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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Freitag, 12. September 2014

Predigt des Bischofs von Eisenstadt Ägidius J. Zsifkovics anlässlich des Requiems für Melinda Fürstin Esterhazy

(Dom zu Eisenstadt, am 12. September 2014)


Liebe Trauergemeinde! 
Liebe Schwestern und Brüder im Glauben!

Gott ist groß. Und am größten, am souveränsten gegenüber seiner Schöpfung, am unverhandelbarsten gegenüber seinen Geschöpfen zeigt er sich wohl dann, wenn er die Kaiser, Könige und Fürsten dieser Erde vor seinen Thron ruft. Jene, deren Namen zu Lebzeiten ganze Länder mit ihrem Klang erfüllten und durch Jahrhunderte hindurch der zeitlichen Welt ihre Signatur verliehen.

Wir stehen heute am Sarg von Melinda, Fürstin Esterházy de Galantha, die im 95. Lebensjahr entschlafen ist. Melinda, in Budapest 1920 geboren, wurde durch die Ehe mit dem letzten regierenden Fürsten der Familie Esterházy, Paul V., Teil einer Familie, der es über Jahrhunderte bestimmt war, die Geschichte Pannoniens zu prägen wie keine zweite. Eine Familie, der es aber auch bestimmt sein sollte, Pannonien und mit ihm das österreichische Kaiserreich so zu schützen wie keine zweite.

Kann es bloßer Zufall sein, dass wir ausgerechnet am 12. September, dem kirchlichen Fest „Mariä Namen“ am Sarg der letzten Fürstin Esterházy stehen – jenem Tag, der in der Geschichte der christlichen Völker untrennbar mit der Verteidigung und Bewahrung unserer christlichen Kultur verbunden war? Dem Fest aber auch des Namens der Gottesmutter Maria, deren Haltung uns lehrt, dass es nicht nur auf unser menschliches Können, unser menschliches Vermögen, unseren menschlichen Aktivismus ankommt, sondern dass wir - wie Maria - heilige Erde werden sollen, in der das Wort Gottes im Beten und Glauben wachsen kann? Eine Haltung, die in der ausgeprägten Marienverehrung der Fürstendynastie Esterházy durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder spürbar gewesen ist.

Geboren in einer Zeit, in der die alten Bedrohungen durch fremde Völker und Kulturen durch neue, innere Bedrohungen eines mörderischen Nationalismus in Europa ersetzt waren, begann Melinda, geborene Ottrubay, ihren ganz persönlichen Lebensweg als Künstlerin. Ihr erster Kampfplatz war die Ballettschule und der Innenraum ihres selbstbewussten wie disziplinierten Wesens. Mit erst dreizehn Jahren tanzte sie bereits eine Solorolle. Und als Vierzehnjährige unterzeichnete sie einen Dienstvertrag mit dem Königlich-Ungarischen Opernhaus, wodurch sie ein eigenes, fixes Gehalt erhielt – man erkennt hier bereits die spätere Fürstin und souveräne Verwalterin großen Vermächtnisses und Vermögens.

Trotz ihrer Jugend konnte sich Melinda neben den älteren Solotänzerinnen des Opernhauses behaupten. Die katholische Kirche kennt in den Reihen ihrer Würdenträger „Titularerzbischöfe“, das sind meist ergraute Herren – Melinda Ottrubay dagegen wurde mit 16 Jahren, das war 1936, zur sogenannten »Titularsolotänzerin« befördert. Ihre Leidenschaft für Pirouetten – sie schaffte angeblich mit nur einem einzigen Schwung bis zu 15 Umdrehungen – trugen ihr den Spitznamen »Fräulein Ventilator« ein.

Was verrät uns diese Episode über das weitere Leben und Wirken dieser so bemerkenswerten Frau?

