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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Mittwoch, 12. November 2014

Grußwort zur Festakademie am St. Martinsfest 2014 - 11. November 2014

Liebe Festversammlung – Schwestern und Brüder im Herrn!

Zuerst möchte ich allen die heute Namenstag haben von Herzen die besten Glück- und Segenswünsche entbieten – allen voran unserem Herrn Generalvikar Martin, dem ich gleichzeitig auch für seinen Einsatz und Dienst Danke sage!

Mit Freude und Dankbarkeit entbiete ich euch allen zur diesjährigen Festakademie zum Martinsfest unserer Diözese einen pannonischen-mehrsprachigen Gruß – Grüß Gott allen Diözesanen mit deutscher Muttersprache aus den verschiedenen Pfarren unserer Diözese, besonders aus dem Visitationsdekanat Mattersburg!

Srdacno pozdravljam sve vjernike hrvatskoga materinskoga jezika nase biskupije, posebno iz hrvatskoga dekanata Veliki Boristof, koga cu k ljetu pri vizitaciji pohoditi, osebujno pozdravljam novi dekanatski dicji zbor i od srca cestitam ovomu prvomu uspjesnomu nastupu! Nek tako dalje, vi dica ste nasa buducnost i ovo vase skupno djelovanje ima buducnost – biskup se s vami veseli, biskup je na vas gizdav/ponosan i biskup vas podrzava i molitvom sprohadja!

Mein besonderer Gruß und Dank gilt heute unserem Ehrengast und Festredner, dem Bischof von Bozen-Brixen Dr. Ivo Muser für sein Kommen, seine Ermutigung zum Kirchesein heute und seine Verbundenheit mit unserer Diözese und ihren Bischöfen – Lieber Bischof Ivo, Vergelt´s Gott für Dein Dasein und Deine Freundschaft!

"Evangelii gaudium – Die Freude des Evangeliums" mit diesem Apostolischen Schreiben wendet sich Papst Franziskus an alle Christgläubigen – besonders an die kirchlichen MitarbeiterInnen – um sie zu einer neuen Etappe der Evangelisierung einzuladen, die von der Freude geprägt ist, und um Wege für den Lauf der Kirche in den kommenden Jahren aufzuzeigen.
Deshalb möchte ich als Bischof uns allen dieses Schreiben des Papstes als "Magna Charta der Pastoral" ans Herz legen und euch einladen, es zu lesen, es eingehend zu studieren und es zur Grundlage unseres pastoralen Tuns zu machen. Bischof Ivo hat es uns in seinem Festvortrag schmackhaft gemacht und es uns als Schlüssel und Stachel auf unseren neuen pastoralen Weg mitgegeben.
Die lateinamerikanischen Bischöfe haben mit Recht die Notwendigkeit betont: "Wir können nicht passiv abwartend in unseren Kirchenräumen sitzen bleiben, sondern müssen von einer rein bewahrenden Pastoral zu einer entschiedenen missionarischen Pastoral übergehen."
Das heißt für uns als Kirche/Diözese, dass wir heute zu diesem neuen missionarischen "Aufbruch" berufen sind. Wir sind aufgefordert: hinauszugehen aus der eigenen Bequemlichkeit und den Mut zu haben, alle Randgebiete zu erreichen. Jetzt dient uns nicht eine reine Verwaltungsarbeit – jetzt braucht es den Zustand permanenter Mission. Die Kirche im Aufbruch ist die Gemeinschaft der missionarischen Jünger, die die Initiative ergreifen – die sich einbringen – die begleiten – die Frucht bringen – die feiern.
Die Seelsorge unter missionarischem Gesichtspunkt verlangt, das bequeme pastorale Kriterium des "Es wurde immer so gemacht" aufzugeben.
Mit Papst Franziskus lade ich alle ein, wagemutig und kreativ zu sein in dieser Aufgabe, die Ziele, die Strukturen, den Stil und die Evangelisierungs-Methoden der eigenen Gemeinden zu überdenken! Ich rufe alle auf, großherzig, mutig die Anregungen von Evangelii gaudium aufzugreifen, ohne Beschränkungen und Ängste. Wichtig ist, Alleingänge zu vermeiden, sich immer auf die Brüder und Schwestern und besonders auf die Führung der Bischöfe zu verlassen, in einer weisen und realistischen pastoralen Unterscheidung!

