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Diözese Eisenstadt - Seitentitel
Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 7. Juli 2014

Predigt anlässlich der 3. Diözesanwallfahrt nach Mariazell - 5. Juli 2014

Wir sind heute zum dritten Mal als Diözesanfamilie von Eisenstadt unter dem Motto „Gemeinsam den Weg finden“ zur Wallfahrt nach Mariazell gekommen. Diese Diözesanwallfahrt zur „Mutter von Zell“ lässt uns am Ende eines Schul- und Arbeitsjahres aus der Hektik des Alltags heraustreten, für Geschenktes in diesem Jahr Dank sagen und als Einzelne, Familie, Ehejubilare, Diözese und Pfarrgemeinde ein wenig inne halten, um „gemeinsam den Weg zu finden“. Was braucht es für unseren gemeinsamen Weg als Christen in dieser Zeit? Die Lesungen dieser Pilgermesse geben uns da 3 Sätze mit auf unseren Lebens- und Glaubensweg, über die ich mit Euch in dieser Predigt nachdenken möchte.

Der erste Satz lautet: „Steh auf und zieh nach Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt.“
Das sagte der Engel des Herrn in der gehörten Lesung aus der Apostelgeschichte zu Philippus, um ihn wachzurütteln, damit er zum Werkzeug Gottes für seine Mitmenschen wird, konkret für den Äthiopier, der auf dem Weg vom Heiligtum in Jerusalem nach Gaza = Alltag war, und den er zu Jesus, zur Taufe hinführt.
Sagt nicht auch zu uns der Engel des Herrn: Steh auf und zieh auf der Straße vom Heiligtum hier in Mariazell hinunter in das Burgenland, um wie Philippus als Werkzeug Gottes Deine Mitmenschen zu Jesus zu führen? Zu uns sagt er: Steh auf aus Deinem Schlaf, Deiner Müdigkeit und Resignation!
Steh auf aus Deiner Sattheit, Ichbezogenheit und Gleichgültigkeit!
Steh auf aus Deinem Desinteresse an Gott, Glaube, Kirche, den Mitmenschen, am gesellschaftlichen und politischen Geschehen!
Damit wir aufstehen können, braucht es neben der Gnade Gottes und unserem Bemühen vor allem auch die gegenseitige Hilfe und Unterstützung auf dem Weg – seien wir deshalb als Christen einander Engel, die sich gegenseitig ermutigen und trotz aller Herausforderungen des Lebens immer wieder sagen: Steh auf!

Der zweite Satz lautet: „Geh und folge diesem Wagen.“
Auch das sagte der Engel des Herrn in der Lesung aus der Apostelgeschichte zu Philippus, um ihn zu einem bestimmten Menschen – dem Hofbeamten d. Königin v. Äthiopien – zu führen. Philippus hört den Auftrag des Herrn u. folgt ihm. Er steigt in den Wagen des Äthiopiers ein und fährt mit, kommt mit ihm ins Gespräch, das zu einem geistlichen Gespräch wird, unterweist ihn im Glauben an Jesus, tauft ihn und entlässt ihn wieder in den Alltag des Lebens.
Sagt nicht auch zu uns der Engel des Herrn: Geh und folge diesem Wagen? Sollten wir nicht wie Philippus auf unserem Lebensweg unseren Mitmenschen nachgehen, mit ihnen ins Gespräch, auch ins geistliche Gespräch kommen, ein Stück des Weges mit ihnen mitgehen/fahren, sie im Glauben unterweisen, d. h.: ihnen von unserem Glauben an Jesus erzählen, sie zur Begegnung mit Jesus führen durch das Wort der Schrift und das Sakrament, sie so für den Alltag rüsten. Das ist die Aufgabe der Kirche, von uns Christen: Geh und folge dem Wagen!
Menschen wie der Äthiopier warten auf Dich zu Hause in Deiner Familie, in Schule u. Beruf, Kirche und Gesellschaft – bezeuge dort Deinen Glauben!

Der dritte Satz schließlich lautet: „Was er euch sagt, das tut!“
Dieses Wort sagt Maria im heutigen Evangelium zu den Dienern im Hochzeitssaal von Kana als sie den in Not geratenen Eheleuten hilft und beisteht.
Sagt Maria hier im Gnadenbild von Mariazell – sie zeigt mit dem Finger auf Jesus – nicht auch zu uns dasselbe wie in Kana: „Was er euch sagt, das tut!“?
Maria sagt es zu uns Menschen/Christen, die wir immer wieder in Not geraten – als Einzelne, Kinder und Jugendliche, Eheleute und Familien, Berufstätige und Arbeitslose, Reiche und Arme, Gesunde und Kranke, Kirche und Gesellschaft, in Politik und Wirtschaft. Im Hochzeitssaal von Kana erfahren wir aber: unsere Not kann verwandelt werden in Freude, wenn wir uns einlassen auf Marias Rat: „Was er euch sagt, das tut!“ Unser schwieriges Leben wird zu einer Hochzeit, wenn wir tun, was Jesus sagt! Hier in Mariazell erinnert uns Maria daran!