Melinda Ottrubay hat immer Wind gemacht – mit ihrem besonderen Wesen, ihrem Elan, ihrem Fleiß. So wurde sie 1945 zur „Primaballerina Assoluta“ ernannt, ein Ehrentitel, den sie als erstes Mitglied des Budapester Opernhauses erhielt. Kurz darauf heiratete sie ihre große Liebe: Paul V. Fürst Esterházy. Sie war ihm schon als Teenager aufgefallen, als sie ihn mit ihrem Fahrrad fast überfuhr und ihm dabei keck und selbstbewusst zurief: „Küss die Hand, Onkel Fürst!“ Ein frühes Treffen zweier stolzer Menschen, die sich in ihrer Angst, eine Zurückweisung zu erfahren, und in ihrem Wunsch, um nichts anderes als um ihrer selbst Willen angenommen zu werden, ebenbürtig waren.

Es wurde Jahre später ein Bund fürs Leben, der diese beiden füreinander geschaffenen Menschen all das bestehen ließ, was noch kommen sollte: den endgültigen Untergang der „Welt von gestern“, wie sie ein Stefan Zweig oder ein Joseph Roth literarisch für die Ewigkeit festgehalten hat; den ideologischen Wahnsinn in einem genau an der burgenländischen Grenze auseinanderbrechenden Europa; die Verstaatlichung des Esterházyschen Besitzes in Ungarn; die Unterstellung des österreichischen Besitzes unter die Verwaltung der sowjetischen Besatzungszone; den ungarischen Schauprozess gegen Kardinal Joszef Mindszenty, in dessen Rahmen Paul Esterházy unter dem Vorwand eines Devisenvergehens gemeinsam mit anderen angeklagt und zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde; den Volksaufstand 1956 in Ungarn, der Melindas Gatten über die Grenze nach Österreich fliehen ließ; die heftigen politischen Debatten der 40er-, 50er- und 60er-Jahre um die Esterházy-Besitzungen im Burgenland; und vieles mehr, das nur Gott weiß und das wir mit Melinda nun in seine gütigen Hände legen.

Ihre eiserne Disziplin und ihr umsichtiges Wirken hat Melinda Fürstin Esterházy nach dem Tod ihres Gatten 1989 endgültig zu einer der bedeutensten Förderinnen der kulturellen Entwicklung des Burgenlandes und des gesamten pannonischen Raumes gemacht. Das hohe kulturelle und künstlerische Erbe der Esterházys wurde von Melinda, die sich mit eiserner Disziplin als Künstlerin in die Herzen der Menschen getanzt hatte, als Fürstin weitergetragen auf dem Parkett der burgenländischen Zeitgeschichte. Es gipfelt heute in mehreren Privatstiftungen, die das wertvolle Erbe der Esterházys für die Nachwelt und Öffentlichkeit erhalten.

Es gibt keine menschliche Geste, die unser aller Dankbarkeit dafür adäquat zum Ausdruck bringen könnte. Uns bleibt nur das schlichte Wort DANKE. Dieses Danke ist ganz besonders auch ein Danke der Kirche an Fürstin Melinda Esterházy. Sie selbst war allen Eisenstädter Diözesanbischöfen persönlich eng verbunden, die von ihr repräsentierte Dynastie hat über Jahrhunderte mit der Schaffung bedeutender geistlicher Zentren und als Patronatsherren dem Land die christliche Seele erhalten.