Eine Kirche im Aufbruch ist eine Kirche mit offenen Türen.
Evangelisierende mit Geist sind Verkünder des Evangeliums, die beten und arbeiten. Ohne längere Zeiten der Anbetung, der betenden Begegnung mit dem Wort Gottes, des aufrichtigen Gesprächs mit dem Herrn verlieren die Aufgaben leicht ihren Sinn, werden wir von Müdigkeit und Schwierigkeiten schwächer, erlischt der Eifer. Die Kirche braucht dringend die Lunge des Gebetes.
Ich danke allen, die sich darum in den Pfarren und Gemeinschaften mühen!
Aus dem Gesagten ergibt sich für diese neue Etappe der Evangelisierung auch ein neuer pastoraler Stil, der so zu beschreiben ist: vorschlagen, nicht aufzwingen; begleiten, nicht drängen; einladen, nicht ausstoßen; beunruhigen, nie enttäuschen! Bemühen wir uns als Priester und Laien um diesen Stil!

Der neue pastorale Weg unserer Diözese ist wohl eine Priorität in diesem Arbeitsjahr und in den kommenden Arbeitsjahren. Es ist in den vergangenen Jahren diesbezüglich viel geschehen und ich danke in diesem Zusammenhang unserem Pastoralamt, der eingesetzten Arbeitsgruppe, dem Begleitteam mit Prof. Jacobs aus der ED Paderborn, den Dechanten sowie den Pfarren, Pfarrern, die sich bereits auf diesen Weg gemacht haben oder gerade dabei sind. Unser pastoraler Weg liegt ganz auf der Linie von Evangelii gaudium.
Was sind die Nächsten Schritte? Es wird im Herbst noch eine zweite Runde von Klausurtagungen in den Dekanaten geben, die sich mit der Diözesanleitung die konkrete Situation ansehen, besprechen und die SSRe festlegen. Dazu sind alle haupt/ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Pfarren und andere Interessierte eingeladen, um viele zu erreichen/einzubinden. Information, Kommunikation, Partizipation ist dabei sehr wichtig! Gleichzeitig werden die Statuten für die SSR, der Dienstpostenplan und die Fertigstellung des Gesamtkonzeptes erarbeitet sowie die Schulung und Begleitung der Mitarbeiter durchgeführt.
Zum Martinsfest 2015 soll das Projekt voraussichtlich mit einem Diözesantag offiziell beschlossen werden und in die Umsetzung übergehen.
Da der neue pastorale Weg ein geistlicher Weg ist, braucht es vor allem das Gebet, worum ich alle Beteiligten bitte! Haben wir keine Angst vor diesem neuen Weg, vor den damit verbundenen Problemen – der Herr ist mit uns!

Papst Franziskus hat das Jahr 2015 zum Jahr der Orden proklamiert.
Es ist ein Geschenk der Vorsehung, dass gerade in diesem neuen Arbeitsjahr in unserer Diözese 5 neue Ordensgemeinschaften ihren Dienst bei uns beginnen. Ich darf sie alle herzlich in unserer Diözese begrüßen und ihnen danken, dass sie ihr je eigenes Charisma in unsere Ortskirche segensreich einbringen. Es sind dies die Gemeinschaft der Kalasantiner und die Schwestern der Jüngersuche in der Dompfarre; die Dienerinnen vom Kinde Jesu im Bischofshof und im Haus St. Martin; die Redemptoristen im SSR Neudörfl-Pöttsching-Bad Sauerbrunn-Krensdorf und die Franziskanerinnen aus Bosnien in Großwarsdorf.

Dieses Jahr der Orden ist ein guter Anlass die Berufungspastoral in der Diözese und das Gebet um geistliche Berufe wieder zu beleben und einen "Tag, der in unserer Diözese tätigen Orden" zu veranstalten.

Mit dem Neubau des Alten- und Pflegeheimes der Caritas Haus St. Martin und der Eröffnung und Segnung am vergangenen Sonntag hat unsere Diözese die bei der Diözesansynode 1971 eingegangene Selbstverpflichtung zu einer Martinstat wieder eingelöst und so für 93 Bewohner ein modernes Heim geschaffen, wo sie an der Hand von Menschen in Würde den Herbst des Lebens verbringen können. Diese "Martinstat nach innen" wird durch eine "Martinstat nach außen" zu diesem Martinsfest erweitert – die Stiftung eines Grundstücks für den Bau des 1. orthodoxen Klosters in Österreich in St. Andrä am Zicksee in unserer Diözese – ich danke der Pfarre für die Ermöglichung dieser Stiftung, die positive Aufnahme und alle Unterstützung!
Der heutige Besuch des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomaios I. in unserer Diözese ist einmalig und historisch, wohl aber auch ein Zeichen der Dankbarkeit und Hoffnung, dass wir mit dieser Martinstat einen kleinen aber wichtigen Schritt zur Einheit der Christen gesetzt haben!

