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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 30. März 2015

Ökumenischer Passionsgottesdienst in Lutzmannsburg - 27. März 2015

Lieber Herr Superintendent und Mitbruder Manfred mit den Vertretern der evangelischen Pfarrgemeinde von Lutzmannsburg und allen evangelischen Mitchristen – Grüß Gott und Vergelt´s Gott für die Gastfreundschaft!
Liebe katholische Mitbrüder und Mitchristen des Dekanates Großwarasdorf!
Zum ökumenischen Passionsgottesdienst versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Es freut mich sehr, dass wir genau eine Woche vor dem Karfreitag diesen ökumenischen Passionsgottesdienst hier in der schönen evangelischen Kirche von Lutzmannsburg gemeinsam feiern. Das ist ein konkretes und sichtbares Zeichen unseres gemeinsamen Bemühens auf dem Weg der Ökumene voranzuschreiten und das uns heute Mögliche überzeugt und entschlossen zu tun!

Was will uns Gott in dieser Stunde des gemeinsamen Gebetes sagen?
Er will uns Mut machen mit dem Dritten Lied vom Gottesknecht aus dem Buch des Propheten Jesaja, das wir gerade in der Lesung hörten.

Wozu will uns Gott ermutigen?
Er möchte durch uns die Müden in unserer Kirche und Gesellschaft stärken. Viele Menschen bei uns sind müde geworden von inneren und äußeren Kämpfen. Auch viele von uns, die Gott befähigen möchte zur Stärkung der Schwachen, sind müde – nicht zuletzt durch den stärker werdenden Widerspruch, den wir als Kirche und christliche Gemeinschaften erleben. Es ist gut in dieser Situation gemeinsam auf Jesus zu schauen und sich vor Augen zu halten, dass er alle unsere Schwierigkeiten löste, indem er ihnen nicht auswich, sondern indem er sie in seiner Passion auf sich nahm und in Gottes Liebe aufhob.

Das Lied vom Gottesknecht wurde vom Anfang der Kirche an auf Jesus Christus bezogen.
Jesus ist der Knecht Gottes, des Herrn.
Jesus wurde von Gott zu uns auf die Erde geschickt, um die Müden zu stärken durch das Wort des Vaters im Himmel.
Jesus selbst ist das Wort Gottes, des Vaters.
Jesus selbst ist ganz Ohr für Gott, den Herrn. Weil er nicht das tut, was die Menschen wollen, weil er tut, was Gott will, deshalb muss er leiden und sterben. In seiner Passion macht Jesus keinen Rückzieher, vielmehr schenkt er sich der Menschheit ganz und gar und mit sich schenkt er Gott, den Vater, allen, die ihn verloren hatten. Mit sich und den Vater schenkt er uns seinen Geist, der uns befähigt, heute die Müden zu stärken, heute keinen Rückzieher zu machen, wenn es Widerstand gibt, heute uns Gott und den Mitmenschen zu schenken.
Voraussetzung dafür ist, dass wir als Christen – möglichst miteinander, wie wir es gerade jetzt tun – auf das Wort Gottes hören, ganz Ohr werden für Gott, um nicht nur den Namen "Christen" zu tragen, sondern um seine Jünger, Nachfolger auch wirklich zu sein. Wenn uns sein Wort trifft und verwandeln kann, werden auch wir in der Kraft Christi, des Gekreuzigten und Auferstandenen, in der Kraft des Heiligen Geistes in der Lage sein, unser Kreuz anzunehmen, anderen zu helfen ihr Kreuz zu tragen, ja selbst unsere Feinde zu lieben, dass für die Müden von heute ein Vorgeschmack des neuen Himmels und der neuen Erde schon hier und heute erlebbar und sichtbar wird.
Das wünsche ich unseren Gemeinden und unserer Gesellschaft von Herzen – nicht nur für Ostern, sondern für alle Tage unseres Lebens!

