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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 15. Dezember 2014

Predigt anlässlich der Diakonenweihe von Philipp Supper - 14. Dezember 2014

Damit der moderne Mensch schnell und ohne Umwege ans gewünschte Ziel kommt, bedient er sich raffinierter Technik. Satellitengesteuerte Navigationssysteme bringen uns ans Ziel. Ein kleines Gerät wird im Auto eingebaut. Man gibt das gewünschte Ziel in den Computer ein und eine Stimme aus dem Lautsprecher sagt einem präzise, welche Straße man nehmen muss, wo und wann man abbiegen muss, um ans Ziel zu kommen. Navigationssysteme bringen uns moderne Menschen ans Ziel. Für unsere Fahrt durch den Advent hilft kein GPS und dennoch hören wir im Evangelium dieses 3. Adventsonntages eine Stimme, die uns ans Ziel bringen will. Johannes der Täufer ist so etwas wie ein biblisches Navigationssystem durch den Advent, das uns ans Ziel des Lebens bringen will. Folgen wir diesem Navi!

Was sagt und welchen Weg zeigt Johannes der Täufer uns Christen, besonders einem jungen Menschen, der als Diakon und später als Priester sein Leben ganz in den Dienst Gottes und der Menschen stellen will – einem, der heute dazu von der Kirche geweiht und gesandt wird? Es ist eine dreifache Botschaft an uns alle, besonders aber an unseren Weihekandidaten, an Dich, lieber Philipp.

Johannes der Täufer war zuerst ein Aussteiger, Alternativer, Querdenker. 
Alles an ihm war provozierend: seine Kleidung, Lebensweise, Predigt. Er fordert die Leute heraus zur Selbstbesinnung, zum Umdenken und Umkehren. Er holt sie heraus aus ihrer Selbstzufriedenheit, aus ihren Abhängigkeiten und aus dem Gefängnis ihrer Selbstgerechtigkeit. Auch wenn die Kirche und Gesellschaft sich mit Aussteigern, Alternativen und Querdenkern immer schwer getan hat – wir brauchen sie dringend und heute mehr denn je: Menschen, die mutig ihren eigenen Weg gehen, die ausgetretene, bequeme und falsche Pfade verlassen. Als Diakon wirst auch Du, lieber Philipp, ein Aussteiger, ein Alternativer und Querdenker sein – Deine Lebensweise, Kleidung und Predigt wird für die Menschen zugleich einladend, provozierend und abstoßend sein. Fürchte und schäme Dich deswegen nicht! Hab ein waches Auge und Herz für Aussteiger, Alternative und Querdenker – auch für jene, denen der Glaube nichts mehr sagt oder gibt, die aus der Kirche ausgestiegen sind! Geh ihnen mit viel Liebe, Verständnis und Geduld nach und sei ihnen ein glaubwürdiger und verlässlicher Begleiter auf ihrer Lebensreise!

Johannes der Täufer war aber auch ein Schlankmacher und Diätberater. 
 "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen" – das war seine Antwort als er nach seinem Verhältnis zu Jesus gefragt wurde. Ich muss abnehmen – diesen Vorsatz des Johannes sollten möglichst viele Christen beherzigen, besonders jene, die im kirchlichen Dienst stehen. Abnehmen – was heißt das übersetzt? Wir sollen in unserem Glauben schlank werden, uns auf das Wesentliche, die Botschaft Jesu konzentrieren; ihn groß werden lassen, ihm Raum geben im Leben – im Reden, Denken und Tun; den Mut haben Fettschichten abzutragen, die bequem und unbeweglich machen; uns von Äußerlichkeiten trennen und das Evangelium neu entdecken. So sind wir überzeugend und glaubwürdig! Als Diakon wirst auch Du, lieber Philipp, Schlankmacher, Diätberater sein – Du selber sollst Jesus und sein Evangelium zur Mitte Deines Lebens machen und zugleich den Menschen und unserer Kirche zu einem schlanken, profilierten Glauben helfen! Schon mit Deiner Figur bist Du der geborene Schlankmacher und Diätberater, aber bei unserer pannonischen Küche auch immer in Gefahr! Bewahre Dir das rechte Maß sowie den Blick für das Wesentliche im Leben und im Glauben, mache die Menschen aufmerksam auf das Wesentliche, führe sie zum Wesentlichen – gerade in unserer übersättigten und oberflächlichen Zeit!

