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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Freitag, 24. Oktober 2014

Requiem für EKR Alexander Unger, St. Margarethen - 23. Oktober 2014

Das Leben des Menschen wird gerne mit einem Buch verglichen. Die Seiten des Buches entsprechen den Tagen, Wochen, Monaten und Jahren des Lebens. Wir alle wünschen uns so gesehen dicke Bücher, also ein langes Leben. Wir alle sind tief betroffen und erschüttert, wenn jemand zu früh, in jungen Jahren oder gar überraschend stirbt. Ein Sprichwort sagt: „Wenn ein älterer Mensch stirbt, dann ist es so, als ob eine ganze Bibliothek verbrennen würde.“ Wir alle aber wissen: Gute Bücher müssen nicht immer dick sein. Und dicke Bücher können oft inhaltsarm und langweilig sein. Der Vergleich will sagen: Gott liest unser Leben eher nach den Inhalten und weniger nach dessen Länge.

Ein jeder von uns schreibt mit seinem Leben ein persönliches Buch. Diesem Buch wird jeden Tag des Lebens eine neue Seite hinzugefügt. Von der Geburt an bis zu seinem Tod schreibt der Mensch Tag für Tag am Buch seines Lebens. Manchmal schreibt er es mit schönen, geraden, goldenen Buchstaben – das sind die Tage, an denen er nicht nur an sich selbst, sondern auch an andere denkt, fröhliche Tage, an denen er glücklich ist und es ihm gut geht. Es gibt aber auch Tage, an denen seine Liebe zu Gott und den Mitmenschen erkaltet, er von Krankheit, Leid und Not heimgesucht wird. Diese Zeiten werden meist mit schiefen, krummen Lettern in seinem Lebensbuch vermerkt. Außerdem kann es auch vorkommen, dass das Lebensbuch des Menschen leere Seiten enthält, denn das Gute, das zu tun war, wurde versäumt. Einmal wird dieses Buch im Ganzen vorgelesen, und zwar bei der Begegnung mit dem allwissenden Gott am Jüngsten Tag – die Lesung aus der Offenbarung des Johannes erinnerte uns daran! Nach diesem Buch wird der gerechte und barmherzige Gott dann das richtige Urteil über unser Leben fällen.

Es gibt wohl keinen treffenderen Vergleich als den des Buches, mit dem man das Leben und Wirken unseres verstorbenen Mitbruders EKR OStR Alexander Unger umschreiben könnte. Der Verstorbenen liebte Bücher, er verschlang sie, lehrte damit andere, er gehörte zu den belesensten Priestern unserer Diözese. Sein persönliches Lebensbuch begann er mit seiner Geburt am 18. Jänner 1939 hier in seiner Heimatpfarre St. Margarethen zu schreiben. Nach seiner Schul- und Studienzeit wurde er am 29. Juni 1963 im Martinsdom zum Priester der Diözese Eisenstadt geweiht. Weitere Seiten seines Lebensbuches waren in den Pfarren Mattersburg, Neusiedl/See, Winden am See, Assistent beim bekannten Pastoralthelogen Prof. Klostermann an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien, Rektor vom Haus der Begegnung in Eisenstadt, Jugendseelsorger, Mithilfe in Kleinhöflein sowie bis 1993 Stadtpfarrer in Rust und Pfarrer in Mörbisch. Nach Beendigung der pfarrlichen Tätigkeit wirkte er in vielen Bereichen der kategorialen Seelsorge – seine große Liebe galt dem Katholisches Bibelwerk so-wie dem Bereich Kirche, Kunst und Kultur – vor allem aber widmete er sich in seiner Tätigkeit als Professor für Religionspädagogik an der PÄDAK Burgenland, die er mit Kompetenz und Leidenschaft bis zu seiner Pensionierung wahrnahm. Seine Liebe galt auch der Gemeinschaft Cenacolo in Kleinfrauenhaid, die er seelsorglich betreute und die auch ihm gerade in den Tagen des Alters und der Krankheit eine große Stütze, Heimat und Hoffnung war.

Heute nehmen wir Abschied von unserem lieben Mitbruder Alexander, der mit seinen 76 Lebensjahren und 52 Priesterjahren ein dickes, interessantes und originelles Lebensbuch geschrieben hat. Seinem Lebensbuch gebe ich den Titel: Auf der Suche nach der Liebe Gottes. Sein ganzes Leben war ein Suchen dieser Liebe – im Buch der Bücher der Bibel, die er meditierte, im Messbuch, wenn er als Priester die Liturgie feierte, im Brevier, das er betete, in philosophischen, theologischen und religionspädagogischen Büchern, die er selber studierte und anderen vermittelte, in Büchern der Literatur, Kunstgeschichte und Zeitungen. Mit seinem Tod ist – wie das Sprichwort sagt – eine Bibliothek verbrannt. Als Priester und Professor hat er viele Jahrzehnte unsere Diözese mit seinem Glauben, Wissen und vielfältigen Talenten bereichert, wofür ich ihm als Bischof, Mitbruder und Freund heute von Herzen DANKE und Vergelt´s Gott sage!

Mögen die guten Seiten seines Lebensbuches bei Gott reiche Früchte tragen! Die fehlenden und dunklen Seiten seines Lebensbuches möge Gott in seiner Liebe und Barmherzigkeit ergänzen! Möge Gott ihn nun für immer in das Lebensbuch einschreiben, damit er nach dieser Pilgerschaft auf Erden nun am himmlischen Mahl teilnehmen darf, wo ihm eine ewige Wohnung bereitet ist! Allen, die ihm im Leben Liebe geschenkt haben, besonders den Verwandten, die sich um ihn gerade in den Tagen der Krankheit liebevoll gesorgt und allen, die für ihn gebetet haben, möge Gott alles reichlich vergelten!

Lieber Alexander, möge nun Dein wissbegieriges, fragendes, suchendes, emotional wankendes und oft unruhiges Herz nun in Gott seine Ruhe finden! Amen.

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