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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Freitag, 24. Oktober 2014

Requiem für EKR Alexander Unger, St. Margarethen - 23. Oktober 2014

Das Leben des Menschen wird gerne mit einem Buch verglichen. Die Seiten des Buches entsprechen den Tagen, Wochen, Monaten und Jahren des Lebens. Wir alle wünschen uns so gesehen dicke Bücher, also ein langes Leben. Wir alle sind tief betroffen und erschüttert, wenn jemand zu früh, in jungen Jahren oder gar überraschend stirbt. Ein Sprichwort sagt: „Wenn ein älterer Mensch stirbt, dann ist es so, als ob eine ganze Bibliothek verbrennen würde.“ Wir alle aber wissen: Gute Bücher müssen nicht immer dick sein. Und dicke Bücher können oft inhaltsarm und langweilig sein. Der Vergleich will sagen: Gott liest unser Leben eher nach den Inhalten und weniger nach dessen Länge.

Ein jeder von uns schreibt mit seinem Leben ein persönliches Buch. Diesem Buch wird jeden Tag des Lebens eine neue Seite hinzugefügt. Von der Geburt an bis zu seinem Tod schreibt der Mensch Tag für Tag am Buch seines Lebens. Manchmal schreibt er es mit schönen, geraden, goldenen Buchstaben – das sind die Tage, an denen er nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere denkt, fröhliche Tage, an denen er glücklich ist und es ihm gut geht. Es gibt aber auch Tage, an denen seine Liebe zu Gott und den Mitmenschen erkaltet, er von Krankheit, Leid und Not heimgesucht wird. Diese Zeiten werden meist mit schiefen, krummen Lettern in seinem Lebensbuch vermerkt. Außerdem kann es auch vorkommen, dass das Lebensbuch des Menschen leere Seiten enthält, denn das Gute, das zu tun war, wurde versäumt. Einmal wird dieses Buch im Ganzen vorgelesen, und zwar bei der Begegnung mit dem allwissenden Gott am Jüngsten Tag – die Lesung aus der Offenbarung des Johannes erinnerte uns daran! Nach diesem Buch wird der gerechte und barmherzige Gott dann das richtige Urteil über unser Leben fällen.

Es gibt wohl keinen treffenderen Vergleich als den des Buches, mit dem man das Leben und Wirken unseres verstorbenen Mitbruders EKR OStR Alexander Unger umschreiben könnte. Der Verstorbenen liebte Bücher, er verschlang sie, lehrte damit andere, er gehörte zu den belesensten Priestern unserer Diözese. Sein persönliches Lebensbuch begann er mit seiner Geburt am 18. Jänner 1939 hier in seiner Heimatpfarre St. Margarethen zu schreiben. Nach seiner Schul- und Studienzeit wurde er am 29. Juni 1963 im Martinsdom zum Priester der Diözese Eisenstadt geweiht. Weitere Seiten seines Lebensbuches waren in den Pfarren Mattersburg, Neusiedl/See, Winden am See, Assistent beim bekannten Pastoralthelogen Prof. Klostermann an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien, Rektor vom Haus der Begegnung in Eisenstadt, Jugendseelsorger, Mithilfe in Kleinhöflein sowie bis 1993 Stadtpfarrer in Rust und Pfarrer in Mörbisch. Nach Beendigung der pfarrlichen Tätigkeit wirkte er in vielen Bereichen der kategorialen Seelsorge – seine große Liebe galt dem Katholisches Bibelwerk so-wie dem Bereich Kirche, Kunst und Kultur – vor allem aber widmete er sich in seiner Tätigkeit als Professor für Religionspädagogik an der PÄDAK Burgenland, die er mit Kompetenz und Leidenschaft bis zu seiner Pensionierung wahrnahm. Seine Liebe galt auch der Gemeinschaft Cenacolo in Kleinfrauenhaid, die er seelsorglich betreute und die auch ihm gerade in den Tagen des Alters und der Krankheit eine große Stütze, Heimat und Hoffnung war.

Heute nehmen wir Abschied von unserem lieben Mitbruder Alexander, der mit seinen 76 Lebensjahren und 52 Priesterjahren ein dickes, interessantes und originelles Lebensbuch geschrieben hat. Seinem Lebensbuch gebe ich den Titel: Auf der Suche nach der Liebe Gottes. Sein ganzes Leben war ein Suchen dieser Liebe – im Buch der Bücher der Bibel, die er meditierte, im Messbuch, wenn er als Priester die Liturgie feierte, im Brevier, das er betete, in philosophischen, theologischen und religionspädagogischen Büchern, die er selber studierte und anderen vermittelte, in Büchern der Literatur, Kunstgeschichte und Zeitungen. Mit seinem Tod ist – wie das Sprichwort sagt – eine Bibliothek verbrannt. Als Priester und Professor hat er viele Jahrzehnte unsere Diözese mit seinem Glauben, Wissen und vielfältigen Talenten bereichert, wofür ich ihm als Bischof, Mitbruder und Freund heute von Herzen DANKE und Vergelt´s Gott sage!

Mögen die guten Seiten seines Lebensbuches bei Gott reiche Früchte tragen! Die fehlenden und dunklen Seiten seines Lebensbuches möge Gott in seiner Liebe und Barmherzigkeit ergänzen! Möge Gott ihn nun für immer in das Lebensbuch einschreiben, damit er nach dieser Pilgerschaft auf Erden nun am himmlischen Mahl teilnehmen darf, wo ihm eine ewige Wohnung bereitet ist! Allen, die ihm im Leben Liebe geschenkt haben, besonders den Verwandten, die sich um ihn gerade in den Tagen der Krankheit liebevoll gesorgt und allen, die für ihn gebetet haben, möge Gott alles reichlich vergelten!

