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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 3. November 2014

Predigt anlässlich der Amtseinführung von P. Erich Bernhard und Allerheiligen - 1. November 2014

Heute ist ein besonderer Tag für die Kirche – wir feiern weltweit das Hochfest Allerheiligen, wir denken dabei an die vielen Männer und Frauen in der Kirche, die durch die Jahrhunderte Jesus Christus nachfolgten und von der Kirche den Menschen als Heilige zum Vorbild gegeben wurden, wir sollen uns aber heute auch erinnern, dass wir alle in Taufe und Firmung zur Heiligkeit berufen sind und als Christen im Alltag für Jesus ein glaubwürdiges Zeugnis ablegen sollen. Heute ist auch ein besonderer Tag für die Diözese Eisenstadt – am heutigen Tag im Jahre 1960 erfolgte in der zur Kathedralkirche erhobenen Stadtpfarrkirche zum hl. Martin in Eisenstadt die feierliche Publikation der Errichtung unserer Diözese und die Besitzergreifung durch den 1. Diözesanbischof Stefan László.
Heute ist aber auch ein besonderer Tag für die Dompfarre – heute wird der neue Dompfarrer P. Mag. Erich Bernhard mit seiner neu errichteten Ordensgemeinschaft der Kalasantiner und den Schwestern der Jüngersuche begrüßt und feierlich in sein Amt eingeführt. Unser aller Freude ist daher heute überaus groß!

Am Tag der Amtseinführung des neuen Dompfarrers ist die Frage angebracht: Was sind die Aufgaben eines Priesters/Pfarrers in der heutigen Welt?

Der Priester/Pfarrer ist erstens Zeuge des Evangeliums Jesu Christi.
Die Botschaft von Jesu Leben, Tod und Auferstehung kann kein Mensch erdichten und sich selbst sagen, er kann sie sich nur sagen lassen, dankbar empfangen. Ein Priester steht deshalb zuerst im Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Er propagiert nicht eigene Ansichten und Meinungen, sondern er ist demütiger Diener dieser Wahrheit, in die er hineinwächst, von der er sich formen lässt und die er überzeugend oft gegen den Trend der Zeit weitergibt. Wer aber wirklich für das Evangelium Zeugnis ablegen will, muss von dieser Wahrheit selbst überzeugt sein. Von solchem Überzeugtsein her lässt sich auch das ableiten, was wir als Mission/Evangelisierung bezeichnen.
Die Seligpreisungen Jesu – die wir eben im Evangelium der Bergpredigt gehört haben – sind die "Magna Charta" der Christen, die mitten in der Welt den Mut haben, anders zu sein; sind auch die erste Aufgabe des Priesters/Pfarrers, sein erstes, wichtigstes pastorales Programm – die Sorge um die Armen, Trauernden, Hungernden, Verfolgten, Mühseligen und Beladenen, um jene am Rand!
Braucht es heute so gesehen nicht eine neue missionarische Anstrengung in unserer Kirche, Pfarrgemeinden, Familien – Christen, Männer und Frauen, vor allem aber auch Priester, Diakone, Ordensleute als Zeugen des Evangeliums der Bergpredigt, die diese Seligpreisungen Jesu im Alltag glaubwürdig leben?

Der Priester/Pfarrer ist zweitens Treuhänder.
Ihm ist ein Erbe anvertraut, das er weiterzugeben hat, und zwar ohne sich anzupassen, aber auch ohne eigenwillige und selbst erfundene Zusätze. Dieses Erbe gibt er vor allem weiter in der Liturgie. Denn im Gottesdienst der Kirche wird uns Menschen am deutlichsten bewusst, dass wir den Glauben nicht selbst herstellen, dass wir ihn nur empfangen und weitergeben können. Der Priester als Vorsteher der Liturgie ist berufen und verpflichtet, es sinnenfällig zu machen, dass der Gottesdienst nicht einfach nur eine Veranstaltung der Kirche ist, sondern dass Christus der eigentliche Gastgeber im Gottesdienst ist, den der Priester repräsentieren darf. Und es versteht sich von selbst, dass ein Treuhänder seine Aufgabe nur erfüllen kann, wenn er selbst treu ist, wenn er sich in das Erbe, das ihm aufgetragen und anvertraut ist, einwurzelt und es glaubwürdig lebt.
Wenn gerade heute so vieles in Brüche geht, ist das nicht ein Zeichen dafür, dass uns in Kirche und Gesellschaft Treuhänder fast abhanden gekommen sind?