Schauen wir gemeinsam auf den leidenden, gekreuzigten und auferstandenen Gottesknecht Jesus Christus und geben wir als Christen gemeinsam Zeugnis für ihn in dieser Welt, schämen und fürchten wir uns nicht – dann ist unser Glaube echt und unsere Ökumene fruchtbar!
Vergessen wir nie: Wie Gott seinen Sohn Jesus in Leiden und Tod nicht allein lässt, so lässt er auch uns, seine Söhne und Töchter, in unseren Nöten nicht allein!

Beten wir in dieser Stunde daher auch für alle verfolgten Christen – unsere Brüder und Schwestern im Glauben – um Kraft, Mut und Treue in Prüfung und Leid, und helfen wir ihnen in ihren Nöten! Amen.

Montag, 9. März 2015

Predigt von Diözesanbischof Dr. Ägidius J. Zsifkovics anlässlich der Johannes-von-Gott-Feier

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt,  09.03.2015, 18:00 Uhr


Liebe Schwestern und Brüder!

Am 8. März gedenkt die Kirche einer ihrer ganz großen Gestalten: Johannes von Gott, Stifter des Ordens der Barmherzigen Brüder, Heiliger der katholischen Kirche und: Patron der Kranken, der Krankenhäuser und der Krankenpfleger. Wir sind heute zusammengekommen, um miteinander die Messe zu feiern und dabei auch ganz besonders dieses Mannes zu gedenken. Johannes von Gott – wer war er? Und was sagt er uns – über Gott, den er ja im Namen trägt, und so ganz nebenbei, über uns selbst als Menschen?

Mit 8 Jahren das portugiesische Elternhaus verlassen – wir wissen nicht warum, das 15. Jahrhundert liefert uns dazu keine genauen Quellen; danach Hirte, Soldat, weitgereister Landsknecht im Heer Kaiser Karls V., Arbeiter beim Festungsbau, fliegender Händler mit religiösen Bildern und Heiligenbüchern in Gibraltar: es ist ein unruhiges Leben, das dieser Johannes von Gott führt – bis er über 40 ist. Da vollzieht er von einem Tag auf den anderen einen radikalen Wandel in seinem Leben: Von einer Predigt des Johannes von Avila tief beeindruckt, verschenkt er alles, was er besitzt. Man hält ihn für verrückt, bringt ihn in ein Hospital. Dort sieht er das Elend der Kranken, vor allem der psychisch Kranken. Wieder entlassen, beginnt er, Kranke auf der Straße zu pflegen. Doch er wollte nicht nur Gutes tun, sondern es auch gut tun! In einem gemieteten Haus verwirklicht er seine persönliche Vorstellung von Krankenpflege und beginnt damit medizinische Pflegestandards zu setzen, die bis heute Gültigkeit besitzen. Als Erster wendet er bei Unterbringung und Pflege der Kranken das „Auswahlprinzip“ an: je nach Art der Krankheit trennt er die Patienten voneinander und gibt jedem ein eigenes Bett. Johannes von Gott etabliert das Krankenhaus im modernen Sinn. Weit voraus war er seiner Zeit auch in der Behandlung psychisch und geistig kranker Menschen. Er behandelt sie als Individuen, legt den Grundstein für moderne psychiatrische Behandlung in einer Epoche, in der man seelisch kranke Menschen noch dem so genannten „Narrenturm“ überantwortete.

Doch das Entscheidende bei all dem: Er handelt aus tief empfundener Gottes- und Menschenliebe heraus, wie es der barmherzige Samariter im Evangelium getan hat. Im Leidenden begegnete er Christus. Wir dürfen uns nicht täuschen und in Johannes von Gott nur den Gründer des modernen Hospitalwesens oder einen Sozialreformer sehen! Er war ein von Gott berührter Reformer seiner selbst. Er hat in der Begegnung mit Christus im wahrsten Sinne des Wortes sich selbst umgeformt zu einem flammenden, sich selbst verzehrenden Werkzeug der Nächstenliebe. An seinem 55. Geburtstag, dem 8. März 1550, stirbt Johannes von Gott im spanischen Granada. 1630 wird er von Papst Urban VIII. seliggesprochen, 1690 von Papst Alexander VIII. heiliggesprochen.

