Diözese Eisenstadt - Menü
Aktuell - Menü
Bischof - Menü
Über uns - Menü
Pfarren - Menü
Kirchenbeitrag - Menü
Frauen, Männer, Familie - Menü
Junge Kirche - Menü
Bildung - Menü
Für die Seele - Menü
Info, Hilfe - Menü
Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 9. Februar 2015

Gründungsfest des Deutschen Ordens - Wien, 8. Feber 2015

Liebe Familie des Deutschen Ordens – mit dem verehrten Hochmeister, Brüdern, Schwestern, Familiaren und Freunden!
Zur Feier der Jubiläen „825 Jahre Gründungsfest des Deutschen Ordens als Hospitalbruderschaft – 50 Jahre Apostolisches Statut der Familiaren – 150 Jahre Ehrenritterinstitut“ versammelte Ordensgemeinschaft!
Zum Dankgottesdienst versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Ich freue mich sehr im "Jahr des geweihten Lebens" mit diesem Pontifikalamt das Gründungsfest des Deutschen Ordens mit euch zu begehen, das Jubiläumsjahr 2015 heute festlich zu eröffnen und euch dazu von Herzen zu gratulieren! Ich bin dankbar für die Einladung, sehe darin ein Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung, dass ich zur Familie des Deutschen Ordens gehören darf.
Ich sage dem Deutschen Orden und seinen Verantwortlichen "Vergelt´s Gott" für die große personelle Hilfe durch P. Hans-Ulrich Möring, die mir als Bischof und der ganzen Diözese Eisenstadt zuteil wird, obwohl wir keine Niederlassung des Deutschen Ordens im Burgenland haben – aber was noch nicht ist, kann ja noch werden, es wäre eine großartige und kostbare Jubiläumsgabe?! Wir garantieren beste Bedingungen – viel Arbeit, gute Luft, gute und reichliche Nahrung! Sie können unserer Diözese vertrauen und ihre besten und gewichtigsten Leute schicken – mit P. Hans-Ulrich haben wir bewiesen, dass wir imstande sind, schwerste Kalieber zu ernähren! Spaß beiseite, für diese große Bereicherung und Hilfe kann ich als Bischof nur nochmals von Herzen danken!

Zum Auftakt des Jubiläumsjahres war gestern schon die Tagung "Kunst im Deutschen Orden", bei der neben Vorträgen der neue Katalog der Schatzkammer präsentiert und auch der neu gestaltete Raum V der Schatzkammer "Sakrales" eröffnet wurde. Warum erwähne ich das? Deshalb, weil das eben gehörte Evangelium mit dem bekannten Gleichnis vom barmherzigen Samariter auch zu den großen Kunstwerken der Weltliteratur gehört. Nicht nur das, dieses Evangelium enthält ein ganzes Programm für meine eigene christliche Lebenspraxis und zugleich Leitsätze für kirchliches Handeln grundsätzlich. Im Blick auf dieses Evangelium möchte ich im Jubiläumsjahr eurer Ordensfamilie, euch und uns allen 3 Leitsätze mit auf den Weg geben.

1. Leitsatz: Nicht fertige Antworten, sondern weiterführende Fragen!
Jesus antwortet im Evangelium nicht sofort auf die Frage des Gesetzeslehrers: "Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?" Jesus fragt zurück und lässt ihn erklären, woran er sich bisher orientiert hat. Erst nach der zweiten Frage des Gesetzeslehrers "Und wer ist mein Nächster?" erzählt Jesus eine Geschichte und will am Ende wissen, ob sein Gegenüber jetzt eine neue Erkenntnis gewonnen hat. Jesus hilft damit dem Fragesteller, seine eigene Antwort zu finden.
So verstehe ich Christsein: Ich darf meinen eigenen Glaubensweg gehen. Jesus führt auch mich durch seine Worte und Geschichten zu einer persönlichen Antwort auf die Frage: Wie gewinne ich ewiges Leben? – oder anders gesagt: Wie bekommt mein Leben einen Sinn? Wie kann es gelingen und vor Gott bestehen? Und so stelle ich mir eine Kirche vor, die an Jesus Maß nimmt: Sie weiß nicht alles schon im Voraus, sie wiederholt nicht nur Antworten, die früher einmal richtig waren, sondern sie lässt sich durch das Evangelium immer wieder neu anfragen und herausfordern. Sie regt uns alle zur Suche nach der Wahrheit an und ermutigt zu einem originellen Leben im Sinne Jesu.
Nicht fertige Antworten, sondern weiterführende Fragen helfen mein Christsein intensiver und die Kirche als Volk Gottes unterwegs glaubwürdiger zu leben.

