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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 7. Januar 2015

Predigt anlässlich des Anbetungstages im Bischofshof (ORF-Radiomesse) - 1. Jänner 2015

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!
Liebe Hausgemeinschaft und Freunde des Bischofshofes!
Liebe Hörerinnen und Hörer, Schwestern und Brüder im Herrn!

"Dick wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten." Dieser Satz eines Gesundheitsberaters sagt uns: Unser Gewicht hängt nicht von ein paar üppigen Mahlzeiten während der Feiertage ab, sondern von unseren Essgewohnheiten das ganze Jahr über. Ich erlaube mir diesen Satz im Blick auf unser Christsein etwas zu verändern und behaupte: "Christ wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten." Anders gesagt: Nicht die feierlichen Weihnachtsgottesdienste allein machen uns zu Christen, stärken uns im Glauben, sondern ein weihnachtliches Leben das ganze Jahr hindurch, von Januar bis Dezember.
Das Evangelium vom Neujahrstag lenkt unseren Blick auf die Geburt Jesu im Stall von Betlehem. Der Blick auf die Krippe ist eine Einladung an uns alle, zu einem weihnachtlichen Leben. Versuchen wir als Christen daher 3 Dinge im Alltag, also von Neujahr bis Weihnachten, zu verwirklichen.

1. Innehalten wie Maria.
An Maria, wie sie uns der Evangelist Lukas schildert, bewundere ich die innere Ruhe. "Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach."
Unser Christsein ist lebendig, wenn beides darin seinen Platz hat: Das Tun und das Lassen, das Engagement und die Besinnung, die Aktion und Kontemplation, das Beten und Arbeiten. Sich zurückziehen zum Nachdenken und Beten, Zeiten einplanen, um zur Ruhe zu kommen – Braucht es das nicht gerade heute in unserer lauten und hektischen Zeit? Nehmen wir uns im neuen Jahr Zeit für Gott und sein Wort, für das Gebet und den Gottesdienst, aber auch für unsere Mitmenschen – den Ehepartner, die Kinder, die Arbeitskollegen, die Nachbarn und Freunde, unsere Alten und Kranken! Und noch etwas: Maria schaut bei der Krippe auf das Jesuskind – Haben auch wir im Alltag immer ein Auge für die Mitte unseres Lebens, für das Wesentliche, das Jesuskind als Sinn und Ziel unseres Lebens!

2. Träumen, vertrauen und feststehen wie Josef.
An Josef, der in den Kindheitsgeschichten des Evangelisten Matthäus im Traum den Anweisungen des Engels folgt, fasziniert mich, dass er die Zumutungen und Herausforderungen in seinem Leben annimmt, vertraut und im Glauben feststeht. "Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich." 
Unser Christsein ist lebendig, wenn auch wir wach und aufmerksam sind für das, was in unserer Umgebung geschieht, wenn auch wir die Zeichen der Zeit erkennen und überlegen, was jetzt zu tun ist, wenn auch wir für Neues und Ungewohntes offen sind, wenn auch wir zum Ehepartner, zur Familie, zum Kind, zu Freunden und Fremden, zu Armen und Schwachen, aber auch zu Gott, Glaube und Kirche stehen – auch in Vertrauenskrisen. Braucht es nicht gerade heute Christen wie Josef, die zu ihrer Überzeugung stehen, die im Gottvertrauen feststehen trotz aller Zweifel?

3. Weitererzählen, niederknien und anbeten wie die Hirten.
An den Hirten, die beim Evangelisten Lukas als erste an der Krippe sind, begeistert mich, dass sie niederknien, anbeten, ihre Freude und Erfahrungen nicht für sich behalten, sondern weitererzählen. "Sie erzählten, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten."
Unser Christsein ist echt, wenn wir Andere anstecken mit der Erfahrung, die wir an den Weihnachtsfeiertagen wieder stimmungsvoll und intensiv gefeiert haben. Anderen glaubwürdig und überzeugend sagen, was dieses Kind in der Krippe mir bedeutet, noch besser: es weitererzählen ohne viele Worte, sondern durch Taten der Nächstenliebe, besonders den Armen und Notleidenden. Braucht es nicht heute Christen, die niederknien, anbeten und weitererzählen?

"Christ wird man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten." 
Innehalten wie Maria – Träumen, vertrauen, feststehen wie Josef – niederknien, anbeten, weitererzählen wie die Hirten – 3 Impulse aus dem Evangelium, die uns zu einem lebendigen Glauben und Christsein helfen. Ich lade Sie alle ein: versuchen wir von Neujahr bis Weihnachten wirklich weihnachtlich zu leben!

Wenn wir jetzt gemeinsam Eucharistie feiern, dann begeben wir uns wie die Hirten im Evangelium nach Betlehem in das "Haus des Brotes", und wir begegnen dem Jesuskind. Erbitten wir für uns, unsere Kirche und Welt seine Wegbegleitung und seinen Segen für alle Tage des neuen Jahres! Maria, die Mutter des Herrn, erbitte uns ein gesegnetes und friedvolles Jahr 2015! Amen.