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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 9. März 2015

Predigt von Diözesanbischof Dr. Ägidius J. Zsifkovics anlässlich der Johannes-von-Gott-Feier

Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt,  09.03.2015, 18:00 Uhr


Liebe Schwestern und Brüder!

Am 8. März gedenkt die Kirche einer ihrer ganz großen Gestalten: Johannes von Gott, Stifter des Ordens der Barmherzigen Brüder, Heiliger der katholischen Kirche und: Patron der Kranken, der Krankenhäuser und der Krankenpfleger. Wir sind heute zusammengekommen, um miteinander die Messe zu feiern und dabei auch ganz besonders dieses Mannes zu gedenken. Johannes von Gott – wer war er? Und was sagt er uns – über Gott, den er ja im Namen trägt, und so ganz nebenbei, über uns selbst als Menschen?

Mit 8 Jahren das portugiesische Elternhaus verlassen – wir wissen nicht warum, das 15. Jahrhundert liefert uns dazu keine genauen Quellen; danach Hirte, Soldat, weitgereister Landsknecht im Heer Kaiser Karls V., Arbeiter beim Festungsbau, fliegender Händler mit religiösen Bildern und Heiligenbüchern in Gibraltar: es ist ein unruhiges Leben, das dieser Johannes von Gott führt – bis er über 40 ist. Da vollzieht er von einem Tag auf den anderen einen radikalen Wandel in seinem Leben: Von einer Predigt des Johannes von Avila tief beeindruckt, verschenkt er alles, was er besitzt. Man hält ihn für verrückt, bringt ihn in ein Hospital. Dort sieht er das Elend der Kranken, vor allem der psychisch Kranken. Wieder entlassen, beginnt er, Kranke auf der Straße zu pflegen. Doch er wollte nicht nur Gutes tun, sondern es auch gut tun! In einem gemieteten Haus verwirklicht er seine persönliche Vorstellung von Krankenpflege und beginnt damit medizinische Pflegestandards zu setzen, die bis heute Gültigkeit besitzen. Als Erster wendet er bei Unterbringung und Pflege der Kranken das „Auswahlprinzip“ an: je nach Art der Krankheit trennt er die Patienten voneinander und gibt jedem ein eigenes Bett. Johannes von Gott etabliert das Krankenhaus im modernen Sinn. Weit voraus war er seiner Zeit auch in der Behandlung psychisch und geistig kranker Menschen. Er behandelt sie als Individuen, legt den Grundstein für moderne psychiatrische Behandlung in einer Epoche, in der man seelisch kranke Menschen noch dem so genannten „Narrenturm“ überantwortete.

Doch das Entscheidende bei all dem: Er handelt aus tief empfundener Gottes- und Menschenliebe heraus, wie es der barmherzige Samariter im Evangelium getan hat. Im Leidenden begegnete er Christus. Wir dürfen uns nicht täuschen und in Johannes von Gott nur den Gründer des modernen Hospitalwesens oder einen Sozialreformer sehen! Er war ein von Gott berührter Reformer seiner selbst. Er hat in der Begegnung mit Christus im wahrsten Sinne des Wortes sich selbst umgeformt zu einem flammenden, sich selbst verzehrenden Werkzeug der Nächstenliebe. An seinem 55. Geburtstag, dem 8. März 1550, stirbt Johannes von Gott im spanischen Granada. 1630 wird er von Papst Urban VIII. seliggesprochen, 1690 von Papst Alexander VIII. heiliggesprochen.

Drei Dinge sind es, die uns aus dieser christlichen Biografie heraus anleuchten; drei Attribute, die diesem Heiligen anhaften, die uns aber auf drei Wahrheiten verweisen, die uns alle betreffen:

Erstens, sein Name: Johannes „von Gott“ – Johannes hieß eigentlich mit Nachnamen Duarte, den Beinamen „von Gott“ erhielt er zuerst vermutlich als minderjähriger Hirtenjunge in der Fremde, wo er als elternloses Findelkind und somit als „von Gott stammend“ galt. Später gab ihm der Bischof von Tuy diesen Beinamen noch einmal. Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass nur ein von Gott Berufener imstande sei, Kranke auf den Straßen aufzusammeln und auf dem Rücken in sein Spital zu tragen, und Prostituierte freizukaufen, um sie von der Straße weg in eine geordnete Existenz zu holen. Doch letztlich trägt dieser Johannes mit seinem Beinamen den adeligsten aller Herkunftsausweise mit sich. Ein Herkunftsausweis, der auch der unsere ist. Denn jeder Mensch, jeder Einzelne von uns stammt „von Gott“ und ist berufen, Ihm nachzugehen.

Zweitens, sein Wahlspruch: „Das Herz befehle!“ Diese Worte finden sich auf einem noch heute erhaltenen Torbogen eines spanischen Hauses, unter dem Johannes von Gott die Kranken pflegte, die er auf der Straße aufgelesen hatte. Welch schönes Motto! Nicht Generäle oder Politiker, nicht Werbebotschaften oder die Medien, sondern allein unser Herz und unser Gewissen sollen es sein, die uns Befehle erteilen! Am Ende unseres Lebens werden wir nach der Liebe gefragt und nach dem Tribut, den wir ihr gezollt haben.

