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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 4. Mai 2015

Flugwallfahrt Marianisches Lourdeskomitee - 25. April 2015

In einigen französischen Dörfern wird bis heute folgender Osterbrauch gepflegt: Wenn am Ostersonntag in der Frühe zum ersten Mal die Kirchenglocken läuten, laufen Kinder und Erwachsene schnell zum Brunnen in der Mitte des Dorfes. Dort waschen sie sich mit dem kühlen und klaren Brunnenwasser die Augen aus. Sie wollen Oster-Augen bekommen:
  • Oster-Augen, aus denen die misstrauischen, die verachtenden, die neidischen und die berechnenden Blicke verschwunden sind;
  • Oster-Augen, aus denen der Schleier der Angst, der Resignation und der Hoffnungslosigkeit weggespült ist;
  • Oster-Augen, aus denen der Schlaf, die Interesselosigkeit und die Gleichgültigkeit im Leben und im Glauben herausgewaschen sind.
Die Osterevangelien und dieser alte Brauch sagen uns: Auferstehung kann man nicht mit Worten erklären, man kann die Wahrheit, dass J esus Christus nicht im Tod geblieben ist, nur durch österliche Menschen erfahren, denen man es an den Augen ansieht, dass sie aus dieser Wahrheit leben, dass sie mit Jesus zu einem neuen Leben auferstanden sind. Es sind also - von den ersten Jüngern bis in unsere Zeit - immer konkrete Menschen, die ohne große Worte Auferstehung leben, denen die Osterfreude aus den Augen schaut, die im wahrsten Sinn des Wortes in ihrem Leben Jesus "im Blick" haben: Menschen mit Oster-Augen.

Oster-Augen können entdecken, dass im Menschen Jesus von Nazaret das Leben endgültig zum Durchbruch gekommen ist, ein- trotz Leid und Tod am Kreuz - erfülltes und gelungenes Leben, so wie Gott sich wahres Leben vorstellt. Oster-Augen verschließen sich nicht vor der Not. Sie nehmen die vielen Todessignale in unserer Umgebung wahr, sie haben einen Blick dafür, wo das Leben zu kurz kommt oder auf der Strecke bleibt, wo einer mundtot gemacht wird, wo einer unter die Räder kommt. Sie erkennen, wo wir aufstehen müssen, einen Aufstand machen müssen gegen Ungerechtes, Eingefahrenes und Erstarrtes. Oster-Augen lassen sich aber auch leichter zudrücken. Sie sehen die eigenen Fehler, können über die Schwächen der Anderen gelassen hinwegsehen. Oster-Augen sehen weiter. Sie bleiben nicht auf das Schwierige und Unsympathische fixiert, das uns an unseren Mitmenschen immer zuerst auffällt, sie bleiben nicht bei Krankheit, Leid, Tod stehen, sondern schauen hinter die Fassade, entdecken den Anderen, so wie Gott ihn sich gedacht hat. Sie sehen einen Weg, wo vorher keiner war, und sie sehen im Ende schon wieder einen neuen Anfang. "Erlöster müssten die Christen aussehen, damit man an ihren Welterlöser glauben kann." Vielleicht hätte Friedrich Nietzsche diesen Vorwurf nicht formuliert, wenn er mehr Christen mit Oster-Augen begegnet wäre.

Vielleicht könnten wir als Kirche gelassener sein, wenn immer mehr Christen - Geweihte und Laien - den Auferstandenen wirklich "im Blick" hätten - das ist die heute so notwendige und Not wendende Neuevangelisierung! Die Mitte unseres Glaubens und unserer Kirche ist und bleibt der Auferstandene
und unsere lebendige Beziehung zu ihm durch Gebet, Gottesdienst und Caritas. Maria möchte uns zum Auferstandenen fiihren, damit wir Oster-Augen haben.

Der hl. Markus - den die Kirche heute feiert - war ein Mensch mit Oster-Augen. Die hl. Bernadette Soubirous war ein Mensch mit Oster-Augen. Sie kommt auf Bitte der Gottesmutter hierher zur Grotte von Lourdes, kniet nieder und betet für die Bekehrung der Sünder, tut Buße, gräbt die Erde auf, entdeckt schmutziges Wasser, mit dem sie sich das Gesicht beschmiert. Sie versucht davon zu trinken.Schließlich wird das Wasser klar. Sie trinkt davon und wäscht sich damit. Sie beginnt Gottes Plan zu begreifen, erfährt Heil/Heilung, bekommt Oster-Augen. Auch Du und Ich sollen Menschen mit Oster-Augen sein.

Daher sind wir heute als Wallfahrer aus Österreich mit vielen anderen Pilgern auf Einladung der Gottesmutter zur Grotte von Lourdes gekommen. Machen wir es wie Bernadette: knien wir hier an diesem heiligen Ort nieder, beten wir für unsere Bekehrung und tun wir Buße, empfangen wir Gottes Wort und Sakrament, trinken wir Wasser von dieser Quelle und benetzen wir unsere Augen, damit wir Heilung an Leib und Seele erfahren und Oster-Augen bekommen. Nur Menschen, die den Auferstandenen nicht aus den Augen verlieren, werden auch ein Auge haben für ihre Mitmenschen - vor allem für die Armen, Kleinen und Schwachen! Wir brauchen heute mehr denn je Menschen mit Oster-Augen!

Benetzen wir in diesen Tagen unsere Augen mit dem Wasser von dieser heiligen Quelle. Möge ULF von Lourdes uns vom Auferstandenen Oster-Augen erbitten!
Amen.

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