Damit wir als Einzelne und Familie, Diözese und Pfarrgemeinde gemeinsam den Weg finden und gehen, tragen wir die Worte des Engels und Marias in Kopf und Herz, ja lassen wir sie in unserem Leben wirklich zur Tat werden:
„Steh auf – Geh und folge dem Wagen – Was er euch sagt, das tut!“ 
Gottes Segen und die Fürsprache Unserer Lieben Frau von Zell begleite uns – besonders unsere Ehejubilare – auf unserem gemeinsamen Lebens- und Glaubensweg, damit wir einmal zum himmlischen Hochzeitsmahl gelangen, von dem wir schon jetzt in der Feier der Eucharistie etwas vorausahnen dürfen! Amen.

Dienstag, 1. Juli 2014

Predigt anlässlich des 40-jährigen Priesterjubiläums von Dechant Kan. Dr. Erich Seifner

Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics 
Predigt anlässlich des 40-jährigen Priesterjubiläums von Dechant Kan. Dr. Erich Seifner
(Hochfest der Apostel Peter und Paul, 29. Juni 2014,
in der Stadtpfarrkirche Oberwart)

Liebe Schwestern und Brüder!

In diesen Tagen und Wochen bewegt der Fußball die Gemüter vieler Menschen. Der schweißtreibende Kampf, in dem zwei Mannschaften 90 Minuten lang dem runden Leder nachjagen, fasziniert Millionen. Es fesselt Menschen so sehr, dass die Begeisterung, mit der die Fans ihren Teams begegnen, beinahe religiöse Züge annehmen kann. Gewiss, Fußball ist nicht gleich Gottesdienst - wenn auch viele für den Sieg ihrer Mannschaft beten und in den Kirchen Kerzen anzünden. Aber es muss tief drinnen in diesem Spiel etwas geben, das die Menschen so anrührt. Was ist es bloß?

Da sind einerseits die Spieler, Spitzenathleten, die höchsten Einsatz   zeigen, die alles geben, die an den Sieg glauben. Auf der anderen Seite aber hat niemand von ihnen das Ergebnis in der Hand, weil sehr viel Glück, Zufall, "Gnade" im Spiel ist. Auf dem Fußballfeld paaren sich also menschlicher Glaube und menschliche Anstrengung  mit einer Gnade, die nicht in menschlicher Hand liegt.

Daher, liebe Schwestern und Brüder, erkennen wir auf dem Fußballrasen so sehr unsere eigene Existenz wieder:  "Am Ende soll alles gut werden, soll alles einen Sinn gehabt haben!" - genau das ist der tiefste Wunsch, der in jeder Menschenseele lebt. Und er ist die Keimzelle unseres christlichen Glaubens - dass da jemand über uns ist, der will, dass unser Leben gut wird. Weil er uns ernst nimmt. Weil er uns liebt. Jemand, der die fehlenden Zentimeter, die wir selbst nicht zustandebringen, unsrem Tun hinzufügt und den Ball so ins Tor lenkt.

Am heutigen Hochfest feiern wir zwei "Spitzenspieler" auf dem Spielfeld des Glaubens. Beiden, Petrus wie Paulus, wurde von Gott der Ball zugespielt. Es war ein Pass mitten hinein in beider Leben: den einen traf der Ball relativ sanft bei der Arbeit am Ufer des Sees Genezareth, den anderen sehr direkt und hart, als er vor Damaskus vom Pferd fiel. Beide aber nahmen den Ball auf und spielten auf die ihnen gegebene Weise mit in Gottes Team. Petrus als starker Verteidiger - Jesus nannte ihn nicht umsonst den "Felsen". Paulus - aufbrausend und cholerisch - als starker Stürmer, der das Geheimnis Gottes auf dem Spielfeld weit nach vorne trug, bis an die Enden der Welt. Beide spielten mit höchstem Einsatz: ihre zeitliche Existenz wurde von der römischen Justiz durch die Todesstrafe beendet.

Liebe Schwestern und Brüder! Auch von uns will Gott, dass wir mitspielen. Immer wieder spielt er uns Pässe zu und hofft darauf, dass wir seinen Ball weitertragen. Er stellt uns allen die Frage, die Jesus im heutigen Evangelium seinem Spitzenverteidiger gestellt hat: "Petrus, liebst du mich?" Wir alle haben in unserem Leben diese Frage schon mehrmals offiziell mit einem Ja beantwortet - zuerst bei unserer Taufe, dann bei der Erstkommunion, dann noch einmal bei unserer Firmung. Es waren gewissermaßen unsere feierlichen Angelobungen als "Spieler" vor "Spielbeginn". Doch ob wir wirklich echte Spieler sind und die Liebe Gottes auch in unseren Herzen erwidern, selbst wenn es Hindernisse und Anfeindungen gibt, das muss jeder von uns für sich selbst beantworten.

