Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Homilie zum Patrozinium im Linzer Mariendom - 8. Dezember 2015

Das heutige Marienfest mitten im Advent ist für viele Menschen unverständlich. Schon der deutsche Name "Ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria" klingt kompliziert und missverständlich. Der lateinische Name heißt kurz: "Immaculata conceptio", was man mit "Unbefleckte Empfängnis" übersetzt – genauso können wir aber auch sagen: "makelloses Konzept" oder "tadelloser Entwurf". Mit anderen Worten: in Maria begegnet uns "Gottes makelloses Konzept" vom Menschen. An Maria wird sichtbar, wie sich Gott den Menschen denkt und wünscht, welche Grundvorstellung er von einem gelingenden Leben hat, wie sein Plan für ein erfülltes menschliches Leben aussieht. Wer auf Maria schaut, kann ahnen, wie Gott unser Leben konzipiert hat. Daher sind wir heute an ihrem Feiertag eingeladen auf die "Immaculata conceptio", auf Gottes "makelloses Konzept" und "tadellosen Entwurf" zu schauen, also auf Maria, der auch dieser prächtige Linzer Dom, die größte Kirche Österreichs, geweiht ist. Es sind vor allem 3 Dinge, die zu einem erfüllten Menschsein gehören und die wir von Maria, dem "makellosen Konzept" und "tadellosen Entwurf Gottes" vom Menschen für unser Leben und Christsein lernen können.

Zu einem erfüllten Menschsein gehört zuerst einmal, darauf zu hören, was Gott mit uns vorhat, welche Lebensaufgabe er uns zugedacht hat, was er uns an Chancen und Möglichkeiten zuspielt, was er uns zutraut, was er von uns erwartet. Maria wird uns im heutigen Evangelium beim Besuch des Engels im Haus von Nazareth als eine große Hörende vor Augen gestellt. Nur weil Maria bei Gottes Ruf zu Hause, still und aufmerksam war, zuhören konnte, war es ihr möglich Gottes Wort/Ruf/Einladung zu hören, zu überdenken und anzunehmen! Maria bestätigt mit ihrem Leben das Wort der Bibel, dass der Glaube vom Hören kommt. Weil Marias Ohr, die Tür ihres Hauses und Herzens für Gott offen war, konnte sie trotz aller Fragen und Zweifel ihr "JA" zu Gottes Plan sagen. Das "NEIN" des Menschen auf den ersten Seiten der Bibel, von dem die heutige 1. Lesung aus dem Buch Genesis erzählt, hat Gott angeregt, seither immer wieder das Gespräch mit den Menschen zu suchen – und in Maria hat er das "JA" des Menschen gefunden. Unser heutiges Fest sagt, dass Maria schon im Leib ihrer Mutter frei von der Schuldlawine war, in die jeder Mensch Zeit seines Lebens verstrickt ist. Gott schenkte Maria die Gnade, ohne Vorbelastung durch das Böse sich für oder gegen seine Pläne zu entscheiden. Maria sagt "JA" zum Plan Gottes! Hat der moderne Mensch trotz bester Kommunikationsmittel im Lärm der Zeit nicht weithin das Hören auf Gottes Wort – Glauben – Beten verlernt? Wenn Papst Franziskus in dieser Stunde im Petersdom in Rom die Hl. Pforte öffnet, an der Schwelle das Evangeliar zeigt und das "Jahr der Barmherzigkeit" damit beginnt, dann sind wir alle eingeladen Gottes Wort der Barmherzigkeit an uns in diesem Jahr zu hören und wie Maria mit unserem "JA" Antwort zu geben.