Lieber Alexander, möge nun Dein wissbegieriges, fragendes, suchendes, emotional wankendes und oft unruhiges Herz nun in Gott seine Ruhe finden! Amen.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Predigt anlässlich des Gedenktages der Hl. Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. im St. Martinsdom - 22. Oktober 2014

Heute feiern wir den Gedenktag der beiden heiliggesprochenen Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II.
Beide Päpste haben einen besonderen Bezug zur Diözese Eisenstadt – Johannes XXIII. hat unsere Diözese 1960 errichtet und Johannes Paul II. hat sie zwei Mal besucht; 1970 als Erzbischof und Kardinal von Krakau und 1988 als Papst, wo er mit fast 100.000 Gläubigen aus unserer Diözese sowie aus Ungarn und Kroatien den Gottesdienst in Trausdorf am Flugfeld feierte und anschließend auch den Bischofshof in Eisenstadt und diesen unseren Martinsdom besuchte. Ich durfte damals als Neupriester, Sekretär und Zeremoniär von Bischof Stefan László diesen Pastoralbesuch miterleben und auch mitgestalten.

Was ist die bleibende Botschaft dieser für unsere Kirche und unsere Diözese so bedeutenden Päpste und Hirten der Kirche?

Johannes XXIII. ist wohl in die Geschichte der Kirche eingegangen als der Papst, der die Kirche mit der Einberufung des II. Vatikanischen Konzils zur Welt hin geöffnet, ein aggiornamento eingefordert hat und die Erneuerung der Kirche in der Besinnung auf das Wesentliche, auf Gott und sein Geheimnis sowie die Öffnung der Kirche zur Welt, zu den anderen Konfessionen und Religionen und zu allen Menschen guten Willens angestoßen hat.
Der lächelnde und gütige Papa Giovanni zeigt uns als Mensch und Hirte was es heißt, auf Gottes Heiligen Geist und seine Führung zu vertrauen, Freude, Gelassenheit und Gottvertrauen trotz aller Herausforderungen und Umbrüche zu haben und die Kirche als Werkzeug Gottes zu verstehen, die der ständigen Erneuerung bedarf und nicht für sich selbst, sondern für die Menschen da ist.
Braucht es nicht auch gerade heute diese Dinge von den Hirten und Gläubigen der Kirche?

Johannes Paul II. ist wohl in die Geschichte der Kirche eingegangen als der erste Papst, der aus dem Osten kam, der den Petrusdienst universal ausübte, indem er um die ganze Welt reiste und unzählige Länder und Diözesen besuchte, um die Brüder und Schwestern im Glauben zu stärken, der viele pastorale Initiativen setzte, Neuerungen einführte, uns ein reiches lehramtliches Schrifttum hinterließ und die Menschen immer wieder dazu aufrief: Öffnet Christus, dem Erlöser die Türen eures
Herzens – Fürchtet euch nicht – Vertraut auf Gottes Barmherzigkeit und seid miteinander barmherzig!
Braucht es nicht gerade auch heute Hirten und Gläubige, die den Menschen unserer Tage diese Botschaft verkünden und glaubwürdig vorleben?
Unsere Diözese hat Papst Johannes Paul II. in Trausdorf aufgerufen Brückenbauer in den Osten zu sein – das ist ein Auftrag für uns!
Für diesen Auftrag hat er sein Leben als Hirte hingegeben und sogar am Petersplatz im Mai 1981 beim Attentat sein Blut vergossen.
Die beiden uns geschenkten Blutreliquien sollen und wollen uns an sein Leben und Wirken erinnern sowie zur Nachfolge Jesu einladen und ermutigen – uns selber, unsere ganze Diözese und besonders die Pfarre Trausdorf.
In diesen Reliquien ist Papst Johannes Paul II. unter uns und seine Botschaft bleibt lebendig!

Beide Päpste waren wie Jesaja in der 1. Lesung sagt: Freudenboten, die den Frieden ankündigten, den Menschen die frohe Botschaft brachten und Rettung verheißten.
Beide Päpste haben wie Paulus im Epheserbrief die christliche Gemeinde ermahnt: „Ein Leben zu führen, dass des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält.“
Beide Päpste fragte der Herr wie Petrus im Evangelium: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Beide beantworteten diese Frage mit ihrem Leben und mit ihrer Liebe!
Mögen beide Päpste mit ihren Leben und Glauben uns allen, der Kirche, unserer Diözese, besonders der Pfarre Trausdorf auf unserer Pilgerschaft zum himmlischen Jerusalem, Vorbild, Wegweiser und Fürsprecher sein!

Amen.

Montag, 13. Oktober 2014

Predigt anlässlich der Priesterweihe von P. Hans-Ulrich Möring OT - 12. Oktober 2014

Lieber Weihekandidat!
Liebe Schwestern und Brüder!