Wir feiern heute aber auch jemanden, der die Liebesfrage Jesu mit einem sehr radikalen Ja beantwortet hat: nämlich mit dem Eintritt in die Christusnachfolge und in den priesterlichen Dienst. Auf den Tag genau vor 40 Jahren hast Du, lieber Herr Stadtpfarrer, ein großes Ja zu Gott gesagt. Am 29.6.1974 wurdest Du von Bischof Stefan László im Martinsdom zum Priester der Diözese Eisenstadt geweiht. Von da an hast Du Dein Leben der Verkündigung der Botschaft Jesu geweiht - zunächst als junger Kaplan in Jennersdorf, dann als Studienpräfekt am Bischöflichen Seminar in Mattersburg - auch als mein Präfekt, dann als Pfarrer in Eberau-Gaas-Bildein. Seit 22 Jahren bist Du hier in Oberwart, in der "Metropole des Südens", wie Du gerne sagst, Stadtpfarrer. Daneben hattest Du auch für kürzere Zeit Verantwortung für die Pfarren St. Martin i.d.W., Unterwart und Wolfau-Kitzladen. Aber auch als Dechant, als Dekanatsfrauenseelsorger, als Mitglied der Ökumene-Kommission, Geistlicher Assistent des Katholischen Akademikerverbandes, als Mitglied des Diözesanrates und als Kanoniker des Eisenstädter Domkapitels hast Du Deine Berufung gelebt.

Deine besondere Zuwendung, lieber Erich, galt aber immer den theologischen Grundlagen und der katechetischen Dimension unseres Glaubens. Du erwarbst den Doktor der Theologie in Graz - Dein Doktorvater, Universitätsprofessor DDr. Valentin Zsifkovits, ist heute unter uns - und Du hast gerade auch als Religionslehrer und als Schulamtsleiter unserer Diözese immer größten Wert auf das Glaubenswissen der Dir anvertrauten Menschen gelegt - dies gilt besonders auch für die Sakramentenvorbereitung in der Pfarre. Auch Dein engagierter Predigtdienst zeugt von dieser Haltung!

Unermüdlich und standhaft bist Du immer für die Lehre der Kirche und gegen schleichenden Relativismus und weltliche Aushöhlung des Gottesglaubens eingetreten. Dir ist wichtig, dass Gott und sein Geheimnis im Mittelpunkt unseres Glaubens und der Kirche bleiben - dabei bist Du besonders von Deinem Lehrer Joseph Ratzinger in Regensburg geprägt worden. Papst Benedikt XVI. hat Dir deshalb mit größter Freude auf meine Bitte hin zu Deinem Jubiläum ein Exemplar seines letzten Buches persönlich signiert. Ich darf es Dir heute übergeben.

Lieber Erich: Ich weiß, dass Du kein Fußballfanatiker bist, aber das ändert nichts daran, dass Du für mich ein großer "Tormann" bist. Du kannst harte Bälle halten. Du lässt Dich für Deine christliche Überzeugung anschießen. Du bist gewohnt, etwas einzustecken. Du stehst zu den Dingen und nennst sie beim Namen, manchmal etwas kantig, so wie es eben Deine Art ist. Und manche - lieber Erich, wir alle wissen es! - sind beim Anschießen Deiner Person nicht zimperlich - leider gehört auch das Foul zum Spiel.

Du aber warst immer ein echter Spieler in Gottes Team. Mit Deiner harten Schale, hinter der ein höchst gefühlvoller Kern steckt, bist Du der Spitzenathlet, der höchsten Einsatz zeigt, der alles gibt, der an Gottes Sache glaubt. Und auch Du hast, wie wir alle, das Ergebnis des Spiels nicht in der Hand. Doch dass die Gnade Gottes die fehlenden Zentimeter, die Du, lieber Erich, mit Deinen menschlichen Grenzen nicht zustande bringst, immer hinzugefügt hat - das beweist wohl der Blick auf Dein langes und sinnerfülltes Priesterleben.

Und dafür, dass Gott Dich in seiner Liebe immer getragen hat und Du Dich von Ihm hast tragen lassen, dafür wollen wir alle heute gemeinsam mit Dir Gott preisen und für 40 Jahre priesterlichen Dienstes mit allen Höhen und Tiefen danken. Als Bischof sage ich Dir für Deine treue Hilfe und Unterstützung in der Leitung der Diözese sowie für Dein Vertrauen ein schlichtes, von Herzen kommendes "Vergelt's Gott!" - Danke sage ich auch allen, die Dich auf Deinem Weg begleiten!

Mögen Petrus und Paulus - der Verteidiger und der Stürmer, die es in der Kirche braucht - Dir beim weiteren Spiel Vorbild und "Trainer" sein!

Möge Gott unserer Diözese weiterhin Christen und Priester schenken, die wie Petrus die Frage "Liebst Du mich?" durch ein Leben in der Nachfolge beantworten!

Und möge Gott uns alle in Seiner Gnade erhalten, damit wir seine Liebe erwidern und er so unseren Ball ins Tor lenkt!

Amen.