen in Kirche und Gesellschaft erkennen und leben zu können! Danke allen, die es tun!

Als Bischof danke ich heute allen, die zur Neugestaltung des Altarraumes mit dem neuen Ambo und Altar beigetragen haben: Pfarrer und Pfarrgemeinderat – Künstler – Kunstrat und Bauamt der Diözese – allen Spendern, Betern, Wohl-tätern der Pfarre, Gemeinde, Vereinen, Land, Bundesdenkmalamt, besonders auch den Kirchenbeitragszahlern – allen: Gratulation und Vergelt´s Gott!

Lassen auch wir uns wie die Jünger von Jesus senden und schauen wir dabei auf Maria, die uns zeigt, wie wir heute als Christen uns auf den Weg machen, umke-hren, gegen den Zeitgeist ankämpfen und Krankheiten heilen können! Amen.

Montag, 6. Juli 2015

Predigt anlässlich der Diözesanwallfahrt nach Mariazell - 4- Juli 2015

Wir Christen heute leben in einer seltsamen Zeit – in der Zeit zwischen Jesu Himmelfahrt und seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten. Es ist für uns die Zeit – Jesus ist schon weg, der Hl. Geist ist uns geschenkt, aber das Neue/Endgültige ist noch nicht da. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Zeit auch die Situation von vielen Christen widerspiegelt: Der Jesus, der ihnen in ihrer Kindheit/Jugend vermittelt wurde, der ihnen einmal viel bedeutet hat – dieser Jesus ist verblasst und ihnen weithin verloren gegangen. Ihr Glaube ist kraftlos geworden – und eine neue Begeisterung für die Sache Jesu ist noch nicht da.
Ist diese Zeit nicht auch ein Bild für die momentane Situation in unserer Kirche: Was Jesus wollte, was er gepredigt und gelebt hat, scheint verschwunden hinter Strukturen/Formeln der Organisation "Kirche". Klage: Es fehlt an Gottes Geist!
Diese Zeit spiegelt aber auch eine Erfahrung wider, die niemand von uns erspart bleibt. Der Glaube gerät ins Wanken. Was bisher selbstverständlich war, wird fraglich. Nebensächliches wird zur Hauptsache. Krisen und Skandale sind interessanter als das Evangelium. Enttäuschung, Frustration, Rat/Orientierungslosigkeit machen sich breit. Die Suche nach neuen überzeugenden Antworten auf unsere Fragen beginnt.

Für solche "Zwischen-Zeiten" empfiehlt die Kirche seit alter Zeit im Blick auf Maria 3 Dinge, die sich auch bei einer Wallfahrt ereignen, die uns Freiraum für Gott und die Welt geben, die wir Christen im Alltag des Lebens pflegen sollen.


Die erste Empfehlung ist das Beten.
In der eben gehörten Lesung aus der Apostelgeschichte wird von den Jüngern direkt im Anschluss an Jesu Himmelfahrtserzählung berichtet: "Dann kehrten sie vom Ölberg ... nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf ... Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern."
Aus diesen Sätzen hat sich die "Pfingstnovene" entwickelt – die alte neuntägige Gebetszeit der Kirche zwischen Christi Himmelfahrt und dem Pfingstfest.
Solche Gebetszeiten werden gehalten vor kirchl. Festen, einer wichtigen persönl. Entscheidung sowie in Umbruchsituationen oder Krisen. Auch Maria war dabei!
Den Rat, bei diesen Anlässen zu beten, deute ich so: Bleibt nicht stumm! Klagt Gott eure Not! Sagt was euch fehlt und bedrückt! Bittet um Erleuchtung für den Weg, um die Gaben des Geistes – Weisheit, Erkenntnis, Einsicht, Rat, Stärke, Frömmigkeit, Gottesfurcht, damit ihr solche Krisen/ Übergangszeiten besteht.
Kommen wir vielleicht deshalb nicht aus der Krise, weil wir das Gebet – das persönliche und das gemeinsame Gebet – weithin als nutzlos aufgegeben haben? Beten wir wieder in unseren Familien und Pfarrgemeinden! Wo gebetet wird, da gibt es eine Verbindung mit Gott, da ist Gemeinschaft, da genügt man sich nicht selbst, sondern lässt man sich von einem Anderen führen und beschenken!