Johannes der Täufer war schließlich auch ein Straßen-Bahner. 
 "Bereitet dem Herrn den Weg, ebnet/bahnt ihm die Straße" – ruft Johannes der Täufer den Leuten zu und bringt damit auf den Punkt, was eine der wichtigsten Aufgaben für uns Christen sein sollte: eine Zufahrtsstraße bauen, damit Jesus mit seinem befreienden und tröstenden Wort bei uns ankommen kann. Zum Beispiel: die Zufahrtsstraße der Heiligen Schrift, der Stille und des Gebets, der Feier der Eucharistie und der Sakramente, des sozialen Engagements und der guten Tat, besonders an den Armen und Notleidenden in Caritas und Diakonie. Als Diakon wirst auch Du, lieber Philipp ein Straßen-Bahner sein – auch bei uns im Burgenland, wo es keine Straßenbahn gibt – Du sollst mit Deinem Leben und Wirken, die Dir anvertrauten Menschen auf der Straße zu Gott begleiten, ihnen den Weg ebnen und sie so mit Gott in Berührung bringen, sie zu Gott führen!

Nach Anrufung des Hl. Geistes wirst Du nun in wenigen Augenblicken durch Handauflegung und Gebet zum Diakon der Kirche geweiht, von Gott gesandt heute den Armen die frohe Botschaft zu bringen und alle zu heilen, deren Herz zerbrochen ist, den Gefangenen die Entlassung zu verkünden und den Gefesselten die Befreiung – wie der Prophet Jesaja in der 1. Lesung sagt! Mit Gottes Geist, der durch Taufe, Firmung und Weihe auf dir ruht, wirst auch Du – wie Johannes der Täufer – als Aussteiger, Diätberater und Straßen-Bahner für die Menschen ein Navi sein, das sie zu Gott führt! Folge dem Rat des Apostels Paulus und mache Dir die Haltungen zu eigen, die er in der 2. Lesung den Thessalonichern ans Herz legt – die Freude, das Gebet, die Dankbarkeit; lösch den Geist nicht aus; prüfe alles, das Gute behalte; meide das Böse! Du sollst wissen: "Gott, der dich beruft, ist treu." Sei auch Du treu! Vergiss nicht, was das heutige Evangelium sagt – Wie Johannes der Täufer, bist auch Du heute die Stimme des Rufers in der Wüste, ein unbequemer Mahner, der die Menschen zum Nachdenken und zur Veränderung ihres Verhaltens, zur Umkehr aufrufen soll! Du sollst die Menschen nicht an deine Person binden, sondern sie zu Jesus führen. Dazu gehört eine große Portion Selbstlosigkeit, Dienstbereitschaft und psychische Reife. Johannes ist darum für uns alle – besonders für uns Diakone, Priester und Bischöfe – ein großes Vorbild echter Demut. Er will auf Gott und seinen Sohn Jesus verweisen. Er steht Gott nicht im Weg, sondern zeigt den Weg zu Gott. Es macht ihm Freude, wenn er dazu dienen kann, dass andere zum Glauben finden. Ist nicht das der Dienst des Diakons?

Lieber Weihekandidat Philipp, unser aller Gebet – vor allem das Deiner Eltern, Geschwister, Verwandten und Freunde, der katholischen und evangelischen Christen Deiner Heimatpfarre und der Einsatzpfarren sowie Deiner Mitbrüder im Germanicum in Rom, im Presbyterium unserer Diözese, Deines Bischofs und Altbischofs begleitet Dich, damit Du als Diakon vielen Menschen ein Navi bist, dass sie zu Gott führt und ihnen so zum Segen wird! Auf Deiner Fahrt als Diakon denk daran, was Papst Franziskus uns Hirten so sehr ans Herz legt: Wir sollen bescheidene und glaubwürdige Zeugen Jesu sein – die Armen nicht vergessen – die Wunden der Menschen heilen und ihre Herzen erwärmen.

Erbitten wir nun gemeinsam für Philipp Gottes Heiligen Geist, damit er als Diakon diesen Dienst erfüllen kann, zu dem er jetzt geweiht und gesandt wird!

Und damit ich heute am 3. Adventsonntag, dem "Sonntag der Freude" es nicht vergesse, lieber Philipp – sei als Diakon ein froher, stets Freude ausstrahlender Aussteiger, Diätberater und Straßen-Bahner! Amen.