Gott ist groß, sagte ich zu Beginn. Es war der Seelenadel der Esterházys, die eigene Macht und Größe nicht zum Maß aller Dinge zu erheben, sondern in Gott allein den Höchsten zu sehen. Bereits Paul I., der Begründer der Fürstendynastie, der Mäzen und Menschenfreund, dessen selbstkomponierte „Harmonia Caelestis“ wir heute hören, war selbst ein zutiefst gläubiger und frommer Katholik. Seine direkten Nachkommen wohnen heute diesem Requiem bei. Es führt ein roter Faden direkt von ihm durch drei Jahrhunderte hindurch hierher zu uns, in diesen Dom, in dieser Stunde. Am Sarg der letzten Fürstin Esterházy sind wir alle heute historische Zeugen nicht nur des Endes des Menschenweges der „Primaballerina Assoluta“, sondern auch des Endes von 3 Jahrhunderten Fürstentum in dieser unserer geliebten pannonischen Heimat. Wenn wir heute die sterblichen Überreste von Melinda der Familiengruft der Esterházys im Eisenstädter Franziskanerkloster übergeben werden, dann ist dies auch das Ende einer Ära. Unser Danke an Melinda, die letzte Fürstin, ist gleichzeitig unser Danke an die ganze Fürstendynastie, die mit ihr zu Ende geht. Die Allersensibelsten unter uns, die in großen Zusammenhängen denken und fühlen, müssen die ganze Dramatik dieses Ereignisses wohl als tiefste seelische Erschütterung empfinden – neben den Angehörigen Fürstin Melindas gebührt auch ihnen, diesen Angehörigen einer versunkenen, einer großen, einer hohen Zeit unser ganzes Mitgefühl.

Wie ich hörte, pflegte Melinda in ihren späten Jahren, wenn sie sehnsuchtsvoll aus dem Fenster ihres Eisenstädter Stadthauses nach Ungarn blickte, zu sagen: „Das ist der Blick in die Heimat!“ Wenn wir nun ihre Seele Gott und der Fürsprache Mariens anvertrauen, dann tun wir dies in der christlichen Hoffnung auf die Auferstehung, darauf, dass unsere Verstorbene nun der wirklichen, der ewigen Heimat bei Gott ansichtig wird.

Wir wissen nicht, ob in der Ewigkeit getanzt wird. Doch wenn die Seligpreisungen des Evangeliums für jeden Menschen wahr sind – und daran glauben wir fest! -, dann muss es in der Ewigen Heimat für Fürstin Melinda Esterházy, die Primaballerina Assoluta, eine eigene Ballettbühne geben, mit Gott als Publikum.

AMEN.

Montag, 8. September 2014

Predigt anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums des Caritas-Kindergarten Ollersdorf - 7. September 2014

Liebe Schwestern und Brüder!
Liebe Kinder unseres Kindergartens und der Pfarrgemeinde!
Lieber Herr Pfarrer!
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Caritas mit der Frau Caritas-Direktorin an der Spitze!

Vielleicht kennen Sie den amerikanischen Film "Der Kindergarten-Cop" mit Arnold Schwarzenegger. Er handelt von einem Polizisten, der sich als vermeintlicher Kindergarten-Pädagoge bewirbt, um im familiären Umfeld eines Kindes verdeckte Ermittlungen durchführen zu können. Die Kindergartenklasse, die er übernehmen soll, erweist sich als sehr schwierig, und der überforderte Polizist versucht es zunächst mit spartanischem Drill, der eher in eine Militärakademie passt.

Doch allmählich entsteht eine echte Beziehung zwischen den Kindern und ihrem neuen Lehrer. Die Kinder beginnen, Verantwortung füreinander zu übernehmen, der Polizist entdeckt an sich selbst plötzlich eine liebevolle, herzliche Seite. Am Ende ist aus dem knallharten Fahnder ein sensibler Mensch geworden. Die Kinder haben das aus ihm gemacht.

Liebe Schwestern und Brüder, ich will damit nicht sagen, dass es in unseren kirchlichen Kindergärten einen Polizisten braucht. Unsere Mitarbeiterinnen von der Caritas machen das sicher besser. Ich will vielmehr darauf hinweisen, was für besondere Orte jene Häuser sind, an denen die scheinbar Kleinsten unserer Gesellschaft zum ersten Mal das Leben in einer größeren Gemeinschaft erleben. Es sind Orte, an denen das Kindsein in seiner wahren, in seiner religiösen Dimension erkannt, gefördert und beschützt wird - insofern passt das Bild vom Polizisten sehr gut! Nicht kleine Systemerhalter für Staat und Wirtschaft sollen hier herangezüchtet werden, sondern wahre Menschen, die sich ihrer Freiheit in Gott bewusst werden. Dass diese kleinen Menschen aber auch ihrerseits den Großen viel an Freude und an Selbsterkenntnis zu schenken haben, das erfährt nicht nur der Polizist im Film, sondern das werden auch unsere Caritas-Mitarbeiterinnen aus ihrer Praxis im Kindergarten gerne bestätigen.