Die zweite Empfehlung ist das gemeinsame Gehen und Reden.
Wir Menschen sind zeit unseres Lebens auf Wanderschaft/Pilgerschaft von dieser Welt hin zum himmlischen Jerusalem. Unser Leben ist also eine Wallfahrt. Christen wissen, dass sie auf dieser Wallfahrt nie allein unterwegs sind, sondern immer zusammen mit anderen, und in ihrer Mitte ist Immanuel – Gott mit uns! Christen gehen ihren Weg durch diese Welt gemeinsam im Blick auf Gott, der damals mit dem Volk des Alten Bundes unterwegs war und der auch heute mit uns, dem Volk des Neuen Bundes – den Getauften/Gefirmten – unterwegs ist, und das nicht nur bei Schönwetter, sondern auch in Wüsten- und Krisenzeiten! Gottes Wegbegleitung durch dick und dünn zeigt sich deutlich im Leben Mariens.
Den Rat sich immer wieder von neuem auf den Weg zu machen, verstehe ich so: Geht hinaus! Bleibt nicht ängstlich zuhause sitzen! Zeigt, dass ihr den Beistand des anderen braucht und euch die Hoffnung auf Hilfe Beine macht! Sucht die Gemeinschaft, ermutigt euch gegenseitig und feiert eure Zuversicht, dass eine neue Begeisterung für die Sache Jesu wachsen kann! Macht Gehversuche und erprobt im gemeinsamen Gespräch neue Wege, damit sich etwas ändern kann in eurem Leben! Was ist eine Wallfahrt anderes als gemeinsames Gehen und Reden!
Kommen wir vielleicht deshalb nicht aus der Krise, weil wir das gemeinsame Gehen und Reden verloren haben, uns in unseren Egoismen ergehen und genügen? Unser neuer pastoraler Weg in der Diözese ist ein gemeinsames Gehen-Reden.

Die dritte Empfehlung ist das fröhliche und konsequente Tun.
Zum Christsein und Kirchesein gehören die Verkündigung des Evangeliums, der Gottesdienst und die Feier der Sakramente, die Gemeinschaft und die Caritas. Gottesdienst ist dann echt, wenn er im Dienst am Mitmenschen bezeugt wird. Maria zeigt uns im Evangelium, was Dienen, fröhliches Tun konkret bedeutet. Den Rat zum Dienst und zum fröhlichen Tun interpretiere ich so: Erkenne auch Du in Gott Deinen Heiland und Retter und preise dankbar seine Größe! Schau auch Du wie Gott auf das Kleine und Niedrige in Deiner Umgebung! Hab ein Auge und Herz für die Hungernden, Notleidenden und Flüchtlinge und bau nicht auf Macht, Hochmut und Reichtum! Vergiss nie, dass Gott sich auch Deiner an-nimmt und seine Verheißungen an Abraham und seinen Nachkommen erfüllt!
Ist unser Christsein vielleicht deshalb nicht anziehend und fruchtlos, weil wir nicht mit Freude und Konsequenz das tun, was das Evangelium von uns verlangt – auch im Blick auf die Aufnahme von Flüchtlingen in unseren Gemeinden?

Wir sind heute zur Mutter von Zell gekommen und sie weist im Gnadenbild mit dem Finger auf Jesus hin, um uns als einzelne Pilger und auch als Diözese zu raten auf unserer Lebenswallfahrt gerade in diesen Umbruch- und Krisenzeiten zu beten, gemeinsam zu gehen und zu reden sowie fröhlich und konsequent Gutes zu tun. Maria hat es uns vorgemacht – jetzt sind wir dran vom steirischen Bergland wieder in die pannon. Tiefebene zu gehen und es ihr nachzumachen! Amen.