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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 24. August 2015

300 Jahre Pfarre Neufeld an der Leitha - 23. August 2015

Neufeld ist ein Ort mit einer bewegten und interessanten Geschichte – sei es als politische Gemeinde, sei es als Pfarrgemeinde. Neufeld war immer eine Grenzfeste, hatte ein Schloss und ein Kloster mit einer Rochuskapelle. Später entwickelte es sich von einem kleinen unbedeutenden Ort zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Zentrum mit einem großen Braunkohlenbergwerk und anderen Fabriken mit vielen Fabriksarbeitern. Neufeld war immer ein Ort unterschiedlicher politischer Weltanschauungen und religiöser Vielfalt – heute leben hier vorwiegend katholische und evangelische Christen, früher auch Menschen mit jüdischem Glauben, heute auch Menschen mit anderen Bekenntnissen oder von der Kirche Ausgetretene und Fernstehende. Neufeld kennt die Armut, den wirtschaftlichen Aufschwung und wachsenden Wohlstand, den Weg vom kleinen Bauerndorf über die große Arbeitergemeinde hin bis zur modernen Stadt und Tourismusdestination mit dem Neufelder See. Neufeld war kirchlich gesehen vor 1679 eine Filiale von Hornstein, dann ein Vikariat und seit dem 28. August 1715 eine selbständige Pfarre mit Ordensleuten (Minoriten und Salesianer) und Weltpriestern als Seelsorger. Auch am Weg von der Filialgemeinde zur Stadtpfarre ist die Entwicklung von Neufeld gut ablesbar.

Das 300 Jahr-Jubiläum der Pfarre Neufeld an der Leitha lässt uns nicht nur auf ihre bewegte und interessante Geschichte zurückblicken, sondern es fordert die Pfarrgemeinde heraus, heute als Christen zu leben und den Menschen den Glauben glaubwürdig zu bezeugen und so der jungen Generation weiterzugeben – die Familie und die Pfarrgemeinde sind wohl der erste und wichtigste Ort dafür! Aber was braucht es, dass Neufeld nicht nur in Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch in Zukunft ein lebenswerter und liebenswerter Ort ist und bleibt? Neben Politik, Wirtschaft und Tourismus braucht der Mensch auch die Religion, die Kirche und die Pfarrgemeinde. Deshalb betont Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii Gaudium“: "Die Pfarrei ist keine hinfällige Struktur; gerade weil sie eine große Formbarkeit besitzt, kann sie ganz verschiedene Formen annehmen, die die innere Beweglichkeit und die missionarische Kreativität des Pfarrers und der Gemeinde erfordern … Sie ist eine Gemeinde der Gemeinschaft, ein Heiligtum, wo die Durstigen zum Trinken kommen, um ihren Weg fortzusetzen, und ein Zentrum ständig missionarischer Aussendung." Nur wenn die Pfarre sich ständig erneuert und anpasst, wird sie weiterhin nahe am Menschen sein, in Kontakt mit den Familien und dem Leben der Menschen stehen und nicht eine abgehobene Struktur oder eine Gruppe von Auserwählten sein, die sich selbst betrachten. Papst Franziskus erinnert jede Pfarrgemeinde an ihre Kennzeichen und Aufgaben: Hören/Verkündigung des Wortes Gottes – das Lob Gottes in der Liturgie und Feier der Sakramente – die großherzige Nächstenliebe in der Caritas, der Sorge um die Armen und Notleidenden. Im Dialog mit Gott und den Mitmenschen soll in der Pfarre christliches Leben wachsen.

Das heutige Jubiläum ist eine gute Gelegenheit zur Gewissenserforschung für die ganze Pfarrgemeinde, ob sie als christliche Gemeinde lebt und von den Mitmenschen als solche erfahren wird! Damit steht und fällt jede Pfarrgemeinde!

Wie das Volk Israel damals in der 1. Lesung aus dem Buch Josua müssen auch wir Christen heute uns immer wieder neu entscheiden, ob wir Gott dienen wollen oder den Götzen unserer modernen Zeit mit ihren leeren Versprechungen? Entscheiden auch wir uns wie das Volk Israel für Gott, der uns Menschen nicht enttäuscht, sondern der seine Verheißungen erfüllt, uns befreit und mit uns geht!

Wo Christen tatsächlich als Christen leben, wird etwas vom Geheimnis Gottes sichtbar in dieser Welt – sagt der Apostel Paulus in der 2. Lesung den Ephesern – das gilt besonders von der christlichen Familie. Sie war damals nichts Selbstverständliches und sie ist es auch heute nicht! Der geschwisterliche Umgang miteinander ist ein Kennzeichen der christlichen Familie und Pfarrgemeinde.

Jesus stellt im Evangelium dieses Sonntags seine Jünger vor eine Entscheidung und Glaubensprobe. Er sagt ihnen – und damit auch uns – dass Menschwerdung, Kreuzestod und Himmelfahrt zusammengehören und im "Brot des Lebens" der ganze Christus gegenwärtig ist. Auch unser Glaube wird im Alltag oft auf die Probe gestellt, wir müssen uns wie die Jünger entscheiden. Nehmen wir an Jesu Wort Anstoß und entfernen wir uns von ihm oder bekennen wir mit Petrus: "Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes".

Als Bischof gratuliere ich der katholischen Pfarrgemeinde von Neufeld an der Leitha von Herzen zu ihrem 300jährigen Pfarrjubiläum – ich bin heute gerne gekommen, um mit Euch dieses einmalige Fest zu feiern. Als Bischof danke ich allen – den Lebenden und Verstorbenen – die in diesen 3 Jahrhunderten bei Euch christliche Gemeinde gelebt und gestaltet haben, besonders denken wir an die Seelsorger, Pfarrgemeinderäte und Mitarbeiter, Gläubigen, Wohltäter, Beter und an alle, die Eure Pfarrgemeinde unterstützt und gefördert haben – Ich sage auch Dank der politischen Gemeinde und allen Vereinen! Als Bischof wünsche ich der Pfarre Neufeld, dass sie noch mehr eine für alle offene, bunte, einladende Gemeinschaft ist, zu der die "Suchenden, Hungernden und Durstigen" gerne kommen, wo alle Platz haben, wo vor allem Gescheiterte, Arme, Notleidende, Verfolgte und Flüchtlinge Hilfe und Aufnahme finden. Dem Pfarrer, seinen Mitarbeitern und allen Gläubigen von Neufeld wünsche ich mit Papst Franziskus Freude am Glauben, innere Beweglichkeit, missionarische Kreativität – schaut auf Jesus, pflegt die kirchliche/ökumenische Gemeinschaft! Auf diesem Boden werden in Eurer Pfarre neue geistliche Berufungen wachsen!

Gottes Segen begleite Eure Pfarrgemeinde in das 4 Jahrhundert ihres Bestehens und der hl. Michael – Euer Kirchenpatron – schütze die Menschen Eurer Stadtpfarre vor allem Bösen und leite sie an im Leben immer das Gute zu tun! Amen.