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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 7. Januar 2015

Neujahrswünsche im St. Martinsdom - 1. Jänner 2015

Am Beginn eines neuen Jahres sagen wir Menschen uns viele gute Wünsche. Ich möchte Ihnen heute daher nach einer langen und anstrengenden Silvesternacht keine lange Predigt halten, sondern 3 Neujahrswünsche von Herzen zusagen.

Mein erster Neujahrswunsch ist:
Dass Du die Lasten der kommenden 12 Monate tragen kannst, und dabei Freude hast am Leben, seinen Herausforderungen, Zumutungen und Überraschungen.

Dass Du die Hoffnung und den Mut nicht verlierst, auch wenn Dir das Wasser manchmal bis zum Hals steht und Du mit einem Wort in der Scheiße steckst.

Dass Du immer wieder nach vorne schauen kannst und andere mitreißt, die langsam müde werden, dazu brauchst Du Gesundheit an Leib und Seele!
Ich sage Prosit Neujahr, und meine: Bleibe gesund an Leib und Seele!

Mein zweiter Neujahrswunsch ist:
Dass Du in den kommenden 12 Monaten nicht allein bist und Deine Träume von Zweisamkeit und Gemeinschaft in Erfüllung gehen.

Dass Deine Einsamkeit Dich nicht zerquält, sondern Dein Herz offen bleibt für jedes Lächeln und Du Worte findest, die anderen gut tun.

Dass Du den Verlust verwindest und neues Vertrauen schöpfst in ein DU, welches der Himmel Dir plötzlich schenkt, dazu brauchst Du Gelassenheit und Mut und auch Glück.
Ich sage Prosit Neujahr, und meine: Glaub an die Liebe, liebe Gott + Nächsten!

Mein dritter Neujahrswunsch ist:
Dass in so vielen Teilen der Welt die Waffen Tod bringen, dass Krieg die Menschen quält, Pläne und Hoffnungen zerstört, dass Terroristen sich selbst als Bomben in die Menge schmeißen, Leben vernichten, Trauer, Leid und Schmerz, Waisen, Krüppel, Flüchtlinge, Verfolgte und immer neue Angst hinterlassen, das ist schlimm und tragisch.

Der große Wunsch heißt deshalb jedes Jahr aufs Neue: Dass doch Frieden werde, Frieden im Kleinen, Frieden auf der ganzen Welt!
Ich sage Prosit Neujahr, und meine: Lebe und setz Dich ein für den Frieden!

Mein Neujahrswunsch ist: Bleibe gesund an Leib und Seele – Glaub an die Liebe, liebe Gott und den Nächsten – Lebe und setz Dich ein für den Frieden! Maria, die Königin des Friedens, erbitte uns ein friedvolles Neues Jahr! Amen.

Predigt anlässlich des Anbetungstages im Bischofshof (ORF-Radiomesse) - 1. Jänner 2015

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!
Liebe Hausgemeinschaft und Freunde des Bischofshofes!
Liebe Hörerinnen und Hörer, Schwestern und Brüder im Herrn!

"Dick wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten." Dieser Satz eines Gesundheitsberaters sagt uns: Unser Gewicht hängt nicht von ein paar üppigen Mahlzeiten während der Feiertage ab, sondern von unseren Essgewohnheiten das ganze Jahr über. Ich erlaube mir diesen Satz im Blick auf unser Christsein etwas zu verändern und behaupte: "Christ wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten." Anders gesagt: Nicht die feierlichen Weihnachtsgottesdienste allein machen uns zu Christen, stärken uns im Glauben, sondern ein weihnachtliches Leben das ganze Jahr hindurch, von Januar bis Dezember.
Das Evangelium vom Neujahrstag lenkt unseren Blick auf die Geburt Jesu im Stall von Betlehem. Der Blick auf die Krippe ist eine Einladung an uns alle, zu einem weihnachtlichen Leben. Versuchen wir als Christen daher 3 Dinge im Alltag, also von Neujahr bis Weihnachten, zu verwirklichen.

1. Innehalten wie Maria.
An Maria, wie sie uns der Evangelist Lukas schildert, bewundere ich die innere Ruhe. "Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach."
Unser Christsein ist lebendig, wenn beides darin seinen Platz hat: Das Tun und das Lassen, das Engagement und die Besinnung, die Aktion und Kontemplation, das Beten und Arbeiten. Sich zurückziehen zum Nachdenken und Beten, Zeiten einplanen, um zur Ruhe zu kommen – Braucht es das nicht gerade heute in unserer lauten und hektischen Zeit? Nehmen wir uns im neuen Jahr Zeit für Gott und sein Wort, für das Gebet und den Gottesdienst, aber auch für unsere Mitmenschen – den Ehepartner, die Kinder, die Arbeitskollegen, die Nachbarn und Freunde, unsere Alten und Kranken! Und noch etwas: Maria schaut bei der Krippe auf das Jesuskind – Haben auch wir im Alltag immer ein Auge für die Mitte unseres Lebens, für das Wesentliche, das Jesuskind als Sinn und Ziel unseres Lebens!

