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Nachrichten - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Nachrichten und Predigten

© Diözese Eisenstadt/Gerald Gossmann

Montag, 6. Oktober 2014

Predigt anlässlich der Priester- und Diakonenweihe im Stift Heiligenkreuz - 5 Oktober 2014

Lieber Vater Abt Maximilian, abbas emeritus Gregor und Gerhard mit den Mitbrüdern des Konventes vom Stift Heiligenkreuz!
Liebe Mitbürger im priesterlichen und diakonalen Dienst, ehrwürdige Schwestern!
Liebe Weihekandidaten zum Presbyterat und Diakonat mit Euren Verwandten – Ngoi chen tschúa Jesu Kito; Ka tien tschug wa áeng tschi em than men; Tscha raat wui wi hom nei tschung da kung long tschong gg heing teing le nei!
Zum festlichen Weihegottesdienst versammelte Schwestern und Brüder im Herrn!

Wir feiern in diesen Wochen in unseren Pfarrgemeinden das Erntedankfest.
Wir feiern heute mit dem Konvent dieses altehrwürdigen Stiftes Heiligenkreuz das Fest der Priester- und Diakonenweihe – in gewisser Weise auch Erntedank. Wir feiern Eucharistie und sagen dabei Gott Dank für die Schöpfung und Erlösung, vor allem aber für das Geschenk des Lebens und der Berufung unserer Mitbrüder zum Ordensleben sowie in den priesterlichen und diakonalen Dienst.
Erntedank und Priester- und Diakonenweihe – wir feiern beides in der Eucharistie. In der Eucharistie ist verdichtet, was priesterlicher, diakonaler, kirchlicher Dienst ist. Mit 3 Stichworten will ich versuchen trotz Problemen/Wandlungen, das Bleibende des Priesters/Diakons hervorzuheben und mit euch zu überdenken.

Der Priester/Diakon ist erstens Zeuge des Evangeliums Jesu Christi.
Die Botschaft von Jesu Leben, Tod und Auferstehung kann kein Mensch erdichten und sich selbst sagen, er kann sie sich nur sagen lassen, dankbar empfangen. Ein Priester/Diakon steht deshalb zuerst im Dienst der Verkündigung des Evangeliums. Er propagiert nicht eigene Ansichten und Meinungen, sondern er ist demütiger Diener dieser Wahrheit, in die er hineinwächst, von der er sich formen lässt und die er überzeugend oft gegen den Trend der Zeit weitergibt. Wer aber wirklich für das Evangelium Zeugnis ablegen will, muss von der Wahrheit des Evangeliums selbst überzeugt sein. Von solchem Überzeugtsein her lässt sich auch das ableiten, was wir als Mission/Evangelisierung bezeichnen. Das Geheimnis der Mission heißt: Wes des Herz voll ist, des geht der Mund über. Wenn uns heute oft der Mund in religiösen Dingen nicht übergeht, müssen wir uns die Frage stellen, ob unser Herz noch voll genug ist.
Braucht es heute so gesehen nicht eine neue missionarische Anstrengung in unserer Kirche, Pfarrgemeinden, Familien – Christen, Männer und Frauen, vor allem aber auch Priester, Diakone, Ordensleute als Zeugen des Evangeliums?

Der Priester/Diakon ist zweitens Treuhänder.
Ihm ist ein Erbe anvertraut, das er weiterzugeben hat, und zwar ohne sich anzupassen, aber auch ohne eigenwillige und selbst erfundene Zusätze. Dieses Erbe gibt er vor allem weiter in der Liturgie. Denn im Gottesdienst der Kirche wird uns Menschen am deutlichsten bewusst, dass wir den Glauben nicht selbst herstellen, dass wir ihn nur empfangen und weitergeben können. Der Priester als Vorsteher der Liturgie ist berufen und verpflichtet, es sinnenfällig zu machen, dass der Gottesdienst nicht einfach nur eine Veranstaltung der Kirche ist, sondern dass Christus der eigentliche Gastgeber im Gottesdienst ist, den der Priester repräsentieren darf. Und es versteht sich von selbst, dass ein Treuhänder seine Aufgabe nur erfüllen kann, wenn er selbst treu ist, wenn er sich in das Erbe, das ihm aufgetragen und anvertraut ist, einwurzelt und es glaubwürdig lebt.
Wenn gerade heute so vieles in Brüche geht, ist das nicht ein Zeichen dafür, dass uns in Kirche und Gesellschaft Treuhänder fast abhanden gekommen sind?

Der Priester/Diakon ist drittens auch ein Gärtner.
Seine Aufgabe besteht darin, zu pflegen, zu hüten und zu bebauen. Seelsorgliche Arbeit ist also im biblischen Sinne des Wortes Gärtnerarbeit. Dabei wissen wir alle aus eigener Erfahrung, dass es im Garten Gottes verschiedene Gewächse gibt und es nicht immer leicht ist, mit allen zurechtzukommen. Es sind oft tiefere Grabungen in der Erde notwendig, damit der Boden wieder neue Luft erhält. In alledem muss uns das Wort des Apostels Paulus wichtig sein: „Nicht der ist etwas, welcher pflanzt, noch der, welcher begießt, sondern Gott, der das Wachsum gibt.“ Alle seelsorgliche Arbeit hat sich dessen bewusst zu sein, dass das Wachsen-Lassen nicht ihre Aufgabe ist, sondern dass es die Sache Gottes ist, unsere Aufgabe aber im Bebauen, Begießen und im Pflanzen besteht.
Braucht es nicht gerade heute in Kirche und Gesellschaft mehr solche Gärtner?

Lieber P. Ägidius, P. Gregor, P. Paulus, P. Justinus und P. Severin – Ihr werdet in dieser Stunde von der Kirche geweiht und gesandt als Priester und Diakone heute Zeugen, Treuhänder und Gärtner zu sein! Was soll und kann ich Euch als Bischof mitgeben auf den Weg der Nachfolge des Herrn? Im Blick auf die Lesungen des heutigen Sonntags sind es vor allem 3 Ratschläge:
Ihr seid – um es mit Jesaja zu sagen – berufen, geweiht und gesandt im Weinberg des Herrn, der Kirche, zu arbeiten und Ihr seid die Reben, die er zu seiner Freude gepflanzt hat! Seid Euch dessen immer bewusst und fürchtet Euch nicht aus Taufe, Firmung und Weihe heraus Zeugen des Evangeliums zu sein!
Mit dem Apostel Paulus in der 2. Lesung an die Philipper rufe ich Euch zu: Brüder! Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott! Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt, wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft mit Christus Jesus bewahren – oder mit anderen Worten – seid und bleibt Treuhänder Christi!
Im Evangelium ist die Rede von den Winzern im Weinberg des Herrn – Ihr seid diese Winzer/Pächter, bringt als aufmerksame, umsichtige Gärtner gute Früchte!
Heute am Beginn der Bischofssynode in Rom u. als Bischof einer Martinsdiözese darf ich noch etwas hinzufügen – sorgt Euch um die Familien und die Armen!

Maria, die Rosenkranzkönigin, ist Vorbild als Zeuge, Treuhänder und Gärtner – sie begleite Euren Dienst als Priester und Diakone mit ihrem mütterlichen Segen!
Erbitten wir nun Gottes Geist für Euer Wirken im Weinberg des Herrn! Amen.

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