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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 25. Februar 2015

Pendlermesse der Burgenländer im Stephansdom - 25. Feber 2015

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen ... aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Sie alle kennen wohl diese alten Sprichwörter. Sie wollen uns sagen: Lebe nicht in der Vergangenheit und träume nicht von der Zukunft, sondern lebe in der Gegenwart, im hier und heute! Nütze den Augenblick mit all seinen Möglichkeiten und vertröste dich nicht auf das morgen oder schiele nicht neidisch auf den Anderen! Das gilt nicht nur für unseren Alltag. Das gilt genauso für unseren Glauben.

Wie oft kann man im täglichen Leben selbst von frommen Christen hören: Beten werde ich, wenn ich alt bin. In die Kirche und zum Gottesdienst gehe ich, wenn ich Zeit habe oder wenn mir gerade danach ist: bei Taufe, Erstkommunion, Firmung, Hochzeit, Begräbnis. Die Bibel lesen und betrachten, das ist etwas für Kinder, Priester, Ordensleute, aber nichts für aufgeklärte und moderne Menschen. Das sind nur Geschichten. Außerdem habe ich ohnehin eine wertvolle Bibel im Schrank stehen. Anderen verzeihen, das tue ich nur, wenn sie den ersten Schritt tun. Schließlich kann ich ja ohnehin nicht vergessen, was mir angetan wurde. Anderen helfen, das brauche ich nicht, denn dafür gibt es ohnehin die Caritas, das Rote Kreuz und andere Hilfsorganisationen. Außerdem, selbst ist der Mann.

Gott hat in der heutigen Lesung Jona in die große Stadt Ninive geschickt mit dem Auftrag: „Noch vierzig Tage, und Ninive ist zerstört! Und die Leute von Ninive glaubten Gott. Sie riefen ein Fasten aus, und alle, Groß und Klein zogen Bußgewänder an – auch der König legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche.“ Jona hat nicht gesagt: Beginnt damit, wenn es euch angenehm und danach ist. Jona hat Gottes Auftrag ernst genommen und ausgeführt und den Menschen in Ninive gesagt: Beginn damit noch heute! Nimm Gott in deinem Leben ernst, denn morgen kannst du schon vor ihm stehen! Jona möchte uns damit nicht Angst machen. Er will uns vielmehr gleichsam an der Hand nehmen und wie eine gute Mutter auf den Weg zum Vater führen, uns helfen, dass wir schon heute damit beginnen und auf dem Weg zu Gott nicht die Orientierung und den Mut verlieren.

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen ... aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ – das sind nicht nur schöne Sprichwörter, sondern diese alten Weisheiten sind im Leben der Propheten, Heiligen und vieler Wirklichkeit geworden, besonders auch im Leben Marias: beim Besuch des Engels in Nazareth, bei der Hochzeit in Kana, beim Kreuz auf Golgotha. Maria zeigt uns, dass sie in ihrem Leben das Heute gelebt hat. Sie hat gehört und geschwiegen, geduldig getragen und ertragen, betrachtet und gebetet – als die Zeit dafür da war! Folgen wir ihrem Vorbild und leben wir im Heute, denn das ist entscheidend für unser persönliches Heil und für die Rettung der Welt!

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen ... aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ – diese Sprichwörter erinnern uns an die Botschaft Gottes an die Menschen in Ninive, die wir nicht überhören und aufschieben, sondern noch heute beginnen sollen zu leben: Das Gebet in Familie und Pfarre wiederum mehr pflegen – Umkehr, Buße, Fasten üben durch den Empfang der Beichte und das Freitagsopfer, wo wir bewusst auf etwas verzichten – unser Leben in den Dienst Gottes und der Menschen stellen!

Dieser traditionelle Gottesdienst der burgenländischen Pendler hier in Wiener Stephansdom ist die neuerliche Einladung an uns alle die Botschaft des Jona an die Menschen in Ninive heute im Alltag zu leben und nicht aufzuschieben. Als Bischof danke ich euch allen für euer Bemühen, eure Treue und euer Glaubenszeugnis! Trotz aller Herausforderungen, manchen Gegenwind, Zweifel, Enttäuschungen und auch Niederlagen, lasst darin nicht nach!

Wäre es nicht schön, wenn man auch von uns – wie von den Menschen in Ninive – sagen könnte: Die Leute in Wien, im Burgenland und in Österreich glaubten Gott. Und Gott sah ihr Verhalten; er sah, dass sie umkehrten und sich von ihren bösen Taten abwandten. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit mit der Umkehr zu beginnen – fürchten wir uns nicht davor, auch wenn wir scheinbar etwas verlieren, wir können letztlich nur gewinnen!

Und vergesst im Alltag nicht, dass die alten Weisheiten auch für das religiöse Leben gelten: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen … aufgeschoben ist nicht aufgehoben!“ Ich wünsche uns allen viel Freude, Mut und Entschlossenheit auf dem Weg der Umkehr durch diese Fastenzeit hin zum Osterfest! Amen.