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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 29. Juni 2015

60 Jahre Zisterzienserinnen in Marienkron - 28. Juni 2015

Lieber Bischof Paul!
Liebe Äbte, Mitbrüder, Ordensleute, Fest- und Ehrengäste!
Lieber jubilierender Konvent der Zisterzienserinnen von Marienkron!
Zum Festgottesdienst versammelte Schwestern und Brüder im Herrn von nah und fern! Liebe Hörerinnen und Hörer von Radio Maria!

In unserem Heimatland zwischen dem Bodensee und dem Neusiedlersee gibt es 3 bekannte Zisterzienserinnenklöster: Mariastern in Gwiggen in Vorarlberg, Marienfeld im niederösterreichischen Weinviertel bei Maria Roggendorf und Marienkron bei uns im Burgenland, hier in Mönchhof.
Wie die Kirchen und Klöster einer Landschaft Profil und Gesicht geben, so tun es auch diese 3 Klöster, sind auch ihre Namen ein Programm für ihre Wirksamkeit. Wenn wir heute mit den Schwestern 60 Jahre Zisterzienserinnen in Marienkron feiern – und das im Jahr der Orden – dann ist dieses Jubiläum eine Gelegenheit über den Namen der Abtei "Marienkron" und seine Bedeutung sowie über ihre Ausrichtung nachzudenken. Tun wir das nun gemeinsam im Blick auf die altehrwürdige Marienstatue an der Säule hier nahe dem Altarraum.

Warum wird Maria oft mit einer Krone am Haupt, als Königin dargestellt?

Die Krone am Haupt Mariens hat eine dreifache Bedeutung.
Die Krone, die Maria trägt, ist meistens ein Zeichen von Macht und Herrschaft. Dabei bedeutet die Krone am Haupt Mariens eigentlich das Gegenteil: sie ist ein Geschenk von jemanden anderen. So will uns die gekrönte Maria sagen: Alles, was ich geworden bin, bin ich durch einen anderen, nicht durch mich selbst. "Meine Seele preist die Größe des Herrn … Denn er hat auf die Niedrigkeit seiner Magd geschaut" – so singt Maria im Magnifikat. Sie verweist damit auf den Geschenkcharakter unseres Lebens und Glaubens, unseres Christseins, unserer Berufung, auch in den Ordenstand. Die Theologie nennt das Gnade-Geschenk.
In einer Welt und Zeit, in der alles machbar, kaufbar und erreichbar scheint, versteht man kaum mehr das Leben und den Glauben als Gnade-Geschenk. Man verlässt sich nur auf greifbares, berechenbares, verstehbares, materielles, irdisches und verliert den Blick für das Himmlische, Transzendente, Gott. Gebet, Gottesdienst, Sakramente scheinen nicht mehr notwendig und werden daher von vielen Christen vernachlässigt und abgelehnt - aber gerade sie verbinden uns mit Gott!
So erinnert uns die gekrönte Maria heute, dass im Leben und Glauben letztlich alles Gnade-Geschenk ist und wir dafür nur dankbar sein können und dürfen!

Die Krone am Haupt Mariens hat aber noch eine zweite Bedeutung.
Die alten Maler aus der Zeit der Gotik, aus der dieses Bild stammt, kannten noch den feinen Unterschied zwischen König und Königin. Der vornehmste Auftrag einer Königin im Mittelalter war neben der Mutterrolle das fürbittende Dazwischenstehen zwischen Urteil und Verurteilten. Für die Menschen damals war die Königin die größte Hoffnung, Begnadigungen zu erwirken, Geschenke und Auszeichnungen zu erbitten. Sie war für´s Volk die schenkende Hand des Königs. Die gekrönte Maria will uns als sichtbares Zeichen der Mütterlichkeit Gottes sagen: Du darfst dich zu Gott hintrauen so wie du bist. Hab keine Angst vor ihm. Ich lege für dich Fürbitte ein. Ich weiß, wo dich der Schuh drückt.
In einer Welt und Zeit, in der das mütterliche Element verlorengeht, erinnert uns die gekrönte Maria an die Mütterlichkeit, das fürbittende Einstehen für andere!