Drei Dinge sind es, die uns aus dieser christlichen Biografie heraus anleuchten; drei Attribute, die diesem Heiligen anhaften, die uns aber auf drei Wahrheiten verweisen, die uns alle betreffen:

Erstens, sein Name: Johannes „von Gott“ – Johannes hieß eigentlich mit Nachnamen Duarte, den Beinamen „von Gott“ erhielt er zuerst vermutlich als minderjähriger Hirtenjunge in der Fremde, wo er als elternloses Findelkind und somit als „von Gott stammend“ galt. Später gab ihm der Bischof von Tuy diesen Beinamen noch einmal. Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass nur ein von Gott Berufener imstande sei, Kranke auf den Straßen aufzusammeln und auf dem Rücken in sein Spital zu tragen, und Prostituierte freizukaufen, um sie von der Straße weg in eine geordnete Existenz zu holen. Doch letztlich trägt dieser Johannes mit seinem Beinamen den adeligsten aller Herkunftsausweise mit sich. Ein Herkunftsausweis, der auch der unsere ist. Denn jeder Mensch, jeder Einzelne von uns stammt „von Gott“ und ist berufen, Ihm nachzugehen.

Zweitens, sein Wahlspruch: „Das Herz befehle!“ Diese Worte finden sich auf einem noch heute erhaltenen Torbogen eines spanischen Hauses, unter dem Johannes von Gott die Kranken pflegte, die er auf der Straße aufgelesen hatte. Welch schönes Motto! Nicht Generäle oder Politiker, nicht Werbebotschaften oder die Medien, sondern allein unser Herz und unser Gewissen sollen es sein, die uns Befehle erteilen! Am Ende unseres Lebens werden wir nach der Liebe gefragt und nach dem Tribut, den wir ihr gezollt haben.

Drittens, sein Symbol: der Granatapfel. Er steht zum einen natürlich für die Heilkraft, die dieser Frucht zukommt. Johannes von Gott verwendete den Granatapfel in seinem spanischen Spital tatsächlich gegen viele verschiedene Krankheiten. Die heutige pharmakologische Forschung weiß genau um ihre vielfältigen Wirkungen, sogar in der Krebsbehandlung. Doch der Granatapfel ist auch ein religiöses Symbol, er steht für die Kirche und für die Gemeinschaft der Menschen mit Gott. Wer je das Blütendiagramm eines Granatapfelstrauches oder eine geöffnete Granatapfelfrucht betrachtet hat, versteht warum. Wenn ich in die Runde blicke, dann finde ich diese Struktur des Granatapfels wieder: Ich sehe die unterschiedlichsten Menschen – Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal, Verwaltungsbedienstete, ich sehe Patienten, sehe ihre Angehörigen, sehe die Seelsorger an diesem Krankenhaus. Ich sehe aber auch die große Gleichheit all dieser menschlichen Körner im göttlichen Granatapfel: Egal ob wir vor einem Krankenbett stehen oder ob wir darin liegen – wir alle brauchen das Heil. Viele in einem Krankenhaus sind heilungsbedürftig, aber wir alle sind heils-bedürftig! Wir alle bedürfen der Gnade Gottes in unserem Leben und wir dürfen auf Seine Zusage vertrauen, dass Er in unserer Mitte ist alle Tage bis zum Ende der Welt. Ich bitte Sie, dies nie zu vergessen!