Wir befinden uns hier an einem Marienwallfahrtsort, am Vortag des Festes "Mariä Geburt". Ich selbst habe als kleines Kind hierher meine erste Wallfahrt mit den Eltern gemacht. Niemals habe ich die freudige Erregung vergessen, die die Feierlichkeit der Menschen und dieses Ortes in mir bewirkten. Wenn wir auf die Darstellung Mariens blicken, hier, aber auch überall anders auf dieser Welt, dann blicken wir auf eine junge Frau. Eine junge Frau, die dem Christentum ein junges und schönes Gesicht gibt. Eine junge Frau, die für den Neubeginn Gottes in einer vergreisten Welt steht. Eine junge Frau, die eine Brücke von der alten Religion zur neuen ist. Eine junge Frau, die in einem einseitig vermännlichten Christentum immer wieder hochgehalten und verehrt werden muss, um die weibliche Seite, die persönliche Seite der Kirche zu zeigen.

Und: wir sehen eine junge Frau, die ein Kind zur Welt gebracht hat und im Arm trägt, ein Kind, das die Hoffnung und Rettung aller Menschen ist. Das heutige Evangelium lässt uns das unmissverständlich wissen: "Man wird dem Kind den Namen Immanuel geben", schreibt Matthäus, "das heißt übersetzt: Gott ist mit uns." Indem der Sohn Gottes eine menschliche Mutter hat und indem er als Kind in diese Welt kommt, vergöttlicht er uns alle. Gott stellt sich selbst als Kind in diese Welt, und dadurch stellt er das Kind in die Mitte.

Damit stellt er das Kind unter seinen besonderen Schutz: "Lasset die Kleinen zu mir kommen!", sagt Jesus. Kinder sind weder ein "Recht" noch der "Besitz" ihrer Eltern oder der Gesellschaft. Kinder kommen - wie überhaupt jeder Mensch - selbst aus Gottes Freiheit und stehen vom Moment ihrer Zeugung an mit eigenem Recht in dieser Freiheit Gottes. Was ist das hingegen für eine seltsame Freiheit, zu deren Rechten es zählt, die Freiheit des Anderen, des Ungeborenen, gleich von Anfang an einzuschränken?

Kinder sind - wie Maria, in der Gott Kind wurde - ein Neubeginn, und sie sind die Zukunft. Sie sind es für den Polizisten im Film, der ein neues Leben beginnt, sie sind es aber auch für die ganze Menschheit! Bodenschätze gehen zu Ende, Reichtümer verbrauchen sich, Technologie veraltet - aber Kinder als der "ewig neue Mensch" mit seinen ewig neuen Möglichkeiten geben uns wahre Hoffnung. Kinder sind keine Bedrohung und keine Einschränkung einer fragwürdigen "Selbstverwirklichung", sondern sie sind im tiefsten Sinne des Wortes unsere Zukunft!

Eine Gesellschaft, die das Kind in die Mitte stellt, es in seinen Rechten und Bedürfnissen respektiert, wird dazu tendieren, alle Menschen gut zu behandeln. Eine Gesellschaft, die das Kind ausklammert, wird langsam aber sicher barbarisch. Ein kirchlicher Kindergarten ist daher, gleich nach der Familie, eine Wiege der Zukunft. Und ein Kindergarten, der bereits 40 Jahre lang diesem Vermächtnis Gottes verpflichtet ist, verdient unser aller Dank und Anerkennung. 40 Jahre lang - eine biblische Zahl! - wurden hier Menschen in ihrem frühen christlichen Heranwachsen begleitet.

