Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 29. Juni 2015

Priesterweihe von Philipp Supper - 26. Juni 2015

Was soll und was kann ich Dir, lieber Philipp, heute am Tag Deiner Priesterweihe als Dein Bischof auf Deinen priesterlichen Lebensweg mitgeben?

Nach Deinen ausgiebigen philosophischen und theologischen Studien an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität und an unserem Priesterseminar in Wien sowie an der Päpstlichen Universität Gregoriana und am Germanicum et Hungaricum in Rom bist Du wohl fachlich, spirituell und menschlich bestens für den priesterlichen Dienst heute gerüstet.

Im Blick auf unseren neuen pastoralen Weg in der Diözese kann ich Dir für Deinen zukünftigen priesterlichen Dienst nur einen dreifachen Rat mitgeben. Diesen Rat entnehme ich der Dogmatischen Konstitution des 2. Vatikanischen Konzils über die Kirche "Lumen Gentium" aus dem vierten Kapitel über die Laien, wo es heißt: "Die geweihten Hirten wissen sehr gut, wie viel die Laien zum Wohl der ganzen Kirche beitragen. Sie wissen ja, dass sie von Christus nicht bestellt sind, um die ganze Heilsmission der Kirche an der Welt allein auf sich zu ne-hmen, sondern dass es ihre vornehmliche Aufgabe ist, die Gläubigen so als Hirten zu führen und ihre Dienstleistungen und Charismen so zu prüfen, dass alle in ihrer Weise zum gemeinsamen Werk einmütig zusammenarbeiten." (LG 30)

Das Konzil gibt demnach den Priestern als Hirten einen dreifachen Ratschlag zum Dienst am gemeinsamen Priestertum aller Getauften als Aufgabe und Sen-dung mit auf den Weg, der in drei Wörtern zum Ausdruck kommt. Diese 3 Wörter sind Schlüsselbegriffe für den priesterlichen Dienst und für unseren neuen pastoralen Weg in der Diözese – sie sind Deine und unsere vornehmliche Aufgabe und sollen Dich und uns alle in unserem Dienst begleiten und auszeichnen.

Das erste Wort heißt: pascere – führen.
Du sollst die Dir anvertrauten Menschen als Hirte auf eine gute Weide führen. Du sollst sie nicht an Dich binden, sondern indem Du ihnen das Wort Gottes verkündest, die Sakramente spendest und sie auch selber empfängst – besonders das Sakrament der Versöhnung – die Caritas lebst und die christliche Gemeinschaft mitaufbaust, sollst Du sie zu Christus führen. Richtschnur und Maßstab ist Dir dabei Jesus, der gute Hirte und sein Evangelium sowie das ständige Gebet. Das bedeutet und verlangt von Dir, dass Du als Hirte – wie es Papst Franziskus in "Evangelii Gaudium" fordert – das missionarische Miteinander förderst und Dich als Hirte bisweilen an die Spitze stellst, um den Weg anzuzeigen und die Hoffnung des Volkes aufrecht zu erhalten, andere Male wirst Du inmitten aller sein mit Deiner schlichten und barmherzigen Nähe, bei anderen Gelegenheiten wirst Du hinter dem Volk hergehen, um denen zu helfen, die zurückgeblieben sind. Geh selber immer wieder auf die Weide des Evangeliums, damit Du andere auf gute Weide führen kannst! Sei wie der junge Samuel in der 1. Lesung offen und bereit für Gottes Ruf, tu mit Herz den Dienst im Tempel des Herrn, hör auf den alten Eli und sei auch Du den Dir anvertrauten Menschen ein erfahrener Eli!

Das zweite Wort heißt: recognoscere – prüfen.
Du sollst als Hirte die Dienstleistungen und Charismen der Gläubigen prüfen, das heißt ihre Talente und Fähigkeiten sehen, anerkennen und wertschätzen. Dazu braucht es ein offenes und liebendes Herz für die Menschen. Vergiss dabei nie den Rat des Apostels Paulus in der 2. Lesung aus dem Römerbrief: Wie der Leib viele Glieder hat und alle ihren Dienst haben, so haben auch wir unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade! Diese unterschiedlichen Charismen der Dir Anvertrauten sollst Du sehen, prüfen, anerkennen und wertschätzen. Wie viel an Problemen zwischen Priestern und Laien könnten wir uns ersparen, wenn wir die Worte des Konzils ernst nehmen würden?! Tue es und Du wirst von den Menschen geachtet sein und auch immer Mitarbeiter finden – Du wirst den Weg Jesu gehen und weder dem Rigorismus noch dem Laxismus verfallen!

Das dritte Wort heißt: unanimiter cooperentur – einmütig zusammenarbeiten.
Du sollst schließlich als Hirte alles Dir mögliche tun, dass die Dir Anvertrauten alle in ihrer Weise zum gemeinsamen Werk einmütig zusammenarbeiten. Einheit und Zusammenarbeit sind zwei Schlüsselworte in der Kirche/Pastoral. Ohne Einheit und Zusammenarbeit gibt es kein fruchtbares und glaubwürdiges Wirken. Einheit und Zusammenarbeit ist die Kraft der Jünger Jesu und der Kirche, und zugleich ist Uneinigkeit und Einzelkämpfertum ihre Schwäche, Unfruchtbarkeit und Unglaubwürdigkeit. Einheit und Zusammenarbeit mit allen in der Pfarre, im Dekanat und in der Diözese, unter den Priestern und mit dem Bischof sowie zwischen Priestern und Laien. Ohne Einheit und Zusammenarbeit wird die Botschaft Jesu pervertiert und die Kirche zum Intrigantenstadel! Suche als Hirte immer Wege, dass die Dir Anvertrauten in ihrer Weise, nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten zum gemeinsamen Werk einmütig zusammenarbeiten – sie sollen es an Deinem Leben und Dienst ablesen können!

Lieber Neupriester Philipp!

Wie es von Jesus im Evangelium heißt, so weihe, sende ich Dich heute in Jesu Namen: Zieh durch alle Städte und Dörfer unserer Diözese, lehre in den Kirchen, verkündige das Evangelium vom Reich Gottes, heile alle Krankheiten und Leiden! Hab Mitleid mit den Menschen, die müde und erschöpft sind wie Schafe, die keinen Hirten haben! Du sollst als Priester wissen, dass es Deine vornehmliche Aufgabe ist, die Dir Anvertrauten zu führen, zu prüfen – ihre Talente sehen, anerkennen, wertschätzen – und sie anzuleiten, dass sie einmütig zusammenarbeiten.

Ich wünsche Dir dabei viel Freude, Mut, Geduld und Ausdauer, aber vor allem Gottes Hl. Geist, um den wir jetzt in der Weihe bitten! Das Gebet Deiner Familie, Freunde, Gläubigen, Mitbrüder und Bischöfe begleitet Dich! Möge Dein priesterlicher Dienst vielen Menschen unserer Heimat zum Segen sein! Amen.