Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 16. September 2015

Österreichische Mesnerwallfahrt - Rankweil, 15. September 2015

Wer in die Wallfahrtskirche von Rankweil kommt, sieht das altehrwürdige silberne Kreuz über dem Altar und im Mittelpunkt der Basilika die Statue der "Sieben Schmerzen Marias", sieben Schwerter durchbohren ihr Herz. Beides – das Kreuz und die Statue der schmerzhaften Muttergottes – vereinen sich im uns allen vertrauten Bild der Pietà. Dieses Bild prägt auch den heutigen Festtag. Die Pietà ist wohl deshalb das Gnadenbild unter den vielen Gnadenbildern in der Kirche, weil sie die Übersetzung des Kreuzes Christi hinein in die Dimension des Menschen ist. Schon in der äußeren Gestalt ähnelt die Pietà dem Kreuz. Maria ist gleichsam die Vertikale: Auf ihrem Schoß ruht im Getöteten Christus die Horizontale. Beim Blick auf die Pietà fallen 3 Dinge auf, die ich anlässlich der österreichischen Mesnerwallfahrt hierher nach Rankweil für unser Christsein – besonders auch für Euren Dienst als Mesner – mit Euch bedenken möchte. 

1. Das geneigte Haupt.
Als Christus am Kreuz starb, warf er nicht menschenverachtend sein Haupt zurück, sondern nach dem Zeugnis der Evangelisten neigte er sein Haupt zur Welt und starb. Wenn wir auf die Pietà schauen, dann setzt sich die Haltung des Sohnes in der Mutter fort. Das sich zur Welt herabneigende Haupt des Herrn findet seine Fortsetzung in dem in das Elend der Welt hineingebeugte Haupt Mariens, das sich über ihren toten Sohn herabneigt. Die absteigende Linie ihres Hauptes zeigt uns einen Gott im Abstieg. Nicht der Reiter auf dem hohen Ross offenbart uns den erbarmenden Vater unseres Herrn Jesus Christus, sondern die sich herabneigende Pietà. Sie weist uns hin zum Abendmahlssaal, indem der Herr vor den Füßen seiner Jünger sich herabbeugt und damit vor aller Welt den Standort Gottes unter den Menschen festlegt. Dieser Standort Gottes in der Welt ist geprägt durch das Wort "unter" und nicht "über". Gott steht nie aufseiten der Übermenschen. Gott ist immer "unter" den Menschen zu finden. Das herabgeneigte Haupt der Pietà ist wie ein Wegweiser, der uns hinweist auf den Standort Gottes in der Welt. Darum drängt alles Leid der Welt zur schmerzhaften Mutter, weil es hier nicht übersehen, sondern wirklich angesehen wird.

2. Die ausgebreiteten Arme.
Am Kreuz breitet der Herr seine Arme aus, um alle Last dieser Welt zu tragen. Die Pietà hat ihre Arme nicht eingewinkelt, um sich mit ihren Ellbogen in der Welt durchzusetzen. Christus wird vom Kreuz abgenommen und von den offenen Armen der Pietà übernommen. Der Herr ist vom Kreuz verschwunden. So etwas gibt es, dass Nacht über unsere Erde hereinbricht, in der Gott von der Erdoberfläche verschwindet wie am Karsamstag in den Mutterschoß der Erde. Das Grab wurde sein Refugium, aus dem der Vater den Sohn auferweckte und von dort aus die Welt eroberte. Auch nach Ostern sind Nächte möglich, Nächte, in denen Gott von der Welt zu verschwinden scheint, wo das Licht ausgeht. In solchen Situationen werden Pietà-Existenzen gebraucht, die – wenn der Herr vom Kreuz abgenommen wird – bereit sind, ihn in ihre Arme zu übernehmen, die mit dieser kostbaren Last durch die Nächte gehen. Von ihren weiten Armen kann die Rettung ausgehen, brechen neue Tage für unsere Welt an. Viele Zeichen scheinen darauf hinzudeuten, dass heute wieder eine neue Gottesdämmerung am Hereinbrechen ist. Darum werden Männer und Frauen gesucht, die bereit sind, den Herrn in ihre Arme zu nehmen, wenn er vom Kreuz abgenommen wird, die ihn durch die Nächte hindurchtragen in den neuen Morgen hinein, den er zu seiner Zeit aufgehen lässt. Der Christ ist berufen, ein solches Refugium für den Herrn zu sein, wenn ihn die Seinigen nicht mehr aufnehmen und er vom Angesicht der Welt verschwinden muss. Es gibt mehr solche Pietà-Menschen als wir vielleicht ahnen. Sie machen nicht viel von sich reden, aber sie sind die Garantie für den neuen Morgen nach einer langen, dunklen Nacht.

3. Das offene Herz.
Die Pietà ist das Kreuz Christi in der Dimension der Menschen. Der Evangelist Johannes berichtet, dass einer der Soldaten mit seiner Lanze die Seite des Herrn am Kreuz durchstoßen hat, und sogleich floss Blut und Wasser heraus. Simeon sagt zu Maria: Ein Schwert des Schmerzes wird deine Seele durchbohren. Seit Golgota gehören Herz-Jesu-Verehrung und Herz-Mariä-Verehrung zusammen. Die Pietà ist Herz-Jesu-Bild und Herz-Mariä-Bild in einem. Der Leib des Herrn auf ihrem Schoß trägt die Wundmale. Das Evangelium wird nicht im Kopf verwirklicht, sondern im Herzen. Maria hält den toten Christus auf ihrem Schoß nicht in Distanz, sondern sie drückt ihn ans Herz. Das Herz muss dabei sein. Wohlmeinende Freunde trösten uns im Unglück, indem sie sagen: Du darfst dir nicht alles so zu Herzen nehmen. Was wir uns aber nicht zu Herzen nehmen, das haben wir nicht angenommen, selbst wenn uns dabei fast das Herz abgedrückt wird. Wir müssen uns diese Welt und die Menschen ans Herz wachsen lassen, wir müssen sie annehmen, denn nur dann können sie auch verwandelt werden.

Die Pietà erinnert uns an das geneigte Haupt Christi, die ausgebreiteten Arme und das offene Herz Mariens. Zeigt sich darin nicht auch der Mesnerdienst? Wie oft neigt Ihr in Eurem täglichen Dienst das Haupt vor Christus und habt daher auch ein Auge für den Dienst vor Gott und die Anliegen der Menschen? Wie oft breitet auch Ihr die Hände aus, um Euren Dienst im Geist Jesu zu tun? Wie oft sucht auch Ihr beim Herzen Jesu und Mariens Kraft, Hilfe und Trost, damit Ihr mit Freude, Herz und Hirn Dienst tun könnt für Gott, Kirche, Pfarre? Als Euer Referatsbischof sage ich Euch allen in meinem Namen sowie namens der ÖBK für Euren täglichen Dienst und Euer Glaubenszeugnis Vergelt´s Gott! Ihr seid ein Schatz für die Kirche – bereichert sie weiterhin mit Euren Talenten!  Die Pietà lädt uns Christen, besonders jeden MesnerIn ein: Hab ein geneigtes Haupt, ausgebreitete Arme und ein offenes Herz für Gott und die Mitmenschen! Die Schmerzhafte Muttergottes von Rankweil erbitte uns diese Gnade von ihrem gekreuzigten und auferstanden Sohn Jesus Christus für unseren Dienst! Amen.