In den kommenden Semesterferien wird die Diözesanwallfahrt nach Rom und Assisi per Flug und Bus sein, zu der ich unsere Diözesanfamilie von Herzen einlade – es wäre ein schön, wenn viele aus unserer Diözese mitpilgern würden!

Papst Franziskus hat uns Bischöfen beim Ad-limina-Besuch am Ende unseres Gespräches 3 Dinge zugerufen: Vergesst nicht das Gebet – Couraggio: Habt Mut und Ausdauer – Avanti: Vorwärts, macht Euch auf den Weg!
Als Bischof gebe ich Euch diese Bitten des Papstes weiter, lade zur Mitarbeit ein und danke allen, die sich in der Diözese, Dekanaten und Pfarren darum mühen!
Der hl. Martin sei unserer Diözesanfamilie weiter ein Wegweiser und Wegbegleiter!

Kapellenweihe und Haussegnung des "Haus St. Martin" - 9. November 2014

Heute ist ein besonderer Tag für die Katholische Kirche – wir feiern weltweit den Weihetag der Lateranbasilika in Rom, der ältesten Papstkirche, die den Titel führt "Mutter und Haupt aller Kirchen des Erdkreises".
Heute ist auch ein besonderer Tag für die Diözese Eisenstadt – nach eineinhalbjähriger Bauzeit können wir vor dem Martinsfest das modernste Altenwohnheim unseres Landes seiner Bestimmung übergeben, und damit als Diözese unsere Selbstverpflichtung zur Martinstat bei der Diözesansynode 1971 wieder einlösen.
Heute ist ein besonderer Tag für die 93 Bewohner des Haus St. Martin und unsere Caritas selbst – heute wird euer neues Altenwohnheim gesegnet und die Hauskapelle dem hl. Martin, unserem Landes- und Diözesanpatron, geweiht.

Am Weihetag der Lateranbasilika und am Weihetag der neuen Kapelle – dem Herz und der Mitte dieses Hauses – der Segnung des neuen Altenwohnheimes ist die Frage angebracht: Was sind die Kennzeichen einer Kirche der Zukunft?

Die Kirche der Zukunft muss zuerst eine mystische sein. Was heißt das?
Im Mittelpunkt der Kirche stehen nicht die Kirche und ihre Strukturen, sondern Gott und sein Geheimnis – daran erinnert uns das Zweite Vatikanische Konzil! Zukunft wird also weder "eine Kirche von oben" noch eine "Kirche von unten" haben, sondern allein eine "Kirche von innen", in der sich alles um Gott dreht. Eine Kirche, in deren Mittelpunkt nicht mehr Gott und sein Geheimnis leben, wird von den heutigen Menschen als ein mysteriöser Verein wahrgenommen. Daher kann es für die Kirche heute keine wichtigere Aufgabe geben als die, sich auf Gott und sein Geheimnis neu zu besinnen – da beginnt Neuevangelisierung! Die Weihe dieser Kapelle erinnert uns, Gott im Leben einen Platz zu geben – für Gebet, Gottesdienst, Lesen der Bibel, Feier der Sakramente sich Zeit nehmen! Wann, wenn nicht jetzt?! Diese Kapelle ist ein Ort des Gebetes - Evangelium!

Die Kirche der Zukunft muss weiters geschwisterlich sein. Was heißt das?
Wenn wir Christen von Geschwisterlichkeit sprechen, dann meinen wir eine lebendige Gemeinschaft, die in Gott begründet ist, der ein Volk will, in dem jeder und jede mitverantwortlich ist für den Aufbau dieses Volkes und in dem jeder Christ sein Charisma einbringt für den Aufbau von Kirche und Gesellschaft. Diese vielfältigen Begabungen und Dienste, die der Heilige Geist zum Aufbau allen Christen schenkt, ist der "Charme Gottes" für seine Kirche und Welt.
Die Weihe dieser Kapelle erinnert uns, dass wir kraft Taufe und Firmung – wie Paulus in der 2. Lesung den Korinthern sagt – "Gottes Tempel sind und Gottes Geist in uns wohnt" – unsere Talente und Fähigkeiten zum Aufbau von Kirche und Gesellschaft einsetzen sollen, um eine geschwisterliche Kirche zu sein! Der neue Ambo und Altar sind der Tisch des Wortes und des Brotes, um die wir uns als Brüder und Schwestern versammeln – Jesus Christus, Grund unseres Glaubens!

