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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 7. Januar 2015

Homilie zum Christtag - 25. Dezember 2014

Im Johannesprolog – dem eben verlesenen Weihnachtsevangelium – hören wir: "Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf."
Menschliche Verweigerung bedeutet für Gott nicht das Ende seiner Heilspläne. Gott geht überraschend neue Wege, uns zu suchen und heimzuführen. Er geht in seine Schöpfung, in sein "Eigentum" hinein. Er eröffnet in der Geburt Jesu in Betlehem ein grandioses Spiel der werbenden Liebe. Er sucht mit den Menschen einen neuen Anfang im Dialog, der in dieser Geschichtszeit nie enden soll und sein Ziel hat in der Seligkeit eines ewigen Gesprächs von Schöpfer und Geschöpf, von Gott und Mensch, und das von Angesicht zu Angesicht.

Was wir an Weihnachten feiern, ist so etwas wie Gottes Comeback in die von uns verdorbene Geschichte mit ihm, unserem Schöpfer und Herrn. Seither ist Gott auf Mieter-Suche. Heute feiern wir den Geburtstag von Jesus, der den wohnungssuchenden Gott in alle seine Lebens-Räume hereingelassen hat.
In Jesus hat Gott seinen ersten Wohnsitz gefunden. In Jesus ist das Wort Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Damit Gott in unserer Welt weiter wirken kann, braucht es viele Zweitwohnungen. Je mehr Menschen ihn bei sich einziehen lassen, desto menschenfreundlicher kann unser Leben und Zusammenleben werden. Deshalb habe ich heute 3 Weihnachtswünsche/Bitten an Sie alle:

Mein 1. Weihnachtswunsch: Stellen Sie Gott Ihre Herz-Kammern zur Verfügung – lassen Sie ihn nicht im Keller oder am Dachboden verkümmern.
Mit anderen Worten: Bleiben Sie nicht stehen bei der Erkenntnis: Es muss irgendein höheres Wesen geben, sondern versuchen Sie, dem Glauben an den lebendigen Gott in Ihrem Innersten ein Hausrecht zu geben. Lassen Sie sich die Zusage Gottes, dass wir als erlöste und befreite Menschen leben dürfen, unter die Haut und zu Herzen gehen. Und nehmen Sie sich zu Herzen, dass er gerade auch Sie braucht, um Frieden und Gerechtigkeit, Liebe und Barmherzigkeit zum Durchbruch zu verhelfen. Stellen Sie ihm Ihre Herz-Kammern zur Verfügung!

Mein 2. Weihnachtswunsch: Stellen Sie Gott Ihre Dunkel-Kammern zur Verfügung – lassen Sie ihm dort das Bild vom gelingenden Leben entwickeln.
Mit anderen Worten: Glauben Sie nicht, dass er mit den dunklen Seiten Ihres Lebens nichts zu tun haben will, dass er sich zurückzieht, wenn Sie arm, krank, alt, behindert, enttäuscht, einsam, gescheitert oder gefallen sind. Gerade in den Dunkel-Kammern Ihres Lebens kann er für Sie die besten Bilder entwickeln – Bilder, wie mein Leben trotz Begrenzungen und Einschränkungen lebenswert bleibt; Bilder, wie durchlittene Angst und Not mich reifer und menschlicher machen können; Bilder, wie ich selbst durch die Erfahrung der Dunkelheit sensibler geworden bin und anderen daher in ihren dunklen Zeiten beistehen kann. Stellen Sie ihm Ihre Dunkel-Kammern zur Verfügung!

Mein 3. Weihnachtswunsch: Stellen Sie Gott Ihre Rumpel-Kammern zur Verfügung – lassen Sie ihn aufräumen mit dem Ballast, der sich bei Ihnen angesammelt hat und der Sie im Leben belastet, hemmt und blockiert.
Mit anderen Worten: Lassen Sie ihn entrümpeln und hinauswerfen, was Sie unnötigerweise mit sich herumschleppen – Vorurteile, alte Verletzungen, offene Rechnungen und Konflikte, schmerzende Niederlagen und verdrängte Schuld. Stellen Sie ihm Ihre Rumpel-Kammern zur Verfügung.

Der Gott, an den wir Christen glauben, ist auch heute auf Wohnungssuche und Herbergssuche – wie auch viele Menschen in unseren Tagen.
Wenn wir heute das Geburtstagsfest des Menschen feiern, der Gott alle seine Lebens-Räume geöffnet hat, dann gehört zu unserem Feiern das Versprechen, ihm auch in unserem Leben einen festen Platz zu geben, ihn bei uns einziehen zu lassen, auch wenn er ein unbequemer Mieter ist, der uns einiges zumutet.
Wenn wir heute das Geburtstagsfest des Menschen feiern, der Gott alle seine Lebens-Räume geöffnet hat, dann gehört zu unserem feiern aber auch das Versprechen, suchenden Menschen Wohnraum und Herberge zu geben, besonders jenen, die auf der Flucht sind vor Elend, Hunger, Krieg, Verfolgung und Terror.
Als Bischof rufe ich alle Christen und Menschen guten Willens in unserem Land auf, Flüchtlingen Herberge zu geben, auch in den Pfarren unserer Diözese – der Caritas, allen ehrenamtlichen Helfern in den Pfarren danke ich für ihren großen Einsatz und für alles, was bisher getan wurde, um Flüchtlingen in Pfarrhöfen und Pfarrheimen vom Norden bis zum Süden des Burgenlandes Herberge zu geben!
Vergessen wir als Christen nie, dass uns in den Armen Christus selber begegnet!
Von der Politik fordere ich eindringlich hier nachzuziehen und endlich alles zu tun, um Flüchtlinge aufzunehmen – als wohlhabendes Land haben wir Platz und Geld, es braucht nur den Willen dazu! Verstecken wir uns nicht hinter Gesetzen, der Bürokratie und Wahlkampftaktik!

Mein Weihnachtswunsch ist, dass einmal der Johannesprolog umgeschrieben werden könnte: "Er kam in sein Eigentum – und die Seinen nahmen ihn auf!"
Wenn wir das tun, dann ist wirklich Weihnachten! Ich wünsche es uns! Amen.