Als Bischof unserer Diözese habe ich Grund, allergrößten Dank auszusprechen: der Pfarre, die dies mitträgt, sowie unserer Caritas mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Ich darf Euch alle bitten, weiterhin durch Euer Tun das "Kind in die Mitte" zu stellen und dadurch der heutigen kinder- und lebensfeindlichen Gesellschaft ein höchstnotwendiges Zeichen entgegenzusetzen!

Dazu vertraue ich Euch alle dem Schutz der Muttergottes, der Mutter aller Menschen an und bitte um ihren Segen für Euch und Euer Wirken.

Amen.

Predigt zur Dreiländerwallfahrt

Frauenkirchen 8.9.2014


Am heutigen Fest „Mariä Geburt“ geht unser Blick auf Maria, die Mutter Jesu. Sie ist uns Menschen von Jesus am Kreuz zur Mutter und Wegweiserin gegeben. In ihr erkennen wir auch unseren Lebensweg von der Geburt bis zum Ziel.
Heute sind wir alle zur „Mutter von der Heide“ nach Frauenkirchen gekommen, um diesen Marienfeiertag und das Patrozinium dieses prächtigen Gotteshauses zu begehen – wie es die Menschen dieses pannonischen Raumes über Jahrhun-derte gemeinsam tun: Deutsche, Kroaten, Ungarn, Slowaken und Roma.
Heute möchte ich bewusst auf das erste Gnadenbild von Frauenkirchen schauen und an seine wunderbare Wirkung und Bedeutung erinnern. Es ist eine seltene und kostbare „Maria-Lactans-Darstellung“.

Was ist die Bedeutung dieses ersten + alten  Gnadenbildes „Maria Lactans“?
Die Bedeutung dieses lateinischen Wortes lautet: „Maria, die Stillende“.
Das Bildmotiv war bereits in vorchristlicher Zeit in kultischem Zusammenhang gebräuchlich. In christlicher Deutung unterstreicht dieses Bild die menschliche Natur von Jesus Christus und damit die Erlösung durch die Menschwerdung Gottes im Kind von Betlehem. Das Bild widerspricht auch einer leibfeindlichen Deutung der christlichen Botschaft.

Beim genauen Blick auf das alte Gnadenbild fallen einem sofort zwei Dinge auf:

1. Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm, das an der Brust liegt und mit der Mutter auf die Hl. Schrift schaut, die Maria in der anderen Hand offen hält.
Dieses Bild der „stillenden Mutter“ möchte uns sagen, wo die wahre Nahrung für unser Leben zu suchen ist, und dass wir Gottes Wort in uns wie die Nahrung für den Leib als Nahrung für die Seele aufnehmen, mit der Muttermilch zu uns nehmen sollen. Maria gibt ihrem Kind eine gute, gesunde und Leben spendende Nahrung, in der alle Vitamine für Körper, Seele und Geist enthalten sind.
Maria will auch uns, ihren Kindern, diese gute Nahrung für das Leben geben und zeigt uns im ersten Gnadenbild von Frauenkirchen, wo sie zu finden ist.
In einer Welt und Zeit, in der Väter und Mütter ihren Kindern die beste Nahrung geben für den Leib und sie mit allen nur denkbaren Mitteln füttern, scheint die Nahrung für die Seele – Gebet, Gottes Wort der Heiligen Schrift, Gottesdienst, Sakramente – kaum mehr eine Rolle zu spielen. Leiden unsere Kinder nicht un-ter dem Vitaminmangel an Gott und seinem Wort? Sind wir moderne Menschen nicht in Gefahr nur einseitig erzogen und ernährt zu werden – alles für den Leib und kaum etwas oder nichts für die Seele? Wird da nicht eine einseitige, an Vi-tamin G mangelnde, kranke Generation herangezogen, die den Sinn des Lebens und die Orientierung verloren hat?
Das Gnadenbild der „stillenden Mutter“ zeigt uns, dass Gottes Wort zu einem gesunden Leben gehört, uns Menschen Nahrung ist, Kraft und Orientierung gibt.
2. Maria mit dem Jesuskind wird als Mutter und Königin dargestellt.
Der vornehmste Auftrag einer Königin im Mittelalter war neben der Mutterrolle das fürbittende Dazwischenstehen zwischen Urteil und Verurteilten. Für die Menschen damals war die Königin die größte Hoffnung, Begnadigungen zu er-wirken, Auszeichnungen zu erbitten. Sie war die schenkende Hand des Königs.
Maria als Mutter und Königin will uns als sichtbares Zeichen der Mütterlichkeit Gottes sagen: Du darfst dich zu Gott hintrauen. Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben. Ich lege für dich Fürbitte ein. Ich weiß, wo dich der Schuh drückt. Ist das nicht für uns alle eine hoffnungsvolle und trostvolle Botschaft in unseren oft schwierigen Lebenssituationen in Ehe und Familie, Beruf und Gesellschaft?

