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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 7. September 2015

Predigt anlässlich der 63. Arbeiterwallfahrt - 6. September 2015

Das Motto der 63. Burgenländischen Arbeiterwallfahrt nach Baumgartenberg und Enns in Oberösterreich lautet: Unterwegs im Glauben. 600 Menschen aus 83 Pfarren unserer Diözese haben sich gestern und heute in 12 Bussen auf den Weg gemacht, um als Pilger ein Glaubenszeugnis zu geben, um zu zeigen, dass wir als Christen gemeinsam "unterwegs im Glauben" sind.
Ein Bild, das in diesen Tagen über alle Fernsehkanäle ging, will mir nicht aus dem Kopf gehen – es sind die vielen Flüchtlinge am Ostbahnhof in Budapest, die um einen Platz im Zug kämpfen, um vor Krieg, Elend und Not endlich nach Österreich und Deutschland zu gelangen, wo man sich Frieden, Sicherheit und Wohlstand verspricht. Der Zug wird so für viele Flüchtlinge zum Symbol für die Fahrt in die Freiheit/Glück, für die sie bereit sind alles zu geben, auch ihr Leben!

Ich möchte mir in dieser Predigt das Bild vom Zug, der auf den richtigen Geleisen steht und fährt, die zum erwünschten Ziel führen zu Hilfe nehmen, um unser "Unterwegssein im Glauben" tiefer zu überdenken. Arbeiter fahren mit dem Zug. Auf unserer Reise durch das Leben sitzen wir Christen mit anderen Menschen im Zug. Es gibt viele Geleise, die zum Ziel führen. Es sind aber 3 Geleise, die Menschen, die gemeinsam "unterwegs im Glauben" sind auszeichnen müssen.

Die Geleise in die Tiefe.
Wenn man in unserer Alpenrepublik mit dem Zug fährt, taucht der Zug oft in einem Tunnel ein. Für zukünftige Verkehrsplanungen werden Tunnels, Unter-flurtrassen und Untergrundbahnen immer wichtiger. Auch im Glauben, in der Kirche braucht es unbedingt die Fahrt in die Tiefe. Der große Theologe Karl Rahner hat einmal gesagt, dass die Kirche der Zukunft eine mystische sein muss, wenn sie bestehen will. Mit "mystisch" ist nicht das Untertauchen in eine weltfremde Frömmigkeit gemeint, Ekstasen, Magie, Konzentra-tionstechniken und religiöse Sensationslust – das sind eher Sonderzüge und Geisterbahnen mit Drohbotschaften und Privatoffenbarungen, die man stilllegen sollte. Die Geleise in die Tiefe meinen die Mystik im ursprünglichen Sinn des Wortes: Das Verbundensein mit dem Mysterium/Geheimnis/Gott. Das heißt, dass wir mit Jesus eine lebendige Einheit suchen müssen – in der Hl. Schrift, im Gebet, im Sakrament, in der Liturgie und in der Spiritualität. Wenn ich diese Geleise in die Tiefe an erster Stelle nenne, dann sage ich damit, dass das Entscheidende im Glauben nicht in der Organisation der Kirche liegen darf. Das wichtigste ist Gott und der Mensch, der mit ihm verbunden, von ihm erfüllt ist, der in stiller Dienstbereitschaft Gottes Willen tut. Christen, die gemeinsam "unterwegs im Glauben" sind, brauchen daher die Verbindung mit Gott durch das Gebet, das Lesen der Hl. Schrift, den Gottesdienst, die Sakramente, die Wallfahrt, eine gesunde Spiritualität – vernachlässigen wir es nicht auf diesen Geleisen in die Tiefe zu fahren, um nicht leer, banal, brutal, oberflächlich zu sein!