Und so zielt die Arbeit der Barmherzigen Brüder in allen Bereichen darauf ab, den ganzen Menschen vor seinem göttlichen Hintergrund zu heilen. Im Vordergrund aller Bemühungen steht immer die Evangelisierung – gleich, ob es dabei um Pflege, Heilung, Betreuung, Förderung, Rehabilitation geht. Es ist die Zuwendung zum Menschen nach dem Modell des Ordensstifters Johannes von Gott. Es ist die vorbehaltlose und bedingungslose Zuwendung zum hilfesuchenden Menschen ohne Ansehen der Person. Es ist die uneingeschränkte, fachlich kompetente, christliche Gastfreundschaft! Auf einem Planeten, auf dem ein Großteil der Erdbevölkerung nicht in den Genuss kommt, mit anderen Arzneien als mit Aspirin behandelt zu werden, ist dies mehr als ein frommes Programm. Und andererseits – wenn wir auf die säkularisierte Wohlstandsgesellschaft dieses sozial so zerrissenen Planeten blicken – stellt die Arbeit der Barmherzigen Brüder das entscheidende Gegenmodell dar zu einer heute zunehmenden Ideologie, die Heilkunst als bloße Wohlbefindens-Optimierung oder Lebenszeit-Maximierung mit technischen Mitteln versteht. Die schwierige, aber eben christliche Position zwischen medizinischer Machbarkeit einerseits und der unantastbaren Würde des Menschen andererseits muss von Ihnen als christlichen Ärztinnen und Ärzten im Alltag immer wieder neu gefunden und austariert werden. Neue Fortpflanzungsmedizingesetze und Euthanasiegesetze werden in Europa zunehmend Ausdruck menschlicher Anmaßung angesichts technischer Machbarkeiten. Die sittliche Entwicklung des Menschen droht hinter seiner technischen Entwicklung immer weiter zurückzubleiben. Als christliche Ärztinnen und Ärzte sind vor allem Sie – wer sonst! – gefragt, an Ihrem Platz und mit den Ihnen gegebenen Mitteln Multiplikatoren und Anwälte für die Würde des Menschen zu sein, von seinem natürlichen Beginn bis zu seinem natürlichen Ende. Dafür danke ich Ihnen und ermutige Sie trotz allen Gegenwindes, auch und gerade heute als Christen den Dienst des barmherzigen Samariters zu tun.

Johannes von Gott und die Barmherzigen Brüder erinnern Sie, liebe Familie im Zeichen des Granatapfels, an die drei wesentlichen Dinge menschlichen Lebens:
- an unseren eigentlichen Herkunftsnachweis „von Gott“ – in der Sprache der Jugend würden wir sagen: „Made in heaven!“
- an unser eigentliches Lebensmotto: „Das Herz befehle!“, man könnte auch sagen: „Born to love!“
- und an die Gemeinschaft mit Gott, zu der wir gerufen und in der wir berufen sind. Ich nenne sie: „The real big apple“, und ich meine damit nicht New York, sondern eine andere Frucht.

Amen.

Sonntag, 8. März 2015

20. Todestag von Bischof DDr. Stefan László

08.03.2015

Beim Gedenken an DDr. Stefan László, unseren ersten Diözesanbischof, fallen mir 3 Kreuze ein – seine Bischofskreuze, das Papstkreuz und die Apostelkreuze von Trausdorf sowie die Begebenheit am Todestag, als er mir ein Kreuz auf die Stirn zeichnete. Ich durfte Bischof László nicht nur im Leben als Sekretär und Zeremoniär begleiten und nahe stehen, ich durfte auch an seinem Sterbebett stehen, heute genau vor 20 Jahren im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder hier in Eisenstadt und das am Festtag des Ordensgründers Johannes von Gott, den er jedes Jahr mit den Brüdern und der Spitalsgemeinschaft gerne feierte.

Meine erste Begegnung mit Bischof László war in den siebziger Jahren als ich in meiner Heimatgemeinde Hackerberg den hohen Gast aus Eisenstadt als klei-ner Volksschüler in kroatischer Sprache begrüßen durfte – ich kann das Gedicht heute noch! Dabei hat mich sein bischöfliches Brustkreuz so beeindruckt, dass ich zu ihm sagte: Herr Bischof, haben sie ein schönes Kreuz! Daraufhin hat er mir sein Kreuz erklärt und gesagt: „Dieses Kreuz kann ich dir nicht geben, aber du bekommst ein kleines Kreuz, das dich begleiten und an mich erinnern soll.“ Und tatsächlich hat mich dieses Kreuz und begleiten mich seine Bischofskreuze, die er mir als seinem zweiten Nachfolger hinterlassen hat bis heute in meinem Hirtendienst. Er wollte mir und wohl auch uns allen damit sagen: Schaut auf das Kreuz Christi, vertraut ihm, damit ihr den Glauben, die Hoffnung, die Liebe und die Orientierung im Leben nicht verliert!

