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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Sendungsfeier Katechismen, Stift Heiligenkreuz - 10. Oktober 2015

Die heutige Sendungsfeier der Katechisten hier im Stift Heiligenkreuz lädt ein nachzudenken, welche Eigenschaften heute Christen - Getaufte und Gefirmte - mehr noch Katechetinnen und Katecheten als Zeugen Jesu auszeichnen sollen. Es sind vor allem 3 Eigenschaften, über die ich mit Euch nachdenken möchte.

Der Christ-Katechist von heute muss ein durch und durch geistlicher Mensch sein.
Dies ist ein Mensch, in dem der Geist Gottes wohnt und der in seinem Leben auf die Lebenskraft des Heiligen Geistes vertraut, sich ganz und gar auf sein Wirken verlässt. Ein geistlicher Mensch ist also einer, der nicht allein auf das Sichtbare und Machbare, auf das Planbare und Leistbare schaut, sondern der vielmehr auf das unverfügbare Wirken des Geistes Gottes baut, daraus lebt, ihm Raum gibt. Geistliches Leben wird nirgendwo so konkret wie im Gebet und Gottesdienst. Hier wird erfahrbar, dass im christlichen Leben das Entscheidende von Gott her geschieht, der aber voll auf unser Mittun setzt. Geistliches Leben ist von der Spannung zwischen gläubiger Gelassenheit im Vertrauen auf Gottes Geist und persönlichem Engagement in der Nachfolge Jesu geprägt. Geistliches Leben ist unbedingte Voraussetzung und Grundlage für geistliches Tun, besonders für die Verkündigung! Papst Franziskus betont deshalb im Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" so sehr, dass jeder Christ eine persönliche Beziehung, Begegnung und Freundschaft mit Jesus haben muss, und wenn er sie noch nicht oder nicht mehr hat, dann soll er diese suchen. Pflegen wir daher das Gebet und den Gottesdienst, das Lesen und Betrachten der Hl. Schrift, die eucharistische Anbetung und empfangen wir selber die Sakramente, besonders das Sakrament der Versöhnung in der hl. Beichte, um geistliche Menschen zu werden/sein!

Der Christ-Katechist von heute muss auch ein ganz und gar weltlicher Mensch sein.
Echtes, gesundes geistliches Leben flieht nicht aus der Welt, sondern vielmehr mit der Welt in das Reich Gottes. Aufgabe des Seelsorgers und Katecheten ist es die Zeichen der Zeit wahrzunehmen und zu erkennen, in der Überzeugung, dass sich in ihnen das Wirken des Heiligen Geistes selbst zeigt. So gesehen ist es Aufgabe von Katecheten, gute Meteorologen des Glaubens in der heutigen Welt zu sein, die auf die Zeichen der Zeit achten, in ihnen das Wirken des Heiligen Geistes in der Welt wahrnehmen. Gläubiger Meteorologendienst ist keine billige Anpassung an die Plausibilitäten der Welt, sondern eine Vertiefung des Evangeliums. Die Konzentration auf Gott ist es, was Seelsorge heute entscheidend ausmacht; und diese Konzentration auf Gott ist genau das, was die Welt heute am meisten nötig hat. Als durch und durch weltliche Menschen erweisen sich Christen darin, dass sie Gott in der heutigen Welt verkünden und dass sie diese Welt auch kennen: sowohl die Nöte und Probleme, Ängste und Sorgen der Menschen als auch ihre Freuden und Sehnsüchte. Der Christ soll daher in der einen Hand die Bibel und in der anderen die Zeitung halten, beide gut kennen und miteinander verbinden!

Der Christ-Katechist von heute muss ein entschieden kirchlicher Mensch sein.
Kirchlichkeit bedeutet nicht kritikloser Konformismus. Da die Kirche nicht nur Kirche der Heiligen, sondern auch Kirche der Sünder ist, hat in ihr auch Kritik ihren legitimen Ort – vorausgesetzt, dass diese Kritik dem Aufbau der Kirche dient und nicht ihrer Zerstörung. Auf Ungehorsam ist kein Segen! Zur Kritik gehört immer auch ein gesundes Maß an Selbstkritik. Im Blick auf diese gilt die alte Lebensweisheit: "Man muss die Kirche nehmen, wie sie ist; eine andere gibt es nicht." Dieser konkreten Kirche mit ihren Schönheiten und Runzeln gilt unser Dienst, und nicht einer von uns erträumten und selbst zurechtgebastelten Kirche. Wahre Kirchlichkeit besteht darin, dass sich Katechisten der konkreten Kirche am Ort ihres Lebens in einer unbeirrbaren Gläubigkeit zur Verfügung stellen – deshalb werden sie auch feierlich gesendet, gibt es die missio canonica!
Ich bitte Euch: Schämt Euch nicht klug, unverkürzt und treu den Schatz des Glaubens den Euch anvertrauten Menschen weiterzugeben und mit Eurem Leben zu bezeugen! Es liegt kein Segen darauf, die Lehre der Kirche nach eigenen An-sichten zu verkürzen – habt den Mut die "Lehre der Apostel" zu verkünden, zusammen mit Petrus und den Nachfolgern der Apostel und nicht gegen sie!
Ich danke Euch für die Bereitschaft in den Dienst in ihren Diözesen für die Kirche zu treten, für Ihr Mittragen, Mitleiden mit der Kirche, für Ihre Kirchlichkeit!
Der Christ und noch mehr der Katechist von heute muss ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch sein, um glaubwürdiger Zeuge Jesu zu sein! Wie sagt der Herr im Evangelium: "Selig sind die, die das Wort Gottes hören und es befolgen." Wer wie Maria Gottes Wort hört und befolgt, der ist auf dem Weg ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch zu werden und zu sein. Schauen wir daher im Leben auf Maria und bitten wir die Rosenkranzkönigin um Christen, Hirten und Seelsorger, vor allem aber um Katechisten für unsere Kirche, die wirklich geistliche, weltliche und kirchliche Menschen sind! Die Kirche sendet Euch auf die Strassen der Welt, steigt ein in den Wagen der Menschen, hört zu, begleitet, unterweist und führt sie zum Glauben an Jesus! Ich wünsche Euch viel Freude, Mut und Geduld, vor allem aber Gottes Segen in Eurem neuen pastoralen Dienst als Katechisten! Amen.