Die Lesungen dieses Sonntags erzählen von einem gemeinsamen Festmahl aller Völker auf dem Berg Zion – so die 1. Lesung aus dem Buch Jesaja – und – im Matthäusevangelium – von der Einladung des Königs zum Hochzeitsmahl. Eine Hochzeit war im Orient ein mehrtägiges Fest mit einem üppigen Mahl. Eine Hochzeit bei uns im Burgenland kennt bis heute einen ausgiebigen, mehr-gängigen Speiseplan: verschiedene Suppen, Rindfleisch mit Semmelkren, Wie-ner Schnitzel, Schweinsbraten, Backhuhn, Puszta-/Champignon-/Naturschnitzel mit Reis, Pommes und Salaten, köstliche Torten und Mehlspeisen, erlesene Weine. Und zu später Stunde dann noch ein Gulasch, eine kalte Platte und noch manch anderes mehr.

Lieber P. Hans-Ulrich, das Wort Gottes der Hl. Schrift am Tag Deiner Priester-weihe ist wahrlich auf Dich zugeschnitten, Dir von Gott persönlich geschenkt und zugesprochen. Dein Gott kennt Dich, so scheint´s, durch und durch! Du hast mich als Zeremoniär 3 Jahre lang durch die Diözese Eisenstadt und darüber hinaus begleitet und so bei Visitationen, Firmungen und anderen Feiern an vielen Festtafeln und Hochzeitsmählern teilgenommen. Dabei hast Du mich nicht nur liturgisch entlastet, sondern mir auch beim Essen sehr geholfen, mit Deinem gesegneten Appetit die pannonischen Herausforderungen zu bestehen. Nach diesen Jahren, die ich nicht missen möchte, bin ich mir sicher, dass die Gnade Gottes bei Dir auf eine gesunde Natur aufbauen kann!

Lieber P. Hans-Ulrich, Du wirst in dieser Stunde als Ordensmann zum Priester der Kirche geweiht. Was wird Dir damit anvertraut? Priestersein ist vor allem ein dreifacher Dienst:

Der erste: Du sollst die Menschen zum Tisch des Wortes führen!
Die erste Aufgabe des Priesters als Mitarbeiter des Bischofs ist es, allen Men-schen die frohe Botschaft Gottes zu verkünden. Das ist sein Verkündigungsdienst. Was das bedeutet, ist sehr schön ausgedrückt in einem Ritus in der Bischofsweihe, wo dem Weihekandidaten während der Weihepräfation das Evangelienbuch auf den Kopf gelegt wird, gleichsam als Last, die er zu tragen hat. Weil in der Bischofsweihe die Fülle des Priestertums übertragen wird, wird in diesem Ritus auch am deutlichsten, was das Priestertum ist: Der Weihekandidat wird von der Fülle des Evangelienbuchs auf seinem Kopf regelrecht verdeckt, es verschwindet sein eigenes Gesicht unter dem Wort, das auf ihn gelegt wird. Dies ist ein mächtiges Zeichen dafür, dass der Geweihte bei der Verkündigung des Wortes Gottes fortan nicht im eigenen Namen und Auftrag handeln kann, sondern nur im Namen und Auftrag Jesu Christi und dessen Wortes. Der Priester wird nicht geweiht, um seine eigenen Meinungen, Einsichten und Visionen vorzutragen, sondern um das Wort Gottes zu verkünden. Oder um es mit Augustinus zu sagen: der Priester ist wie Johannes der Täufer „die Stimme“, während Christus „das Wort“ ist.

Doch noch etwas sagt uns die Geste des Auflegens des Evangelienbuches: es verdeckt nicht nur das Gesicht des zu Weihenden, sondern es deckt ihn auch als ganzen Menschen zu und gibt ihm ein Dach der Obhut und des Schutzes für ihn selbst. Der Priester muss in seinem Verkündigungsdienst immer wieder Schutz unter dem Wort Gottes suchen. Er kann das Wort Gottes nur zu den Menschen tragen, wenn er selbst ein offenes Gefäß des Wortes Gottes ist. Der Priester kann das Wort Gottes nicht bloß „zur Kenntnis nehmen“ – Nein, er muss es als geistliche Speise verdauen und es sich dabei selbst so aneignen, dass es sein persönliches, authentisches Wort werden kann. Nur so kann er es weitergeben und zu den Menschen tragen, in einer verständlichen Sprache und in einem verträglichen Maße.

Lieber Hans-Ulrich, iss, verschlinge, verdaue täglich Gottes Wort – und Du wirst als Priester vom Tisch des Wortes leben und andere zu ihm führen können!

Dein zweiter Dienst: Du sollst als Priester die Menschen zum Tisch des Brotes führen!
Der Priester steht als Liturge im Dienst der Feier der Sakramente und damit im Dienst der Heiligung der Menschen. In Anlehnung an das Neue Testament und an die älteste kirchliche Tradition wird der besondere Dienst des Priesters in der Feier der Eucharistie mit dem Wort „Vorstehen“ bezeichnet. Die Aufgabe des Priesters besteht somit darin „den Dienst des Hausvaters zu tun und der Familie Gottes das Tischgebet ... zu sprechen.“ Von daher leuchtet der Sinn der katholischen Glaubensüberzeugung auf, dass die Feier der Eucharistie an die Vorsteherschaft des sakramental geweihten Priesters gebunden ist. Denn er hat in Erinnerung zu rufen und zu garantieren, dass die Eucharistie nie aus der einzelnen Gemeinde heraus entsteht, sondern Geschenk Jesu Christi an seine Kirche ist. Der Priester steht daher dann am intensivsten im Dienst der Gemeindeleitung, wenn er der Eucharistie vorsteht. In seinem Dienst und in seinem Leben muss daher vor allem und über allem die Feier der Eucharistie einen zentralen Platz einnehmen.