Der Priester/Pfarrer ist drittens auch ein Gärtner.
Seine Aufgabe besteht darin, zu pflegen, zu hüten und zu bebauen. Seelsorgliche Arbeit ist also im biblischen Sinne des Wortes Gärtnerarbeit. Dabei wissen wir alle aus eigener Erfahrung, dass es im Garten Gottes verschiedene Gewächse gibt und es nicht immer leicht ist, mit allen zurechtzukommen. Es sind oft tiefere Grabungen in der Erde notwendig, damit der Boden wieder neue Luft erhält. In alledem muss uns das Wort des Apostels Paulus wichtig sein: "Nicht der ist etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Wachstum gibt." Alle seelsorgliche Arbeit hat sich dessen bewusst zu sein, dass das Wachsen-Lassen nicht ihre Aufgabe ist, sondern dass es die Sache Gottes ist, unsere Aufgabe aber im Bebauen, Begießen und im Pflanzen besteht.
Braucht es nicht gerade heute in Kirche und Gesellschaft mehr solche Gärtner?
Du, lieber P. Erich, wirst heute in das Amt des Dompfarrers von Eisenstadt eingeführt und Du übernimmst mit Deiner Ordensgemeinschaft der Kalasantiner und den Schwestern von der Jüngersuche die Seelsorge an unserer Dompfarre. Du – besser gesagt – Ihr sollt Zeugen des Evangeliums der Bergpredigt sein, Menschen, die sich um Arme, Trauernde, Hungernde, Verfolgte, Suchende, Verwundete, Gescheiterte kümmern; seid mit allen barmherzig und Friedensstifter!
Du/Ihr sollt Treuhänder sein – Menschen, die das ihnen anvertraute Erbe treu weitergeben, die Liturgie hier in der Domkirche durch das Kirchenjahr pflegen und die übernommen Pflichten als Priester/Ordensleute treu erfüllen!
Du/Ihr sollt auch Gärtner sein – Menschen, die das ihnen übertragene Feld mit viel Liebe, Einsatz und Geduld umgraben, neu pflanzen, pflegen und bestellen!
Fürchtet Euch nicht und werdet nicht mutlos, wenn Ihr in der Dompfarre nicht immer und überall auf fruchtbaren Boden, sondern oft auch auf Beton stoßt! Behaltet Euch die Freude in der Seelsorge nicht nur bei Sonnenschein, sondern auch dann wenn es – wie heute – kalt, nebelig ist, ja sogar bei Schnee, Glatteis!

Was kann ich Dir als Bischof für Deinen Dienst als Pfarrer raten? Ich kann Dir nur den Rat von Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben "Evangelii gaudium" weitergeben, den er den Hirten der Kirche gegeben hat: sie sollen dem Volk Gottes vorangehen; sie sollen inmitten des Volkes Gottes stehen; sie sollen dem Volk Gottes auch nachgehen. Mach Dir diese Haltung als Pfarrer zueigen! Sei für alle offen, lade sie ein, begleite sie, hab Verständnis – um es mit Papst Franziskus zu sagen – heile die Wunden der Menschen und erwärme ihre Herzen!
Was darf ich mir als Bischof von Dir und Eurer Ordensgemeinschaft erbitten? Ich erbitte und erwarte mir als Bischof eine gute Arbeit mit allen Mitarbeitern in der Dompfarre, eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Domkapitel, dessen Mitglied Du bist sowie eine gute Nachbarschaft und Einheit mit dem Bischof und der ganzen Diözese, damit unsere Dompfarre zu neuem Leben ersteht und unsere Arbeit für alle zum Segen ist; mein größter Wunsch ist, dass aus einem nebeneinander ein miteinander und füreinander wird – ich schenke Dir und dem neuen Pastoralteam mein Vertrauen und verspreche Euch alle Unterstützung und Begleitung im Gebet!
Was soll ich Dir und Deiner Gemeinschaft als Bischof wünschen? Ich wünsche Dir/Euch, dass Ihr glaubwürdige Zeugen Christi, Treuhänder und Gärtner seid! Dazu viele gute Menschen, Mitarbeiter, Helfer und Beter in der Dompfarre, die mit Euch den Weg gehen!

Liebe Gläubige der Dompfarre, ich weiß, dass Ihr ein schweres Jahr hinter Euch habt und viele Menschen wegen der traurigen Vorkommnisse enttäuscht, ja hart auf die Probe gestellt wurden – nehmt Euren neuen Pfarrer und das Pastoralteam an und geht als Pfarre in Einheit mit dem Bischof, der Diözese, dem Domkapitel gemeinsam den Weg, dann wird die Gegenwart und Zukunft gesegnet sein!
Als Bischof danke ich allen in der Dompfarre für die Mitarbeit in diesem Jahr – besonders unserem Generalvikar Martin und Dompropst Hubert sowie dem PGR und allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern für den Einsatz/Engagement!
Mein besonderer Dank gilt auch dem bisherigen Dompfarrer Mag. Josef Prikoszovits für seinen langjährigen segensreichen seelsorglichen Dienst in den verschiedenen Pfarren unserer Diözese – zuletzt viele Jahre hier in der Dompfarre – möge ihn Gottes Segen begleiten auf dem Weg in einen neuen Lebensabschnitt!

Gottes Heiliger Geist, das Vorbild und die Fürsprache des heiligen Martin und aller Heiligen, besonders die Eurer Ordensgemeinschaft, begleiten Euch, Euer seelsorgliches Mühen und unsere Dompfarre in eine gesegnete Zukunft!
Und wenn es im seelsorglichen Dienst manchmal schwer wird, dann geht zur "Trösterin der Betrübten", unserem Gnadenbild hier im Dom, um Trost, Halt und Kraft zu finden! Amen.