Wenn wir heute am Kleinfrauentag nach Frauenkirchen zur „stillenden Mutter“ mit unseren Freuden und Sorgen gekommen sind und hier vor ihrem Gnadenbild singen, beten, danken, weinen, um Segen und Hilfe bitten, dann erinnert sie uns: Alles im Leben kommt von Gott, der in Wort + Sakrament unsere Nahrung ist.
Als Königin trete ich wie eine Mutter für dich ein, weil ich weiß, was du als Na-hrung brauchst, wo dich der Schuh drückt. Aber sie bittet auch uns miteinander liebevoll umzugehen und im Alltag des Lebens einander helfend beizustehen!
Das Jesuskind, das ich als Mutter stillen durfte ist dieser Immanuel/Gott mit uns.

Der Mutter von der Heide vertraue ich heute unsere Diözese, diese ihr geweihte Kirche und Pfarrgemeinde, unsere Familien, die Mütter mit ihren Kindern sowie alle Pilger, besonders unsere Nachbarn aus Ungarn und der Slowakei an! Amen.

Samstag, 6. September 2014

Predigt zum Mariazellerfest im Wiener Stephansdom

06.09.2014

Wir alle sind heute in den Wiener Stephansdom zum traditionellen Mariazeller-fest gekommen und schauen auf Maria, auf ihre Zukunft, die auch unsere ist. Um aber in rechter Weise auf unsere Zukunft zu schauen, sollten wir zuerst aber auf den Anfang unseres Heils schauen. Maria ist uns dabei eine große Hilfe.
In Maria begegnet uns „Gottes makelloses Konzept“ vom Menschen.
An dem, was wir aus der Bibel von ihr wissen, wird sichtbar, wie sich Gott den Menschen denkt und wünscht; welche Vorstellung er von einem gelingenden Leben hat; wie sein Plan und Programm für ein erfülltes Leben aussieht.
Wer zum Mariazellerfest kommt und auf die Kopie der Gnadenstatue von Mariazell schaut, der kann sehen, wie Gott unser Leben konzipiert hat.
Zu einem erfüllten Leben/Menschsein/Christsein gehören vor allem 3 Dinge:

Zu einem erfüllten Leben gehört zuerst einmal, darauf zu hören, was Gott uns sagt, was er mit uns vorhat, welche Lebensaufgabe er uns zugedacht hat, was er uns an Chancen und Möglichkeiten zuspielt, zutraut und sich von uns erwartet.
Maria wird uns in der Bibel beim Besuch des Engels Gabriel im Haus von Na-zareth als eine große Hörende vor Augen gestellt. Nur weil Maria bei Gottes Ruf zu Hause, still und aufmerksam war, ja zuhören konnte, war es ihr überhaupt möglich Gottes Wort/Ruf/Einladung zu hören, zu überdenken und anzunehmen!
Hat der moderne Mensch trotz bester Technik und Kommunikationsmittel in der Hektik u. im Lärm der Zeit nicht weithin das Hören – Glauben – Beten verlernt?
Maria bestätigt mit ihrem Leben das Wort der Bibel, dass der Glaube vom Hö-ren kommt. Elisabeth bezeugt: „Selig ist die, die geglaubt hat, was der Herr ihr sagen ließ.“ Nur weil sie im Haus von Nazareth zu Hause, still und aufmerksam war, konnte sie Gottes Wort hören und annehmen. Machen wir es Maria nach!

