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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 4. Mai 2015

Flugwallfahrt Marianisches Lourdeskomitee 2015

Erlauben sie mir die etwas ungewöhnliche Frage: Was würden sie tun, wenn sie nur mehr einen Tag zu leben hätten? Die Antwort auf diese Frage wird wohl bei den Menschen verschieden ausfallen, so verschieden wie wir Menschen eben sind. Die einen würden vielleicht noch einmal möglichst viel genießen - andere mit Freunden feiern - wieder andere sich vielleicht bewusst von ihren Mitmenschen verabschieden oder sogar die Kirche aufsuchen, um zu beichten und die Sakramente zu empfangen.

Mutter Teresa hat einmal eine dreifache Antwort auf diese Frage gegeben. Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, würde ich mir zuerst überlegen, mit welchen Menschen ich heute zusammentreffen möchte. Indem ich darüber nachdenke, mit wem ich meinen letzten Tag verbringen möchte, wird mir klar, welche Beziehungen mich wirklich tragen und wo ich anderen letztlich doch fremd oder etwas schuldig geblieben bin. Ich würde diesem Menschen sagen, was er/sie mir bedeutet, was er/sie in mir ausgelöst hat, welche Erinnerungen mir wichtig sind. Und ich würde ihm oder ihr für alles danken, was ich durch sie oder ihn erfahren und gelernt habe, was in mir angestoßen wurde und wo er/sie mir die Augen für das Eigentliche und Wesentliche geöffnet haben. Mit einem Wort, ich würde am letzten Tag meines Lebens zuerst lieben Menschen danken.

Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, würde ich mir die Frage stellen: Wo ist etwas noch unklar in meinem Leben? Welche Konflikte belasten mich? Ich weiß, dass ich das alles nicht an einem Tag lösen kann. Ich würde mich beschränken auf den Konflikt, der mich am meisten bedrückt, und versuchen, den Menschen anzurufen und zu klären, was zwischen uns ist. Ich würde mich für das entschuldigen und um Vergebung bitten, was ich zum Konflikt beigetragen habe. Und sagen, dass ich auch alles vergeben möchte und wie sehr ich unseren Konflikt bedauere. Mit einem Wort, ich würde am letzten Tag meines Lebens Menschen mit denen ich Konflikte habe um Entschuldigung/Vergebung bitten.

Wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte, würde ich das Gespräch mit einem Priester suchen, um mein Leben im Blick auf Gott und den Nächsten noch einmal zu überdenken, mich meines christlichen Glaubens zu versichern und durch den Empfang der Sakramente der Kirche - Buße/Beichte, Krankensalbung und Eucharistie - mich zu stärken und der Hand Gottes vertrauensvoll zu überlassen. Angesichts des Todes wird alles relativiert. Vieles kommt mir als unwichtig vor. Mir wird bewusst, es kommt nicht darauf an möglichst viel zu leisten, sondern bewusst zu leben: Nicht die Quantität meines Lebens ist wichtig, sondern die Qualität! Mein Leben ist einmalig und daher auch wichtig für die Welt. Das ermutigt mich dazu, meine Sorgen loszulassen und mein Leben als Geschenk anzunehmen. Mit einem Wort, ich würde am letzten Tag meines Lebens beten. Weil wir nicht wissen, wann der letzte Tag unseres Lebens ist, wie viel Zeit wir noch haben, können wir im Grunde nur so leben, als könnte jeder Tag der letzte sein - wie es uns auch die selige Mutter Teresa glaubwürdig vorgelebt hat.

Darum sollen Christen wachsam sein, achtsam leben, denn der Herr kommt "wie ein Dieb in der Nacht" - plötzlich, unerwartet, unerkannt, ohne Vorwarnung. So tritt Gott auch in unser Leben. Immer wieder im Alltag und einmal endgültig und unentrinnbar im Sterben. Wann, das sein wird, wissen wir nicht. Aber wir dürfen vertrauen, dass wir dann Gott begegnen, von Angesicht zu Angesicht. Christen sollten jeden Tag so leben als wäre es der letzte Tag und das tun, worüber wir gerade nachgedacht haben - danken, um Vergebung bitten und beten! 
Amen.