2. Satz: Nicht starre Gesetze, sondern situationsgerechte Entscheidungen!
Jesus sieht – wie auch der Gesetzeslehrer – im Liebesgebot den Schlüssel zu allen anderen Geboten und Verboten des jüdischen Gesetzes. Die Vorschriften haben nur dann einen Sinn, wenn sie der Liebe zum Durchbruch verhelfen; wenn sie Leben fördern und nicht einschränken; wenn sie die Freiheit des Einzelnen schützen und nicht behindern. Durch die Beispielsgeschichte will Jesus dem Gesetzeslehrer deutlich machen: Wer der Nächste ist, lässt sich nicht gesetzlich regeln. Wer in Not ist und wer mich braucht, wird mir zum Nächsten. Die erste Frage ist nicht: Was verlangt das Gesetz von mir? Was darf ich und was darf ich nicht? – sondern: Was ist hier und jetzt notwendig und notwendend?
So verstehe ich Christsein: Ich muss die Welt nicht durch die Brille vieler Vorschriften und Verbote anschauen, sondern ich darf in jedem Augenblick fragen: Was entspricht jetzt dem Gebot der Liebe? Wie kann ich jetzt dazu beitragen, dass Leben sich entfaltet, Menschen Hilfe erfahren, befreit aufatmen können?
Und so stelle ich mir eine Kirche vor, die an Jesus Maß nimmt: Sie presst das dynamische und sich ständig veränderte Leben nicht in ewig gültige Normen, sondern traut mir zu, mich in den verschiedenen Herausforderungen meines Lebens für das zu entscheiden, was im Sinn Jesu das Gute und Richtige ist.
Nicht starre Gesetze, sondern situationsgerechte Entscheidungen helfen der Kirche den Geist der Freiheit zu wahren, sowie mutigen und vorausdenkenden Christen in ihr einen Platz zu geben.

Der dritte Leitsatz: Nicht fromme Sprüche, sondern menschliche Gesten!
Jesus nimmt im Evangelium das Wort Gott nicht ein einziges Mal in den Mund. Jesus erzählt eine Alltagsgeschichte, in die sich seine Zuhörer gut hineindenken können. Und doch ist die Nähe Gottes überall zu spüren: in der Art, wie Jesus dem Gesetzeslehrer eine neue Perspektive eröffnet; im Mitleid des Samariters; in seiner konkreten Hilfe für den Überfallenen. Jesus will den Gesetzeslehrer zur Tat bewegen, indem er ihn auffordert: "Dann geh und handle genauso!"
Nicht durch fromme Worte, sondern durch menschliche Gesten wird Gott hörbar, erlebbar und spürbar.
So verstehe ich Christsein: Ich muss nicht viel von Gott reden. So wie ich lebe, wie ich zuhöre, wie ich auf andere zugehe, kann Gott zum Vorschein kommen. "Rede von Gott nur, wenn du gefragt wirst. Aber lebe so, dass man dich fragt."
Und so stelle ich mir eine Kirche vor, die an Jesus Maß nimmt: Sie redet nicht allzu vollmundig und wissend von Gott, sondern fördert in ihren Gemeinden und Gemeinschaften eine offene, gastfreundliche Atmosphäre, in der man die Menschenfreundlichkeit Gottes ahnen und erfahren kann. Wenn uns jemand fragt: zeig uns deinen Gott, dann müssten wir antworten: Sieh unseren Gottesdienst und unser Leben, wie wir uns um unsere Mitmenschen mühen, wie wir mit Konflikten umgehen, mit eigener und fremder Schuld, wie wir Frieden zu stiften versuchen und uns versöhnen, dann weißt du, wer unser Gott ist.
Nicht fromme Sprüche, sondern menschliche Gesten helfen mir, etwas von der Liebe Gottes zu spüren und weiterzugeben.

Die Erzählung vom barmherzigen Samariter ist nicht nur eine schöne Geschichte aus dem Mund Jesu, sondern Programm für mein eigenes Christsein, für unsere Kirche und vor allem auch für jede, so auch eure Ordensgemeinschaft.
Nicht fertige Antworten, sondern weiterführende Fragen!
Nicht starre Gesetze, sondern situationsgerechte Entscheidungen!
Nicht fromme Sprüche, sondern menschliche Gesten!
Diese 3 Leitsätze des Evangeliums möchte ich uns allen im Jubiläumsjahr eures Ordens und im "Jahr des geweihten Lebens" mit auf den Weg geben und euch einladen, dass wir sie immer mehr zum Programm unseres Christseins, unserer Bischofs-, Priester-, Diakonen- und Ordensberufung machen!
Ich danke allen, die sich darum im Alltag bemühen!
Ich wünsche dem Deutschen Orden viele neue geistliche Berufungen, die sich diese 3 Leitsätze des Evangeliums zum Programm ihres Lebens machen!
Ich wünsche der ganzen Ordensfamilie, dass sie nicht müde wird, heute diese 3 Leitsätze des Evangeliums im Alltag mutig und glaubwürdig zu bezeugen!
Gottes Geist hat uns alle dazu in Taufe, Firmung, Weihe und Ordensgelübde gesalbt und gesandt – so die 1. Lesung – er hilft uns eine treue, überzeugende, einladende christliche Gemeinschaft zu sein – so die Apostelgeschichte – und er ermutigt uns durch Jesus im Evangelium: "Dann geh und handle genauso!"
Es gibt auch bei uns viele Verwundete, die auf unsere Barmherzigkeit warten!
Unsere Liebe Frau vom Deutschen Haus in Jerusalem ist uns allen dabei wohl die beste Wegweiserin, Helferin und Fürsprecherin – sie begleite eure Ordensfamilie mit ihrem mütterlichen Schutz und Segen durch dieses Jubiläumsjahr auf dem Weg zum himmlischen Jerusalem! Amen.