Die Kirche der Zukunft muss schließlich diakonisch sein. Was heißt das?
Diakonische Kirche sein heißt: selbstloser Dienst am Leben der Menschen, vor allem der Armen, Kleinen, Benachteiligten. In der liebenden Sorge um den Mit-menschen – Diakonie/Caritas – liegt ein wichtiger Beweis der Glaubwürdigkeit der Kirche. Gottesdienst, der nicht durch den Dienst der Fußwaschung bezeugt wird, ist Fassade! Genauso verdunstet Nächstenliebe ohne Gottesverwurzelung! Helfen wir uns daher gegenseitig, beim Gottesdienst zu bleiben, damit wir auch die Kraft haben unseren Mitmenschen zu helfen!
Die Weihe dieser Kapelle dem hl. Martin erinnert uns an die Diakonie – die vielfältigen Dienste der Caritas an den Armen, Notleidenden, Kindern, Jugendlichen, Verfolgten, Flüchtlingen, Verwundeten, Gescheiterten, Behinderten, Alten und Kranken, daran, dass auch wir helfen sollen, wo man Hilfe braucht!

Der hl. Martin – dem diese neue Kapelle und Haus in Erinnerung an das alte heute geweiht wird – hat uns als Mensch, Soldat, Christ, Hirte gezeigt, dass es möglich ist eine mystische, geschwisterliche und diakonische Kirche zu sein. Er lädt uns alle ein, dass wir uns darum bemühen und unseren Beitrag dazu leisten!

Als Bischof kann ich nur von Herzen gratulieren zu diesem gelungenen Werk! Ich darf aber auch DANKE sagen Gott für die unfallfreie Baustelle sowie allen, die hier Hand angelegt haben – die Planer, Architekten, Künstler, Baufirmen, dem Land und der Stadtgemeinde, den MitarbeiternInnen im Haus, den für die Seelsorge zuständigen Priestern und geistlichen Schwestern, besonders unserer Direktorin der Caritas mit ihrem Team, dem Bauamt der Diözese, den Kirchenbeitragszahlern, Wohltätern, "Freunden des Haus St. Martin" – Vergelt´s Gott!

Ich wünsche, dass sich unsere Bewohner hier zu Hause fühlen, dass ihnen hier an der Hand eines anderen Menschen am Lebensabend beigestanden wird.

Möge diese Martinstat vielen Menschen unserer Diözese eine Hilfe sein, damit sie in Würde leben und sterben können! Der heilige Martin erbitte allen, die hier wohnen, arbeiten und ihre Lieben besuchen von Gott Schutz und Segen! Amen.

Montag, 3. November 2014

Predigt anlässlich der Amtseinführung von P. Erich Bernhard und Allerheiligen - 1. November 2014

Heute ist ein besonderer Tag für die Kirche – wir feiern weltweit das Hochfest Allerheiligen, wir denken dabei an die vielen Männer und Frauen in der Kirche, die durch die Jahrhunderte Jesus Christus nachfolgten und von der Kirche den Menschen als Heilige zum Vorbild gegeben wurden, wir sollen uns aber heute auch erinnern, dass wir alle in Taufe und Firmung zur Heiligkeit berufen sind und als Christen im Alltag für Jesus ein glaubwürdiges Zeugnis ablegen sollen. Heute ist auch ein besonderer Tag für die Diözese Eisenstadt – am heutigen Tag im Jahre 1960 erfolgte in der zur Kathedralkirche erhobenen Stadtpfarrkirche zum hl. Martin in Eisenstadt die feierliche Publikation der Errichtung unserer Diözese und die Besitzergreifung durch den 1. Diözesanbischof Stefan László.
Heute ist aber auch ein besonderer Tag für die Dompfarre – heute wird der neue Dompfarrer P. Mag. Erich Bernhard mit seiner neu errichteten Ordensgemeinschaft der Kalasantiner und den Schwestern der Jüngersuche begrüßt und feierlich in sein Amt eingeführt. Unser aller Freude ist daher heute überaus groß!