Schließlich hat die Krone am Haupt Mariens noch eine dritte Bedeutung.
Die Krone Mariens wird von den alten Künstlern meistens übertrieben groß und unrealistisch dargestellt, weil sie mit den unerfüllten Sehnsüchten der Menschen zu tun hat. Warum setzen die alten Künstler Maria eine übergroße Krone auf? Sie tun es, weil sie in der gekrönten Maria darstellen möchten, dass in Maria schon all das erfüllt ist, wonach wir Menschen uns sehnen. So ist also nicht nur Maria selbst gekrönt, sondern mit ihr sind wir alle gekrönt, das heißt gerettet. Maria ist somit für uns Menschen die große Hoffnung, dass auch unsere Sehnsucht nach Leben und Glück in Erfüllung gehen wird.
In einer Welt und Zeit von Resignation, Frustration und Hoffnungslosigkeit in Kirche und Gesellschaft erinnert uns die gekrönte Maria an die große Hoffnung unseres Glaubens, zu der wir als Getaufte und Gefirmte berufen sind, zeigt sie uns das Ziel unseres Lebens, weist uns den Weg zum Ziel, das sie erreicht hat.

Marienkron hat seit seiner Gründung 1955 als Gebetsstätte am ehemaligen Eisernen Vorhang mit Gartenbau, Heimarbeit für die Schwestern, Haushaltungsschule und einer Hühnerfarm klein und bescheiden begonnen und später mit dem Ausbau des Kurhauses weitere Schritte gewagt, die auch Opfer verlangten.
Im Blick auf die Marienstatue und den Namen "Marienkron" zeigt sich ein neues Profil und Gesicht der Abtei, eine für heute aktualisierte Ausrichtung.
Marienkron heute ist ein Ort, wo nicht Macht, sondern Dienst angesagt ist – der Gottesdienst und der Dienst am Nächsten, vor allem jenem am Rand, wie es Papst Franziskus uns sagt, an die existentiellen Peripherien zu gehen.
Marienkron heute ist ein Ort des Gebetes, vor allem für die verfolgten Christen und für alle Menschen, die Opfer von Unterdrückung, Benachteiligung und Gewalt sind sowie für den Frieden in der Welt – ist das nicht heute nötiger denn je?
Marienkron heute ist ein Ort der Gemeinschaft, Hoffnung, Erholung an Leib und Seele, des bewussten und erneuerten Lebens, eine Oase und Tankstelle sowie ein Ort der Begegnung mit Gott und zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft – ein Ort der Ökumene, des interreligiösen Dialogs, der Kunst und Kultur.

Als Bischof bin ich froh/dankbar einen solchen Ort in der Diözese zu haben und gratuliere dem Konvent von Marienkron von Herzen zum diamanten Jubiläum! Ich wünsche Ihnen das, was im Wort "Gratulation" steckt "gratia" Gnade! Ich danke den Schwestern für ihr Glaubenszeugnis, allen Einsatz und geistlichen Beitrag, den sie unserer Diözese mit ihrem Beten und Arbeiten durch 6 Jahrzehnte geben. Danke sage ich allen Lebenden und Verstorbenen vom Konvent und von den Gästen, Freunden und Wohltätern – ich denke dabei besonders an die erste Äbtissin Mutter Rosaria, die Abtei Seligental in Bayern, das Stift Heiligenkreuz, die Vinzenzgruppe und an die Elisabethinnen in Graz! Allen: Vergelt´s Gott!

Der Zisterzienserorden und auch viele andere Ordensgemeinschaften haben unserem Land die Kultur gebracht. Alle Kultur lebt vom Kult, von der Gottesverehrung. Von Mariastern, Marienfeld und Marienkron geht seit Jahrzehnten viel Segen und Kultur in unserem Land vom Bodensee bis zum Neusiedlersee aus. Möge das durch das Geschenk von neuen geistlichen Berufungen weiterhin so sein! Gottes Segen und die Fürsprache Mariens, der diese Abtei geweiht ist, begleite die Zisterzienserinnen von Marienkron und alle, die zu ihnen gehören und kommen, mit ihnen arbeiten und sich um sie scharen in eine gute Zukunft!

Mit den Worten Jesu im Evangelium dieses Sonntags sage auch ich dem Konvent der Zisterzienserinnen von Marienkron für das neu anbrechende Jahrzehnt: "Mädchen/Schwestern steht auf, durch die Berührung mit Jesus und im Blick auf Maria dient Gott und den Menschen, seid frohe Zeuginnen der Auferstehung und des Lebens und bleibt ein Ort des Gebetes, des gemeinschaftlichen Lebens, der Erholung an Leib und Seele sowie der vielfältigen Begegnung!" Amen.