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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Donnerstag, 27. August 2015

Predigt anlässlich der Diakonenweihe von Frater David Gold COp - Schwarzau, 26. August 2015

Der Evangelist Matthäus macht am Beginn des eben gehörten Evangeliums eine knappe Feststellung: "Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden."

In diesem Satz ist einfach, kurz und bündig der geistliche Dienst, auch der Dienst des Diakons beschrieben. Der Diakon empfängt bei der Weihe eine besondere Gabe des Heiligen Geistes; in dessen Kraft steht er als Helfer dem Bischof und seinem Presbyterium zur Seite: Im Dienst des Wortes, im Dienst am Altar und im Dienst der Liebe. Der Diakon ist so Diener für alle. Der Diakonat ist gerade nicht die niedrigste Stufe der dreigliedrigen Hierarchie von Diakonen, Priestern und Bischöfen. Der Diakonat ist vielmehr das Basisamt aller kirchlichen Dienste. Der Diakonat ist das entscheidende Vorzeichen eines jeden kirchlichen Dienstes. Deshalb ist und bleibt jeder Priester und Bischof lebenslang auch Diakon.

Lieber Weihekandidat David!
In dieser besonderen Stunde für Dein Leben und für das Leben Deiner Ordensgemeinschaft der Kalasantiner im "Jahr des geweihten Lebens" möchte ich Dich in dieser Predigt anhand von 3 Gegenständen an das Wesentliche des Dienstes als Diakon erinnern und sie Dir als Geschenk und zur Erinnerung mitgeben.

Der erste Gegenstand ist das Evangeliar, die Heilige Schrift.
Papst Franziskus sagt im Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium": "Die Freude des Evangeliums erfüllt das Herz und das gesamte Leben derer, die Jesus begegnen. Das Evangelium, in dem das Kreuz Christi glorreich erstrahlt, lädt mit Nachdruck zur Freude ein. Die Welt von heute, die sowohl in Angst wie in Hoffnung auf der Suche ist, möge die Frohbotschaft nicht aus dem Munde trauriger und mutlos gemachter Verkünder hören, die keine Geduld haben und ängstlich sind, sondern von Dienern des Evangeliums, deren Leben voller Glut erstrahlt, die als erste die Freude Christi in sich aufgenommen haben." (EG 1,5,10)
Papst Franziskus verlangt vom Diener des Evangeliums, dass er zu Jesus eine persönliche Beziehung hat, von seinem Wort ergriffen ist, die Freude in sich trägt, denn nur so kann er mit Freude das Evangelium Anderen verkünden und mit seinem Leben auch glaubwürdig bezeugen.
Als Ordensmann bist Du, lieber David, ganz in die Nachfolge Jesu getreten, hast Du wohl eine persönliche Beziehung zu ihm aufgebaut, die es im Gebet und im Lesen und Betrachten der Heiligen Schrift zu pflegen gilt. Nur aus dieser Freund-schaft mit Jesus wirst Du vom Evangelium ergriffen sein, es als Frohbotschaft den Menschen verkünden. Deshalb werde ich Dir bei der Weihe das Evangeliar mit den Worten überreichen: "Empfange das Evangelium Christi: Zu seiner Verkündigung bist du bestellt. Was du liest, ergreife im Glauben; was du glaubst, das verkünde, und was du verkündest, erfülle im Leben." Sei ein froher und geduldiger Diener des Evangeliums – diese Bibel erinnert Dich daran!