Zu einem erfüllten Leben gehört aber auch ein zweites, nämlich entsprechend dem Gehörten zu handeln; dem Ruf oder der Berufung zu folgen; das in die Tat umzusetzen, was wir als unseren Auftrag erkannt haben.
Marias „Ich bin die Magd des Herrn“ zeigt, dass sie ihre Lebensaufgabe anni-mmt, dass sie Jesus – im wahrsten Sinne des Wortes – „zur Welt bringen“ will.
Maria lebt und handelt aus dem Schatz ihres Glaubens. Sie hat einen Blick für Arme, Niedrige und Erniedrigte, alle Opfer an den Rändern der Gesellschaft.
Haben wir moderne Menschen nicht weithin aufgehört auf Jesu Botschaft zu hören und nach ihr im Leben zu handeln, weil es von uns Opfer, Umkehr und den Mut zum Zeugnis, zum Schwimmen gegen den Strom abverlangt? Sind wir oft nicht nur mit uns selbst beschäftigt u. lässt uns die Not Anderer nicht kalt?
Maria bestätigt mit ihrem Leben, dass der Weg der Nachfolge nicht leicht aber möglich und erfüllend ist. Der Christ soll wie Maria mit den Augen Jesu sehen, Jesu Gesinnung haben und wie Jesus handeln, das heißt: Mit Jesu Augen Gottes Schöpfung und den Mitmenschen sehen, besonders den Armen u. Notleidenden, und wie Jesus zu handeln mit unseren Fähigkeiten. Machen wir es Maria nach!
Zu einem erfüllten Leben gehört schließlich auch das Hinweisen: Wer auf Jesus hören, in seinem Sinn handeln will, wer darin den Sinn seines Lebens sieht – der möchte auch andere auf Jesu Botschaft aufmerksam machen, sie zum Glauben an ihn führen – oder wie Jesaja in der Lesung sagt – Völker wandern zum Licht.
Maria weist im Mariazeller Gnadenbild auf Jesus hin. Sie lädt andere ein, auf Jesus zu schauen und sein Wort zu hören „Was er euch sagt, das tut!“ so lenkt Maria im Hochzeitssaal von Kana den Blick nicht auf sich, sondern auf Jesus.
Haben wir moderne Christen nicht weithin aufgehört unseren Kindern und Mit-menschen glaubwürdige Wegweiser und Hinweisschilder zu Gott zu sein?
Maria bezeugt in ihrem Leben, dass sie im Alltag d. Glauben lebte, dass Gebet, Gottesdienst, Wallfahrt von Bedeutung waren. Machen wir es Maria nach!

Hören – Handeln – Hinweisen: 3 Bausteine für ein sinnvolles Lebenskonzept, einen klaren Lebensentwurf, ein erfülltes Menschsein und Christsein, wie wir sie an Maria ablesen können. Wenn wir uns an diesem Konzept orientieren und ver-suchen die 3 H´s  „Hören – Handeln – Hinweisen“ zum Grundmuster unseres Christseins zu machen, dann hat unser Leben nicht nur einen großen Anfang, sondern auch ein großes Ziel, eine große Zukunft – wie das Leben Marias!

Als Pilger sind wir heute zum Mariazellerfest in den Stephansdom gekommen, um auf Maria zu schauen, um uns an ihrem Beispiel zu orientieren und sie um ihre Fürsprache zu bitten: Große Mutter Österreichs, hilf uns, dass auch wir im Leben wie du Gottes Wort hören, im Alltag danach handeln und mit unserem Leben unsere Mitmenschen auf Jesus und seine Botschaft hinweisen! Amen.