2. Träumen, vertrauen und feststehen wie Josef.
An Josef, der in den Kindheitsgeschichten des Evangelisten Matthäus im Traum den Anweisungen des Engels folgt, fasziniert mich, dass er die Zumutungen und Herausforderungen in seinem Leben annimmt, vertraut und im Glauben feststeht. "Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich." 
Unser Christsein ist lebendig, wenn auch wir wach und aufmerksam sind für das, was in unserer Umgebung geschieht, wenn auch wir die Zeichen der Zeit erkennen und überlegen, was jetzt zu tun ist, wenn auch wir für Neues und Ungewohntes offen sind, wenn auch wir zum Ehepartner, zur Familie, zum Kind, zu Freunden und Fremden, zu Armen und Schwachen, aber auch zu Gott, Glaube und Kirche stehen – auch in Vertrauenskrisen. Braucht es nicht gerade heute Christen wie Josef, die zu ihrer Überzeugung stehen, die im Gottvertrauen feststehen trotz aller Zweifel?

3. Weitererzählen, niederknien und anbeten wie die Hirten.
An den Hirten, die beim Evangelisten Lukas als erste an der Krippe sind, begeistert mich, dass sie niederknien, anbeten, ihre Freude und Erfahrungen nicht für sich behalten, sondern weitererzählen. "Sie erzählten, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten."
Unser Christsein ist echt, wenn wir Andere anstecken mit der Erfahrung, die wir an den Weihnachtsfeiertagen wieder stimmungsvoll und intensiv gefeiert haben. Anderen glaubwürdig und überzeugend sagen, was dieses Kind in der Krippe mir bedeutet, noch besser: es weitererzählen ohne viele Worte, sondern durch Taten der Nächstenliebe, besonders den Armen und Notleidenden. Braucht es nicht heute Christen, die niederknien, anbeten und weitererzählen?

"Christ wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten." 
Innehalten wie Maria – Träumen, vertrauen, feststehen wie Josef – niederknien, anbeten, weitererzählen wie die Hirten – 3 Impulse aus dem Evangelium, die uns zu einem lebendigen Glauben und Christsein helfen. Ich lade Sie alle ein: versuchen wir von Neujahr bis Weihnachten wirklich weihnachtlich zu leben!

Wenn wir jetzt gemeinsam Eucharistie feiern, dann begeben wir uns wie die Hirten im Evangelium nach Betlehem in das "Haus des Brotes", und wir begegnen dem Jesuskind. Erbitten wir für uns, unsere Kirche und Welt seine Wegbegleitung und seinen Segen für alle Tage des neuen Jahres! Maria, die Mutter des Herrn, erbitte uns ein gesegnetes und friedvolles Jahr 2015! Amen.

Homilie zum Christtag - 25. Dezember 2014

Im Johannesprolog – dem eben verlesenen Weihnachtsevangelium – hören wir: "Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf."
Menschliche Verweigerung bedeutet für Gott nicht das Ende seiner Heilspläne. Gott geht überraschend neue Wege, uns zu suchen und heimzuführen. Er geht in seine Schöpfung, in sein "Eigentum" hinein. Er eröffnet in der Geburt Jesu in Betlehem ein grandioses Spiel der werbenden Liebe. Er sucht mit den Menschen einen neuen Anfang im Dialog, der in dieser Geschichtszeit nie enden soll und sein Ziel hat in der Seligkeit eines ewigen Gesprächs von Schöpfer und Geschöpf, von Gott und Mensch, und das von Angesicht zu Angesicht.