Zu einem erfüllten Menschsein gehört auch, entsprechend dem Gehörten zu handeln, dem Ruf oder der Berufung zu folgen, das in die Tat umzusetzen, was wir als unseren Auftrag erkannt haben. Mit dem Satz im heutigen Evangelium "Ich bin die Magd des Herrn" signalisiert Maria, dass sie ihre Lebensaufgabe annimmt, dass sie Jesus, im wahrsten Sinne des Wortes, "zur Welt bringen" will. Die 2. Lesung aus dem Epheserbrief sagt uns, dass Gott uns alle schon vor der Erschaffung der Welt erwählt und bestimmt hat seine Söhne und Töchter zu werden durch Jesus Christus. In Taufe und Firmung, manche von uns auch in Profess und Weihe sind wir alle berufen in der Gemeinschaft der Kirche Jesus nachzufolgen und wie er zu handeln – heute seine Hände, Füße, Lippen, Augen, Ohren und sein Herz zu sein!
Maria lebt und handelt aus dem Schatz ihres Glaubens. Sie hat dabei einen Blick für Arme, Niedrige, Erniedrigte, für alle an den Rändern der Gesellschaft. Maria bestätigt mit ihrem Leben, dass der Weg der Nachfolge Jesu nicht leicht aber möglich und erfüllend ist. Der Christ soll wie Maria mit den Augen Jesu sehen, Jesu Gesinnung haben und wie Jesus handeln, das heißt: Mit Jesu Augen Gottes Schöpfung und den Mitmenschen sehen, den Armen und Notleidenden.
Hat der moderne Mensch nicht weithin aufgehört auf Jesu Botschaft zu hören und nach ihr im Leben zu handeln, weil das von ihm Opfer, Umkehr und den Mut zum Zeugnis, zum Schwimmen gegen den Strom abverlangt? Sind wir nicht oft nur mit uns selbst beschäftigt und lässt uns die Not Anderer nicht kalt?

Schließlich gehört zu einem erfüllten Menschsein auch das Hinweisen: Wer auf Jesus hören, in seinem Sinn handeln will, wer darin den Sinn seines Lebens sieht – der möchte auch andere auf die Botschaft Jesu aufmerksam machen und sie zum Glauben an ihn einladen. Maria – so die Bibel – lädt andere ein, auf Jesus zu schauen und sein Wort zu hören. Im Hochzeitssaal von Kana lenkt sie den Blick auf Jesus, wenn sie zu den Dienern sagt: "Was er euch sagt, das tut!" Wie Maria sollen auch wir helfen an den Tischen der Welt – besonders den Armen und Notleidenden. Wir brauchen dabei nicht viel über Jesus reden – wir sollen vielmehr so handeln, dass man durch unser Tun nach Jesus fragt. Unser Leben soll ein Hinweis auf Jesus sein – das ist glaubwürdiges, überzeugendes und anziehendes Christentum! Gerade in der gegenwärtigen Flüchtlingskrise helfen viele Menschen bei uns aus ihrem christlichen Glauben heraus anderen Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung sind – als beauftragter Flüchtlingskoordinator der ÖBK danke ich allen in unserem Land, die in Kirche und Gesellschaft helfen die Not zu lindern und bitte darin nicht nachzulassen! Wer Österreich/Europa liebt, spaltet es nicht, indem er neue Zäune aufstellt – als Kind, das am Eisernen Vorhang aufgewachsen ist, kenne ich die Tragik "Zaun!"
Vergessen wir Christen nie: Auch Jesus, Maria und Josef waren Flüchtlinge!
Hat der moderne Christ nicht weithin aufgehört seinen Mitmenschen, Kindern in der Familie glaubwürdiger Wegweiser und Hinweisschild zu Gott zu sein? Maria bezeugt mit ihrem Leben, dass sie im Alltag den Glauben lebte, dass ihr Gebet, Gottesdienst, Wallfahrt, Caritas bedeutsam waren – wie ist das bei uns?

Hören – Handeln – Hinweisen: Drei Bausteine für ein gutes und sinnvolles Lebenskonzept, für einen klaren, eindeutigen und makellosen Lebensentwurf, für ein erfülltes Menschsein und Christsein – oder lateinisch gesagt: für eine "Immaculata conceptio", wie wir sie an Maria ablesen können. Wenn wir uns an diesem Konzept orientieren, versuchen Hören, Handeln, Hinweisen zum Grundmuster unseres Christseins zu machen, dann sind wir mit unserem Latein noch lange nicht am Ende, dann hat unser Leben nicht nur einen großen Anfang, sondern auch ein großes Ziel, eine große Zukunft – wie das Leben Marias!

Maria, die "Immaculata conceptio" hat es uns vorgemacht, jetzt sind wir dran es ihr heute nachzumachen, damit auch unser Leben gelingt. Wir dürfen wissen, sie ist uns dabei eine verständnisvolle Wegweiserin, Helferin und Fürsprecherin!