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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 6. Oktober 2014

Requiem für Msgr. Aladar Richter, Eisenstadt-Oberberg - 26. September 2014

In diesen Wochen wird in unserer Gegend die Ernte eingebracht und damit verbunden der Erntedank festlich begangen. Wenn wir in dieser Stunde Abschied nehmen von unserem Herrn GR EKan. Msgr. Aladár Richter – dem langjährigen Regens unseres Priesterseminars, auch meinem Regens – dann begehen auch wir Erntedank. Wir bringen die Ernte eines langen und erfüllten Priesterlebens ein.

Das Leben und Wirken des Priesters Aladár Richter kann so beschrieben werden – er war als Seelsorger/Regens ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch.

Ein geistlicher Mensch ist ein Mensch, der selbst ein Tempel Gottes ist, in dem der Geist Gottes wohnt und er deshalb in seinem Leben auf die Lebenskraft des Geistes vertraut und sich ganz und gar auf sein Wirken verlässt.
Ein geistlicher Mensch ist also einer, der nicht allein auf das Sichtbare u. Machbare, auf das Planbare und Leistbare schaut, sondern der vielmehr auf das unverfügbare Wirken des Geistes Gottes baut, daraus lebt und ihm Raum schafft.
Nirgendwo wird geistliches Leben so konkret und anschaubar wie im Gebet und im Gottesdienst. Hier wird erfahrbar, dass im christlichen und kirchlichen Leben das Entscheidende von Gott her geschieht, aber auch wir dazu beitragen müssen. Geistliches Leben ist von dieser Spannung zwischen gläubiger Gelassenheit im Vertrauen auf den Geist Gottes und persönlichem Engagement in der Nachfolge Jesu geprägt. Diese Gelassenheit ist jene Grundhaltung, die ein Seelsorger von heute und morgen braucht, wenn er im kirchlichen Dienst bestehen will. Denn Seelsorge ohne den langen Atem führt entweder in rastlose Kurzatmigkeit oder in Frustration/Resignation. Diesen langen Atem bekommt man vom Hl Geist.
Aladár Richter war als Seelsorger und Regens ein durch und durch geistlicher Mensch. Seine Ruhe, Besonnenheit und Gelassenheit sind ein Zeichen dafür!

Ein weltlicher Mensch ist ein Mensch, der in der einen Hand die Bibel, in der zweiten Hand die Zeitung hält und beides miteinander in Beziehung setzten kann. Von diesem Grenzverkehr zwischen Bibel und Zeitung her erschließt sich eine zweite Dimension eines Seelsorgers von heute und morgen. Er muss nicht nur ein geistlicher, sondern auch ein ganz und gar weltlicher Mensch sein. Die Zeichen der Zeit wahrzunehmen, und zwar in der Überzeugung, dass sich in ihnen das Wirken des Heiligen Geistes selbst vernehmbar macht, gehört zu den großen Zumutungen des Zweiten Vatikanischen Konzils an den einzelnen Christen und an die ganze Kirche, besonders auch an die Seelsorger. Jesus mutet seinen Jüngern und damit auch gewiss den heutigen Seelsorgern zu, gute Meteorologen des Glaubens in der heutigen Welt zu sein, die auf die Zeichen der Zeit achten und in ihnen das Wirken des Hl. Geistes in der heutigen Welt wahrnehmen.
Als durch und durch weltliche Menschen erweisen sich Seelsorger darin, dass sie Gott in der heutigen Welt verkünden. Dazu aber müssen sie diese Welt von Grund auf kennen: sowohl die Nöte und Probleme, die Ängste und Sorgen der Menschen als auch ihre Freuden und Sehnsüchte. Weil eine geistliche Existenz ohne geistiges Leben und kulturelle Bildung auf Dauer nicht möglich ist, eignen sich Kulturbanausen nicht für den seelsorglichen Dienst in der heutigen Welt.
Aladár Richter war als Seelsorger und Regens ein durch und durch weltlicher Mensch. Seine Bildung, Kompetenz Bibel und Zeitung zu verbinden, bezeugen es!

Ein kirchlicher Mensch ist ein Mensch, der seine Talente und Fähigkeiten der konkreten Kirche am Ort in einer unbeirrbaren Gläubigkeit zur Verfügung stellt. Seelsorglicher Dienst gilt nicht einer von uns erträumten Kirche von morgen, die es nie geben wird oder einer romantischen Kirche von gestern, die es nie gegeben hat, sondern der konkreten Kirche am Ort mit ihren Schönheiten, Schwächen, und Fehlern – das ist wahre Kirchlichkeit.
Aladár Richter war als Seelsorger und Regens ein durch und durch kirchlicher Mensch. Seine Verfügbarkeit in verantwortungsvollen Diensten in unserer Diözese und seine Treue zu seiner Heimaterzdiözese Esztergom-Budapest zeigen es.

Der Seelsorger von heute muss ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch sein. Du, lieber Mitbruder und Regens Ali – wie wir alle Dich liebevoll nannten – warst ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch! Du hast eine ganze Priestergeneration unserer Diözese – zu der auch ich mich zählen darf – zu geistlichen, weltlichen und kirchlichen Seelsorgern erzogen – dafür danke ich Dir heute als Dein ehemaliger Alumne und heutiger Mitbruder und Bischof und sage Dir stellvertretend für viele Priester und für unsere Diözese Vergelt´s Gott!
Ich bin Gott dankbar, dass ich Dir bei meinem Besuch kurz vor Deinem Tod als Dein Zögling das Sakrament der Krankensalbung spenden durfte und dabei feststellen konnte, dass Du bis zum Schluss ein geistlicher, weltlicher und kirchlicher Mensch und Seelsorger geblieben bist, der aufmerksam und mit Gebet das Leben in Kirche und Welt verfolgte. Dein letzter Ratschlag als Regens, mir Deinem Schüler war wie immer liebevoll und ernst: Gidi, vergiss als Bischof nicht Gutes zu tun! Ich denke, diesen Rat hat der Verstorbene wohl uns allen mitgegeben!

Die Ernte unseres Lebens wird immer Stückwerk sein – aber wir dürfen sie Gott in die Hände geben, in der Hoffnung, dass er unser Stückwerk vollendet. In diesem Glauben und in dieser Hoffnung hat der Verstorbene unter uns als Mensch, Christ und Priester gelebt und gewirkt – wir danken ihm dafür und empfehlen ihn der Güte und Barmherzigkeit Gottes!
Lieber Mitbruder Aladár!
Ich habe heute bewusst das Evangelium von der Verklärung Jesu gewählt, weil ich mich dabei an eine Deiner großartigen Predigten im Seminar erinnere, wo Du als bescheidener Mensch, der viel auf das Essen gehalten hat, gesagt hast: „Da hat dieser Jünger den Herrn nichts anderes zu fragen als – Herr, sollen wir hier drei Hütten bauen und vielleicht auch noch ein Buffet dazu!“ Nimm jetzt Platz am Tisch des Herrn, wo Du nach einem langen und erfüllten Leben von allen Mühen ausruhen und für immer am Hochzeitsmahl teilnehmen darfst!

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