Am Tag der Amtseinführung des neuen Dompfarrers ist die Frage angebracht: Was sind die Aufgaben eines Priesters/Pfarrers in der heutigen Welt?

Der Priester/Pfarrer ist erstens Zeuge des Evangeliums Jesu Christi.
Die Botschaft von Jesu Leben, Tod und Auferstehung kann kein Mensch erdichten und sich selbst sagen, er kann sie sich nur sagen lassen, dankbar empfangen. Ein Priester steht deshalb zuerst im Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Er propagiert nicht eigene Ansichten und Meinungen, sondern er ist demütiger Diener dieser Wahrheit, in die er hineinwächst, von der er sich formen lässt und die er überzeugend oft gegen den Trend der Zeit weitergibt. Wer aber wirklich für das Evangelium Zeugnis ablegen will, muss von dieser Wahrheit selbst überzeugt sein. Von solchem Überzeugtsein her lässt sich auch das ableiten, was wir als Mission/Evangelisierung bezeichnen.
Die Seligpreisungen Jesu – die wir eben im Evangelium der Bergpredigt gehört haben – sind die "Magna Charta" der Christen, die mitten in der Welt den Mut haben, anders zu sein; sind auch die erste Aufgabe des Priesters/Pfarrers, sein erstes, wichtigstes pastorales Programm – die Sorge um die Armen, Trauernden, Hungernden, Verfolgten, Mühseligen und Beladenen, um jene am Rand!
Braucht es heute so gesehen nicht eine neue missionarische Anstrengung in unserer Kirche, Pfarrgemeinden, Familien – Christen, Männer und Frauen, vor allem aber auch Priester, Diakone, Ordensleute als Zeugen des Evangeliums der Bergpredigt, die diese Seligpreisungen Jesu im Alltag glaubwürdig leben?

Der Priester/Pfarrer ist zweitens Treuhänder.
Ihm ist ein Erbe anvertraut, das er weiterzugeben hat, und zwar ohne sich anzupassen, aber auch ohne eigenwillige und selbst erfundene Zusätze. Dieses Erbe gibt er vor allem weiter in der Liturgie. Denn im Gottesdienst der Kirche wird uns Menschen am deutlichsten bewusst, dass wir den Glauben nicht selbst herstellen, dass wir ihn nur empfangen und weitergeben können. Der Priester als Vorsteher der Liturgie ist berufen und verpflichtet, es sinnenfällig zu machen, dass der Gottesdienst nicht einfach nur eine Veranstaltung der Kirche ist, sondern dass Christus der eigentliche Gastgeber im Gottesdienst ist, den der Priester repräsentieren darf. Und es versteht sich von selbst, dass ein Treuhänder seine Aufgabe nur erfüllen kann, wenn er selbst treu ist, wenn er sich in das Erbe, das ihm aufgetragen und anvertraut ist, einwurzelt und es glaubwürdig lebt.
Wenn gerade heute so vieles in Brüche geht, ist das nicht ein Zeichen dafür, dass uns in Kirche und Gesellschaft Treuhänder fast abhanden gekommen sind?

Der Priester/Pfarrer ist drittens auch ein Gärtner.
Seine Aufgabe besteht darin, zu pflegen, zu hüten und zu bebauen. Seelsorgliche Arbeit ist also im biblischen Sinne des Wortes Gärtnerarbeit. Dabei wissen wir alle aus eigener Erfahrung, dass es im Garten Gottes verschiedene Gewächse gibt und es nicht immer leicht ist, mit allen zurechtzukommen. Es sind oft tiefere Grabungen in der Erde notwendig, damit der Boden wieder neue Luft erhält. In alledem muss uns das Wort des Apostels Paulus wichtig sein: "Nicht der ist etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Wachstum gibt." Alle seelsorgliche Arbeit hat sich dessen bewusst zu sein, dass das Wachsen-Lassen nicht ihre Aufgabe ist, sondern dass es die Sache Gottes ist, unsere Aufgabe aber im Bebauen, Begießen und im Pflanzen besteht.
Braucht es nicht gerade heute in Kirche und Gesellschaft mehr solche Gärtner?
Du, lieber P. Erich, wirst heute in das Amt des Dompfarrers von Eisenstadt eingeführt und Du übernimmst mit Deiner Ordensgemeinschaft der Kalasantiner und den Schwestern von der Jüngersuche die Seelsorge an unserer Dompfarre. Du – besser gesagt – Ihr sollt Zeugen des Evangeliums der Bergpredigt sein, Menschen, die sich um Arme, Trauernde, Hungernde, Verfolgte, Suchende, Verwundete, Gescheiterte kümmern; seid mit allen barmherzig und Friedensstifter!
Du/Ihr sollt Treuhänder sein – Menschen, die das ihnen anvertraute Erbe treu weitergeben, die Liturgie hier in der Domkirche durch das Kirchenjahr pflegen und die übernommen Pflichten als Priester/Ordensleute treu erfüllen!
Du/Ihr sollt auch Gärtner sein – Menschen, die das ihnen übertragene Feld mit viel Liebe, Einsatz und Geduld umgraben, neu pflanzen, pflegen und bestellen!
Fürchtet Euch nicht und werdet nicht mutlos, wenn Ihr in der Dompfarre nicht immer und überall auf fruchtbaren Boden, sondern oft auch auf Beton stoßt! Behaltet Euch die Freude in der Seelsorge nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch dann wenn es – wie heute – kalt, nebelig ist, ja sogar bei Schnee, Glatteis!