Lieber Hans-Ulrich, führe die Dir anvertrauten Menschen in der Feier der Eucharistie und der Sakramente als Liturge zum Tisch des Brotes und Du wirst als Priester so den Dienst der Heiligung erfüllen! Wann immer Du die heilige Messe feierst: „Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes!“
Dein Ordenshalskreuz erinnert Dich daran! Es erinnert Dich aber auch an Deine Ordensgelübde – das Kreuz an den Gehorsam, die Schlange an die Keuschheit und der Geldsack an die Armut!

Obwohl Du heute zum Priester geweiht wirst, bleibst Du doch auch für immer Diakon, das heißt: Du sollst den Tisch für die Armen decken – oder wie Papst Franziskus sagt: „Vergesst die Armen nicht!“ Dies, lieber Hans-Ulrich, ist der dritte Dienst, der Dein Priestertum vervollkommnen soll. Denn priesterlicher Dienst, der nicht von Caritas, vom Liebesdienst am Nächsten, von der konkreten guten Tat bezeugt wird, ist unglaubwürdig, unfruchtbar, wertlos. Gerade der hl. Martin, in dessen Patroziniums-Domkirche in Eisenstadt Du im Vorjahr die Diakonenweihe empfangen hast, möge Dich und uns alle stets daran erinnern, die Armen nicht zu vergessen!

Lieber P. Hans-Ulrich, Du wirst nun die Priesterweihe empfangen und damit von der Kirche gesandt, die Menschen ein Leben lang zu Tisch zu führen:
- Du wirst zum Tisch des Wortes und zum Tisch des Brotes führen; Du wirst denen, die arm sind, den Tisch decken;
- Du wirst als Priester die Menschen zum Festmahl auf dem Berg Zion hinweisen, sie begleiten, zum Hochzeitsmahl mit dem König einladen.
- Du sollst ihnen zeigen und vorleben, was Glaube im Sinne des eben gehörten Evangeliums heißt: Gottes Einladung vernehmen, sie annehmen und ihr folgen. Mit Deiner Ordensprofess, Diakonen- und Priesterweihe tust Du das mit Deinem ganzen Leben – jetzt sollst Du „aus dem Reichtum Seiner Herrlichkeit andere beschenken.“
- Und: Du sollst den geistlichen Speiseplan zuerst selbst verkosten, um ihn dann auch den anderen schmackhaft zu machen auf eine gesunde Weise und in erträglichem Maß! Wenn Du diesen Weg besonnen, konsequent und in Liebe gehst, wirst auch Du mit dem Apostel Paulus in der 2. Lesung aus dem Philipperbrief sagen können: „Ich weiß Entbehrungen zu ertragen und ich kann im Überfluss leben. Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.“

Lieber Weihekandidat! Was soll und kann ich Dir als Bischof, Mitbruder und Freund in dieser Stunde wünschen und raten?

Zuerst gratuliere ich Dir von Herzen zu Deinem Entschluss, in einer Zeit wie der heutigen Priester zu werden, und verspreche Dir die Begleitung im Gebet! Dem schließen sich wohl auch Deine lieben Eltern, Dein Bruder mit seiner Familie, die Verwandten und Freunde, Deine Heimatpfarre, Deine Ordensfamilie, unsere Diözesanfamilie von Eisenstadt mit den Pfarren Eisenstadt-Oberberg und Kleinhöflein sowie alle Mitfeiernden von Herzen an!

Besondere Segenswünsche darf ich Dir von Papst Franziskus übermitteln sowie von Papst Benedikt, Deinem Landsmann, der Dir, unserem Liturgiereferenten in der Diözese, sein Buch mit dem Titel „Der Geist der Liturgie – Eine Einführung“ persönlich signiert hat!

Als Bischof danke ich Dir von Herzen für Deinen Dienst in der Diözese Eisenstadt, vor allem als mein erster Zeremoniär und Leiter unseres Liturgiereferates, besonders für Deine kompetente Arbeit, all Deine Hilfen, Deine Freundschaft und Dein Vertrauen! Zeichen meines Dankes und unserer Verbundenheit ist diese Reliquie des seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann in der Form Deines Deutschordenskreuzes, die ich Dir schenke. Der selige Arzt der Armen möge Dich immer an die Diözese Eisenstadt erinnern und Dir in Deinem Dienst Wegweiser, Helfer und Fürsprecher sein! Ich danke aber auch Deiner Ordensleitung, dass sie Dich uns für eine Zeit anvertraut hat – möge es dem Orden und unserer Diözese zum Segen sein!

Mein persönlicher Rat für Deinen priesterlichen Dienst folgt dem Rat, den Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ den Hirten der Kirche gegeben hat: sie sollen dem Volk Gottes vorangehen; sie sollen in-mitten des Volkes Gottes stehen; sie sollen dem Volk Gottes auch nachgehen! Mach Dir das in Deinem priesterlichen Dienst zueigen!

Wenn Du auf Deinem Weg als Priester die Menschen zum Festmahl mit dem König einlädst und begleitest, dann lass sie an Deinem Appetit am Speiseplan Gottes teilhaben, führe sie zum Tisch des Wortes und des Brotes und decke den Tisch für die Armen!
Lieber Hans-Ulrich, lade alle, die Du auf Deinem priesterlichen Lebensweg triffst, zur Hochzeit ein – aber hab mit Dir selber und mit den Menschen Geduld und sei barmherzig!

