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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 13. Oktober 2014

Predigt anlässlich der Priesterweihe von P. Hans-Ulrich Möring OT - 12. Oktober 2014

Lieber Weihekandidat!
Liebe Schwestern und Brüder!

Die Lesungen dieses Sonntags erzählen von einem gemeinsamen Festmahl aller Völker auf dem Berg Zion – so die 1. Lesung aus dem Buch Jesaja – und – im Matthäusevangelium – von der Einladung des Königs zum Hochzeitsmahl. Eine Hochzeit war im Orient ein mehrtägiges Fest mit einem üppigen Mahl. Eine Hochzeit bei uns im Burgenland kennt bis heute einen ausgiebigen, mehr-gängigen Speiseplan: verschiedene Suppen, Rindfleisch mit Semmelkren, Wie-ner Schnitzel, Schweinsbraten, Backhuhn, Puszta-/Champignon-/Naturschnitzel mit Reis, Pommes und Salaten, köstliche Torten und Mehlspeisen, erlesene Weine. Und zu später Stunde dann noch ein Gulasch, eine kalte Platte und noch manch anderes mehr.

Lieber P. Hans-Ulrich, das Wort Gottes der Hl. Schrift am Tag Deiner Priester-weihe ist wahrlich auf Dich zugeschnitten, Dir von Gott persönlich geschenkt und zugesprochen. Dein Gott kennt Dich, so scheint´s, durch und durch! Du hast mich als Zeremoniär 3 Jahre lang durch die Diözese Eisenstadt und darüber hinaus begleitet und so bei Visitationen, Firmungen und anderen Feiern an vielen Festtafeln und Hochzeitsmählern teilgenommen. Dabei hast Du mich nicht nur liturgisch entlastet, sondern mir auch beim Essen sehr geholfen, mit Deinem gesegneten Appetit die pannonischen Herausforderungen zu bestehen. Nach diesen Jahren, die ich nicht missen möchte, bin ich mir sicher, dass die Gnade Gottes bei Dir auf eine gesunde Natur aufbauen kann!

Lieber P. Hans-Ulrich, Du wirst in dieser Stunde als Ordensmann zum Priester der Kirche geweiht. Was wird Dir damit anvertraut? Priestersein ist vor allem ein dreifacher Dienst:

Der erste: Du sollst die Menschen zum Tisch des Wortes führen!
Die erste Aufgabe des Priesters als Mitarbeiter des Bischofs ist es, allen Men-schen die frohe Botschaft Gottes zu verkünden. Das ist sein Verkündigungsdienst. Was das bedeutet, ist sehr schön ausgedrückt in einem Ritus in der Bischofsweihe, wo dem Weihekandidaten während der Weihepräfation das Evangelienbuch auf den Kopf gelegt wird, gleichsam als Last, die er zu tragen hat. Weil in der Bischofsweihe die Fülle des Priestertums übertragen wird, wird in diesem Ritus auch am deutlichsten, was das Priestertum ist: Der Weihekandidat wird von der Fülle des Evangelienbuchs auf seinem Kopf regelrecht verdeckt, es verschwindet sein eigenes Gesicht unter dem Wort, das auf ihn gelegt wird. Dies ist ein mächtiges Zeichen dafür, dass der Geweihte bei der Verkündigung des Wortes Gottes fortan nicht im eigenen Namen und Auftrag handeln kann, sondern nur im Namen und Auftrag Jesu Christi und dessen Wortes. Der Priester wird nicht geweiht, um seine eigenen Meinungen, Einsichten und Visionen vorzutragen, sondern um das Wort Gottes zu verkünden. Oder um es mit Augustinus zu sagen: der Priester ist wie Johannes der Täufer „die Stimme“, während Christus „das Wort“ ist.

