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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 18. Mai 2015

Glockenweihe in Neckenmarkt - Christi Himmelfahrt, 14. Mai 2015

Wir alle kennen wohl die Geschichte vom "Hans Guck-in-die-Luft" aus dem Strubelpeter – über den Burschen, der ständig nach oben starrt und deshalb das Nächstliegende nicht sieht; der zuerst über einen Hund stolpert und dann noch in einen Fluss fällt. Die Warnung, die uns mit dieser Geschichte vom "Hans Guck-in-die-Luft" auf den Lebensweg mitgegeben wird, ist nicht neu. Sie steht schon in der Bibel, wir haben sie eben in der Lesung aus der Apostelgeschichte gehört: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?"

Den "Guck-in-die-Luft-Jüngern" musste buchstäblich der Kopf verdreht werden, dass sie Jesus nicht oben in den Wolken suchen, und dass der Himmel, die neue Welt Gottes, nicht über ihnen schwebt. Das ist bis heute für die Kirche und uns Christen eine Gefahr, nur auf den Himmel, das Jenseits, zu schielen und dabei die Erde, das Diesseits, zu vergessen.

Das Fest Christi Himmelfahrt warnt uns vor einer "Guck-in-die-Luft-Kirche" und vor "Guck-in-die-Luft-Christen". Mit dem Christi Himmelfahrtstag beginnt ein neuer Lebensabschnitt für die Jünger Jesu und damit für die Kirche. Es ist als ob die Kirche in diesem Augenblick erwachsen worden wäre und von Jesus in die Selbständigkeit entlassen wird. Jesus sendet seine Jünger aus. Und als die Jünger noch begriffsstützig und gefangen in ihrer Abschiedstrauer zum Himmel starren, sagen ihnen zwei Männer in weißen Gewändern: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?" Mit anderen Worten: Los, an die Arbeit! So sendet Jesus seine Jünger! So sendet Jesus auch seine Kirche und uns Christen – uns Getaufte, Gefirmte und Geweihte!

Christi Himmelfahrt gibt der Kirche, uns Christen den Rat des dreifachen Blickes.

Unser erster Blick heißt: nach innen zu schauen.
"Seid gewiss: ich bin bei euch alle Tage" – das sind im Matthäusevangelium die letzten Worte des Auferstandenen. Im Johannesevangelium sagt Jesus beim Abschiedsgebet im Abendmahlssaal: "Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht … damit die Liebe … in ihnen ist und damit ich in ihnen bin."
Wenn ich nach innen schaue, dann entdecke ich den Himmel, die neue Welt Gottes, dann entdecke ich Jesus Christus – in seinen Geschichten in der Bibel, die ich verinnerlicht habe; in seinen Worten, die mir innerer Kompass geworden sind; in seinen Taten, die ich mir habe zu Herzen gehen lassen.
Kirche-Christsein heißt immer: nach innen zu schauen – Gebet, Gottesdienst!

Unser zweiter Blick heißt: nach vorne zu schauen.
"Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern" – mit diesem Auftrag verabschiedet sich Jesus von seinen Jüngern, sendet er sie aus. Wenn ich nach vorne schaue, wenn ich die Aufgaben in den Blick nehme, die vor mir liegen, dann entdecke ich den Himmel, die neue Welt Gottes; dann entdecke ich Jesus Christus, in den Zielen, die er mir in seinem Evangelium mit auf den Weg gibt; in den Leitbildern, die mir in seinen Gleichnissen begegnen, und auf die ich mich zubewegen will. Ein Theologe hat einmal gesagt: "Die Himmelfahrt haben nur die verstanden, die nicht nur zum Himmel emporstaunen, sondern in die Welt gehen und für Jesus Zeugnis ablegen."
Kirche-Christsein heißt immer: nach vorne zu schauen – Neu-evangelisieren!

Unser dritter Blick heißt: zur Seite zu schauen, unsere Mitmenschen nicht aus den Augen zu verlieren.
Wenn ich mich auf Augenhöhe mit den anderen bewege; wenn ich ihre Nöte und Sorgen sehe; wenn mir die Mitmenschen links und rechts von mir nicht gleichgültig sind, dann entdecke ich den Himmel, die neue Welt Gottes; dann entdecke ich Jesus Christus – im geringsten Bruder, in der geringsten Schwester; in allen, die meine Hilfe und Zuwendung brauchen und erwarten. Ein Dichter sagte es so: "Wenn wir einen Menschen lieben, wird die Erde zum Himmel."
Das heutige Christi Himmelfahrtsfest gibt uns als Kirche und Christen den Rat des dreifachen Blickes: nach innen – nach vorne – zur Seite zu schauen!

Denn wer nicht nur nach oben, sondern nach innen, nach vorne und zur Seite schaut, der bleibt beweglich und geistig rege; der wird nicht frömmeln, stur und verschroben sein; der findet zu einem lebendigen Christsein im Sinne Jesu!

Glocken erinnern uns im lauten und hektischen Alltag den Blick zum Himmel, aber auch nach innen, nach vorne und zur Seite nicht zu vergessen. Glocken begleiten uns Christen in Freude, Leid und Gefahr, von der Wiege bis zur Bahre. Glocken erinnern uns Christen immer Jesu Zeugen in dieser Welt zu sein.

Schauen wir in dieser Stunde gemeinsam zum Himmel und bitten wir um die "die Kraft aus der Höhe", damit wir keine "Guck-in-die-Luft-Christen" sind, sondern glaubwürdige Zeugen Jesu, die den lebendigen Christus, die neue Welt Gottes in uns, vor uns und neben uns suchen! Auch uns ist gesagt: "Ihr Neckenmarkter was sitzt ihr da und schaut zum Himmel empor – los, macht Euch an die Arbeit und seid Jesu Zeugen in der Welt so gut ihr könnt!" Der hl. Donatus hat es uns vorgemacht – jetzt sind wir dran es ihm nachzumachen! Amen.