Mit Maria, der Rosenkranzkönigin, erbitten wir jetzt Gottes Heiligen Geist für Dich, damit er Dich in Deinem Dienst begleite und stärke!
Amen.

Montag, 6. Oktober 2014

Requiem für Msgr. Aladar Richter, Eisenstadt-Oberberg - 26. September 2014

In diesen Wochen wird in unserer Gegend die Ernte eingebracht und damit verbunden der Erntedank festlich begangen. Wenn wir in dieser Stunde Abschied nehmen von unserem Herrn GR EKan. Msgr. Aladár Richter – dem langjährigen Regens unseres Priesterseminars, auch meinem Regens – dann begehen auch wir Erntedank. Wir bringen die Ernte eines langen und erfüllten Priesterlebens ein.

Das Leben und Wirken des Priesters Aladár Richter kann so beschrieben werden – er war als Seelsorger/Regens ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch.

Ein geistlicher Mensch ist ein Mensch, der selbst ein Tempel Gottes ist, in dem der Geist Gottes wohnt und er deshalb in seinem Leben auf die Lebenskraft des Geistes vertraut und sich ganz und gar auf sein Wirken verlässt.
Ein geistlicher Mensch ist also einer, der nicht allein auf das Sichtbare u. Machbare, auf das Planbare und Leistbare schaut, sondern der vielmehr auf das unverfügbare Wirken des Geistes Gottes baut, daraus lebt und ihm Raum schafft.
Nirgendwo wird geistliches Leben so konkret und anschaubar wie im Gebet und im Gottesdienst. Hier wird erfahrbar, dass im christlichen und kirchlichen Leben das Entscheidende von Gott her geschieht, aber auch wir dazu beitragen müssen. Geistliches Leben ist von dieser Spannung zwischen gläubiger Gelassenheit im Vertrauen auf den Geist Gottes und persönlichem Engagement in der Nachfolge Jesu geprägt. Diese Gelassenheit ist jene Grundhaltung, die ein Seelsorger von heute und morgen braucht, wenn er im kirchlichen Dienst bestehen will. Denn Seelsorge ohne den langen Atem führt entweder in rastlose Kurzatmigkeit oder in Frustration/Resignation. Diesen langen Atem bekommt man vom Hl Geist.
Aladár Richter war als Seelsorger und Regens ein durch und durch geistlicher Mensch. Seine Ruhe, Besonnenheit und Gelassenheit sind ein Zeichen dafür!

Ein weltlicher Mensch ist ein Mensch, der in der einen Hand die Bibel, in der zweiten Hand die Zeitung hält und beides miteinander in Beziehung setzten kann. Von diesem Grenzverkehr zwischen Bibel und Zeitung her erschließt sich eine zweite Dimension eines Seelsorgers von heute und morgen. Er muss nicht nur ein geistlicher, sondern auch ein ganz und gar weltlicher Mensch sein. Die Zeichen der Zeit wahrzunehmen, und zwar in der Überzeugung, dass sich in ihnen das Wirken des Heiligen Geistes selbst vernehmbar macht, gehört zu den großen Zumutungen des Zweiten Vatikanischen Konzils an den einzelnen Christen und an die ganze Kirche, besonders auch an die Seelsorger. Jesus mutet seinen Jüngern und damit auch gewiss den heutigen Seelsorgern zu, gute Meteorologen des Glaubens in der heutigen Welt zu sein, die auf die Zeichen der Zeit achten und in ihnen das Wirken des Hl. Geistes in der heutigen Welt wahrnehmen.
Als durch und durch weltliche Menschen erweisen sich Seelsorger darin, dass sie Gott in der heutigen Welt verkünden. Dazu aber müssen sie diese Welt von Grund auf kennen: sowohl die Nöte und Probleme, die Ängste und Sorgen der Menschen als auch ihre Freuden und Sehnsüchte. Weil eine geistliche Existenz ohne geistiges Leben und kulturelle Bildung auf Dauer nicht möglich ist, eignen sich Kulturbanausen nicht für den seelsorglichen Dienst in der heutigen Welt.
Aladár Richter war als Seelsorger und Regens ein durch und durch weltlicher Mensch. Seine Bildung, Kompetenz Bibel und Zeitung zu verbinden, bezeugen es!

Ein kirchlicher Mensch ist ein Mensch, der seine Talente und Fähigkeiten der konkreten Kirche am Ort in einer unbeirrbaren Gläubigkeit zur Verfügung stellt. Seelsorglicher Dienst gilt nicht einer von uns erträumten Kirche von morgen, die es nie geben wird oder einer romantischen Kirche von gestern, die es nie gegeben hat, sondern der konkreten Kirche am Ort mit ihren Schönheiten, Schwächen, und Fehlern – das ist wahre Kirchlichkeit.
Aladár Richter war als Seelsorger und Regens ein durch und durch kirchlicher Mensch. Seine Verfügbarkeit in verantwortungsvollen Diensten in unserer Diözese und seine Treue zu seiner Heimaterzdiözese Esztergom-Budapest zeigen es.