Der zweite Gegenstand ist die Schüssel der Fußwaschung.
Im Johannesevangelium wird anstelle des Berichtes von der Einsetzung der hl. Eucharistie die Fußwaschung berichtet. "Jesus stand vom Mahl auf, legte das Oberkleid ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war." (Joh 13,4-5)
Der Evangelist Johannes wollte damit zeigen: Wenn wir die Eucharistie feiern oder wenn wir auch nicht die Möglichkeit dazu haben, dann werden wir immer ein paar schmutzige Füße finden, zu denen wir uns herabbeugen sollen, um sie zu waschen, um unseren Mitmenschen, besonders den Armen, zu helfen.
Ganz unten beginnt Deine Weihe, lieber David. Du legst Dich auf den Boden. Du streckst Dich aus und bist damit so vor Jesus, wie er sich uns mitteilt: "Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele." (Mt 10,45) Jesu Hingabe für uns zeigt: Ganz unten ist man näher am österlichen Scheitelpunkt des Lebens. Hier ergibt sich eine andere Sicht, die verändert nach oben schauen lässt. Die Fußwaschung Jesu ist ein Blick, der den Anderen wahrnimmt mit dem, was er hat und was ihm fehlt. Es ist ein Blick, der mitfühlt und der im Anderen das Antlitz Gottes sieht. Es ist ein Blick, der den Anderen aufrichtet und zur Entfaltung bringt. In der Position der Fußwaschung ist gerade der Diakon – wie die Kirchenväter sagen – das "Auge der Kirche".
Die Schüssel der Fußwaschung soll Dich im Alltag an Jesu Beispiel erinnern, dass Du als Diakon sein Diener bist. Als "Auge der Kirche" sollst Du dem Herrn und den Menschen in Liebe und Freude dienen, die Armen wahrnehmen!
Die Schüssel der Fußwaschung erinnert Dich auch an das Wasser der Taufe und an die Reinigung durch das Bußsakrament sowie an Deine Dienstbereitschaft!

Der dritte Gegenstand ist die Dalmatik.
Nachdem Du, David, nahe dem Burgenland geboren bist, Deinen Assistenzeinsatz beim Bundesheer an der burgenländischen Grenze absolviert hast, und es nicht ausgeschlossen ist, dass Du einmal an die von Deiner Ordensgemeinschaft geleitete Dompfarre nach Eisenstadt als Seelsorger kommst, sehe ich in der Dalmatik, die Du heute als Diakon erstmals anlegst den Mantel des hl. Martin, den er mit einem frierenden Bettler teilte. Wir wissen, Martinus wurden die Augen dafür geöffnet, dass er nicht nur mit einem hilflosen Menschen, sondern mit Christus selbst seinen wärmenden Mantel geteilt hat. Dieser Mantel ist so zum Symbol der Gegenwart Christi in seiner Kirche durch den Dienst an den Armen, Mühseligen und Beladenen geworden.
Die Dalmatik soll Dich im Alltag an den geteilten Mantel des hl. Martin und an sein Beispiel erinnern, dass Du als Diakon den Armen, Heimatlosen und Notleidenden helfen sollst, heute besonders den vielen Verfolgten und Flüchtlingen!
Die Kirche sendet Dich gerade zu diesen Menschen – hab offene Augen für ihre Not, teile alles mit ihnen und steh ihnen bei – vergiss nie: es ist Christus selber, der Dir in ihnen begegnet! Die Dalmatik, die Vita Martini erinnern Dich daran!

Lieber Weihekandidat David!
Das Evangeliar, die Heilige Schrift, die Schüssel der Fußwaschung und die Dalmatik, der geteilte Mantel des hl. Martin sollen Dich an das Wesentliche Deines Dienstes als Diakon erinnern. Damit Du diesen Dienst in rechter Weise erfüllen kannst, bitten wir Gott mit den Worten des Tagesgebetes dieser Weihemesse: "Mache deinen Diener, den du zum Diakon erwählt hast, umsichtig im Handeln, freundlich im Umgang und beharrlich im Gebet." Denn auch der "Vater der Kalsantiner-Kongregation, der hl. Josef Kalasanz, war zutiefst davon überzeugt: "Ohne Gebet ist es unmöglich, im Dienst Gottes auszuharren."

Der Segen Gottes, das Vorbild und die Fürsprache der "Mutter vom Guten Rat", des hl. Martin, hl. Josef Kalasanz und des seligen P. Anton Maria Schwartz sowie unser aller Gebet – Deiner Familie, Heimatpfarre, Ordensgemeinschaft, Weihebischofs, Freunde und Wohltäter – begleitet Dich in dieser Stunde und in Deinem Dienst! Gott selbst vollende das gute Werk, das er in Dir begonnen hat!

Schwestern und Brüder, vergessen wir nicht Jesu Wort im heutigen Evangelium: "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden." Beten wir um neue Priester- und Ordensberufungen, die, um es mit den Worten des Apostels Paulus in der Lesung aus dem Römerbrief zu sagen, mit ihren unterschiedlichen Gaben, wie am Leib die verschiedenen Glieder unsere Kirche und Gesellschaft bereichern! Amen.