Die Geleise ins Miteinander.
Wenn ein Zug einen Großbahnhof verlässt, beginnen sich die vielen Parallelgeleise mit Querverbindungen und Weichen zu vernetzen und in neue Stränge einbinden. Die Räder des Zuges registrieren diesen Vorgang jedes Mal mit einem leichten Schlag, den auch die Reisenden im Abteil spüren – ein Zeichen dafür, als sei das Miteinander der Schienen nicht ganz ohne Probleme.
Auch die Geleise ins Miteinander, die Jesus im Abendmahlssaal gelegt hat waren bei seinen Jüngern nicht ohne Probleme – Ehrgeiz, Rivalitäten, Machtansprüche, Geltungsdrang, bis hin zum Verrat. Jesus hat gewusst, was die Geleise ins Miteinander gefährden wird: der Egoismus, der Eigensinn des Einzelnen und der falsche Umgang mit Autorität und Macht. Die Erfahrung des Miteinander ist aber entscheidend für die Reisenden. Das Erlebnis konkreter Gemeinschaft in der Kirche schafft Fahrtkomfort. Man fühlt sich wohl, wenn man ein Klima des Miteinanders zu spüren bekommt. Es braucht in der Familie und Kirche das "Wir-Erlebnis". Der Ausbau der Geleise ins Miteinander ist heute mehr als nötig, um trotz neuester Kommunikationsmittel der zunehmenden Isolation und Individualisierung der Menschen entgegenzuwirken. Was nützen uns die besten Handys, iPhones, iPads und Computer, wenn wir nicht mehr miteinander reden können! Der Mensch braucht wieder mehr Herz! Für Menschen, die gemeinsam "unterwegs im Glauben" sind, führt das Geleise ins Miteinander rund um den Altar. Wir Christen haben eine Mitte, zu der wir alle gehören. Pflegen wir diese Mitte in der Familie, wenn wir uns um den Tisch versammeln, aber auch in der Pfarre, wenn wir uns um den Altar versammeln, damit wir das Miteinander stärken! Diese 63. Arbeiterwallfahrt ist ein konkretes und lebendiges Zeichen des Miteinanders in unserer Diözese!

Die Geleise der Hilfsbereitschaft.
An den Geleisen der Hilfsbereitschaft, der helfenden Liebe pulst im Bahnhof Kirche das Leben. Da werden laufend Züge abgefertigt, die zu den verborgenen Nöten der Menschen in der Heimat und außerhalb unterwegs sind: zu denen, die sich schwer tun im Leben oder durch den Rost fallen, zu den Pflegebedürftigen und Suizidgefährdeten, Alkohol- und Drogenabhängigen, Alleinerziehenden und Familien in Bedrängnis, zu Vereinsamten und Sandlern, heute besonders zu den Asylsuchenden, Flüchtlingen und Verfolgten. Natürlich kann die kirchliche Hilfsbereitschaft nicht überall und allen helfen, aber wir müssen darauf achten, dass wir aus dem rechten Geist heraus helfen und das uns Mögliche auch tun! Als Martinsdiözese sind wir da mehr als andere gefordert, bereit sein zum Teilen und zur Aufnahme von Flüchtlingen in unsere Pfarren – als Bischof bitte ich jede Pfarre unserer Diözese diesen Menschen unsere christliche Hilfsbereitschaft zu erweisen! Denn im Zielbahnhof unseres Lebens wird sich der Herr der Welt besonders für die einfahrenden Züge der Nächstenliebe interessieren. Vergessen wir dabei nicht Jesu Wort: "Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Die Caritas, die Geleise der Hilfsbereitschaft sind das Kennzeichen jeder echten christlichen Gemeinde und ihrer Glaubwürdigkeit!

Unser gemeinsames "Unterwegssein im Glauben" braucht heute mehr denn je die Geleise in die Tiefe, die Geleise des Miteinander und die Geleise der Hilfsbereitschaft, damit wir als Christen vor der Welt glaubwürdig und anziehend sind, erst genommen werden und unser Lebenszug ans Ziel gelangt. Die Lesungen des heutigen Sonntags sind eine Einladung an uns, die wir gemeinsam "unterwegs im Glauben" sind: 
"Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht hier ist euer Gott!" Das ruft der Prophet Jesaja in der 1. Lesung dem mutlosen/enttäuschten Volk Israel zu, das aus der Gefangenschaft in Babylon heimgekehrt ist, sich mit d. Neubeginn schwer tut!
"Haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus frei von jedem Ansehen der Person." Mit anderen Worten mahnt der Jakobusbrief: Schaut nicht nur auf die Großen und Reichen, sondern vergesst nicht die Armen und Kleinen!
"Öffne Dich!" Wenn Jesus im Evangelium einen Taubstummen heilt, dann will er damit sagen: Sei im Leben nicht taub für Gottes Wort und die Not der Armen!

Wenn wir so im Leben gemeinsam unterwegs sind, dann sind wir wirklich auch "unterwegs im Glauben", dann werden wir auch das Ziel nicht verfehlen. Amen.