Was kann ich Dir als Bischof für Deinen Dienst als Pfarrer raten? Ich kann Dir nur den Rat von Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben "Evangelii gaudium" weitergeben, den er den Hirten der Kirche gegeben hat: sie sollen dem Volk Gottes vorangehen; sie sollen inmitten des Volkes Gottes stehen; sie sollen dem Volk Gottes auch nachgehen. Mach Dir diese Haltung als Pfarrer zueigen! Sei für alle offen, lade sie ein, begleite sie, hab Verständnis – um es mit Papst Franziskus zu sagen – heile die Wunden der Menschen und erwärme ihre Herzen!
Was darf ich mir als Bischof von Dir und Eurer Ordensgemeinschaft erbitten? Ich erbitte und erwarte mir als Bischof eine gute Arbeit mit allen Mitarbeitern in der Dompfarre, eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Domkapitel, dessen Mitglied Du bist sowie eine gute Nachbarschaft und Einheit mit dem Bischof und der ganzen Diözese, damit unsere Dompfarre zu neuem Leben ersteht und unsere Arbeit für alle zum Segen ist; mein größter Wunsch ist, dass aus einem nebeneinander ein miteinander und füreinander wird – ich schenke Dir und dem neuen Pastoralteam mein Vertrauen und verspreche Euch alle Unterstützung und Begleitung im Gebet!
Was soll ich Dir und Deiner Gemeinschaft als Bischof wünschen? Ich wünsche Dir/Euch, dass Ihr glaubwürdige Zeugen Christi, Treuhänder und Gärtner seid! Dazu viele gute Menschen, Mitarbeiter, Helfer und Beter in der Dompfarre, die mit Euch den Weg gehen!

Liebe Gläubige der Dompfarre, ich weiß, dass Ihr ein schweres Jahr hinter Euch habt und viele Menschen wegen der traurigen Vorkommnisse enttäuscht, ja hart auf die Probe gestellt wurden – nehmt Euren neuen Pfarrer und das Pastoralteam an und geht als Pfarre in Einheit mit dem Bischof, der Diözese, dem Domkapitel gemeinsam den Weg, dann wird die Gegenwart und Zukunft gesegnet sein!
Als Bischof danke ich allen in der Dompfarre für die Mitarbeit in diesem Jahr – besonders unserem Generalvikar Martin und Dompropst Hubert sowie dem PGR und allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern für den Einsatz/Engagement!
Mein besonderer Dank gilt auch dem bisherigen Dompfarrer Mag. Josef Prikoszovits für seinen langjährigen segensreichen seelsorglichen Dienst in den verschiedenen Pfarren unserer Diözese – zuletzt viele Jahre hier in der Dompfarre – möge ihn Gottes Segen begleiten auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt!

Gottes Heiliger Geist, das Vorbild und die Fürsprache des heiligen Martin und aller Heiligen, besonders die Eurer Ordensgemeinschaft, begleiten Euch, Euer seelsorgliches Mühen und unsere Dompfarre in eine gesegnete Zukunft!
Und wenn es im seelsorglichen Dienst manchmal schwer wird, dann geht zur "Trösterin der Betrübten", unserem Gnadenbild hier im Dom, um Trost, Halt und Kraft zu finden! Amen.