Drittens, sein Symbol: der Granatapfel. Er steht zum einen natürlich für die Heilkraft, die dieser Frucht zukommt. Johannes von Gott verwendete den Granatapfel in seinem spanischen Spital tatsächlich gegen viele verschiedene Krankheiten. Die heutige pharmakologische Forschung weiß genau um ihre vielfältigen Wirkungen, sogar in der Krebsbehandlung. Doch der Granatapfel ist auch ein religiöses Symbol, er steht für die Kirche und für die Gemeinschaft der Menschen mit Gott. Wer je das Blütendiagramm eines Granatapfelstrauches oder eine geöffnete Granatapfelfrucht betrachtet hat, versteht warum. Wenn ich in die Runde blicke, dann finde ich diese Struktur des Granatapfels wieder: Ich sehe die unterschiedlichsten Menschen – Ärztinnen und Ärzte, Pflegepersonal, Verwaltungsbedienstete, ich sehe Patienten, sehe ihre Angehörigen, sehe die Seelsorger an diesem Krankenhaus. Ich sehe aber auch die große Gleichheit all dieser menschlichen Körner im göttlichen Granatapfel: Egal ob wir vor einem Krankenbett stehen oder ob wir darin liegen – wir alle brauchen das Heil. Viele in einem Krankenhaus sind heilungsbedürftig, aber wir alle sind heils-bedürftig! Wir alle bedürfen der Gnade Gottes in unserem Leben und wir dürfen auf Seine Zusage vertrauen, dass Er in unserer Mitte ist alle Tage bis zum Ende der Welt. Ich bitte Sie, dies nie zu vergessen!

Und so zielt die Arbeit der Barmherzigen Brüder in allen Bereichen darauf ab, den ganzen Menschen vor seinem göttlichen Hintergrund zu heilen. Im Vordergrund aller Bemühungen steht immer die Evangelisierung – gleich, ob es dabei um Pflege, Heilung, Betreuung, Förderung, Rehabilitation geht. Es ist die Zuwendung zum Menschen nach dem Modell des Ordensstifters Johannes von Gott. Es ist die vorbehaltlose und bedingungslose Zuwendung zum hilfesuchenden Menschen ohne Ansehen der Person. Es ist die uneingeschränkte, fachlich kompetente, christliche Gastfreundschaft! Auf einem Planeten, auf dem ein Großteil der Erdbevölkerung nicht in den Genuss kommt, mit anderen Arzneien als mit Aspirin behandelt zu werden, ist dies mehr als ein frommes Programm. Und andererseits – wenn wir auf die säkularisierte Wohlstandsgesellschaft dieses sozial so zerrissenen Planeten blicken – stellt die Arbeit der Barmherzigen Brüder das entscheidende Gegenmodell dar zu einer heute zunehmenden Ideologie, die Heilkunst als bloße Wohlbefindens-Optimierung oder Lebenszeit-Maximierung mit technischen Mitteln versteht. Die schwierige, aber eben christliche Position zwischen medizinischer Machbarkeit einerseits und der unantastbaren Würde des Menschen andererseits muss von Ihnen als christlichen Ärztinnen und Ärzten im Alltag immer wieder neu gefunden und austariert werden. Neue Fortpflanzungsmedizingesetze und Euthanasiegesetze werden in Europa zunehmend Ausdruck menschlicher Anmaßung angesichts technischer Machbarkeiten. Die sittliche Entwicklung des Menschen droht hinter seiner technischen Entwicklung immer weiter zurückzubleiben. Als christliche Ärztinnen und Ärzte sind vor allem Sie – wer sonst! – gefragt, an Ihrem Platz und mit den Ihnen gegebenen Mitteln Multiplikatoren und Anwälte für die Würde des Menschen zu sein, von seinem natürlichen Beginn bis zu seinem natürlichen Ende. Dafür danke ich Ihnen und ermutige Sie trotz allen Gegenwindes, auch und gerade heute als Christen den Dienst des barmherzigen Samariters zu tun.

Johannes von Gott und die Barmherzigen Brüder erinnern Sie, liebe Familie im Zeichen des Granatapfels, an die drei wesentlichen Dinge menschlichen Lebens:
- an unseren eigentlichen Herkunftsnachweis „von Gott“ – in der Sprache der Jugend würden wir sagen: „Made in heaven!“
- an unser eigentliches Lebensmotto: „Das Herz befehle!“, man könnte auch sagen: „Born to love!“
- und an die Gemeinschaft mit Gott, zu der wir gerufen und in der wir berufen sind. Ich nenne sie: „The real big apple“, und ich meine damit nicht New York, sondern eine andere Frucht.

Amen.