Doch noch etwas sagt uns die Geste des Auflegens des Evangelienbuches: es verdeckt nicht nur das Gesicht des zu Weihenden, sondern es deckt ihn auch als ganzen Menschen zu und gibt ihm ein Dach der Obhut und des Schutzes für ihn selbst. Der Priester muss in seinem Verkündigungsdienst immer wieder Schutz unter dem Wort Gottes suchen. Er kann das Wort Gottes nur zu den Menschen tragen, wenn er selbst ein offenes Gefäß des Wortes Gottes ist. Der Priester kann das Wort Gottes nicht bloß „zur Kenntnis nehmen“ – Nein, er muss es als geistliche Speise verdauen und es sich dabei selbst so aneignen, dass es sein persönliches, authentisches Wort werden kann. Nur so kann er es weitergeben und zu den Menschen tragen, in einer verständlichen Sprache und in einem verträglichen Maße.

Lieber Hans-Ulrich, iss, verschlinge, verdaue täglich Gottes Wort – und Du wirst als Priester vom Tisch des Wortes leben und andere zu ihm führen können!

Dein zweiter Dienst: Du sollst als Priester die Menschen zum Tisch des Brotes führen!
Der Priester steht als Liturge im Dienst der Feier der Sakramente und damit im Dienst der Heiligung der Menschen. In Anlehnung an das Neue Testament und an die älteste kirchliche Tradition wird der besondere Dienst des Priesters in der Feier der Eucharistie mit dem Wort „Vorstehen“ bezeichnet. Die Aufgabe des Priesters besteht somit darin „den Dienst des Hausvaters zu tun und der Familie Gottes das Tischgebet ... zu sprechen.“ Von daher leuchtet der Sinn der katholischen Glaubensüberzeugung auf, dass die Feier der Eucharistie an die Vorsteherschaft des sakramental geweihten Priesters gebunden ist. Denn er hat in Erinnerung zu rufen und zu garantieren, dass die Eucharistie nie aus der einzelnen Gemeinde heraus entsteht, sondern Geschenk Jesu Christi an seine Kirche ist. Der Priester steht daher dann am intensivsten im Dienst der Gemeindeleitung, wenn er der Eucharistie vorsteht. In seinem Dienst und in seinem Leben muss daher vor allem und über allem die Feier der Eucharistie einen zentralen Platz einnehmen.

Lieber Hans-Ulrich, führe die Dir anvertrauten Menschen in der Feier der Eucharistie und der Sakramente als Liturge zum Tisch des Brotes und Du wirst als Priester so den Dienst der Heiligung erfüllen! Wann immer Du die heilige Messe feierst: „Bedenke, was du tust, ahme nach, was du vollziehst und stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes!“
Dein Ordenshalskreuz erinnert Dich daran! Es erinnert Dich aber auch an Deine Ordensgelübde – das Kreuz an den Gehorsam, die Schlange an die Keuschheit und der Geldsack an die Armut!

Obwohl Du heute zum Priester geweiht wirst, bleibst Du doch auch für immer Diakon, das heißt: Du sollst den Tisch für die Armen decken – oder wie Papst Franziskus sagt: „Vergesst die Armen nicht!“ Dies, lieber Hans-Ulrich, ist der dritte Dienst, der Dein Priestertum vervollkommnen soll. Denn priesterlicher Dienst, der nicht von Caritas, vom Liebesdienst am Nächsten, von der konkreten guten Tat bezeugt wird, ist unglaubwürdig, unfruchtbar, wertlos. Gerade der hl. Martin, in dessen Patroziniums-Domkirche in Eisenstadt Du im Vorjahr die Diakonenweihe empfangen hast, möge Dich und uns alle stets daran erinnern, die Armen nicht zu vergessen!