Was wir an Weihnachten feiern, ist so etwas wie Gottes Comeback in die von uns verdorbene Geschichte mit ihm, unserem Schöpfer und Herrn. Seither ist Gott auf Mieter-Suche. Heute feiern wir den Geburtstag von Jesus, der den wohnungssuchenden Gott in alle seine Lebens-Räume hereingelassen hat.
In Jesus hat Gott seinen ersten Wohnsitz gefunden. In Jesus ist das Wort Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Damit Gott in unserer Welt weiter wirken kann, braucht es viele Zweitwohnungen. Je mehr Menschen ihn bei sich einziehen lassen, desto menschenfreundlicher kann unser Leben und Zusammenleben werden. Deshalb habe ich heute 3 Weihnachtswünsche/Bitten an Sie alle:

Mein 1. Weihnachtswunsch: Stellen Sie Gott Ihre Herz-Kammern zur Verfügung – lassen Sie ihn nicht im Keller oder am Dachboden verkümmern.
Mit anderen Worten: Bleiben Sie nicht stehen bei der Erkenntnis: Es muss irgendein höheres Wesen geben, sondern versuchen Sie, dem Glauben an den lebendigen Gott in Ihrem Innersten ein Hausrecht zu geben. Lassen Sie sich die Zusage Gottes, dass wir als erlöste und befreite Menschen leben dürfen, unter die Haut und zu Herzen gehen. Und nehmen Sie sich zu Herzen, dass er gerade auch Sie braucht, um Frieden und Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Stellen Sie ihm Ihre Herz-Kammern zur Verfügung!

Mein 2. Weihnachtswunsch: Stellen Sie Gott Ihre Dunkel-Kammern zur Verfügung – lassen Sie ihm dort das Bild vom gelingenden Leben entwickeln.
Mit anderen Worten: Glauben Sie nicht, dass er mit den dunklen Seiten Ihres Lebens nichts zu tun haben will, dass er sich zurückzieht, wenn Sie arm, krank, alt, behindert, enttäuscht, einsam, gescheitert oder gefallen sind. Gerade in den Dunkel-Kammern Ihres Lebens kann er für Sie die besten Bilder entwickeln – Bilder, wie mein Leben trotz Begrenzungen und Einschränkungen lebenswert bleibt; Bilder, wie durchlittene Angst und Not mich reifer und menschlicher machen können; Bilder, wie ich selbst durch die Erfahrung der Dunkelheit sensibler geworden bin und anderen daher in ihren dunklen Zeiten beistehen kann. Stellen Sie ihm Ihre Dunkel-Kammern zur Verfügung!

Mein 3. Weihnachtswunsch: Stellen Sie Gott Ihre Rumpel-Kammern zur Verfügung – lassen Sie ihn aufräumen mit dem Ballast, der sich bei Ihnen angesammelt hat und der Sie im Leben belastet, hemmt und blockiert.
Mit anderen Worten: Lassen Sie ihn entrümpeln und hinauswerfen, was Sie unnötigerweise mit sich herumschleppen – Vorurteile, alte Verletzungen, offene Rechnungen und Konflikte, schmerzende Niederlagen und verdrängte Schuld. Stellen Sie ihm Ihre Rumpel-Kammern zur Verfügung.

Der Gott, an den wir Christen glauben, ist auch heute auf Wohnungssuche und Herbergssuche – wie auch viele Menschen in unseren Tagen.
Wenn wir heute das Geburtstagsfest des Menschen feiern, der Gott alle seine Lebens-Räume geöffnet hat, dann gehört zu unserem Feiern das Versprechen, ihm auch in unserem Leben einen festen Platz zu geben, ihn bei uns einziehen zu lassen, auch wenn er ein unbequemer Mieter ist, der uns einiges zumutet.
Wenn wir heute das Geburtstagsfest des Menschen feiern, der Gott alle seine Lebens-Räume geöffnet hat, dann gehört zu unserem feiern aber auch das Versprechen, suchenden Menschen Wohnraum und Herberge zu geben, besonders jenen, die auf der Flucht sind vor Elend, Hunger, Krieg, Verfolgung und Terror.
Als Bischof rufe ich alle Christen und Menschen guten Willens in unserem Land auf, Flüchtlingen Herberge zu geben, auch in den Pfarren unserer Diözese – der Caritas, allen ehrenamtlichen Helfern in den Pfarren danke ich für ihren großen Einsatz und für alles, was bisher getan wurde, um Flüchtlingen in Pfarrhöfen und Pfarrheimen vom Norden bis zum Süden des Burgenlandes Herberge zu geben!
Vergessen wir als Christen nie, dass uns in den Armen Christus selber begegnet!
Von der Politik fordere ich eindringlich hier nachzuziehen und endlich alles zu tun, um Flüchtlinge aufzunehmen – als wohlhabendes Land haben wir Platz und Geld, es braucht nur den Willen dazu! Verstecken wir uns nicht hinter Gesetzen, der Bürokratie und Wahlkampftaktik!

Mein Weihnachtswunsch ist, dass einmal der Johannesprolog umgeschrieben werden könnte: "Er kam in sein Eigentum – und die Seinen nahmen ihn auf!"
Wenn wir das tun, dann ist wirklich Weihnachten! Ich wünsche es uns! Amen.