Der Seelsorger von heute muss ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch sein. Du, lieber Mitbruder und Regens Ali – wie wir alle Dich liebevoll nannten – warst ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch! Du hast eine ganze Priestergeneration unserer Diözese – zu der auch ich mich zählen darf – zu geistlichen, weltlichen und kirchlichen Seelsorgern erzogen – dafür danke ich Dir heute als Dein ehemaliger Alumne und heutiger Mitbruder und Bischof und sage Dir stellvertretend für viele Priester und für unsere Diözese Vergelt´s Gott!
Ich bin Gott dankbar, dass ich Dir bei meinem Besuch kurz vor Deinem Tod als Dein Zögling das Sakrament der Krankensalbung spenden durfte und dabei feststellen konnte, dass Du bis zum Schluss ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch und Seelsorger geblieben bist, der aufmerksam und mit Gebet das Leben in Kirche und Welt verfolgte. Dein letzter Ratschlag als Regens, mir Deinem Schüler war wie immer liebevoll und ernst: Gidi, vergiss als Bischof nicht Gutes zu tun! Ich denke, diesen Rat hat der Verstorbene wohl uns allen mitgegeben!

Die Ernte unseres Lebens wird immer Stückwerk sein – aber wir dürfen sie Gott in die Hände geben, in der Hoffnung, dass er unser Stückwerk vollendet. In diesem Glauben und in dieser Hoffnung hat der Verstorbene unter uns als Mensch, Christ und Priester gelebt und gewirkt – wir danken ihm dafür und empfehlen ihn der Güte und Barmherzigkeit Gottes!
Lieber Mitbruder Aladár!
Ich habe heute bewusst das Evangelium von der Verklärung Jesu gewählt, weil ich mich dabei an eine Deiner großartigen Predigten im Seminar erinnere, wo Du als bescheidener Mensch, der viel auf das Essen gehalten hat, gesagt hast: „Da hat dieser Jünger den Herrn nichts anderes zu fragen als – Herr, sollen wir hier drei Hütten bauen und vielleicht auch noch ein Buffet dazu!“ Nimm jetzt Platz am Tisch des Herrn, wo Du nach einem langen und erfüllten Leben von allen Mühen ausruhen und für immer am Hochzeitsmahl teilnehmen darfst!

Predigt anlässlich der Priester- und Diakonenweihe im Stift Heiligenkreuz - 5 Oktober 2014

Lieber Vater Abt Maximilian, abbas emeritus Gregor und Gerhard mit den Mitbrüdern des Konventes vom Stift Heiligenkreuz!
Liebe Mitbürger im priesterlichen und diakonalen Dienst, ehrwürdige Schwestern!
Liebe Weihekandidaten zum Presbyterat und Diakonat mit Euren Verwandten – Ngoi chen tschúa Jesu Kito; Ka tien tschug wa áeng tschi em than men; Tscha raat wui wi hom nei tschung da kung long tschong gg heing teing le nei!
Zum festlichen Weihegottesdienst versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir feiern in diesen Wochen in unseren Pfarrgemeinden das Erntedankfest.
Wir feiern heute mit dem Konvent dieses altehrwürdigen Stiftes Heiligenkreuz das Fest der Priester- und Diakonenweihe – in gewisser Weise auch Erntedank. Wir feiern Eucharistie und sagen dabei Gott Dank für die Schöpfung und Erlösung, vor allem aber für das Geschenk des Lebens und der Berufung unserer Mitbrüder zum Ordensleben sowie in den priesterlichen und diakonalen Dienst.
Erntedank und Priester- und Diakonenweihe – wir feiern beides in der Eucharistie. In der Eucharistie ist verdichtet, was priesterlicher, diakonaler, kirchlicher Dienst ist. Mit 3 Stichworten will ich versuchen trotz Problemen/Wandlungen, das Bleibende des Priesters/Diakons hervorzuheben und mit euch zu überdenken.

Der Priester/Diakon ist erstens Zeuge des Evangeliums Jesu Christi.
Die Botschaft von Jesu Leben, Tod und Auferstehung kann kein Mensch erdichten und sich selbst sagen, er kann sie sich nur sagen lassen, dankbar empfangen. Ein Priester/Diakon steht deshalb zuerst im Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Er propagiert nicht eigene Ansichten und Meinungen, sondern er ist demütiger Diener dieser Wahrheit, in die er hineinwächst, von der er sich formen lässt und die er überzeugend oft gegen den Trend der Zeit weitergibt. Wer aber wirklich für das Evangelium Zeugnis ablegen will, muss von der Wahrheit des Evangeliums selbst überzeugt sein. Von solchem Überzeugtsein her lässt sich auch das ableiten, was wir als Mission/Evangelisierung bezeichnen. Das Geheimnis der Mission heißt: Wes des Herz voll ist, des geht der Mund über. Wenn uns heute oft der Mund in religiösen Dingen nicht übergeht, müssen wir uns die Frage stellen, ob unser Herz noch voll genug ist.
Braucht es heute so gesehen nicht eine neue missionarische Anstrengung in unserer Kirche, Pfarrgemeinden, Familien – Christen, Männer und Frauen, vor allem aber auch Priester, Diakone, Ordensleute als Zeugen des Evangeliums?

Der Priester/Diakon ist zweitens Treuhänder.
Ihm ist ein Erbe anvertraut, das er weiterzugeben hat, und zwar ohne sich anzupassen, aber auch ohne eigenwillige und selbst erfundene Zusätze. Dieses Erbe gibt er vor allem weiter in der Liturgie. Denn im Gottesdienst der Kirche wird uns Menschen am deutlichsten bewusst, dass wir den Glauben nicht selbst herstellen, dass wir ihn nur empfangen und weitergeben können. Der Priester als Vorsteher der Liturgie ist berufen und verpflichtet, es sinnenfällig zu machen, dass der Gottesdienst nicht einfach nur eine Veranstaltung der Kirche ist, sondern dass Christus der eigentliche Gastgeber im Gottesdienst ist, den der Priester repräsentieren darf. Und es versteht sich von selbst, dass ein Treuhänder seine Aufgabe nur erfüllen kann, wenn er selbst treu ist, wenn er sich in das Erbe, das ihm aufgetragen und anvertraut ist, einwurzelt und es glaubwürdig lebt.
Wenn gerade heute so vieles in Brüche geht, ist das nicht ein Zeichen dafür, dass uns in Kirche und Gesellschaft Treuhänder fast abhanden gekommen sind?