Lieber P. Hans-Ulrich, Du wirst nun die Priesterweihe empfangen und damit von der Kirche gesandt, die Menschen ein Leben lang zu Tisch zu führen:
- Du wirst zum Tisch des Wortes und zum Tisch des Brotes führen; Du wirst denen, die arm sind, den Tisch decken;
- Du wirst als Priester die Menschen zum Festmahl auf dem Berg Zion hinweisen, sie begleiten, zum Hochzeitsmahl mit dem König einladen.
- Du sollst ihnen zeigen und vorleben, was Glaube im Sinne des eben gehörten Evangeliums heißt: Gottes Einladung vernehmen, sie annehmen und ihr folgen. Mit Deiner Ordensprofess, Diakonen- und Priesterweihe tust Du das mit Deinem ganzen Leben – jetzt sollst Du „aus dem Reichtum Seiner Herrlichkeit andere beschenken.“
- Und: Du sollst den geistlichen Speiseplan zuerst selbst verkosten, um ihn dann auch den anderen schmackhaft zu machen auf eine gesunde Weise und in erträglichem Maß! Wenn Du diesen Weg besonnen, konsequent und in Liebe gehst, wirst auch Du mit dem Apostel Paulus in der 2. Lesung aus dem Philipperbrief sagen können: „Ich weiß Entbehrungen zu ertragen und ich kann im Überfluss leben. Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.“

Lieber Weihekandidat! Was soll und kann ich Dir als Bischof, Mitbruder und Freund in dieser Stunde wünschen und raten?

Zuerst gratuliere ich Dir von Herzen zu Deinem Entschluss, in einer Zeit wie der heutigen Priester zu werden, und verspreche Dir die Begleitung im Gebet! Dem schließen sich wohl auch Deine lieben Eltern, Dein Bruder mit seiner Familie, die Verwandten und Freunde, Deine Heimatpfarre, Deine Ordensfamilie, unsere Diözesanfamilie von Eisenstadt mit den Pfarren Eisenstadt-Oberberg und Kleinhöflein sowie alle Mitfeiernden von Herzen an!

Besondere Segenswünsche darf ich Dir von Papst Franziskus übermitteln sowie von Papst Benedikt, Deinem Landsmann, der Dir, unserem Liturgiereferenten in der Diözese, sein Buch mit dem Titel „Der Geist der Liturgie – Eine Einführung“ persönlich signiert hat!

Als Bischof danke ich Dir von Herzen für Deinen Dienst in der Diözese Eisenstadt, vor allem als mein erster Zeremoniär und Leiter unseres Liturgiereferates, besonders für Deine kompetente Arbeit, all Deine Hilfen, Deine Freundschaft und Dein Vertrauen! Zeichen meines Dankes und unserer Verbundenheit ist diese Reliquie des seligen Ladislaus Batthyány-Strattmann in der Form Deines Deutschordenskreuzes, die ich Dir schenke. Der selige Arzt der Armen möge Dich immer an die Diözese Eisenstadt erinnern und Dir in Deinem Dienst Wegweiser, Helfer und Fürsprecher sein! Ich danke aber auch Deiner Ordensleitung, dass sie Dich uns für eine Zeit anvertraut hat – möge es dem Orden und unserer Diözese zum Segen sein!

Mein persönlicher Rat für Deinen priesterlichen Dienst folgt dem Rat, den Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben „Evangelii gaudium“ den Hirten der Kirche gegeben hat: sie sollen dem Volk Gottes vorangehen; sie sollen in-mitten des Volkes Gottes stehen; sie sollen dem Volk Gottes auch nachgehen! Mach Dir das in Deinem priesterlichen Dienst zueigen!

Wenn Du auf Deinem Weg als Priester die Menschen zum Festmahl mit dem König einlädst und begleitest, dann lass sie an Deinem Appetit am Speiseplan Gottes teilhaben, führe sie zum Tisch des Wortes und des Brotes und decke den Tisch für die Armen!
Lieber Hans-Ulrich, lade alle, die Du auf Deinem priesterlichen Lebensweg triffst, zur Hochzeit ein – aber hab mit Dir selber und mit den Menschen Geduld und sei barmherzig!

Mit Maria, der Rosenkranzkönigin, erbitten wir jetzt Gottes Heiligen Geist für Dich, damit er Dich in Deinem Dienst begleite und stärke!
Amen.

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