Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 14. Dezember 2015

Öffnung der Heiligen Pforte im Martinsdom - 13. Dezember 2015

Papst Franziskus hat für die ganze Kirche ein außerordentliches Heiliges Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen, dass er am 8. Dezember – 50 Jahre nach Beendigung des 2. Vatikanischen Konzils – im Petersdom mit der Öffnung der Heiligen Pforte eröffnet hat und das bis zum Christkönigsfest 2016 dauern soll. Am heutigen 3. Adventssonntag – dem Sonntag der Freude – wird in allen Domkirchen und Jubiläumskirchen – bei uns sind es neben dem Martinsdom auch die päpstlichen Basiliken Frauenkirchen, Loretto und Güssing – mit der Öffnung der Heiligen Pforte in allen Diözesen das "Jahr der Barmherzigkeit" begonnen.

Wozu ein "Jahr der Barmherzigkeit"?
Papst Franziskus sagt in der Verkündigungsbulle folgendes dazu: "Ganz einfach, weil die Kirche in dieser Zeit großer epochaler Veränderungen gerufen ist, die Zeichen der Gegenwart und Nähe Gottes vermehrt anzubieten. Es ist die Zeit wieder auf das Wesentliche zu schauen. Es ist die Zeit für die Kirche, den Sinn des Auftrages wieder neu zu entdecken, den der Herr ihr am Ostertag anvertraut hat: Zeichen und Werkzeug der Barmherzigkeit des Vaters zu sein. Deswegen soll das Hl. Jahr den Wunsch lebendig halten, die vielen Zeichen der Barmherzigkeit begreifen zu können, die Gott der ganzen Welt anbietet, vor allem denen, die in Leid sind, die allein und verlassen und ohne Hoffnung sind, vom Vater Vergebung zu erlangen und sich von ihm geliebt zu wissen. Ein Jahr, in dem wir vom Herrn Jesus berührt und von seiner Barmherzigkeit verwandelt werden, damit auch wir zu Zeugen der Barmherzigkeit werden. Das ist der Grund für das Jubiläum, denn dies ist die Zeit der Barmherzigkeit." Heute am Sonntag Gaudete wollen wir mit Freude das Jahr der Barmherzigkeit beginnen, Gott für dieses Geschenk danken und diese Zeit der Gnade nützen!

Warum wird heute die "Heiligen Pforte" feierlich geöffnet?
Jedes Heilige Jahr wird in der Kirche mit der Öffnung der Hl. Pforte begonnen. Mit der Öffnung der Hl. Pforte in jeder Domkirche am heutigen Tag will Papst Franziskus jede Diözese direkt in dieses Hl. Jahr einbeziehen, es als eine Zeit der Gnade sehen und das ganze Volk Gottes zur geistlichen Erneuerung einladen. Bei meinem Besuch des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. dieser Tage in Konstantinopel habe ich die berühmte Hagia Sophia besucht und dabei an der Türschwelle zwei tiefe Stellen gesehen, an denen die Türwächter standen und die Pilger begrüßten. Die beiden Stellen sind so abgenützt, dass man beim Durchschreiten besonders achtsam sein muss, um nicht zu fallen. Türschwellen wollen dazu beitragen, das Hineingehen bewusster zu gestalten. Sie verstärken die Achtsamkeit auf den Unterschied zwischen draußen und drinnen. Sie laden ein, sich noch einen Augenblick lang auf Begegnungen vorzubereiten, die geschehen, wenn die Tür geöffnet wird.

Wir haben heute nach der feierlichen Prozession von der Franziskanerkirche vor dem Martinsdom bewusst angehalten, um die Heilige Pforte für unsere Diözese zu öffnen. Die Hl. Pforte erinnert uns an die Pforte des barmherzigen Herzen Gottes, die durch die geöffnete Seite Christi am Kreuz geöffnet wurde. Jesus ist die Tür, die zum Heil führt. Wenn ich nach der Öffnung der Hl. Pforte an der Türschwelle das Evangeliar erhoben und es nach innen und nach außen gezeigt habe, wird damit gesagt: Jesus ist das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters. Wenn wir die Heilige Pforte durchschreiten, lassen wir uns von der Barmherzigkeit Gottes umarmen und verpflichten uns, die Haltung des barmherzigen Samariters uns zu Eigen zu machen. Durchschreiten wir die Hl. Pforte bewusst, indem wir uns darauf innerlich gut vorbereiten!

Wie die Menschen im heutigen Evangelium Johannes den Täufer fragen auch wir: Was sollen wir also tun? Was sollen wir konkret tun in diesem Hl. Jahr?

Machen wir uns auf Wallfahrt zu den Jubiläumskirchen in unserer Diözese und durchschreiten wir bewusst die Heilige Pforte! Ich freue mich und bin dankbar, dass es im kommenden Jahr aus allen Dekanaten unserer Diözese monatliche Wallfahrten in unseren Dom geben wird mit einem vielfältigen geistlichen Programm, besonders mit der Vorbereitung auf das Sakrament der Versöhnung. Ich lade alle ein während des Hl. Jahres unseren Martinsdom oder die Basiliken in Frauenkirchen, Loretto und Güssing zu besuchen, um die Barmherzigkeit Gottes in einer guten Beichte zu erfahren und dabei den Ablass zu gewinnen. Die Priester bitte ich den Beichtdienst verantwortungsvoll zu tun, Abende der Barmherzigkeit anzubieten, um die Menschen gut auf die Beichte vorzubereiten! Die Gläubigen bitte ich dieses Angebot Gottes barmherziger Liebe anzunehmen!

Entdecken wir gerade im Jahr der Barmherzigkeit wieder die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit, die Bischof Joachim Wanke aus Erfurt so treffend ins Heute übersetzt hat: Barmherzigkeit ist – einem Menschen sagen: Du gehörst dazu – Ich höre dir zu – Ich rede gut über dich – Ich gehe ein Stück mit dir – Ich teile mit dir – Ich besuche dich – Ich bete für dich. Tun wir das in diesem Jahr mit Freude und mit innerer Hingabe – so tun wir konkrete Werke der Barmherzigkeit!

Vergessen wir nicht gerade in diesem Heiligen Jahr, das auch unser Martinsjahr ist, eine Martinstat zu setzen – Martinus ist der Heilige der Barmherzigkeit! In diesem Jahr soll es daher bei uns nicht heißen: Wie du mir, so ich dir, sondern vielmehr: Wie Gott mir, so ich dir! Da ist die Haltung des hl. Martin!

Vertrauen wir uns selber, unsere Familien, Pfarrgemeinden und Diözese, unsere Kirche und Welt in diesem Heiligen Jahr der "Mutter der Barmherzigkeit" an, damit es für uns alle ein "Jahr der Freude, Gnade und Barmherzigkeit" werde! Amen.