Viele von uns waren am 24. Juni 1988 beim Pastoralbesuch von Papst Johannes Paul II. in Trausdorf – es war wohl der Höhepunkt im Leben von Bischof László – und erinnern sich an das große Papstkreuz und die 12 Apostelkreuze, die den Festplatz gleichsam zum Kirchenraum machten und schmückten. Diese Kreuze ließ er in den Dekanaten, bei unseren Nachbarn in Ungarn, der Slowakei u. Kro-atien aufstellen, als Erinnerung an den Papstbesuch u. Einladung an die Christen bei uns und in den ehemals kommunistischen Ländern: Öffnet Christus die Tü-ren – Fürchtet euch nicht! Braucht es diese Einladung und Erinnerung nicht gerade bei uns, wo wir in Gefahr sind im Wohlstand und in der Hektik des All-tags das Kreuz Christi und seine Botschaft zu vergessen, uns von der Kirche los-zusagen und ohne eine konkrete Gemeinschaft Christen zu sein?

Tief beeindruckt hat mich die Begebenheit heute vor 20 Jahren am Sterbebett von Bischof László, als er mich mit letzter Kraft zu sich winkte und mir vor seinem Heimgang zu Gott noch mit schwacher Hand ein Kreuz auf meine Stirn zeichnete, als wollte er mir und uns allen damit sagen: Seid im Leben Zeugen des gekreuzigten und auferstandenen Herrn und schämt euch seiner nicht! Braucht nicht unsere Gesellschaft mehr denn je Zeugen des Kreuzes Christi, da-mit unser Glaube und die christlichern Werte nicht verdunsten, verloren gehen?
Der Blick auf diese 3 Kreuze und auf die 2. Lesung dieses 3. Fastensonntags erinnert an die Worte des Paulus im Korintherbrief: „Wir verkündigen Christus als den Gekreuzigten“: für Juden ist das ein Skandal, für die Nichtglaubenden eine Dummheit, für den an Christus Glaubenden aber ist es „Gottes Kraft und Weisheit“. Der Glaube an den Gekreuzigten hat damals provoziert und er provo-ziert auch heute! Es stimmt: Jesu Tod am Kreuz ist das Gegenteil dessen, was man sich erhofft. Es sieht aus nach Scheitern und Torheit. In unserem Glauben aber und im Blick auf das Osterereignis ist der Tod Jesu am Kreuz alles andere als eine Niederlage. Es ist der Grundstein für den Sieg über den Tod.
Was aber bedeutet das für uns als einzelne Christen? Welche Folgen hat diese große Hoffnung für unser ganz konkretes Leben?
Wer glauben kann, dass durch Kreuz und Auferstehung Jesu der Tod besiegt ist, der wird zuversichtlicher leben können. Der hat begriffen: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Jesus lebt, unsere Verstorbenen leben und auch ich werde leben bei ihm, dem Herrn des Lebens. Nicht weil ich ein so besonderer Mensch bin, der sich das verdient hätte, sondern weil Gott mich liebt. Und diese Liebe ist so groß, dass er seinen Sohn zu meiner Rettung geschickt hat und dass er für mich den Tod auf sich genommen hat.
Wer diesen Glauben gefunden hat u. ihn lebt, der tritt ein in die Nachfolge und verkündigt den Gekreuzigten. Jesus hat geliebt, ohne etwas dafür zu erwarten. Wer ihm folgen will, der muss sich an ihm orientieren und die Menschen lieben. Wer sich durch Taufe, den Empfang der Eucharistie und Firmung – und noch mehr in der Weihe – an Gott bindet, wer ihn im Gottesdienst ehrt und im Gebet anruft, muss sich im Alltag von ihm verändern lassen. Wer von Gottes Liebe spricht, muss Nächstenliebe üben. Wer die Würde des Menschen betont, muss seine Mitmenschen auch entsprechend behandeln. Wer im Gebet der Armen u. Kranken gedenkt, sollte auch bereit sein, ihnen beizustehen.
Die Liebe Jesu, die mich am Kreuz erlöst hat, die gilt es weiterzugeben und zu verkündigen, mit Wort und Tat – das ist Neuevangelisierung konkret!

