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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 6. Juli 2015

Predigt anlässlich der Diözesanwallfahrt nach Mariazell - 4- Juli 2015

Wir Christen heute leben in einer seltsamen Zeit – in der Zeit zwischen Jesu Himmelfahrt und seiner Wiederkunft am Ende der Zeiten. Es ist für uns die Zeit – Jesus ist schon weg, der Hl. Geist ist uns geschenkt, aber das Neue/Endgültige ist noch nicht da. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Zeit auch die Situation von vielen Christen widerspiegelt: Der Jesus, der ihnen in ihrer Kindheit/Jugend vermittelt wurde, der ihnen einmal viel bedeutet hat – dieser Jesus ist verblasst und ihnen weithin verloren gegangen. Ihr Glaube ist kraftlos geworden – und eine neue Begeisterung für die Sache Jesu ist noch nicht da.
Ist diese Zeit nicht auch ein Bild für die momentane Situation in unserer Kirche: Was Jesus wollte, was er gepredigt und gelebt hat, scheint verschwunden hinter Strukturen/Formeln der Organisation "Kirche". Klage: Es fehlt an Gottes Geist!
Diese Zeit spiegelt aber auch eine Erfahrung wider, die niemand von uns erspart bleibt. Der Glaube gerät ins Wanken. Was bisher selbstverständlich war, wird fraglich. Nebensächliches wird zur Hauptsache. Krisen und Skandale sind interessanter als das Evangelium. Enttäuschung, Frustration, Rat/Orientierungslosigkeit machen sich breit. Die Suche nach neuen überzeugenden Antworten auf unsere Fragen beginnt.

Für solche "Zwischen-Zeiten" empfiehlt die Kirche seit alter Zeit im Blick auf Maria 3 Dinge, die sich auch bei einer Wallfahrt ereignen, die uns Freiraum für Gott und die Welt geben, die wir Christen im Alltag des Lebens pflegen sollen.


Die erste Empfehlung ist das Beten.
In der eben gehörten Lesung aus der Apostelgeschichte wird von den Jüngern direkt im Anschluss an Jesu Himmelfahrtserzählung berichtet: "Dann kehrten sie vom Ölberg ... nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf ... Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern."
Aus diesen Sätzen hat sich die "Pfingstnovene" entwickelt – die alte neuntägige Gebetszeit der Kirche zwischen Christi Himmelfahrt und dem Pfingstfest.
Solche Gebetszeiten werden gehalten vor kirchl. Festen, einer wichtigen persönl. Entscheidung sowie in Umbruchsituationen oder Krisen. Auch Maria war dabei!
Den Rat, bei diesen Anlässen zu beten, deute ich so: Bleibt nicht stumm! Klagt Gott eure Not! Sagt was euch fehlt und bedrückt! Bittet um Erleuchtung für den Weg, um die Gaben des Geistes – Weisheit, Erkenntnis, Einsicht, Rat, Stärke, Frömmigkeit, Gottesfurcht, damit ihr solche Krisen/ Übergangszeiten besteht.
Kommen wir vielleicht deshalb nicht aus der Krise, weil wir das Gebet – das persönliche und das gemeinsame Gebet – weithin als nutzlos aufgegeben haben? Beten wir wieder in unseren Familien und Pfarrgemeinden! Wo gebetet wird, da gibt es eine Verbindung mit Gott, da ist Gemeinschaft, da genügt man sich nicht selbst, sondern lässt man sich von einem Anderen führen und beschenken!

Die zweite Empfehlung ist das gemeinsame Gehen und Reden.
Wir Menschen sind zeit unseres Lebens auf Wanderschaft/Pilgerschaft von dieser Welt hin zum himmlischen Jerusalem. Unser Leben ist also eine Wallfahrt. Christen wissen, dass sie auf dieser Wallfahrt nie allein unterwegs sind, sondern immer zusammen mit anderen, und in ihrer Mitte ist Immanuel – Gott mit uns! Christen gehen ihren Weg durch diese Welt gemeinsam im Blick auf Gott, der damals mit dem Volk des Alten Bundes unterwegs war und der auch heute mit uns, dem Volk des Neuen Bundes – den Getauften/Gefirmten – unterwegs ist, und das nicht nur bei Schönwetter, sondern auch in Wüsten- und Krisenzeiten! Gottes Wegbegleitung durch dick und dünn zeigt sich deutlich im Leben Mariens.
Den Rat sich immer wieder von neuem auf den Weg zu machen, verstehe ich so: Geht hinaus! Bleibt nicht ängstlich zuhause sitzen! Zeigt, dass ihr den Beistand des anderen braucht und euch die Hoffnung auf Hilfe Beine macht! Sucht die Gemeinschaft, ermutigt euch gegenseitig und feiert eure Zuversicht, dass eine neue Begeisterung für die Sache Jesu wachsen kann! Macht Gehversuche und erprobt im gemeinsamen Gespräch neue Wege, damit sich etwas ändern kann in eurem Leben! Was ist eine Wallfahrt anderes als gemeinsames Gehen und Reden!
Kommen wir vielleicht deshalb nicht aus der Krise, weil wir das gemeinsame Gehen und Reden verloren haben, uns in unseren Egoismen ergehen und genügen? Unser neuer pastoraler Weg in der Diözese ist ein gemeinsames Gehen-Reden.

Die dritte Empfehlung ist das fröhliche und konsequente Tun.
Zum Christsein und Kirchesein gehören die Verkündigung des Evangeliums, der Gottesdienst und die Feier der Sakramente, die Gemeinschaft und die Caritas. Gottesdienst ist dann echt, wenn er im Dienst am Mitmenschen bezeugt wird. Maria zeigt uns im Evangelium, was Dienen, fröhliches Tun konkret bedeutet. Den Rat zum Dienst und zum fröhlichen Tun interpretiere ich so: Erkenne auch Du in Gott Deinen Heiland und Retter und preise dankbar seine Größe! Schau auch Du wie Gott auf das Kleine und Niedrige in Deiner Umgebung! Hab ein Auge und Herz für die Hungernden, Notleidenden und Flüchtlinge und bau nicht auf Macht, Hochmut und Reichtum! Vergiss nie, dass Gott sich auch Deiner an-nimmt und seine Verheißungen an Abraham und seinen Nachkommen erfüllt!
Ist unser Christsein vielleicht deshalb nicht anziehend und fruchtlos, weil wir nicht mit Freude und Konsequenz das tun, was das Evangelium von uns verlangt – auch im Blick auf die Aufnahme von Flüchtlingen in unseren Gemeinden?

Wir sind heute zur Mutter von Zell gekommen und sie weist im Gnadenbild mit dem Finger auf Jesus hin, um uns als einzelne Pilger und auch als Diözese zu raten auf unserer Lebenswallfahrt gerade in diesen Umbruch- und Krisenzeiten zu beten, gemeinsam zu gehen und zu reden sowie fröhlich und konsequent Gutes zu tun. Maria hat es uns vorgemacht – jetzt sind wir dran vom steirischen Bergland wieder in die pannon. Tiefebene zu gehen und es ihr nachzumachen! Amen.