Der Priester/Diakon ist drittens auch ein Gärtner.
Seine Aufgabe besteht darin, zu pflegen, zu hüten und zu bebauen. Seelsorgliche Arbeit ist also im biblischen Sinne des Wortes Gärtnerarbeit. Dabei wissen wir alle aus eigener Erfahrung, dass es im Garten Gottes verschiedene Gewächse gibt und es nicht immer leicht ist, mit allen zurechtzukommen. Es sind oft tiefere Grabungen in der Erde notwendig, damit der Boden wieder neue Luft erhält. In alledem muss uns das Wort des Apostels Paulus wichtig sein: „Nicht der ist etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Wachsum gibt.“ Alle seelsorgliche Arbeit hat sich dessen bewusst zu sein, dass das Wachsen-Lassen nicht ihre Aufgabe ist, sondern dass es die Sache Gottes ist, unsere Aufgabe aber im Bebauen, Begießen und im Pflanzen besteht.
Braucht es nicht gerade heute in Kirche und Gesellschaft mehr solche Gärtner?

Lieber P. Ägidius, P. Gregor, P. Paulus, P. Justinus und P. Severin – Ihr werdet in dieser Stunde von der Kirche geweiht und gesandt als Priester und Diakone heute Zeugen, Treuhänder und Gärtner zu sein! Was soll und kann ich Euch als Bischof mitgeben auf den Weg der Nachfolge des Herrn? Im Blick auf die Lesungen des heutigen Sonntags sind es vor allem 3 Ratschläge:
Ihr seid – um es mit Jesaja zu sagen – berufen, geweiht und gesandt im Weinberg des Herrn, der Kirche, zu arbeiten und Ihr seid die Reben, die er zu seiner Freude gepflanzt hat! Seid Euch dessen immer bewusst und fürchtet Euch nicht aus Taufe, Firmung und Weihe heraus Zeugen des Evangeliums zu sein!
Mit dem Apostel Paulus in der 2. Lesung an die Philipper rufe ich Euch zu: Brüder! Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren – oder mit anderen Worten – seid und bleibt Treuhänder Christi!
Im Evangelium ist die Rede von den Winzern im Weinberg des Herrn – Ihr seid diese Winzer/Pächter, bringt als aufmerksame, umsichtige Gärtner gute Früchte!
Heute am Beginn der Bischofssynode in Rom u. als Bischof einer Martinsdiözese darf ich noch etwas hinzufügen – sorgt Euch um die Familien und die Armen!

Maria, die Rosenkranzkönigin, ist Vorbild als Zeuge, Treuhänder und Gärtner – sie begleite Euren Dienst als Priester und Diakone mit ihrem mütterlichen Segen!
Erbitten wir nun Gottes Geist für Euer Wirken im Weinberg des Herrn! Amen.

Predigt anlässlich der Altarweihe der Pfarrkirche Mogersdorf - 17. August 2014

Heute ist ein besonderer Tag für die Pfarre Mogersdorf. Nach Monaten der Freilegung von kostbaren Malereien, ihrer Restaurierung und der Neugestaltung des Altarraumes in Eurer Pfarrkirche wird heute der neue Altar geweiht. Trotz wertvollster Malereien ist und bleibt der Altar das Kostbarste jeder Kirche, weil er Jesus Christus selber darstellt – Fundament, Mitte und Ziel unseres Glaubens. „Frau, dein Glaube ist groß“, sagt Jesus zur kanaanäischen Frau im Evangelium. Damit weist er auf den Wert von Glauben und Vertrauen hin, ohne die der Mensch nicht wirklich glücklich leben kann. Glauben – wie funktioniert das?

3 Grundbewegungen zeigen, wie der Glaube sich vollzieht.
Die erste Grundbewegung heißt Empfangen. Wir empfangen die Botschaft von Gott, der zu uns spricht. Kein Mensch kann diese Botschaft erdichten, sie ist ein Geschenk. Glaubend empfangen wir, was Gott uns zuspricht, wir können ihn mit leeren Händen empfangen, wie die Frau im Evangelium sagen: „Herr, hilf mir!“
Die zweite Grundbewegung des Glaubens ist das Lob Gottes. Glaubende sind Menschen, die Zeit haben zum Lob Gottes, die vor Gott Liturgie feiern. Wenn wir das befreiende Handeln Gottes am Menschen und der Schöpfung betrachten, drängt es uns bei jeder Gelegenheit Loblieder anzustimmen. Glaubende sind Menschen, die sich neben der Arbeit auch Zeit nehmen zum Lobpreis Gottes.
Die dritte Grundbewegung des Glaubens besteht im Teilen und Austeilen. Es drängt uns die Botschaft Gottes, die für uns Nahrung und Orientierung ist, mit anderen zu teilen, an andere weiterzugeben. So kommen auch Menschen, die in Not sind, sich verirrt haben durch uns zum Leben – das ist Neuevangelisierung!
Diese 3 Grundbewegungen des Glaubens – Empfangen, Loben und Austeilen – ergeben einen harmonischen Dreiklang. Daher heute die Frage an uns: Leben wir unseren Kindern einen Glauben vor mit diesem harmonischen Dreiklang?