Bischof László war auf den Gekreuzigten u. Auferstandenen getauft u. gefirmt. Er war zum Diakon, Priester und Bischof geweiht und stand als Hirte unserer Diözese 40 Jahre unermüdlich im Dienst des Gekreuzigten – er hat viele getauft, gefirmt, getraut und zum Diakon und Priester, Bischof Iby als seinen Nachfolger zum Bischof geweiht. Er hat dabei vielen ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet und sie dem Gekreuzigten anempfohlen. Er hat sich in seinem Hirtendienst selbst unter das Kreuz gestellt und dabei die Schönheit und Last des Kreuzes erfahren. Er hat die Botschaft vom Kreuz mit seinem Leben und Wirken bezeugt und auf die Liebe des gekreuzigten und auferstandenen Herrn gebaut und vertraut!

Wir danken heute als Diözese Gott für sein langes und reiches Leben u. Wirken! Wir bitten, dass vieles, was er gesät u. gebaut hat reiche Früchte tragen möge! Wir erbitten für ihn die Frucht des Kreuzes – Auferstehung und ewiges Leben!
Die Mutter von den armen Seelen sei ihm eine mächtige Fürsprecherin! Amen.            

Samstag, 7. März 2015

Requiem Ladislaus Pascal Fürst Batthyány-Strattmann

Güssing, 7. März 2015, 15.30 Uhr

„Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.“
Dieser Text eines deutschen Kirchenliedes – meist bei Begräbnissen gesungen – drückt einen tiefen Inhalt aus, über den ich gerade in dieser Stunde der Trauer und des Abschieds von Ladislaus Pascal Fürst Batthyány-Strattmann mit Euch nachdenken möchte. Dieses Lied sagt uns eine wichtige Wahrheit: dass wir alle Wanderer sind, unterwegs solange wir leben, mit dem Ziel der ewigen Heimat.

Das Bild von der Wanderschaft passt gut zum verstorbenen Fürsten Laci.
Ich habe es bewusst gewählt, nicht weil er ein großer Wanderer war, sondern weil ihn die Wege des Lebens auf Wanderschaft führten – von Budapest, wo er 1938 geboren wurde und Körmend, wo er die ersten 7 Jahre der Kindheit am Schloß verbrachte über Schnifis in Vorarlberg, wohin die Familie nach dem Ein-marsch der Russen in Ungarn fliehen musste und dort im Pfarrhaus bescheiden lebte, nach Wien u. Trautmannsdorf, wo er studierte und dann mit seiner Familie lebte, bis hierher nach Güssing, wo er in der Familiengruft der Batthyánys, die er ausbaute, nun seine letzte Ruhestätte findet – und er mit seinen Füßen gerade in den letzten Jahren der Krankheit immer langsamer, schwerer und bewusster seine Wege ging und sich trotzdem immer wieder neu auf den Weg machte.

Jeder Wanderer geht seinen eigenen Weg, niemand kann ihm das abnehmen.
So geht auch jeder von uns seinen eigenen, persönlichen Weg durchs Leben.
Der Weg, den wir Schritt für Schritt gehen, sagt uns, dass wir ein Leben lang unterwegs sind, bis wir einmal das Ziel unseres Lebens erreicht haben. So hat auch unser Fürst Laci in jungen Jahren bestimmt viele, große und rasche Schritte gemacht, aber je älter er wurde und je mehr ihm die Krankheit zusetzte, wurden seine Schritte wohl weniger, kleiner, langsamer und bewusster.