Die Kirche ist der Ort, an dem sich die 3 Grundbewegungen des Glaubens ereignen, wo der harmonische Dreiklang immer wieder erfahrbar und erlebbar wird.
Die Kirche ist das sichtbare Haus Gottes in der Welt, damit wir Menschen in der Hektik des Alltags Gott nicht vergessen, uns als pilgernde zum hl. Berg verstehen.
Die Kirche ist der Ort des Gebetes und Gottesdienstes, wo für alle Platz ist.
Die Kirche ist der Ort der Unterweisung im Glauben und des ständigen Gesprächs, der Begegnung von Gott und Mensch im Wort der Schrift und Sakrament der Eucharistie – wie Jesu Gespräch mit der Kanaaniterin im Evangelium.
Die Mitte jeder Kirche ist der Altar, meist aus Stein, Hinweis auf Jesus, der auf dem Felsen Golgotha sein Leben für uns alle geopfert hat. In der Eucharistiefeier wird Jesu Kreuzesopfer auf dem Altar auf sakramentale Weise in Brot und Wein gegenwärtig. So ruft Jesus Christus-Gesalbte auch uns, die wir gesalbt – getauft und gefirmt sind – in seine Nachfolge, bis zur Hingabe unseres Lebens. Solche Lebenshingabe erfüllt sich am radikalsten in den Märtyrern, also jenen Christen, die mit ihrem Leben und Tod das Evangelium bezeugt haben.
Deshalb werden im Altar auch Reliquien von Märtyrern und Heiligen beigesetzt.
Der Altar ist daher zuerst Symbol für Jesus Christus, dann aber auch Symbol für die Christen, deren höchste Berufung darin besteht, ihr Leben als Opfergabe in Dank, Lob und Bitte zu begreifen.
Der Altar stellt Jesus Christus dar, die Mitte eines jeden Gotteshauses, die Mitte der Kirche, von der aus sich die christliche Gemeinde aufbaut. Gemeinde bauen können wir aber nur, wenn wir auf Jesus schauen, ihm nachfolgen und sein Evangelium zur Richtschnur unseres Handelns machen – daran erinnert der neue Altar.
Der Altar ist für den Christen die Quelle aus der er Kraft für seinen Glauben und sein Leben schöpft, Zeichen der Einheit für uns trotz unserer Verschiedenheiten.
Schon der Prophet Jesaja verheißt in der 1. Lesung jenen, die Gott lieben/dienen, den Sabbat/am Bund festhalten, gemeinsam zum hl. Berg pilgern, Freude u. die Erhörung ihrer Gebete und Opfer am Altar – ist das nicht eine Frohbotschaft?!

Liebe Pfarrfamilie von Mogersdorf!
Versammelt Euch als Christen/Gesalbte – Getaufte und Gefirmte - oft und gerne, vor allem am Sonntag in Eurer schönen Kirche um den neuen Altar zur Feier der Eucharistie, damit Ihr nie vergesst, was Jesus für uns alle am Kreuz getan hat!
Schaut und baut auf Christus, damit Euer Leben gelingt!
Lasst Eure Gebete in Freud und Leid von dieser Kirche aus wie Weihrauch zu Gott aufsteigen, damit Ihr im Leben die Freude, Kraft und Orientierung nicht verliert!
Gebt das Licht des Glaubens in Euren Familien den Kindern weiter und erhellt wie die Heiligen mit Eurem Leben die Dunkelheit in unserer Welt.
Bleibt als einzelne und als Pfarrgemeinde wie die Kanaaniterin im Evangelium mit Jesus im Gespräch, damit Ihr die Freude am Glauben nicht verliert, die Verbindung mit ihm und die Einheit untereinander bewahrt, gute Früchte bringt!
So ist Kirche auch heute lebendig, glaubwürdig, anziehend und missionarisch!

Ich danke allen bei Euch, die im Alltag dieses Glaubenszeugnis geben und dafür Sorge tragen, dass die Sache Jesu hier bei Euch weitergeht!
Ich sage als Bischof Eurem Pfarrer, dem PGR und allen Mitarbeitern der Pfarre sowie den Gläubigen von Mogersdorf mit den Filialen, allen Spendern und Betern für ihren Einsatz und die Aufbringung der Mittel von Herzen: Vergelt´s Gott!
Mein besonderer Dank gilt dem Bundesdenkmalamt, dem Land, der Gemeinde, den Vereinen für die finanzielle Unterstützung, vor allem den Firmen, Arbeitern und freiwilligen Helfern, dem Künstler, Architekten und Restauratoren-Team sowie dem Bauamt und Kunstrat unserer Diözese für den großen Einsatz und die kompetente Begleitung!
Mogersdorf, unsere Diözese und unser Land sind um ein Juwel reicher – diese Kirche ist ein Glaubenszeugnis Eurer Pfarrgemeinde von früher wie von heute, vor allem aber ein Auftrag zum Glauben: Empfangen – Lobpreis – Aus/Teilen!

Der hl. Josef – der Schutzpatron der Kirche, dem auch Eure renovierte Kirche geweiht ist – begleite Eure Pfarrgemeinde in eine gesegnete Zukunft! Amen.

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