Jeder Wanderer, der lange unterwegs ist, freut sich, wenn er sich bei einer Rast von den Strapazen des Weges erholen und für den weiteren Weg stärken kann.
So hat auch unser Fürst Laci auf seiner Lebenswanderschaft immer wieder Rast gemacht, um sich an Leib und Seele für den weiteren Weg zu stärken. Sein schönster Rastplatz war wohl seine Familie, die ihm viel Freude bereitete sowie Halt, Geborgenheit und Heimat schenkte, gerade in Zeiten der Not, an denen es in seinem Leben nicht fehlte. Er wusste aber auch, dass Gastsein bedeutet keine feste Bleibe zu haben und das Gasthaus nach der Einkehr und Rast wieder ver-lassen zu müssen. Als Gäste halten wir uns in dieser Welt nur vorübergehend auf, sind wir Pilger, wir wandern ohne Ruh der ewigen Heimat zu. Sind wir Menschen in der Hektik des Alltags und im Wohlstand heute nicht in Gefahr dies zu vergessen? Wir richten uns auf Erden ein, als wollten wir ewig leben!
Jeder Wanderer hat auf seiner Wanderschaft mit Beschwerden, mit Leid und Kreuz zu rechnen. So hatte auch unser Fürst Laci auf seiner Lebenswanderschaft manches Leid und Kreuz zu ertragen – denken wir nur an die schweren Jahre der Kindheit, die Flucht aus Ungarn, der Verlust der Heimat und eines Großteils des Besitzes, die Gründung der eigenen Familie, die Übernahme als Fürst/Oberhaupt der Familie Batthyány und Kurator der Stiftung, besonders die Krankheit in den letzten Jahren. Die Familie u. gute Menschen sind ihm beigestanden. Ich danke allen, besonders der Gattin und den Kindern mit ihren Familien: Ihr habt Eurem Gatten u. Vater geholfen Kreuz u. Leid zu tragen. Möge Gott Euch alles lohnen!

Jeder Wanderer weiß auch um die Bedeutung der Wegzehrung für den Weg.
So hat auch unser Fürst Laci gewusst, dass es im Leben nicht nur der Speise für den Leib bedarf, sondern auch für die Seele. Er zeigte das mit seinem Leben als überzeugter und praktizierender, indem ihm Gebet, Gottesdienst, der Empfang der Sakramente und die christliche Gemeinschaft, die Kirche und die Familie wichtig waren. Vorbild war ihm dabei wohl sein Großvater, der selige Ladislaus, dem er nacheiferte und den er immer um seine Hilfe und Fürbitte anflehte.
Ich danke dem Verstorbenen für sein Glaubensbeispiel als Vater und Ehegatte, als gläubiger Christ, für seine Verbundenheit mit der Kirche als Gentiluomo di Sua Santità, den Franziskanern, den Diözesen Wien, Eisenstadt, Steinamanger und ihren Bischöfen, für seinen Beitrag zur Seligsprechung von Fürst Ladislaus!
Höhepunkt seines Lebens war wohl, dass er 2003 bei der Seligsprechung seines Großvaters in Rom das Reliquiar zum hl. Papst Johannes Paul II. bringen durfte. Es ist ein Zeichen der Vorsehung, dass er im gleichen Spital in Wien wie der se-lige Großvater verstorben ist und in der Familiegruft in Güssing beigesetzt wird.
Sind wir heute nicht in Gefahr alles nur für den Leib zu tun, aber die Seele zu vernachlässigen? Christen mit gesunden Füssen finden oft nicht den Weg zur Kirche und sind nur wenig bereit etwas für den Nächsten/Gemeinschaft zu tun!

Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.
Der äußere Lebensweg des Verstorbenen hier auf Erden ist zu Ende gegangen. Sein innerer Weg aber geht weiter. Der Christ glaubt und hofft das, weil Jesus selber diesen Weg gegangen ist. Sein Weg führte ihn durch Leid und Tod zur Auferstehung. Seit Jesu Tod am Kreuz wissen wir, wohin menschliches Leid und Kreuz, wohin letztlich der Tod führt: zur Herrlichkeit der Auferstehung! Deshalb kann Jesus sagen: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“
Und deshalb kann der Christ sagen: Im Kreuz ist Leben, Heil und Hoffnung!
Bei dieser Seelenmesse feiern wir jetzt das Gedächtnis an Jesu Leiden, Tod und Auferstehung und bitten Gott, dass er das Leben, Leiden und Kreuz unseres verstorbenen Fürsten Laci annehmen, mit seiner Liebe ergänzen und ihn mit unseren Verstorbenen zum großen Festmahl auf dem Berg Zion führen möge!
Der selige Großvater und Arzt der Armen Fürst Dr. Ladislaus Batthyány-Stratt-mann sei ihm nun in der Stunde des Todes ein Fürsprecher bei Gott! Amen.